Pflanze
Leinsamen
Linum usitatissimum
Auch bekannt als: Leinsaat, Flachssamen, Lein, Lini semen
Kurz erklärt
Leinsamen sind die getrockneten, reifen Samen des Leins (Linum usitatissimum), aus dem auch Leinöl und die Faser Leinen gewonnen werden. Nach dem Bewertungsbericht der EMA bestehen sie zu knapp einem Viertel aus Quell- und Ballaststoffen, darunter Schleimstoffe, zu 30 bis 45 Prozent aus fettem Öl und zu 20 bis 27 Prozent aus Eiweiß. Dazu kommen Lignan-Vorstufen, die Darmbakterien in östrogenartig wirkende Stoffe umwandeln, und cyanogene Glykoside, aus denen beim Zerkleinern Blausäure frei werden kann.
Im Darm binden die Schleimstoffe Wasser und quellen auf. Nach der EU-Monographie wird der Stuhl dadurch weicher und mehr, die Dehnung regt die Entleerung an, und der Schleim macht den Weg durch den Darm gleitfähiger. Das Öl der Samen ist reich an der Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure; sie hat eine eigene Seite, diese Seite behandelt die ganzen Samen.
Die EU-Monographie führt Leinsamen als pflanzliches Arzneimittel mit anerkannter medizinischer Verwendung bei Verstopfung und als traditionelles Arzneimittel bei leichten Magen-Darm-Beschwerden. Was Studien darüber hinaus zeigen, steht bei den Anwendungen.
Leinsamen sind ein übliches Lebensmittel. Für ganze, geriebene, gemahlene, geknackte oder gehackte Leinsamen legt das EU-Recht nach dem BfR einen Höchstgehalt an Blausäure fest, dazu Höchstgehalte für Cadmium. Als Arzneimittel richten sich Leinsamen nach der EU-Monographie und den Anforderungen des Europäischen Arzneibuchs. Für Leinsamen selbst ist in der EU keine Gesundheitsaussage zugelassen; was für Alpha-Linolensäure gilt, steht auf deren Seite.
Wofür
Bluthochdruck
- Erste Hinweise
Begleitend, ersetzt keine ärztliche Behandlung. In einer Metaanalyse von 33 randomisierten Studien sank mit Leinsamenprodukten der obere Blutdruckwert im Mittel um gut 3 mmHg und der untere um gut 2,5 mmHg, stärker bei Menschen mit Bluthochdruck und bei längerer Einnahme. Eine ältere Metaanalyse fand eine kleinere Senkung, beim unteren Wert vor allem mit ganzen Samen und ab zwölf Wochen.
Was dagegen spricht
Die Ergebnisse der Studien unterscheiden sich sehr stark, und die untersuchten Produkte reichen von ganzen Samen über Öl bis zu Lignan-Präparaten. Größere Effekte zeigten sich mit Mengen ab 30 g am Tag, mehr als das BfR für Leinsamen als Lebensmittel empfiehlt. Die Studien maßen den Blutdruck, nicht Schlaganfälle oder Herzinfarkte. Blutdruckmedikamente änderst du nur in Absprache mit deiner Praxis.
Erhöhtes Cholesterin
- Teilweise belegt
Begleitend, ersetzt keine ärztliche Behandlung. In einer Metaanalyse von 28 randomisierten Studien senkten ganze Leinsamen Gesamt- und LDL-Cholesterin leicht, Leinöl nicht gesichert; deutlicher war das bei Frauen nach den Wechseljahren und bei hohem Ausgangscholesterin. Eine neuere Metaanalyse von 62 Studien fand im Mittel etwa 4 mg/dl weniger LDL-Cholesterin und etwa 9 mg/dl weniger Triglyceride.
Was dagegen spricht
Die Senkung ist klein, und die Produkte, Mengen und Teilnehmenden der Studien unterscheiden sich stark. Nach dem Bewertungsbericht der EMA sind die Daten nicht schlüssig genug für eine Anwendung bei erhöhten Blutfetten. Ob Leinsamen Herzinfarkte oder Todesfälle verhindern, zeigen diese Studien nicht; sie maßen nur die Blutfette. Medikamente änderst du nur in Absprache mit deiner Praxis.
