Erkältung
Warnzeichen: Bitte zuerst lesen
Ruf sofort den Notruf 112, wenn du das bemerkst:
- Schwere Atemnot: Du ringst nach Luft und kannst kaum sprechen, ein Kind atmet sehr schnell, stöhnt beim Atmen oder der Bauch zieht sich unter die Rippen ein, oder Lippen, Zunge oder Haut werden bläulich, grau oder fleckig
Das kann eine Lungenentzündung oder ein anderer Notfall sein. Wähle sofort 112.
- Du hustest Blut
Wähle 112 oder lass dich in die Notaufnahme bringen. Fahr nicht selbst.
- Plötzliche Verwirrtheit, starke Schläfrigkeit, ein erster Fieberkrampf bei einem Kind, oder ein Baby lässt sich kaum wecken oder wirkt schlaff
Wähle sofort 112, auch nachts.
- Fieber mit steifem Nacken, Schmerzen beim Blick ins Licht, sehr starken Kopfschmerzen oder einem Ausschlag, der unter einem daraufgedrückten Glas nicht verblasst
Das können Zeichen einer Hirnhautentzündung sein, bei Kindern wie bei Erwachsenen. Wähle sofort 112.
Lass das sofort ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Ein Baby unter drei Monaten hat 38 °C Fieber oder mehr, ein Baby zwischen drei und sechs Monaten 39 °C oder mehr
Ruf noch am selben Tag in der Kinderarztpraxis an, nachts beim ärztlichen Bereitschaftsdienst.
- Ein Kind hat kaum nasse Windeln, eingesunkene Augen oder weint ohne Tränen
Das können Zeichen sein, dass es austrocknet. Lass es noch am selben Tag ärztlich ansehen.
- Luftnot oder Schmerzen in der Brust, die beim Atmen oder Husten auftreten
Das kann auf eine Lungenentzündung hinweisen und gehört rasch untersucht. Wird die Atemnot schwer, wähle 112.
- Schwellung oder Rötung um die Augen oder starke Schmerzen im Gesicht, oft mit hohem Fieber
Das können Zeichen sein, dass sich eine Nebenhöhlenentzündung ausbreitet. Dann ist rasche Hilfe in einer Praxis oder Klinik wichtig.
Lass das ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Hohes Fieber über mehr als drei Tage oder Beschwerden, die schlimmer werden oder nach zehn Tagen nicht besser sind
Lass klären, ob eine andere Krankheit oder eine Komplikation dahintersteckt. Das gilt besonders bei einer chronischen Krankheit wie COPD, Diabetes oder einer Herz- oder Nierenerkrankung und bei geschwächter Abwehr, etwa während einer Chemotherapie.
- Husten, der länger als drei Wochen anhält
Ein Erkältungshusten ist meist nach drei Wochen vorbei. Hält er länger an, gehört er ärztlich abgeklärt.
Notruf: 112 · TelefonSeelsorge: 0800 111 0 111 · TelefonSeelsorge: 0800 111 0 222 · Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
Kurz erklärt
Eine Erkältung ist eine Infektion von Nase und Rachen mit meist harmlosen Viren. Sie klingt in der Regel nach ein bis zwei Wochen von selbst ab, Husten kann länger bleiben. Kein Mittel verkürzt sie verlässlich; Schmerzmittel und abschwellende Nasensprays lindern Beschwerden, Antibiotika nützen nicht. Bei hohem Fieber, Luftnot oder Schmerzen in der Brust lass dich ärztlich untersuchen.
Häufiges Händewaschen senkt das Risiko, dich anzustecken, und wer erkältet ist, schützt andere, wenn er zu Hause bleibt. Für Vitamin C, Zink, Sonnenhut und andere Heilpflanzen sind die Effekte in Studien klein oder unsicher. Naturheilkunde und TCM setzen auf Wärme, Tees und Wasseranwendungen; wie gut das jeweils untersucht ist, steht bei jeder Sichtweise.
- Gut belegt5 Aussagen
- Teilweise belegt4 Aussagen
- Erste Hinweise7 Aussagen
- Traditionell genutzt3 Aussagen
- Studien sprechen dagegen1 Aussage
Sichtweisen im Vergleich
Schulmedizin
- Gut belegt
- Teilweise belegt
Für die Medizin ist die Erkältung eine Infektion der Schleimhäute von Nase und Rachen, ausgelöst von vielen verschiedenen Viren. Erwachsene erkälten sich im Schnitt zwei- bis viermal im Jahr, Kinder deutlich öfter. Ein Mittel, das direkt gegen Erkältungsviren wirkt, gibt es nicht; behandelt werden die Beschwerden.
Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (ASS) lindern Kopf- und Gliederschmerzen und senken Fieber, auf Husten und Schnupfen wirken sie nicht. Für Kinder und Jugendliche mit Fieber kommt ASS nicht infrage, bei Kindern gilt Paracetamol als Mittel der Wahl. Abschwellende Nasensprays machen eine verstopfte Nase frei; davon abgeraten wird, sie länger als eine Woche am Stück zu verwenden. Kombinationspräparate mit vielen Wirkstoffen haben mehr mögliche Nebenwirkungen und sind für Kinder nicht geeignet.
Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Ein Cochrane-Review fand bei Erkältung keinen Nutzen, bei Erwachsenen aber mehr Nebenwirkungen. Sie kommen erst infrage, wenn Bakterien zu einer Komplikation geführt haben.
Lebensstil
- Teilweise belegt
- Erste Hinweise
Zum Schutz vor Ansteckung ist Händewaschen am besten belegt. In einem Cochrane-Review senkten Programme zur Handhygiene die Zahl der Menschen mit Atemwegsinfekten um etwa 14 Prozent. Gesundheitsinformation.de rät außerdem, Abstand zu Kranken zu halten, sich nicht ins Gesicht zu fassen und mit Erkältung nicht zur Arbeit zu gehen.
Auch Schlaf und Belastung spielen eine Rolle. In Studien, in denen Freiwillige gezielt mit Schnupfenviren in Kontakt kamen, erkrankten Menschen, die weniger als sechs Stunden schliefen, häufiger als solche mit mehr als sieben Stunden Schlaf. Und je größer der seelische Stress war, desto häufiger kam es zur Erkältung. Regelmäßige Bewegung verringerte in einem Cochrane-Review nicht die Zahl der Infekte, die Beschwerden waren aber etwas milder.
Bist du schon erkältet, rät der britische Gesundheitsdienst NHS zu viel Ruhe, genug Flüssigkeit und dazu, nicht zu rauchen, weil Rauchen die Beschwerden verstärken kann.
Quellen: Quelle 1, Quelle 5, Quelle 6, Quelle 7, Quelle 8, Quelle 9
Ernährung
- Erste Hinweise
Zur Ernährung bei Erkältung gibt es wenige gute Studien. Zu Honig gibt es eine Metaanalyse von 14 Studien: Er linderte Erkältungsbeschwerden, vor allem Häufigkeit und Stärke des Hustens, besser als die übliche Behandlung. Im Vergleich mit einem Scheinmittel war der Unterschied nicht gesichert. Gesundheitsinformation.de hält es für möglich, dass etwas Honig am Abend Kindern über einem Jahr mit Husten Linderung verschafft. Babys unter einem Jahr sollen keinen Honig bekommen.
Probiotika, also lebende Mikroorganismen wie Milchsäurebakterien, verringerten in einem Cochrane-Review die Zahl der Menschen, die einen Infekt der oberen Atemwege bekamen; die Aussagekraft der Studien ist allerdings gering. Dass viel Trinken die Erkältung bessert, ist nicht belegt. Warmer Tee oder warme Milch tun vielen gut, und du musst nicht mehr trinken, als du magst.
Pflanzenheilkunde
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
Die EU-Monographie der Arzneimittelagentur EMA erkennt den Presssaft aus Purpursonnenhut (Echinacea) als Arzneimittel mit allgemein anerkannter Anwendung zur kurzzeitigen Vorbeugung und Behandlung von Erkältungen an. Sie rät bei Kindern unter zwölf Jahren, bei Autoimmunerkrankungen und bei einer Allergie gegen Korbblütler davon ab. Ein Cochrane-Review mit 24 Studien fand jedoch keinen gesicherten Nutzen bei der Behandlung; zur Vorbeugung zeigten die Studien nur einen schwachen Trend von fraglicher Bedeutung.
Pelargonienwurzel führt die EMA als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Behandlung von Erkältungsbeschwerden. Nach einem Cochrane-Review lindert sie die Beschwerden möglicherweise, die Belege sind aber sehr schwach. Die Monographie vermerkt Fälle von Leberentzündung: Wer unter der Einnahme Anzeichen einer Leberschädigung bemerkt, setzt das Mittel sofort ab und lässt sich ärztlich beraten. Holunder- und Lindenblüten sind als traditionelle Arzneimittel bei Erkältungsbeschwerden eingestuft, Holunderblüten für die ersten Anzeichen.
