Pflanze
Kurkuma
Curcuma longa
Auch bekannt als: Curcumin, Gelbwurz, Kurkumawurzelstock, Curcumae longae rhizoma, Curcuma domestica
Kurz erklärt
Kurkuma (Curcuma longa) ist eine Staude aus der Familie der Ingwergewächse. Arzneilich genutzt wird der Wurzelstock, der nach dem Europäischen Arzneibuch gekocht oder gedämpft, getrocknet und von Wurzeln und Außenschicht befreit wird. Er ist ein verbreitetes Gewürz, und sein Inhaltsstoff Curcumin ist als Lebensmittelfarbstoff E 100 im Einsatz.
Die gelbe Farbe stammt von den Curcuminoiden, die zu etwa 90 Prozent aus Curcumin bestehen. Nach den Analysen, die die EMA 2025 auswertete, enthält der Wurzelstock im Mittel nur rund 2 bis 3 Prozent davon; dazu kommen ätherisches Öl und zum größten Teil Kohlenhydrate. Curcumin wird aus dem Darm schlecht aufgenommen und rasch abgebaut. Viele Nahrungsergänzungsmittel enthalten deshalb angereicherte Extrakte, oft mit Piperin aus schwarzem Pfeffer oder in besonderen Zubereitungen, die die Aufnahme steigern. Das sind andere Produkte als das Gewürz, und gerade für sie haben Behörden Leberschäden ausgewertet.
Für Kurkumawurzelstock gibt es eine EU-Monographie. Sie führt ihn nur als traditionelles Arzneimittel bei Verdauungsbeschwerden; wofür genau und wie gut das belegt ist, steht bei den Anwendungen.
Kurkuma ist ein gewöhnliches Gewürz, Curcumin ist als Lebensmittelfarbstoff E 100 zugelassen, und Kurkuma wird in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet. Als Arzneimittel gilt Kurkuma, wenn ein Präparat als traditionelles Arzneimittel nach der EU-Monographie registriert ist; nur dafür gelten deren Mengen und Hinweise. Für die Bewertung von Nahrungsergänzungsmitteln ziehen BfR und ANSES die akzeptable Tagesmenge der EFSA heran; ANSES fordert, die Regeln für Pflanzen in Nahrungsergänzungsmitteln europaweit anzugleichen. Die beantragte Gesundheitsaussage, Curcumin trage zur normalen Gelenkfunktion bei, wurde in der EU nicht genehmigt.
Wofür
Arthrose
- Erste Hinweise
Zu Kurkumaextrakt und Curcumin bei Arthrose gibt es viele kleine Studien. Eine Metaanalyse von 15 randomisierten Studien mit 1.621 Menschen fand weniger Schmerzen, Steifigkeit und Einschränkungen als unter Placebo und ähnliche Ergebnisse wie unter Schmerzmitteln aus der Gruppe der NSAR, bei weniger Nebenwirkungen als diese. Auch eine Auswertung von Nahrungsergänzungsmitteln bei Arthrose an Hand, Hüfte oder Knie sah bei Kurkuma kurzfristig deutliche Effekte auf den Schmerz.
Was dagegen spricht
Die großen Effekte beruhen auf wenigen, kleinen Studien mit sehr unterschiedlichen Präparaten, die Belege sind teils von sehr niedriger Qualität. Nach mittlerer und längerer Zeit fand die große Auswertung von Nahrungsergänzungsmitteln bei keinem Nahrungsergänzungsmittel einen klinisch bedeutsamen Nutzen. Die EU-Monographie führt Kurkuma nicht für Gelenkbeschwerden; die einzige Arthrose-Studie, die die EMA sah, prüfte eine ayurvedische Mischung. Die Gesundheitsaussage zur Gelenkfunktion wurde in der EU nicht genehmigt. Für Präparate mit erhöhter Aufnahme oder hohen Mengen Curcumin sind nach der EMA Leberschäden beschrieben.