Magenschmerzen
- Traditionell genutzt
Die EU-Monographie führt Leinsamenschleim als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung leichter Magen-Darm-Beschwerden, allein auf Grundlage langer Anwendung. Dafür werden die Samen in Wasser eingeweicht, bis sie ausgequollen sind, und der Schleim wird eine halbe Stunde vor dem Essen getrunken. Die EMA hält das für plausibel, weil der Schleim die Schleimhaut überziehen und schützen kann.
Was dagegen spricht
Kontrollierte Studien gibt es nicht. Die EMA kennt nur eine unkontrollierte Pilotstudie mit 70 Menschen mit Oberbauchbeschwerden über drei Tage, in der die Beschwerden zurückgingen; ohne Vergleichsgruppe lässt sich daraus keine Wirkung ableiten. Bleiben die Beschwerden länger als eine Woche, gehören sie ärztlich abgeklärt.
Reizdarm
- Erste Hinweise
In einer randomisierten Studie mit 55 Menschen mit Reizdarm vom Verstopfungstyp linderten geschrotete Leinsamen über drei Monate Verstopfung, Blähbauch und Schmerzen stärker als Flohsamen; die Wirkung zeigte sich erst nach zwei bis drei Monaten. Die EMA wertet das als Beleg für die Anwendung bei Verstopfung, nicht beim Reizdarm insgesamt.
Was dagegen spricht
Eine offene Pilotstudie mit 40 Menschen mit Reizdarm fand mit ganzen oder geschroteten Leinsamen keinen gesicherten Unterschied zur Gruppe ohne Leinsamen, auch nicht bei Häufigkeit und Beschaffenheit des Stuhls. Nach dem Bewertungsbericht der EMA reichen die Daten für den Reizdarm nicht. Ballaststoffe können Blähungen verstärken. Ein Reizdarm sollte ärztlich festgestellt sein.
Verstopfung
- Teilweise belegt
Die EU-Monographie erkennt Leinsamen als bewährtes pflanzliches Arzneimittel bei gewohnheitsmäßiger Verstopfung an, immer mit reichlich Flüssigkeit; die Wirkung setzt meist nach 12 bis 24 Stunden ein. Die EMA stützt das auf drei offene Studien und eine randomisierte Studie, in der Leinsamen Verstopfung und Bauchbeschwerden stärker linderten als Flohsamen. In einer neueren Studie wirkte Leinsamenmehl über vier Wochen ähnlich wie Lactulose, in einer weiteren besserten gebackene Leinsamen die Verstopfung stärker als Placebo.
Was dagegen spricht
Die Studien sind klein, oft offen oder nur einfach verblindet, und eine Metaanalyse eigens zu Leinsamen gibt es nicht. Die Studie mit Lactulose hatte keine Placebogruppe und nutzte 50 g am Tag, mehr als das BfR für Leinsamen als Lebensmittel empfiehlt. Die Studie mit Placebo lief nur mit Menschen mit Typ-2-Diabetes. Blähungen sind häufig, und mit zu wenig Flüssigkeit droht ein Darmverschluss.
Wechseljahresbeschwerden
- Studien sprechen dagegen
Leinsamen enthalten Lignan-Vorstufen, aus denen im Darm östrogenartig wirkende Stoffe entstehen; deshalb wurden sie gegen Hitzewallungen untersucht. In einer großen doppelblinden Studie mit 188 Frauen gingen die Hitzewallungen mit einem Leinsamenriegel über sechs Wochen aber nicht stärker zurück als mit Placebo. Ein systematischer Review von neun Studien sah nur einen statistisch nicht gesicherten günstigen Trend.
Was dagegen spricht
Die große Studie prüfte nur eine Zubereitung über sechs Wochen, und die Autorinnen und Autoren des Reviews fordern weitere Studien. Wegen der möglichen östrogenartigen Wirkung rät die EU-Monographie Frauen mit hormonabhängigen Tumoren von Leinsamen ab.
Anwendung
Formen und Einnahme
- Ganze oder angequetschte SamenBei Verstopfung immer mit reichlich Flüssigkeit. Ganze und angequetschte Samen quellen nach der EU-Monographie verzögert und geben nach dem Bewertungsbericht der EMA wohl weniger Cadmium frei; der Bericht zieht sie deshalb vor. Aus ganzen Samen wird nach dem BfR keine Blausäure frei.