Gesundheitsinformation.de hält Vor- und Nachteile von Echinacea derzeit für nicht zuverlässig beurteilbar.
Quellen: Quelle 1, Quelle 12, Quelle 13, Quelle 14, Quelle 15, Quelle 16, Quelle 17
Mikronährstoffe
- Teilweise belegt
- Erste Hinweise
- Studien sprechen dagegen
Zu Vitamin C gibt es viele Studien. Nach einem Cochrane-Review erkälten sich Menschen, die es regelmäßig einnehmen, nicht seltener; in Studien mit über 10.000 Teilnehmenden aus der Allgemeinbevölkerung gab es keinen Unterschied. Die Erkältungen dauerten aber etwas kürzer, bei Erwachsenen um 8 Prozent, bei Kindern um 14 Prozent. Nur bei Menschen unter starker körperlicher Belastung, etwa Marathonläufern und Soldaten bei Übungen in subarktischer Kälte, halbierte sich das Risiko etwa. Erst bei Beginn der Erkältung eingenommen, zeigte Vitamin C keine gleichbleibende Wirkung.
Zink beugte Erkältungen in einem Cochrane-Review von 2024 kaum oder gar nicht vor. Zur Behandlung eingenommen, oft als Lutschtablette, verkürzte es sie möglicherweise; die Studien waren aber sehr uneinheitlich, und leichte Nebenwirkungen traten häufiger auf.
Vitamin D schützte in einer Metaanalyse von 2025 mit 40 Studien und rund 61.600 Teilnehmenden nicht nachweisbar vor Atemwegsinfekten, und der Vitamin-D-Spiegel zu Beginn machte keinen erkennbaren Unterschied. Gesundheitsinformation.de hält einen Nutzen bei einem Mangel für möglich.
Naturheilkunde
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
Die Naturheilkunde setzt bei Erkältungen auf Wärme und Wasser. Linden- und Holunderblüten werden nach der Überlieferung als schweißtreibender Tee getrunken; die Bewertungsberichte der EMA beschreiben diese Anwendung, bei Lindenblüten seit dem Mittelalter. Studien zur Wirkung gibt es dazu kaum.
Wasseranwendungen mit warmem und kaltem Wasser, etwa Güsse nach Kneipp, werden in der Naturheilkunde zur Vorbeugung eingesetzt. In einer randomisierten Studie mit Kindern, die oft erkältet waren, änderte ein Jahr täglicher Wasseranwendungen weder Zahl noch Dauer der Erkältungen. In einer großen Studie meldeten sich Erwachsene, die ihre Dusche einen Monat lang kalt beendeten, seltener krank bei der Arbeit, waren aber nicht weniger Tage krank. In einer kleinen Studie mit 50 Freiwilligen erkälteten sich regelmäßige Saunagänger seltener.
Nasenspülungen mit Salzwasser linderten in einer Studie mit Kindern Schnupfen und verstopfte Nase etwas; die meisten Studien fanden keinen Unterschied, die Belege sind schwach. Warmen Wasserdampf einzuatmen empfinden viele als angenehm; eine eindeutige Wirkung auf die Erkältung zeigten die Studien nicht.
Quellen: Quelle 2, Quelle 21, Quelle 22, Quelle 23, Quelle 24, Quelle 25, Quelle 26, Quelle 27, Quelle 28
TCM
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
Aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin kommt eine Erkältung von außen. Hauptursache ist nach dieser Lehre der Wind, der sich oft mit Kälte, Hitze, Sommerhitze oder Feuchtigkeit verbindet, etwa bei einem plötzlichen Wetterwechsel oder Wind nach dem Schwitzen. Die TCM unterscheidet danach Typen: Bei Wind-Kälte stehen Frösteln, kaum Schwitzen, leichtes Fieber, klarer Schnupfen und Lust auf heiße Getränke im Vordergrund, bei Wind-Hitze Fieber, Halsschmerzen, gelber Schleim und Durst.