Blähungen
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
Die EU-Monographie führt Kurkumawurzelstock als traditionelles Arzneimittel zur Linderung von Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, träger Verdauung und Blähungen, gestützt allein auf lange Anwendung. In einer randomisierten Studie aus Thailand mit 116 Menschen mit Verdauungsbeschwerden, darunter Blähungen, besserten sich die Beschwerden nach sieben Tagen unter Kurkumapulver bei 87 Prozent, unter Placebo bei 53 Prozent; ob der Unterschied statistisch gesichert war, geht aus dem Bewertungsbericht nicht hervor. Nach dem Bewertungsbericht der EMA stützen solche Daten die traditionelle Anwendung teilweise.
Was dagegen spricht
Für eine anerkannte medizinische Verwendung reichen die Daten nach der EMA nicht: Zur thailändischen Studie ist wenig über Ablauf und Verblindung bekannt, weitere Studien hatten keine Placebogruppe und beruhten auf Selbstauskünften. Blähungen gehören nach der Monographie selbst zu den möglichen Nebenwirkungen von Kurkuma. Ein systematischer Review von 2024 hält die Wirksamkeit bei Verdauungsbeschwerden wegen des hohen Verzerrungsrisikos der Studien für unklar.
Knieschmerzen
- Erste Hinweise
Bei Knieschmerzen durch Arthrose wurden Kurkumaextrakt und Curcumin in mehreren kleinen Studien geprüft, auch bei Arthrose des Knies. Eine Metaanalyse von 15 Studien mit 1.621 Menschen fand weniger Schmerzen und Steifigkeit als unter Placebo und ähnliche Ergebnisse wie unter Schmerzmitteln aus der Gruppe der NSAR. Für Knieschmerzen anderer Ursache, etwa nach Verletzungen, gibt es dazu keine Belege.
Was dagegen spricht
Die Studien sind klein, die Präparate sehr verschieden, die Belege teils von sehr niedriger Qualität, und nach längerer Zeit fand eine große Auswertung keinen klinisch bedeutsamen Nutzen mehr. Die EU-Monographie führt Kurkuma nicht für Gelenkbeschwerden. Für Präparate mit erhöhter Aufnahme oder hohen Mengen Curcumin sind nach der EMA Leberschäden beschrieben.
Magenschmerzen
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
Bei funktionellen Magenbeschwerden (Reizmagen) wird Kurkuma traditionell eingesetzt; die EU-Monographie führt sie als traditionelles Arzneimittel bei Völlegefühl und träger Verdauung. In einer doppelblinden Studie aus Thailand mit 206 Menschen mit Reizmagen besserten Curcumin, der Säureblocker Omeprazol und beide zusammen Schmerzen und andere Beschwerden nach vier und nach acht Wochen ähnlich stark; ernste Nebenwirkungen traten nicht auf.
Was dagegen spricht
Die thailändische Studie hatte keine Placebogruppe, und gut ein Viertel der Teilnehmenden beendete sie nicht; ob Curcumin mehr bewirkt als die oft große Besserung unter Placebo, zeigt sie nicht. Ältere Studien sind klein oder ohne Kontrollgruppe. Ein systematischer Review von 2024 hält die Wirksamkeit bei Verdauungsbeschwerden für unklar. Die Monographie rät bei Gallensteinen und Erkrankungen der Gallenwege von Kurkuma ab, und halten Beschwerden länger als zwei Wochen an, rät sie zu ärztlichem Rat.
Reizdarm
- Erste Hinweise
Beim Reizdarmsyndrom gibt es zu Curcumin erste, unsichere Hinweise. Eine Metaanalyse von drei Studien mit 326 Menschen fand eine Tendenz zu weniger Beschwerden, der Unterschied zu Placebo war aber statistisch nicht gesichert. Ein systematischer Review von 2024 sieht eine mögliche Wirkung beim Reizdarm, hält die Studien aber für zu fehleranfällig, um sie sicher zu beurteilen.