- Geschrotete oder gemahlene SamenBeim Schroten und Mahlen setzen Enzyme der Samen aus den cyanogenen Glykosiden Blausäure frei. Für Erwachsene hält das BfR 15 bis 20 g geschrotete rohe Leinsamen am Tag für unbedenklich, Kleinkinder sollen besser keine bekommen. Backen und Kochen senken das Risiko. Gebrochene Samen quellen nach der EU-Monographie zum Teil schon im Magen und dehnen den Darm dann weniger.
- LeinsamenschleimGanze oder gebrochene Samen werden in Wasser eingeweicht, bis sie ausgequollen sind; getrunken wird der Schleim mit oder ohne die Samen. Nach der EU-Monographie ein traditionelles Arzneimittel bei leichten Magen-Darm-Beschwerden, das allein auf langer Anwendung beruht. Gegen Verstopfung ist der Schleim nach der EMA nicht belegt.
- LeinölDas gepresste Öl enthält keine Schleim- und Ballaststoffe und gehört nicht zur EU-Monographie. Es liefert vor allem Alpha-Linolensäure. In einer Metaanalyse senkte Leinöl, anders als ganze Leinsamen, das Cholesterin nicht gesichert.
- Umschläge auf der HautWarme Leinsamen-Umschläge sind seit der Antike überliefert. Die EMA hält die Daten dazu für nicht ausreichend und hat Umschläge nicht in die EU-Monographie aufgenommen.
Bei Verstopfung nimmst du Leinsamen nach der EU-Monographie mit reichlich Flüssigkeit, etwa 150 ml Wasser, Milch oder Saft je Gabe, und trinkst auch über den Tag genug. Nimm sie tagsüber und nicht direkt vor dem Schlafengehen, mit einer halben bis einer Stunde Abstand zu anderen Arzneimitteln. Die Wirkung setzt meist nach 12 bis 24 Stunden ein, manchmal erst nach zwei bis drei Tagen voll. Hält die Verstopfung länger als drei Tage an, frag ärztlich oder in der Apotheke nach; beim Leinsamenschleim gilt das, wenn die Beschwerden länger als eine Woche bleiben.
Die Mengen der Monographie, bis zu 45 g am Tag, gelten für Arzneimittel, deren Samen die Grenzwerte des Europäischen Arzneibuchs einhalten, auch für Cadmium. Sie liegen über dem, was das BfR für Leinsamen als Lebensmittel empfiehlt: höchstens 20 g am Tag für Erwachsene wegen Cadmium, bei geschroteten rohen Samen wegen der Blausäure 15 bis 20 g. Wer Leinsamen über längere Zeit in größeren Mengen nehmen möchte, bespricht das ärztlich oder in der Apotheke. Alle Mengen stehen in der Dosis-Übersicht.
