Halsschmerzen
Warnzeichen: Bitte zuerst lesen
Ruf sofort den Notruf 112, wenn du das bemerkst:
- Atemnot, ein pfeifendes Geräusch beim Einatmen oder bläuliche Lippen
Das kann auf eine gefährliche Schwellung im Rachen oder am Kehldeckel hindeuten. Die Leitlinie sieht eine sofortige Einweisung ins Krankenhaus vor: Wähle 112.
Lass das sofort ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Sehr starke, einseitige Halsschmerzen mit Schluckbeschwerden, dazu Fieber, Ohrenschmerzen auf einer Seite, das Gefühl, beim Sprechen einen Kloß im Hals zu haben, oder Schwierigkeiten, den Mund zu öffnen
Das kann eine Eiteransammlung neben der Mandel sein (Peritonsillarabszess). Lass dich noch am selben Tag in einer HNO-Praxis untersuchen, sonst in einer Klinik.
- Du kannst vor Schmerzen kaum noch schlucken oder trinken, oder du fühlst dich schwer krank
Wer zu wenig trinkt, trocknet aus, und ein schweres Krankheitsgefühl kann auf eine ernste Allgemeinerkrankung hinweisen. Lass dich sofort ärztlich untersuchen.
- Halsschmerzen mit Fieber, wenn dein Abwehrsystem geschwächt ist, etwa während einer Chemotherapie, unter Kortison-Tabletten oder anderen Mitteln, die die Abwehr dämpfen, oder wenn du eine schwere Grunderkrankung hast
Dann sieht die Leitlinie ein Vorgehen vor, das auf dich zugeschnitten ist. Melde dich noch am selben Tag in deiner Praxis oder bei deinem Behandlungsteam.
- Halsschmerzen mit Fieber oder Schüttelfrost oder schmerzhafte wunde Stellen im Mund, während du das Schmerzmittel Metamizol nimmst oder kurz nachdem du es abgesetzt hast
Das kann eine seltene, aber gefährliche Nebenwirkung sein, bei der bestimmte weiße Blutkörperchen stark abfallen (Agranulozytose). Die Europäische Arzneimittel-Agentur rät, das Mittel dann nicht weiter einzunehmen und sofort ärztliche Hilfe zu holen.
Lass das ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Halsschmerzen mit Fieber und einem Hautausschlag
Dahinter kann zum Beispiel Scharlach stecken; dafür sieht die Leitlinie ein eigenes Vorgehen vor. Lass dich zeitnah ärztlich untersuchen.
- Keine Besserung nach drei bis vier Tagen, oder die Beschwerden werden stärker
Dann lohnt eine zweite Untersuchung, etwa auf ein Pfeiffersches Drüsenfieber oder eine andere Ursache.
- Halsschmerzen, die länger als zwei Wochen anhalten, vor allem ohne Zeichen eines Infekts oder zusammen mit Gewichtsverlust, Nachtschweiß oder einem deutlich schlechteren Allgemeinbefinden
Länger anhaltende Halsschmerzen haben oft andere Ursachen als eine Erkältung und gehören abgeklärt. Dauern sie länger als sechs Wochen, sieht die Leitlinie eine Untersuchung in einer HNO-Praxis vor.
Notruf: 112 · TelefonSeelsorge: 0800 111 0 111 · TelefonSeelsorge: 0800 111 0 222 · Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
Kurz erklärt
Halsschmerzen kommen meist mit einer Erkältung und werden überwiegend von Viren ausgelöst. In der Regel klingen sie innerhalb einer Woche von selbst ab. Am besten belegt zur Linderung sind Schmerzmittel wie Ibuprofen; Antibiotika verkürzen die Beschwerden nur wenig. Bei Atemnot, sehr starken einseitigen Schmerzen oder ohne Besserung nach drei bis vier Tagen gehörst du in ärztliche Hände.
Halsbonbons, heiße Getränke, Gurgeln mit Salzwasser oder Tee und Halswickel empfinden viele als wohltuend; gut geprüft ist davon kaum etwas. Salbei, Eibisch und Isländisch Moos führt die EU als traditionelle pflanzliche Arzneimittel bei Entzündungen oder Reizungen in Mund und Rachen, gestützt auf ihre lange Anwendung, nicht auf Wirksamkeitsnachweise. Auch Naturheilkunde und Traditionelle Chinesische Medizin haben eigene Ansätze; die Studien dazu sind bisher klein oder methodisch schwach.