Was dagegen spricht
Die Datengrundlage ist sehr klein und uneinheitlich, die Präparate unterschieden sich stark. In einer Pilotstudie, die die EMA bewertete, besserten sich die Beschwerden unter einem Kurkumaextrakt, eine Placebogruppe fehlte jedoch, und etwa ein Viertel der Teilnehmenden berichtete Mundtrockenheit und Blähungen. Die EU-Monographie führt Kurkuma nicht für das Reizdarmsyndrom.
Anwendung
Formen und Einnahme
- Pulver und Tee aus dem WurzelstockGepulverter Wurzelstock zum Einnehmen oder geschnittener Wurzelstock als Aufguss. Beides führt die EU-Monographie als traditionelles Arzneimittel bei Verdauungsbeschwerden. Nach den Berechnungen der EMA entspricht die Tageshöchstmenge der Monographie etwa 35 bis 155 mg Curcumin, je nach Gehalt der Droge.
- Tinkturen und TrockenextrakteZwei Tinkturen mit 70-prozentigem Ethanol (1 zu 10 und 1 zu 5) und zwei Trockenextrakte (mit 96- oder 50-prozentigem Ethanol) stehen ebenfalls als traditionelle Arzneimittel in der Monographie. Sie sind unterschiedlich stark, ihre Mengen lassen sich nicht gegeneinander austauschen; maßgeblich ist die Packungsbeilage. Tinkturen enthalten Alkohol.
- Curcumin-Extrakte mit erhöhter AufnahmeNahrungsergänzungsmittel mit angereichertem Curcumin, oft kombiniert mit Piperin oder als Mizellen, in Fettträgern oder verkapselt. Nach der französischen Behörde ANSES steigern solche Zubereitungen die Aufnahme um das 4- bis 185-Fache gegenüber einfachem Curcumin; in einer kleinen Studie, die die EMA anführt, erhöhte Piperin sie um das Zwanzigfache. Für diese Produkte gilt nach ANSES die übliche akzeptable Tagesmenge nicht, und nach BfR und EMA betrafen die beschriebenen Leberschäden meist solche Präparate oder hohe Mengen Curcumin. Auf der Packung ist oft nicht erkennbar, welche Zubereitung enthalten ist.
- GewürzKurkuma im Essen ist ein Lebensmittel. Die Aufnahme von Curcumin über die gewöhnliche Ernährung ist nach ANSES gering und liegt bei fast allen Menschen deutlich unter der akzeptablen Tagesmenge. Die Mengen und Warnhinweise dieser Seite beziehen sich auf Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel.
Die EU-Monographie sieht die traditionellen Zubereitungen zum Einnehmen vor, meist zwei- bis dreimal täglich, für Erwachsene und Ältere; die Mengen stehen in der Dosis-Übersicht, maßgeblich ist die Packungsbeilage des jeweiligen Arzneimittels. Halten die Beschwerden länger als zwei Wochen an oder werden sie während der Einnahme stärker, lass das ärztlich abklären.
Für Nahrungsergänzungsmittel ziehen BfR und ANSES die akzeptable tägliche Aufnahmemenge der EFSA heran, die für alle Quellen zusammen gilt, also auch für Gewürz und Farbstoff. Bei Präparaten mit erhöhter Aufnahme lässt sich nach beiden Behörden nicht sagen, welche Menge sicher ist. ANSES rät, mit einer Ärztin, einem Arzt oder in der Apotheke zu besprechen, ob ein solches Präparat sinnvoll ist, dort alle Medikamente anzugeben und nicht mehrere Nahrungsergänzungsmittel gleichzeitig zu nehmen.