Dosis-Übersicht
| Grundlage | Menge | Einordnung |
|---|---|---|
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 10–15 g Einzeldosis | Jugendliche ab 12 Jahren, Erwachsene und Ältere · Samen mit je 150 ml Wasser, Milch, Saft oder einer ähnlichen Flüssigkeit, zwei- bis dreimal täglich, danach genug trinken; anerkannte medizinische Verwendung nach der EU-Monographie bei gewohnheitsmäßiger Verstopfung und wenn weicher Stuhl erwünscht ist. Tagsüber, nicht direkt vor dem Schlafengehen, mit einer halben bis einer Stunde Abstand zu anderen Arzneimitteln. Hält die Verstopfung länger als drei Tage an, ärztlichen oder Apotheken-Rat suchen. Für Kinder unter 12 Jahren nicht empfohlen. Das sind bis zu 45 g am Tag, mehr als die höchstens 20 g, die das BfR für Leinsamen als Lebensmittel empfiehlt; die Monographie setzt Samen in der Qualität des Europäischen Arzneibuchs voraus. Quelle: Quelle 7 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 5–10 g Einzeldosis | Jugendliche ab 12 Jahren, Erwachsene und Ältere · Ganze oder gebrochene Samen in 250 ml Wasser eingeweicht, bis sie ausgequollen sind, als Schleim eine halbe Stunde vor dem Essen, bis zu dreimal am Tag; traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei leichten Magen-Darm-Beschwerden, die allein auf langer Verwendung beruht. Bleiben die Beschwerden länger als eine Woche, ärztlich abklären lassen. Für Kinder unter 12 Jahren nicht empfohlen. Quelle: Quelle 7 |
| Sichere HöchstmengeObergrenze, z. B. von EFSA oder BfR | 20 g pro Tag | Erwachsene · Höchstmenge, die das BfR für Leinsamen als Lebensmittel empfiehlt, um die Aufnahme von Cadmium zu begrenzen. Für geschrotete rohe Leinsamen hält es wegen der Blausäure 15 bis 20 g am Tag für unbedenklich und rät von größeren Mengen roh ab. Quelle: Quelle 3 |
| Sichere HöchstmengeObergrenze, z. B. von EFSA oder BfR | 4 g pro Tag | Kinder ab 4 Jahren · Rohe, geschrotete Leinsamen; diese Menge, etwa ein gestrichener Teelöffel, gilt nach dem BfR als unbedenklich. Kleinkinder sollen besser keine rohen, geschroteten Leinsamen bekommen, weil sie empfindlicher auf Blausäure reagieren. Quelle: Quelle 3 |
| In Studien genutztSpanne aus ausgewerteten Studien | 6–24 g pro TagÜber der Höchstmenge | Erwachsene mit Reizdarm vom Verstopfungstyp · Grob geschrotete, teilweise entölte Leinsamen in der randomisierten Studie, auf die sich der Bewertungsbericht der EMA für die Verstopfung stützt; im Mittel nahmen die Teilnehmenden 17 g am Tag, über drei Monate und länger. Die Wirkung zeigte sich dort erst nach zwei bis drei Monaten. Eine Studienmenge, keine Empfehlung dieser Seite: Sie reicht über die höchstens 20 g am Tag, die das BfR für Leinsamen als Lebensmittel empfiehlt. Zu viel führt am häufigsten zu Blähungen und Bauchbeschwerden.
Quelle: Quelle 6 |
Keine persönliche Dosisempfehlung. Sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke, besonders wenn du Medikamente nimmst.
Risiken
Nebenwirkungen
Blähungen sind nach der EU-Monographie häufig; der Bewertungsbericht nennt außerdem ein aufgeblähtes Gefühl und Bauchschmerzen oder -krämpfe als häufig. Sehr selten kommen Überempfindlichkeitsreaktionen bis hin zu schockartigen Reaktionen vor; bei Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder Kreislaufproblemen ruf sofort 112.
Mit zu wenig Flüssigkeit können die quellenden Samen Hals oder Speiseröhre verlegen und zum Ersticken führen, und es kann zu einem Darmverschluss kommen. Bekommst du nach der Einnahme Schmerzen in der Brust, musst du erbrechen oder hast Mühe zu schlucken oder zu atmen, brauchst du sofort ärztliche Hilfe, im Zweifel über 112.
Aus zerkleinerten rohen Samen kann Blausäure frei werden. In größeren Mengen kann sie nach dem BfR Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen auslösen, in sehr hohen Mengen schwere Vergiftungen. Leinsamen können zudem Cadmium enthalten, das sich bei langer Aufnahme in den Nieren anreichert und Nieren und Knochen schaden kann.
Wechselwirkungen
- Arzneimittel, die gleichzeitig eingenommen werden
Nach der EU-Monographie können Leinsamen als Quellmittel und auch der Leinsamenschleim die Aufnahme anderer Arzneimittel aus dem Darm verzögern. Deshalb gilt eine halbe bis eine Stunde Abstand vor und nach anderen Arzneimitteln.
Quelle: Quelle 7
- Arzneimittel, die die Darmbewegung hemmen, etwa Opioide oder Loperamid
Zusammen mit solchen Mitteln steigt die Gefahr eines Darmverschlusses. Die EU-Monographie sieht Leinsamen dann nur unter ärztlicher Aufsicht vor; sprich vorher mit deiner Praxis.