Behandelt wird nach Ursache, Beschwerden und Konstitution. Die Aufsichtsstelle für chinesische Medizin in Hongkong rät, chinesische Arzneimittel nur unter Anleitung einer Fachperson zu nehmen. Zur Vorbeugung nennt sie warme Fußbäder, maßvolle Bewegung ohne Überanstrengung und Kleidung, die zur Jahreszeit passt.
Ein Cochrane-Review fand 14 Studien mit 2.440 Erkrankten zu chinesischen Kräuterzubereitungen. Manche schnitten besser ab als die Vergleichsmittel, doch alle Studien waren methodisch schwach, und kaum eine Rezeptur wurde zweimal geprüft. Die Fachleute konnten deshalb keine Zubereitung empfehlen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Erkältung?
- Gut belegt
Meist ein bis zwei Wochen. Oft beginnt sie mit Kratzen im Hals, dann läuft und schwillt die Nase zu, und das Schlimmste ist meist innerhalb einer Woche überstanden. Halsschmerzen und Schnupfen verschwinden oft nach wenigen Tagen. Der Husten kann länger bleiben: Bei Erwachsenen dauert es im Schnitt 18 Tage, bis er ganz vorbei ist, bei Kindern mitunter drei Wochen. Hält er länger als drei Wochen an, lass ihn ärztlich abklären.
Was hilft schnell bei einer Erkältung?
- Teilweise belegt
- Erste Hinweise
Kein Mittel verkürzt eine Erkältung verlässlich, sie klingt meist von selbst ab. Die Beschwerden lassen sich aber lindern. Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol dämpfen Kopf- und Gliederschmerzen und senken Fieber. Ein abschwellendes Nasenspray macht die verstopfte Nase frei, aber nicht länger als eine Woche am Stück. Honig kann Erkältungsbeschwerden etwas lindern, vor allem den Husten; Babys unter einem Jahr bekommen keinen Honig. Ruhe, warme Getränke und Inhalieren tun vielen gut, auch wenn ihre Wirkung auf die Erkältung nicht belegt ist.
Helfen Antibiotika bei einer Erkältung?
- Gut belegt
Nein. Erkältungen werden von Viren ausgelöst, Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Ein Cochrane-Review fand bei Erkältung keinen Nutzen gegenüber einem Scheinmedikament, auch nicht bei eitrigem Schnupfen, der kürzer als zehn Tage besteht. Erwachsene hatten unter Antibiotika aber deutlich mehr Nebenwirkungen. Sinnvoll sind Antibiotika erst, wenn zusätzlich Bakterien im Spiel sind und zu einer Komplikation geführt haben.
Erkältung oder Grippe: Wie erkenne ich den Unterschied?
- Gut belegt
Eine Erkältung entwickelt sich meist über einige Tage, mit Halskratzen, Schnupfen, Niesen und Husten, manchmal mit leichtem Fieber, Mattigkeit sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Eine Grippe, ausgelöst von Influenzaviren, beginnt dagegen typischerweise plötzlich und macht häufiger hohes Fieber, Schüttelfrost und starke Muskel- und Gliederschmerzen. Anders als die meisten Erkältungsviren kann sie schwere Infektionen der unteren Atemwege wie eine Lungenentzündung auslösen. Die Grippeimpfung schützt übrigens nicht vor Erkältungen.
Wann solltest du mit einer Erkältung zum Arzt?
- Gut belegt
Ärztlicher Rat ist sinnvoll bei hohem Fieber, vor allem wenn es länger als drei Tage anhält, bei Luftnot, Problemen beim Atmen oder Schmerzen in der Brust, wenn die Beschwerden stärker werden oder nach zehn Tagen nicht besser sind und bei Husten über drei Wochen. Das gilt besonders bei einer chronischen Krankheit wie COPD, Diabetes oder einer Herz- oder Nierenerkrankung und bei geschwächter Abwehr. Bei schwerer Atemnot, bläulichen Lippen, Bluthusten oder plötzlicher Verwirrtheit wähle 112. Bei Babys unter drei Monaten ist schon Fieber ab 38 °C ein Grund, umgehend ärztlichen Rat zu holen, zwischen drei und sechs Monaten Fieber ab 39 °C.
Quellen: Quelle 1, Quelle 9, Quelle 31, Quelle 32, Quelle 33, Quelle 34
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Quellen
- Erkältung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de, 2023Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Schnupfen, Husten und Halsschmerzen lindern. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de, 2023Behörde / amtliche StelleZur Quelle
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Was die Evidenz-Labels bedeuten, erklären wir unter So ordnen wir ein.