Dosis-Übersicht
| Grundlage | Menge | Einordnung |
|---|---|---|
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 0,5–1 g Einzeldosis | Erwachsene und Ältere · Gepulverter Wurzelstock, traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, träger Verdauung und Blähungen: zwei- bis dreimal täglich. Nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, nicht in Schwangerschaft und Stillzeit. Halten die Beschwerden länger als zwei Wochen an, ärztlichen Rat suchen. Quelle: Quelle 6 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 0,5–1 g Einzeldosis | Erwachsene und Ältere · Geschnittener Wurzelstock als Tee, mit 150 ml kochendem Wasser aufgegossen; traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei Verdauungsbeschwerden: zwei- bis dreimal täglich. Nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, nicht in Schwangerschaft und Stillzeit. Quelle: Quelle 6 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 0,5–1 ml Einzeldosis | Erwachsene und Ältere · Tinktur im Verhältnis 1 zu 10 mit 70-prozentigem Ethanol, traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei Verdauungsbeschwerden: dreimal täglich. Enthält Alkohol. Nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Quelle: Quelle 6 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 5–10 ml Einzeldosis | Erwachsene und Ältere · Tinktur im Verhältnis 1 zu 5 mit 70-prozentigem Ethanol, traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei Verdauungsbeschwerden: entweder 10 ml einmal täglich oder 5 ml in 60 ml Wasser dreimal täglich. Deutlich stärker als die Tinktur 1 zu 10, die Mengen sind nicht austauschbar. Enthält Alkohol. Nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Quelle: Quelle 6 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 90–162 mg pro Tag | Erwachsene und Ältere · Trockenextrakt mit 96-prozentigem Ethanol (Droge-Extrakt-Verhältnis 13 bis 25 zu 1), traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei Verdauungsbeschwerden: die Tagesmenge verteilt auf zwei bis fünf Gaben. Nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Quelle: Quelle 6 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 100–200 mg Einzeldosis | Erwachsene und Ältere · Trockenextrakt mit 50-prozentigem Ethanol (Droge-Extrakt-Verhältnis 5,5 bis 6,5 zu 1), traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei Verdauungsbeschwerden: zweimal täglich. Nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Quelle: Quelle 6 |
| Sichere HöchstmengeObergrenze, z. B. von EFSA oder BfR | 180 mg pro Tag | Erwachsene mit 60 kg Körpergewicht · Curcumin aus allen Quellen zusammen, also Essen, Farbstoff und Nahrungsergänzungsmittel: abgeleitet aus der akzeptablen täglichen Aufnahmemenge der EFSA von 3 mg je Kilogramm Körpergewicht, auf die sich BfR und ANSES stützen. Weil auch das Essen etwas beiträgt, sollen Nahrungsergänzungsmittel nach ANSES höchstens 153 mg am Tag liefern. Diese Werte gelten nur für einfaches Curcumin; für Präparate mit Piperin oder anderer erhöhter Aufnahme ist nach beiden Behörden keine sichere Menge bekannt. Nach der EMA liegen die Tageshöchstmengen der EU-Monographie bei durchschnittlichem Curcumingehalt der Droge im Bereich der akzeptablen Tagesmenge; bei sehr curcuminreicher Droge können sie darüber liegen, beim Trockenextrakt mit 96-prozentigem Ethanol bis zu 209 mg Curcumin am Tag. |
Nicht jede Zeile lässt sich in der Grafik vergleichen (andere Einheit oder anderer Zeitraum); die Tabelle zeigt alle.
Keine persönliche Dosisempfehlung. Sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke, besonders wenn du Medikamente nimmst.
Risiken
Nebenwirkungen
Nach der EU-Monographie können leichte Mundtrockenheit, Blähungen und Magenreizungen auftreten; wie häufig, ist nicht bekannt. Nach dem Bewertungsbericht der EMA sind selten allergische Hautreaktionen bei Kontakt mit Kurkuma beschrieben.
