Pflanze
Pfefferminze
Mentha x piperita
Auch bekannt als: Pfefferminzöl, Pfefferminzblätter, Pfefferminztee, Mentha piperita, Menthae piperitae folium, Menthae piperitae aetheroleum
Kurz erklärt
Die Pfefferminze (Mentha x piperita) ist ein Lippenblütler und gilt als Kreuzung aus Grüner Minze und Wasserminze. Arzneilich genutzt werden zwei Dinge: die getrockneten Blätter, meist als Tee, und das ätherische Öl, das durch Wasserdampf aus dem frischen, blühenden Kraut gewonnen wird.
Im Öl stecken vor allem Menthol, nach dem Europäischen Arzneibuch 30 bis 55 Prozent, und Menthon. Menthol reizt Kälterezeptoren der Haut und erzeugt so das lange anhaltende Kältegefühl. Im Magen-Darm-Trakt entspannt das Öl nach Studien die glatte Muskulatur. Ein Tee enthält nur etwa ein Fünftel bis ein Viertel des Öls aus den Blättern.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA bewertet beides unterschiedlich: Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln beim Reizdarm und auf der Haut beim leichten Spannungskopfschmerz gilt als medizinisch bewährt, beim Kopfschmerz allerdings nicht einstimmig, die übrigen Anwendungen und der Tee nur als traditionell. Wofür genau und wie gut das belegt ist, steht bei den Anwendungen.
Pfefferminztee ist ein verbreiteter Kräutertee und wird als Lebensmittel getrunken. Als Arzneimittel gilt Pfefferminze, wenn ein Präparat für ein Anwendungsgebiet der EU-Monographien registriert oder zugelassen ist; nur für solche Arzneimittel gelten die Mengen, Altersgrenzen und Hinweise dieser Seite. Pfefferminzöl hat die EMA in die EU-Liste traditioneller pflanzlicher Stoffe aufgenommen, die Blätter nicht, weil Tests zur Schädigung des Erbguts, zu Krebs und zur Fortpflanzung fehlen.
Wofür
Bauchschmerzen
- Teilweise belegt
Bei krampfartigen Bauchschmerzen erkennt die EU-Monographie Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln als bewährt an, besonders beim Reizdarm, ab 8 Jahren. In einer Metaanalyse von 10 Studien zum Reizdarm linderte Pfefferminzöl Bauchschmerzen häufiger als Placebo. Plötzliche, sehr starke oder anhaltende Bauchschmerzen gehören ärztlich abgeklärt.
Was dagegen spricht
Die Belege stammen aus Studien zum Reizdarm und sind nach den Autoren der Metaanalyse von sehr niedriger Qualität. Für Bauchschmerzen aus anderen Gründen sind sie nicht untersucht. Häufige Nebenwirkung ist Sodbrennen.
Blähungen
- Teilweise belegt
- Traditionell genutzt
Die EU-Monographie führt Tee aus Pfefferminzblättern als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl und Blähungen, ab 4 Jahren. Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln erkennt sie als bewährt an bei leichten Krämpfen im Magen-Darm-Trakt, Blähungen und Bauchschmerzen, besonders beim Reizdarm.
Was dagegen spricht
Für den Tee beruht die Einstufung auf langer Anwendung; die Studien, die die EMA fand, prüften meist Mischungen mit anderen Pflanzen. Die Studien zu den Kapseln stammen fast alle aus dem Reizdarm, nicht von Blähungen ohne diese Diagnose.
Erkältung
- Traditionell genutzt
Die EU-Monographie führt Pfefferminzöl als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Husten- und Erkältungsbeschwerden: zum Inhalieren in heißem Wasser, in Lutschtabletten oder als Nasensalbe ab 12 Jahren, als Einreibung auf Brust und Rücken in geringerer Stärke ab 4 Jahren. Für Kinder unter 2 Jahren ist es ausgeschlossen.
Was dagegen spricht
Die Einstufung beruht auf langer Anwendung. Klinische Studien, die eine Wirkung bei Erkältung zeigen, fand die EMA nicht.