- Gut belegt3 Aussagen
- Teilweise belegt2 Aussagen
- Erste Hinweise5 Aussagen
- Traditionell genutzt3 Aussagen
- Erfahrungswissen4 Aussagen
Sichtweisen im Vergleich
Schulmedizin
- Gut belegt
Für die Hausarztmedizin sind Halsschmerzen akut, solange sie kürzer als 14 Tage bestehen. Nach der DEGAM-Leitlinie stecken in 50 bis 80 Prozent der Fälle Viren dahinter, in etwa 15 bis 30 Prozent Streptokokken der Gruppe A. Die Leitlinie empfiehlt, über den natürlichen Verlauf zu beraten und zur Linderung Ibuprofen oder Naproxen anzubieten; außerdem nennt sie Lutschtabletten mit einem Arzneistoff.
Antibiotika verkürzen die Beschwerden nach der Leitlinie höchstens um etwa 16 Stunden, und ihr Ziel ist nicht, Komplikationen zu verhindern. Ob eines infrage kommt, schätzt die Praxis mit Punktwerten wie dem Centor- oder McIsaac-Score ab; Hinweise auf Bakterien sind etwa Fieber ohne Husten und geschwollene oder belegte Mandeln. Bei niedrigen Werten rät die Leitlinie von Antibiotika ab, bei höheren wird gemeinsam entschieden, auch über ein Rezept auf Vorrat, das nur eingelöst wird, wenn es nicht besser wird.
Ein Cochrane-Review mit 29 Studien zeichnet dasselbe Bild: Antibiotika lindern Halsschmerzen etwas schneller und machen seltene eitrige Komplikationen wie eine Mittelohrentzündung oder einen Abszess neben der Mandel noch seltener, der Nutzen ist aber klein. Die DEGAM-Leitlinie wird derzeit überarbeitet; die HNO-Leitlinie von 2024 verweist für die Grundzüge der Behandlung ohne Operation weiter auf sie.
Lebensstil
- Erste Hinweise
- Erfahrungswissen
Bei Halsschmerzen mit einer Erkältung geht es vor allem darum, die Tage gut zu überstehen. Heißer Tee oder heiße Milch werden nach gesundheitsinformation.de oft als wohltuend empfunden; dass es hilft, besonders viel zu trinken, ist dagegen nicht belegt. Auch Halsbonbons lutschen viele gern, ohne dass ein Nutzen geprüft wäre.
Honig ist das bekannteste Hausmittel. Ein systematischer Review von 14 Studien fand, dass Honig Beschwerden von Atemwegsinfekten stärker linderte als die übliche Versorgung; gemessen wurden vor allem Husten und ein Gesamtwert der Beschwerden. Gegen ein Scheinmittel war der Vorteil nicht gesichert. Säuglinge unter einem Jahr sollen nach dem Bundesinstitut für Risikobewertung keinen Honig bekommen, weil er Sporen enthalten kann, die bei ihnen Säuglingsbotulismus auslösen.
Halten Halsschmerzen länger an, nennt die Hausarzt-Leitlinie Rauchen, Schadstoffe in der Luft und eine stark beanspruchte Stimme als mögliche Auslöser. Wer davon betroffen ist, kann prüfen, ob einer dieser Reize im Spiel ist.
„Erste Hinweise“ gilt für Honig, „Erfahrungswissen“ für heiße Getränke und Halsbonbons.
Pflanzenheilkunde
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
Drei Heilpflanzen führt die Europäische Arzneimittel-Agentur als traditionelle pflanzliche Arzneimittel für Mund und Rachen. Salbeiblätter werden nach ihrer EU-Monographie bei Entzündungen in Mund und Rachen angewendet, etwa als warmer Aufguss zum Gurgeln. Eibischwurzel und Isländisch Moos sind Schleimstoff-Pflanzen: Ihre Monographien nennen sie zur Linderung von Reizungen in Mund und Rachen mit trockenem Reizhusten. In allen drei Fällen beruht die Anerkennung auf der langen Anwendung, nicht auf einem Wirksamkeitsnachweis.
Zu Salbei gibt es eine placebokontrollierte Studie mit 286 Erkrankten mit akuter Rachenentzündung: Ein Spray mit 15 Prozent Salbeiextrakt senkte die Schmerzen in den ersten zwei Stunden um etwa 44 Prozent, das Scheinspray um etwa 34 Prozent. Andere Konzentrationen zeigten keinen Vorteil, der Erstautor arbeitete bei einem Hersteller pflanzlicher Arzneimittel, und für eine anerkannte medizinische Verwendung reichte die Studie der EMA nicht.