Bei Nahrungsergänzungsmitteln mit Kurkuma oder Curcumin sind Leberentzündungen beschrieben, teils schwer. Ein US-amerikanisches Netzwerk zählte zehn Fälle, von denen fünf ins Krankenhaus kamen und einer tödlich endete; sie traten meist ein bis vier Monate nach Beginn der Einnahme auf. Das französische Meldesystem erfasste 15 Fälle, zusammen mit Italien über 40. Nach der EMA betrafen die Fälle vor allem Präparate mit erhöhter Aufnahme oder hohen Mengen Curcumin, oft mit Piperin, und fast immer nahmen die Betroffenen weitere Mittel; ein ursächlicher Zusammenhang ließ sich deshalb nicht sichern. Für die Mengen der Monographie sind keine Leberschäden berichtet, ab welcher Menge sie auftreten können, ist unbekannt. In den beschriebenen Fällen fielen unter anderem eine Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunkler Urin und Juckreiz auf: Dann die Einnahme beenden und rasch ärztlich abklären lassen.
Wechselwirkungen
- Gerinnungshemmer wie Phenprocoumon, Warfarin oder Dabigatran und Thrombozytenaggregationshemmer wie ASS oder ClopidogrelMittel
Curcumin und Bestandteile des ätherischen Öls hemmten in Labor- und Tierversuchen die Blutgerinnung und das Verklumpen der Blutplättchen. Am Menschen sind die Befunde uneinheitlich: In kleinen Studien, die ANSES auswertete, zeigte ein Curcumin-Präparat über zehn Tage keine Wechselwirkung mit ASS, Clopidogrel, Warfarin und Dabigatran, und Curcuminoide allein oder zusammen mit ASS führten nicht zu mehr Blutungen. Fallberichte beschreiben dagegen eine Wechselwirkung mit Warfarin und bei einer Frau, die fünf Tage lang einen Teelöffel Kurkuma täglich nahm, einen Anstieg des Gerinnungswerts INR unter einem Vitamin-K-Antagonisten, ohne Zeichen einer Blutung. Die EU-Monographie nennt keine Wechselwirkungen, weil klinische Daten fehlen, und nach ihrer Überprüfung 2025 sind für die Mengen der Monographie keine berichtet. ANSES sieht bei Nahrungsergänzungsmitteln dagegen eine belegte Gefahr, weil Curcumin den Abbau vieler Medikamente verändern kann: Ihre Fachleute raten, solche Präparate zu Gerinnungshemmern zu meiden, und die Behörde rät davon ab, sie ohne ärztlichen Rat zu nehmen. Wenn du Blutverdünner nimmst, nimm ein Kurkuma-Präparat nur nach Rücksprache mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder der Apotheke.
- Krebsmedikamente wie Tamoxifen, Immunsuppressiva und andere Arzneimittel, die über das Enzym CYP3A4 oder den Transporter P-Glykoprotein verarbeitet werdenMittel
Curcumin beeinflusst im Labor und im Körper das Leberenzym CYP3A4 und den Transporter P-Glykoprotein. In klinischen Studien veränderte es die Spiegel von Talinolol, Tamoxifen und seinem Wirkstoff Endoxifen sowie Sulfasalazin, allerdings mit Curcumin-Mengen über denen der Monographie. Kurkuma veränderte in einem Fallbericht den Spiegel von Tacrolimus nicht. ANSES rät, Kurkuma-Präparate zu Krebsmedikamenten und Medikamenten mit enger Spanne zwischen Wirkung und Überdosis zu meiden. Wer solche Medikamente nimmt, bespricht Kurkuma-Präparate vorher mit der behandelnden Praxis.
Wer es nicht nehmen sollte
Nicht bei Überempfindlichkeit gegen Kurkuma. Weil Kurkuma die Gallensekretion anregen kann, empfiehlt die EU-Monographie sie nicht bei Verschluss der Gallenwege, Entzündung der Gallenwege, Lebererkrankungen, Gallensteinen und anderen Erkrankungen der Galle; auch ANSES rät Menschen mit Gallenwegserkrankungen von Kurkuma-Präparaten ab.
Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren empfiehlt die Monographie Kurkuma als Arzneimittel nicht, weil Daten fehlen. In Schwangerschaft und Stillzeit ist die Sicherheit nicht belegt, die Einnahme wird nicht empfohlen; nach einer Studie an Ratten, auf die sich der Bewertungsbericht stützt, gehen Curcumin oder seine Abbauprodukte in die Muttermilch über. Tests zur Fruchtbarkeit, zur Schädigung des Erbguts und zu Krebs wurden für die Zubereitungen nicht ausreichend gemacht. Tinkturen enthalten Alkohol.
Überdosierung
Nach der EU-Monographie ist kein Fall einer Überdosierung berichtet. In einer frühen Studie mit 25 Menschen traten unter bis zu 8 g Curcumin täglich über drei Monate keine giftigen Wirkungen auf. Nach dem Nachtrag der EMA ist jedoch unbekannt, ab welcher Menge Leberschäden auftreten können.
Häufige Fragen
Hilft Kurkuma bei Arthrose und Gelenkschmerzen?
- Erste Hinweise
Es gibt erste Hinweise, aber keine sicheren Belege. Eine Metaanalyse von 15 Studien mit 1.621 Menschen mit Arthrose fand unter Kurkumaextrakt und Curcumin weniger Schmerzen und Steifigkeit als unter Placebo. Eine größere Auswertung vieler Nahrungsergänzungsmittel sah bei Kurkuma kurzfristig deutliche Effekte, aber auf schwacher Datengrundlage, und nach längerer Zeit bei keinem Mittel einen klinisch bedeutsamen Nutzen. Die EU-Monographie führt Kurkuma nicht für Gelenkbeschwerden, und eine Gesundheitsaussage zur Gelenkfunktion wurde nicht genehmigt.
Ist Kurkuma schädlich für die Leber?
- Erste Hinweise
Als Gewürz gilt Kurkuma nicht als Risiko, bei Nahrungsergänzungsmitteln sind aber Leberschäden beschrieben, selten, teils schwer und in einem US-Fall tödlich. Nach der EMA betrafen sie vor allem Präparate mit erhöhter Aufnahme, etwa mit Piperin, oder hohe Mengen Curcumin, meist zusammen mit anderen Mitteln, sodass sich die Ursache nicht sichern ließ. Für die Mengen der EU-Monographie sind keine Leberschäden berichtet. Gelbe Haut oder Augen, dunkler Urin oder Juckreiz unter der Einnahme gehören rasch ärztlich abgeklärt.
Darf ich Kurkuma nehmen, wenn ich Blutverdünner nehme?
- Erste Hinweise
Ein Kurkuma-Präparat nur nach ärztlichem Rat: So empfiehlt es die französische Behörde ANSES für Nahrungsergänzungsmittel zu Gerinnungshemmern. In Labor- und Tierversuchen hemmte Curcumin die Gerinnung, und es kann den Abbau von Medikamenten verändern. Kleine Studien am Menschen fanden keine Wechselwirkung mit ASS, Clopidogrel, Warfarin oder Dabigatran, Fallberichte aber einen veränderten Gerinnungswert, einmal schon bei einem Teelöffel Kurkuma täglich. Für die Mengen der EU-Monographie sind nach der EMA keine Wechselwirkungen berichtet. Sprich deshalb vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke.
Hilft Kurkuma bei Völlegefühl und Blähungen?
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
Die EU-Monographie führt Kurkuma als traditionelles Arzneimittel bei Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, träger Verdauung und Blähungen, gestützt allein auf lange Anwendung. Studien gibt es wenige: In einer alten Studie aus Thailand besserten sich die Beschwerden unter Kurkuma bei mehr Menschen als unter Placebo, ob statistisch gesichert, ist nicht bekannt; in einer neueren schnitt Curcumin bei Reizmagen ähnlich ab wie ein Säureblocker, allerdings ohne Placebogruppe. Halten die Beschwerden länger als zwei Wochen an, lass sie ärztlich abklären.
Warum ist in Kurkuma-Kapseln oft schwarzer Pfeffer?