Husten
- Traditionell genutzt
Bei Husten im Rahmen einer Erkältung führt die EU-Monographie Pfefferminzöl als traditionelles pflanzliches Arzneimittel, als Dampfinhalation oder Lutschtablette ab 12 Jahren, als Einreibung auf Brust und Rücken in geringerer Stärke ab 4 Jahren. Kindern unter 2 Jahren darf es nicht gegeben werden, auch nicht als Einreibung an Nase, Gesicht oder Brust, weil Menthol bei ihnen die Atmung reflexartig aussetzen lassen kann.
Was dagegen spricht
Die Einstufung beruht auf langer Anwendung; klinische Studien zur Wirkung bei Husten fehlen nach der EMA. Bei empfindlichen Menschen sind beim Inhalieren Verkrampfungen der Atemwege beschrieben.
Kopfschmerzen
- Teilweise belegt
Beim leichten Spannungskopfschmerz erkennt die EU-Monographie eine zehnprozentige alkoholische Lösung von Pfefferminzöl als bewährt an, für Erwachsene auf Stirn und Schläfen gerieben. In einer Studie mit 41 Menschen und 164 Kopfschmerzanfällen linderte die Lösung die Schmerzen schon nach 15 Minuten deutlicher als ein Scheinmittel und unterschied sich nicht deutlich von 1000 mg Paracetamol. Die deutsche Leitlinie zum Spannungskopfschmerz nennt sie als Möglichkeit bei akuten Schmerzen. Nach dem Bewertungsbericht erzeugt das Öl ein anhaltendes Kältegefühl, das schmerzlindernd wirkt.
Was dagegen spricht
Die Belege sind schmal: eine kleine Studie mit Kopfschmerz-Patienten und eine mit Gesunden, beide aus derselben Arbeitsgruppe; die Einschlusskriterien nennt die EMA unscharf. Zwei der 26 Mitglieder des EMA-Ausschusses stimmten gegen die Anerkennung, weil Zahl, Qualität und Größe der Studien nicht reichten und seit der ersten Fassung keine neuen Daten dazukamen. Für Migräne ist Pfefferminzöl nicht anerkannt.
Magenschmerzen
- Traditionell genutzt
Die EU-Monographie führt Tee und Tinktur aus Pfefferminzblättern als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl und Blähungen. Nach dem Bewertungsbericht der EMA wirkten Zubereitungen aus den Blättern in Laborversuchen entspannend auf Darmgewebe von Tieren. Wer Reflux oder Sodbrennen hat, meidet Pfefferminze, weil sie es verstärken kann.
Was dagegen spricht
Die Einstufung beruht auf langer Anwendung. Die klinischen Studien prüften meist Mischungen mit anderen Pflanzen, deshalb hält die EMA für die Blätter allein nur die traditionelle Anwendung für gerechtfertigt.
Reizdarm
- Teilweise belegt
Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln erkennt die EU-Monographie als bewährt an bei leichten Krämpfen im Magen-Darm-Trakt, Blähungen und Bauchschmerzen, besonders beim Reizdarm. Die deutsche S3-Leitlinie gibt ihm ihre stärkste Empfehlung, vor allem bei Schmerzen und Blähungen. In einer Metaanalyse von 10 Studien mit 1030 Menschen besserten sich die Beschwerden insgesamt und die Bauchschmerzen häufiger als unter Placebo.
Was dagegen spricht
Die Autoren der Metaanalyse bewerten die Qualität der Belege als sehr niedrig, und Nebenwirkungen waren unter Pfefferminzöl häufiger. In einer sorgfältigen Studie mit 190 Menschen verfehlte Pfefferminzöl 2019 die strengen Hauptziele der Arzneimittelbehörden und besserte nur Nebenziele wie die Bauchschmerzen. Zur Einnahme über lange Zeit fehlen nach der Leitlinie Daten.
Anwendung
Formen und Einnahme
- Tee aus PfefferminzblätternGetrocknete Blätter, mit kochendem Wasser aufgegossen. Die EU-Monographie führt den Tee als traditionelles Arzneimittel bei Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl und Blähungen, ab 4 Jahren. Er ist auch ein gewöhnlicher Kräutertee.