Die Monographien raten zur ärztlichen Abklärung, wenn die Beschwerden länger als eine Woche anhalten. In Schwangerschaft und Stillzeit empfehlen alle drei Monographien ihr Mittel nicht, die für Salbei zudem nicht unter 18 Jahren; für Eibisch und Isländisch Moos gelten je nach Zubereitung Altersgrenzen für Kinder. Eibisch und Isländisch Moos sollen mit einer halben bis einer Stunde Abstand zu anderen Arzneimitteln genommen werden, weil sie deren Aufnahme verzögern können.
Quellen: Quelle 9, Quelle 10, Quelle 11, Quelle 12, Quelle 13
Naturheilkunde
- Erste Hinweise
- Erfahrungswissen
Die Naturheilkunde setzt bei Halsschmerzen auf äußere Anwendungen und Spülungen: Halswickel, etwa mit Quark, und Gurgeln mit Salzwasser oder Kräutertee. Viele Menschen empfinden solche Hausmittel nach gesundheitsinformation.de als wohltuend. Geprüft sind sie kaum: Die HNO-Leitlinie von 2024 zählt Quarkwickel, Mund-Rachen-Spülungen mit Pflanzenextrakten und Lutschtabletten ohne Arzneistoff zu den Ansätzen, die erst noch systematisch untersucht und mit Schmerzmitteln wie Ibuprofen verglichen werden sollten.
Zum Salzwasser gibt es eine kleine offene Pilotstudie aus Schottland mit 61 auswertbaren Erwachsenen. Wer bei einer beginnenden Erkältung mit Nasenspülungen und Gurgeln mit Salzwasser anfing, war im Mittel knapp zwei Tage kürzer krank und nahm seltener rezeptfreie Medikamente. Eine Scheinbehandlung zum Vergleich gab es nicht, das Gurgeln allein wurde nicht getrennt untersucht, und die Autoren halten eine größere Studie für nötig.
„Erfahrungswissen“ gilt für Halswickel und Gurgeln, „Erste Hinweise“ für Salzwasser.
TCM
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin ist eine akute Rachenentzündung kein einheitliches Krankheitsbild. Nach dieser Lehre zeigt sie sich in verschiedenen Mustern, die vor der Behandlung unterschieden werden, etwa Wind-Hitze oder Hitze in Lunge und Magen. In Studien wurden vor allem Kräuterrezepturen, meist chinesische Fertigarzneien, und Akupunktur untersucht.
Eine Übersicht über 182 randomisierte Studien zu Kräuterbehandlungen fand so unterschiedliche Messgrößen, dass sich die Ergebnisse kaum vergleichen oder zusammenfassen lassen. Zur Akupunktur wertete eine Metaanalyse 19 Studien mit 1.701 Erkrankten aus, 17 davon aus China. Akupunktur schnitt dort besser ab als Antibiotika; der Vergleich sagt allerdings wenig, weil Antibiotika Halsschmerzen selbst nur wenig verkürzen. Eine Verblindung war kaum möglich, und die Autoren raten selbst, die Ergebnisse vorsichtig zu deuten.
Die Musterlehre gibt die Sicht der TCM wieder und trägt „Traditionell genutzt“; für Akupunktur gilt „Erste Hinweise“.
Häufige Fragen
Was hilft schnell gegen Halsschmerzen?
- Teilweise belegt
- Erfahrungswissen
Am besten untersucht sind Schmerzmittel. Die Hausarzt-Leitlinie empfiehlt Ibuprofen oder Naproxen und nennt auch Lutschtabletten mit einem Arzneistoff; gesundheitsinformation.de nennt außerdem Paracetamol, das sich vor allem bei Kindern anbietet. Kinder und Jugendliche mit Fieber sollen kein ASS bekommen, weil es eine seltene, aber gefährliche Nebenwirkung haben kann. Daneben empfinden viele Halsbonbons, heißen Tee oder Gurgeln als wohltuend, auch wenn das kaum geprüft ist. Ein Antibiotikum bringt keine schnelle Erleichterung: Es verkürzt die Beschwerden im Schnitt um einen halben bis einen Tag und nützt nur, wenn Bakterien die Ursache sind.
Wie lange dauern Halsschmerzen?