Wer es nicht nehmen sollte
Nach der EU-Monographie nicht bei Überempfindlichkeit gegen Leinsamen, nicht bei Schluckbeschwerden oder Problemen im Hals, nicht bei einer plötzlichen Veränderung der Stuhlgewohnheiten, die länger als zwei Wochen anhält, nicht bei ungeklärtem Blut aus dem After und nicht, wenn nach einem Abführmittel kein Stuhlgang kam. Ebenfalls nicht bei Verengungen im Magen-Darm-Trakt, Erkrankungen der Speiseröhre und des Mageneingangs, einem Darmverschluss, einer Darmlähmung oder einem stark erweiterten Dickdarm. Treten unter der Einnahme Bauchschmerzen oder ein unregelmäßiger Stuhl auf, nimm keine Leinsamen mehr und lass das ärztlich abklären.
Für Kinder unter 12 Jahren empfiehlt die Monographie Leinsamen nicht, weil Daten fehlen. In Schwangerschaft und Stillzeit wird die Anwendung nicht empfohlen: Schäden sind nicht berichtet, aber die Sicherheit ist nicht belegt. Weil Untersuchungen an gesunden Frauen auf eine östrogenartige Wirkung bei längerer Einnahme hindeuten, rät die Monographie Frauen mit hormonabhängigen Tumoren davon ab. Geschwächte und ältere Menschen nehmen Leinsamen nach der Monographie nur unter ärztlicher Aufsicht.
Überdosierung
Zu viel Leinsamen kann nach der EU-Monographie Bauchbeschwerden, Blähungen und womöglich einen Darmverschluss verursachen. Wichtig ist dann genug Flüssigkeit, behandelt wird nach den Beschwerden. Bauchschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen bei ausbleibendem Stuhl können Zeichen eines Darmverschlusses sein und gehören rasch ärztlich abgeklärt. Nach großen Mengen zerkleinerter roher Samen können außerdem Zeichen einer Blausäurevergiftung auftreten, etwa Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, bei hohen Mengen Atemnot und Krampfanfälle; dann ruf 112.
Häufige Fragen
Wie schnell wirken Leinsamen bei Verstopfung?
- Teilweise belegt
Meist nach 12 bis 24 Stunden, manchmal erst nach zwei bis drei Tagen voll. So beschreibt es die EU-Monographie, die Leinsamen bei gewohnheitsmäßiger Verstopfung als bewährt anerkennt. Die Studien dazu sind wenige und meist offen; in der einzigen randomisierten Studie, auf die sich die EMA stützt, zeigte sich die volle Wirkung erst nach zwei bis drei Monaten regelmäßiger Einnahme. Wichtig ist reichlich Flüssigkeit zu jeder Gabe. Hält die Verstopfung länger als drei Tage an, frag ärztlich oder in der Apotheke nach.
Leinsamen ganz oder geschrotet – was ist besser?
- Teilweise belegt
Für die Verstopfung zieht der Bewertungsbericht der EMA ganze oder angequetschte Samen vor. Gebrochene Samen quellen nach der EU-Monographie zum Teil schon im Magen und dehnen den Darm dann weniger; aus ganzen Samen wird außerdem wohl weniger Cadmium frei. Beim Schroten und Kauen kann Blausäure entstehen, aus ganzen Samen nach dem BfR nicht. Geschrotete Leinsamen sind deshalb nicht verboten: Für Erwachsene hält das BfR bis 15 bis 20 g roh am Tag für unbedenklich, und Backen oder Kochen senkt das Risiko.
Wie viel Leinsamen am Tag ist unbedenklich?
- Teilweise belegt
Für Leinsamen als Lebensmittel empfiehlt das BfR Erwachsenen höchstens 20 g am Tag, wegen Cadmium; bei geschroteten rohen Samen gelten wegen der Blausäure 15 bis 20 g als unbedenklich. Kinder ab vier Jahren sollen höchstens 4 g rohe, geschrotete Leinsamen am Tag bekommen, Kleinkinder besser keine. Die EU-Monographie nennt für Arzneimittel bei Verstopfung höhere Mengen; sie gelten für Samen, die die Grenzwerte des Europäischen Arzneibuchs einhalten, und erst ab 12 Jahren. Wer länger mehr nehmen möchte, bespricht das ärztlich oder in der Apotheke.