- Tinktur aus PfefferminzblätternAlkoholischer Auszug aus den Blättern für Erwachsene, nach der EU-Monographie traditionell bei Verdauungsbeschwerden. Sie enthält Alkohol.
- Magensaftresistente Kapseln mit PfefferminzölDie Kapsel löst sich erst im Darm auf. Nach der EU-Monographie bewährt bei leichten Krämpfen im Magen-Darm-Trakt, Blähungen und Bauchschmerzen, besonders beim Reizdarm, ab 8 Jahren. Sie wird im Ganzen geschluckt, nicht zerbissen.
- Pfefferminzöl zum Auftragen auf die HautZehnprozentige alkoholische Lösung auf Stirn und Schläfen bei leichtem Spannungskopfschmerz, nur für Erwachsene. Salben, Öle und Lösungen mit Pfefferminzöl werden traditionell bei örtlichen Muskelschmerzen, Juckreiz auf intakter Haut und als Einreibung bei Erkältung verwendet.
- Inhalation, Lutschtabletten und MundsprayPfefferminzöl in heißem Wasser zum Einatmen des Dampfs oder in Lutschtabletten und Sprays, nach der EU-Monographie traditionell bei Husten und Erkältung, ab 12 Jahren. Für Kinder unter 2 Jahren ist jede Form mit Pfefferminzöl ausgeschlossen.
Tee aus Pfefferminzblättern wird nach der EU-Monographie dreimal täglich getrunken. Die Kapseln mit Pfefferminzöl nimmst du 30 Minuten vor dem Essen und schluckst sie im Ganzen; meist bessern sich die Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Wochen, länger als drei Monate am Stück sieht die Monographie sie nicht vor. Beim Spannungskopfschmerz wird die zehnprozentige Lösung auf Stirn und Schläfen eingerieben, bei Bedarf noch zweimal im Abstand von 15 Minuten, einmal am Tag. Salben und Öle trägst du dünn auf, bis zu dreimal täglich; bei Muskelschmerzen und Juckreiz nicht länger als zwei Wochen am Stück. Die Mengen stehen in der Dosis-Übersicht, bei Fertigarzneimitteln gilt die Packungsbeilage.
Nimm nicht zugleich mehrere Mittel mit Pfefferminzöl. Halten die Beschwerden länger als zwei Wochen an oder werden sie schlimmer, lass sie ärztlich abklären.
Dosis-Übersicht
| Grundlage | Menge | Einordnung |
|---|---|---|
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 1,5–3 g Einzeldosis | Erwachsene und Ältere · Getrocknete Pfefferminzblätter als Tee, mit 100 bis 150 ml kochendem Wasser aufgegossen, dreimal täglich; traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl und Blähungen. Halten die Beschwerden länger als zwei Wochen an, ärztlichen Rat suchen. Quelle: Quelle 3 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 1–2 g Einzeldosis | Kinder von 4 bis 11 Jahren und Jugendliche · Getrocknete Pfefferminzblätter als Tee, mit 100 bis 150 ml kochendem Wasser aufgegossen, dreimal täglich; traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei Verdauungsbeschwerden. Für Kinder unter 4 Jahren nicht empfohlen, weil Daten fehlen. Quelle: Quelle 3 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 2–3 ml Einzeldosis | Erwachsene und Ältere · Tinktur aus Pfefferminzblättern, dreimal täglich; traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei Verdauungsbeschwerden. Die Tinktur enthält Alkohol. Quelle: Quelle 3 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 0,2–0,4 ml Einzeldosis | Jugendliche, Erwachsene und Ältere · Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln, 30 Minuten vor dem Essen im Ganzen geschluckt; insgesamt 0,6 bis 1,2 ml am Tag, auf zwei bis drei Gaben verteilt. Bewährte Anwendung nach der EU-Monographie bei leichten Krämpfen im Magen-Darm-Trakt, Blähungen und Bauchschmerzen, besonders beim Reizdarm; höchstens