- Gut belegt
Meist nicht lange. Die meisten Halsschmerzen klingen auch ohne besondere Behandlung innerhalb einer Woche ab; bei einer akuten Mandelentzündung legen sich Halsschmerzen und Fieber innerhalb von ein bis zwei Wochen. Wird es nach drei bis vier Tagen nicht besser, sieht die Hausarzt-Leitlinie eine erneute Untersuchung vor, etwa um ein Pfeiffersches Drüsenfieber zu erkennen. Halsschmerzen, die länger als 14 Tage bestehen, zählen als chronisch. Sie haben oft andere Ursachen, zum Beispiel Rauchen, Reflux, eine stark beanspruchte Stimme oder Medikamente wie Kortisonsprays zum Inhalieren, und gehören ärztlich abgeklärt.
Brauche ich bei Halsschmerzen ein Antibiotikum?
- Gut belegt
Meist nicht. Die meisten Halsschmerzen kommen von Viren, gegen die Antibiotika nichts ausrichten. Selbst wenn vieles auf Bakterien hindeutet, ist der Nutzen klein: In Studien, deren Teilnehmende überwiegend solche Anzeichen hatten, hatten nach drei Tagen ohne Antibiotikum noch etwa 80 von 100 Menschen Halsschmerzen, mit Antibiotikum etwa 55 von 100. Etwa 10 von 100 Erwachsenen bekommen durch das Antibiotikum Nebenwirkungen, vor allem Durchfall oder Hautausschlag. Für die Entscheidung nutzt die Praxis Punktwerte wie den Centor-Score; Hinweise auf Bakterien sind etwa Fieber ohne Husten und geschwollene oder belegte Mandeln.
Wann sollte ich mit Halsschmerzen zum Arzt?
- Teilweise belegt
Sofort, wenn du schlecht Luft bekommst oder beim Einatmen ein pfeifendes Geräusch entsteht: Dann wähle 112. Noch am selben Tag, wenn die Schmerzen sehr stark und einseitig sind, du den Mund kaum öffnen kannst, beim Sprechen ein Kloßgefühl hast oder kaum noch schlucken und trinken kannst; das kann auf einen Abszess neben der Mandel hindeuten. Ärztlich abklären lassen solltest du auch Halsschmerzen, die nach drei bis vier Tagen nicht besser werden, die länger als zwei Wochen dauern oder die bei einem stark geschwächten Abwehrsystem auftreten. Nimmst du das Schmerzmittel Metamizol und bekommst Halsschmerzen mit Fieber, hol dir sofort ärztliche Hilfe. Ein Abszess ist selten: Er tritt bei höchstens 1 bis 10 von 1.000 Menschen auf, die wegen Halsschmerzen ärztlich behandelt werden.
Hilft Gurgeln mit Salbeitee oder Salzwasser?
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
- Erfahrungswissen
Viele empfinden es als wohltuend, belegt ist der Nutzen kaum. Salbeiblätter führt die EU-Monographie als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei Entzündungen in Mund und Rachen, unter anderem als warmen Aufguss zum Gurgeln; das stützt sich auf die lange Anwendung. Ein Salbei-Spray linderte in einer Studie, deren Erstautor bei einem Arzneimittelhersteller arbeitete, die Halsschmerzen in den ersten zwei Stunden etwas stärker als ein Scheinspray. Zum Salzwasser gibt es nur eine kleine offene Pilotstudie, in der Nasenspülungen und Gurgeln zusammen die Erkältung um knapp zwei Tage verkürzten. Halten die Beschwerden länger als eine Woche an, rät die Monographie zur ärztlichen Abklärung.
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Quellen
- S3-Leitlinie Halsschmerzen (AWMF-Register 053-010, DEGAM-Leitlinie Nr. 14), Kurzversion. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), 2020LeitlinieZur Quelle
- Verschwinden Halsschmerzen schneller durch Antibiotika? (gesundheitsinformation.de). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de, 2022Behörde / amtliche StelleZur Quelle
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- S3-Leitlinie Therapie der Tonsillo-Pharyngitis (AWMF-Register 017-024), Version 4.0. Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC), 2024LeitlinieZur Quelle
- Schnupfen, Husten und Halsschmerzen lindern. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de, 2023Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Mandelentzündung (gesundheitsinformation.de). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de, 2022Behörde / amtliche StelleZur Quelle
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- Metamizole-containing medicinal products – Article 107i referral (Information for patients). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), 2024Behörde / amtliche StelleZur Quelle
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