Senken Leinsamen den Cholesterinspiegel?
- Teilweise belegt
Ein wenig. In einer Metaanalyse von 28 Studien sanken Gesamt- und LDL-Cholesterin leicht, gesichert mit ganzen Leinsamen, nicht mit Leinöl, und deutlicher bei Frauen nach den Wechseljahren und bei hohem Ausgangswert. Eine neuere Metaanalyse von 62 Studien fand eine Senkung des LDL-Cholesterins um etwa 4 mg/dl. Die EMA hält die Daten für nicht schlüssig genug für eine Anwendung, und ob weniger Herzinfarkte folgen, zeigen diese Studien nicht. Erhöhtes Cholesterin gehört ärztlich begleitet; Medikamente änderst du nur in Absprache mit deiner Praxis.
Helfen Leinsamen gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren?
- Studien sprechen dagegen
Wahrscheinlich nicht. In einer großen doppelblinden Studie mit 188 Frauen gingen die Hitzewallungen mit einem Leinsamenriegel nicht stärker zurück als mit einem Placeboriegel. Ein systematischer Review von neun Studien sah einen günstigen Trend, der statistisch nicht gesichert war. Die EU-Monographie kennt diese Anwendung nicht und rät wegen einer möglichen östrogenartigen Wirkung Frauen mit hormonabhängigen Tumoren von Leinsamen ab.
Nächster Schritt
Bevor du etwas einnimmst: Lass dich beraten, zum Beispiel in deiner Hausarztpraxis oder deiner Apotheke. Bring vorhandene Laborwerte mit, und sag, welche Medikamente du nimmst.
Mehr zu den Themen findest du oben unter Wofür und in der Themenübersicht.
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Quellen
Alle 12 Quellen anzeigen
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- Khalesi S, Irwin C, Schubert M. Flaxseed consumption may reduce blood pressure: a systematic review and meta-analysis of controlled trials.. The Journal of nutrition, 2015MetaanalyseDOI 10.3945/jn.114.205302PubMed 25740909
- Blausäure und Cadmium in Leinsamen: Besser keine rohen, geschroteten Leinsamen für Kleinkinder (Mitteilung 034/2026). Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2026Behörde / amtliche StelleZur Quelle
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- Hadi A, Askarpour M, Salamat S, Ghaedi E, Symonds ME, Miraghajani M. Effect of flaxseed supplementation on lipid profile: An updated systematic review and dose-response meta-analysis of sixty-two randomized controlled trials.. Pharmacological research, 2020MetaanalyseDOI 10.1016/j.phrs.2019.104622PubMed 31899314
- Assessment report on Linum usitatissimum L., semen (EMA/HMPC/377674/2014). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC), 2015Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- European Union herbal monograph on Linum usitatissimum L., semen (EMA/HMPC/377675/2014). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC), 2015MonographieZur Quelle
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- Sun J, Bai H, Ma J, Zhang R, Xie H, Zhang Y, et al.. Effects of flaxseed supplementation on functional constipation and quality of life in a Chinese population: A randomized trial.. Asia Pacific journal of clinical nutrition, 2020Randomisierte kontrollierte StudieDOI 10.6133/apjcn.202003_29(1).0009PubMed 32229443
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- Pruthi S, Qin R, Terstreip SA, Liu H, Loprinzi CL, Shah TR, et al.. A phase III, randomized, placebo-controlled, double-blind trial of flaxseed for the treatment of hot flashes: North Central Cancer Treatment Group N08C7.. Menopause (New York, N.Y.), 2012Randomisierte kontrollierte StudieDOI 10.1097/gme.0b013e318223b021PubMed 21900849
- Ghazanfarpour M, Sadeghi R, Latifnejad Roudsari R, Khadivzadeh T, Khorsand I, Afiat M, et al.. Effects of flaxseed and Hypericum perforatum on hot flash, vaginal atrophy and estrogen-dependent cancers in menopausal women: a systematic review and meta-analysis.. Avicenna journal of phytomedicine, 2016Systematischer ReviewPubMed 27462550
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