drei Monate am Stück. Quelle: Quelle 1 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 0,2 ml Einzeldosis | Kinder von 8 bis 11 Jahren · Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln, dreimal täglich, insgesamt 0,6 ml am Tag; bewährte Anwendung nach der EU-Monographie bei leichten Krämpfen im Magen-Darm-Trakt, Blähungen und Bauchschmerzen. Für Kinder unter 8 Jahren nicht empfohlen, weil Daten fehlen. Quelle: Quelle 1 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 0,08–0,16 ml Einzeldosis | Jugendliche, Erwachsene und Ältere · Pfefferminzöl in heißem Wasser, dessen Dampf eingeatmet wird, bis zu dreimal täglich, insgesamt höchstens 0,48 ml am Tag; traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei Husten und Erkältung. Für Kinder unter 2 Jahren ausgeschlossen, von 2 bis 11 Jahren nicht empfohlen. Quelle: Quelle 1 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 0,08–0,12 ml Einzeldosis | Jugendliche, Erwachsene und Ältere · Pfefferminzöl in Lutschtabletten oder Mundspray, drei- bis viermal täglich, insgesamt 0,24 bis 0,48 ml am Tag; traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei Husten und Erkältung. Für Kinder unter 2 Jahren ausgeschlossen, von 2 bis 11 Jahren nicht empfohlen. Quelle: Quelle 1 |
Keine persönliche Dosisempfehlung. Sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke, besonders wenn du Medikamente nimmst.
Risiken
Nebenwirkungen
Pfefferminzöl zum Einnehmen verursachte in Studien häufig Sodbrennen, Brennen am After, trockenen Mund, Übelkeit, Erbrechen und verschwommenes Sehen. Urin und Stuhl können nach Menthol riechen; Brennen beim Wasserlassen ist beschrieben. Allergische Reaktionen auf Menthol mit Kopfschmerzen, langsamem Herzschlag, Zittern, Gangunsicherheit, Hautausschlag bis zum Schock sind berichtet; wie häufig, ist nicht bekannt. In einer Metaanalyse von 10 Studien traten Nebenwirkungen unter Pfefferminzöl häufiger auf als unter Placebo, meist leicht und vorübergehend.
Auf der Haut kann Pfefferminzöl Ausschlag, Kontaktekzeme und, mit ungewaschenen Händen, Augenreizungen auslösen. Beim Inhalieren sind bei empfindlichen Menschen Atemstillstand und Verkrampfung der Atemwege beschrieben. Pfefferminztee kann Rückfluss von Magensäure und Sodbrennen verstärken.
Wechselwirkungen
- Säurehemmer wie Protonenpumpenhemmer, H2-Blocker und Antazida
Nach der EU-Monographie können Mittel, die die Magensäure senken, und Essen zur gleichen Zeit die Hülle magensaftresistenter Kapseln zu früh auflösen, sodass das Öl schon im Magen frei wird. Die Monographie rät, die Kapseln nicht zusammen mit solchen Säurehemmern zu nehmen. Wer Säurehemmer verschrieben bekommen hat, bespricht Pfefferminzöl-Kapseln vorher in der Praxis oder Apotheke.
- Arzneimittel, die über das Leberenzym CYP3A4 abgebaut werden
In je einer klinischen Studie mit Pfefferminzöl und mit Menthol wurde das Enzym CYP3A4 etwas gehemmt. Welche Folgen das für andere Medikamente hat, sagt die EU-Monographie nicht. Wer dauerhaft Medikamente nimmt, fragt vor einer längeren Einnahme von Pfefferminzöl in der Praxis oder Apotheke.
Quelle: Quelle 1
- Gerinnungshemmer Warfarin
Der Bewertungsbericht der EMA beschreibt zwei Fallberichte, in denen der Gerinnungswert bei Menschen unter Warfarin sank, während sie Hustenbonbons mit Menthol lutschten, und nach dem Absetzen wieder stieg. Welche Menge Menthol dafür nötig war, ist nicht bekannt; ob das für Pfefferminzöl-Arzneimittel gilt, lässt die EMA offen.
Quelle: Quelle 4
Wer es nicht nehmen sollte
Nicht bei Überempfindlichkeit gegen Pfefferminze oder Menthol. Kapseln mit Pfefferminzöl nicht bei Lebererkrankungen, Entzündungen der Gallenwege, fehlender Magensäure, Gallensteinen oder anderen Erkrankungen der Gallenwege. Wer schon Sodbrennen oder einen Zwerchfellbruch hat, bei dem kann sich das Sodbrennen verschlimmern; die Monographie rät dann, die Kapseln abzusetzen. Wer Reflux hat, meidet auch Zubereitungen aus den Blättern; bei Gallensteinen oder anderen Erkrankungen der Gallenwege ist auch bei ihnen Vorsicht geboten.
Für Kinder unter 2 Jahren ist Pfefferminzöl in jeder Form ausgeschlossen, weil Menthol bei ihnen reflexartig die Atmung aussetzen und den Kehlkopf verkrampfen lassen kann; auch für Kinder, die schon einmal einen Krampfanfall hatten, mit oder ohne Fieber. Nicht auf verletzte oder gereizte Haut auftragen. Die Lösung gegen Kopfschmerzen ist erst ab 18 Jahren vorgesehen, die Kapseln ab 8, der Tee ab 4 Jahren.
In Schwangerschaft und Stillzeit ist die Sicherheit nicht belegt; die EU-Monographien empfehlen Pfefferminzöl und Arzneimittel aus Pfefferminzblättern dann nicht. Die Lösung gegen Kopfschmerzen sehen sie dann nur vor, wenn eine Ärztin oder ein Arzt den Nutzen höher einschätzt als das Risiko.
Überdosierung
Eine Überdosis Pfefferminzöl zum Einnehmen kann nach der EU-Monographie schwere Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall, Geschwüre im Enddarm, Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit, Atemstillstand und Herzrhythmusstörungen auslösen, wohl durch das Menthol; das gehört sofort in ärztliche Behandlung. Große Mengen Menthol eingeatmet können Schwindel, Verwirrtheit, Muskelschwäche, Übelkeit und Doppeltsehen auslösen. Für Tee und für Anwendungen auf der Haut ist keine Überdosierung berichtet. Wegen der Begleitstoffe Pulegon und Menthofuran legt die EMA für Arzneimittel eine Höchstmenge fest, die Hersteller einhalten müssen.
Häufige Fragen
Hilft Pfefferminzöl bei Reizdarm?
- Teilweise belegt
Es kann die Beschwerden lindern, aber nicht bei allen. Die EU-Monographie erkennt Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln als bewährt bei Krämpfen, Blähungen und Bauchschmerzen an, besonders beim Reizdarm, und die deutsche Leitlinie gibt ihm ihre stärkste Empfehlung. In einer Metaanalyse von 10 Studien besserten sich Beschwerden und Bauchschmerzen häufiger als unter Placebo; die Qualität der Belege nennen die Autoren aber sehr niedrig. Eine sorgfältige Studie mit 190 Menschen von 2019 verfehlte ihre Hauptziele. Ein Reizdarm sollte ärztlich festgestellt sein.
Hilft Pfefferminztee bei Blähungen und Magenbeschwerden?
- Traditionell genutzt
Das stützt sich vor allem auf lange Erfahrung. Die EU-Monographie führt Tee aus Pfefferminzblättern als traditionelles Arzneimittel bei Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl und Blähungen, dreimal am Tag, ab 4 Jahren. Wirksamkeitsstudien mit reinem Pfefferminztee gibt es nach der EMA kaum; die Studien prüften meist Mischungen. Hast du Sodbrennen, lass ihn besser weg, denn er kann es verstärken. Halten die Beschwerden länger als zwei Wochen an, lass sie ärztlich abklären.
Hilft Pfefferminzöl bei Kopfschmerzen?
- Teilweise belegt
Beim leichten Spannungskopfschmerz kann es helfen, die Belege sind aber schmal. Die EU-Monographie erkennt eine zehnprozentige alkoholische Lösung, auf Stirn und Schläfen gerieben, für Erwachsene als bewährt an, und die deutsche Leitlinie nennt sie als Möglichkeit bei akuten Schmerzen. In einer kleinen Studie mit 41 Menschen linderte sie die Schmerzen deutlicher als ein Scheinmittel und unterschied sich nicht deutlich von 1000 mg Paracetamol. Zwei der 26 Mitglieder des EMA-Ausschusses hielten die Belege für nicht ausreichend. Für Migräne ist Pfefferminzöl nicht anerkannt. Nach dem Auftragen die Hände waschen, damit nichts in die Augen kommt.
Darf ich Pfefferminze bei Sodbrennen nehmen?
- Teilweise belegt
Besser nicht. Nach den EU-Monographien kann Pfefferminze Sodbrennen verstärken: Wer Reflux hat, soll Zubereitungen aus den Blättern meiden, und wer schon Sodbrennen oder einen Zwerchfellbruch hat, soll Pfefferminzöl absetzen, wenn es schlimmer wird. In den Studien zum Reizdarm gehörte Sodbrennen zu den häufigsten Nebenwirkungen. Bei den Kapseln hilft es, sie im Ganzen und 30 Minuten vor dem Essen zu schlucken, weil sich das Öl sonst zu früh im Magen löst.
Ist Pfefferminzöl für Kinder und Babys geeignet?
- Erste Hinweise
Für Babys und Kleinkinder unter 2 Jahren nicht. Die EU-Monographie schließt Pfefferminzöl für sie in jeder Form aus, auch zum Einreiben oder Inhalieren, weil Menthol bei ihnen reflexartig die Atmung aussetzen und den Kehlkopf verkrampfen kann. Das gilt auch für Kinder, die schon einen Krampfanfall hatten. Ältere Kinder dürfen je nach Form erst ab einem bestimmten Alter: Tee und Einreibungen in geringerer Stärke ab 4 Jahren, Kapseln ab 8, Inhalation und Lutschtabletten ab 12 Jahren.
Nächster Schritt
Bevor du etwas einnimmst: Lass dich beraten, zum Beispiel in deiner Hausarztpraxis oder deiner Apotheke. Bring vorhandene Laborwerte mit, und sag, welche Medikamente du nimmst.
Mehr zu den Themen findest du oben unter Wofür und in der Themenübersicht.
Quellen
Alle 8 Quellen anzeigen
- European Union herbal monograph on Mentha x piperita L., aetheroleum – Revision 1 (EMA/HMPC/522410/2013). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC), 2020MonographieZur Quelle
- Ingrosso MR, Ianiro G, Nee J, Lembo AJ, Moayyedi P, Black CJ, et al.. Systematic review and meta-analysis: efficacy of peppermint oil in irritable bowel syndrome.. Alimentary pharmacology & therapeutics, 2022MetaanalyseDOI 10.1111/apt.17179PubMed 35942669
- European Union herbal monograph on Mentha x piperita L., folium – Revision 1 (EMA/HMPC/572705/2014). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC), 2020MonographieZur Quelle
- Assessment report on Mentha x piperita L., folium and aetheroleum – Revision 1 (EMA/HMPC/522409/2013). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC), 2020Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Opinion of the HMPC on a European Union herbal monograph on Mentha x piperita L., aetheroleum, Revision 1 (EMA/HMPC/22236/2020). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC), 2020Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Kopfschmerzes vom Spannungstyp (AWMF-Register 030-077), Version 6.0. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), 2023LeitlinieZur Quelle
- Update S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie (AWMF-Register 021-016). Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und Deutsche Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM), Zeitschrift für Gastroenterologie 2021; 59: 1323–1415, 2021LeitlinieZur Quelle
- Weerts ZZRM, Masclee AAM, Witteman BJM, Clemens CHM, Winkens B, Brouwers JRBJ, et al.. Efficacy and Safety of Peppermint Oil in a Randomized, Double-Blind Trial of Patients With Irritable Bowel Syndrome.. Gastroenterology, 2020Randomisierte kontrollierte StudieDOI 10.1053/j.gastro.2019.08.026PubMed 31470006
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