- Erste Hinweise
Weil der Körper Curcumin allein kaum aufnimmt. Piperin aus schwarzem Pfeffer und andere Zubereitungen steigern die Aufnahme deutlich, nach ANSES um ein Vielfaches. Damit steigt aber auch die Menge, die im Körper ankommt: Für solche Präparate ist nach BfR und ANSES keine sichere Tagesmenge bekannt, und nach BfR und EMA betrafen die beschriebenen Leberschäden meist solche Präparate oder hohe Mengen. Die EMA will einen Warnhinweis zu Wechselwirkungen bei solchen Aufnahmeverstärkern bei der nächsten Überprüfung prüfen.
Nächster Schritt
Bevor du etwas einnimmst: Lass dich beraten, zum Beispiel in deiner Hausarztpraxis oder deiner Apotheke. Bring vorhandene Laborwerte mit, und sag, welche Medikamente du nimmst.
Mehr zu den Themen findest du oben unter Wofür und in der Themenübersicht.
Quellen
Alle 12 Quellen anzeigen
- Zeng L, Yu G, Hao W, Yang K, Chen H. The efficacy and safety of Curcuma longa extract and curcumin supplements on osteoarthritis: a systematic review and meta-analysis.. Bioscience reports, 2021MetaanalyseDOI 10.1042/bsr20210817PubMed 34017975
- Liu X, Machado GC, Eyles JP, Ravi V, Hunter DJ. Dietary supplements for treating osteoarthritis: a systematic review and meta-analysis.. British journal of sports medicine, 2018MetaanalyseDOI 10.1136/bjsports-2016-097333PubMed 29018060
- Assessment report on Curcuma longa L., rhizoma, Final (EMA/HMPC/749518/2016). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC), 2018Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Kurkuma: Fakten und Mythen. Verbraucherzentrale Bundesverband, 2026WebsiteZur Quelle
- Addendum to Assessment report on Curcuma longa L., rhizoma (EMA/HMPC/81467/2025). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC), 2025Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- European Union herbal monograph on Curcuma longa L., rhizoma, Final (EMA/HMPC/329755/2017). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC), 2018MonographieZur Quelle
- Thavorn K, Wolfe D, Faust L, Shorr R, Akkawi M, Isaranuwatchai W, et al.. A systematic review of the efficacy and safety of turmeric in the treatment of digestive disorders.. Phytotherapy research : PTR, 2024Systematischer ReviewDOI 10.1002/ptr.8189PubMed 38503513
- Kongkam P, Khongkha W, Lopimpisuth C, Chumsri C, Kosarussawadee P, Phutrakool P, et al.. Curcumin and proton pump inhibitors for functional dyspepsia: a randomised, double blind controlled trial.. BMJ evidence-based medicine, 2023Randomisierte kontrollierte StudieDOI 10.1136/bmjebm-2022-112231PubMed 37696679
- Ng QX, Soh AYS, Loke W, Venkatanarayanan N, Lim DY, Yeo WS. A Meta-Analysis of the Clinical Use of Curcumin for Irritable Bowel Syndrome (IBS).. Journal of clinical medicine, 2018MetaanalyseDOI 10.3390/jcm7100298PubMed 30248988
- Avis relatif à l'évaluation des risques liés à la consommation de compléments alimentaires contenant du curcuma (Saisine n° 2019-SA-0111). Agence nationale de sécurité sanitaire de l'alimentation, de l'environnement et du travail (ANSES), Frankreich, 2022Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Curcumin in Nahrungsergänzungsmitteln: Gesundheitlich akzeptable tägliche Aufnahmemenge kann überschritten werden (Stellungnahme Nr. 040/2021). Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2021Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Halegoua-DeMarzio D, Navarro V, Ahmad J, Avula B, Barnhart H, Barritt AS, et al.. Liver Injury Associated with Turmeric-A Growing Problem: Ten Cases from the Drug-Induced Liver Injury Network [DILIN].. The American journal of medicine, 2023FallberichtDOI 10.1016/j.amjmed.2022.09.026PubMed 36252717
Mit anderen darüber reden: jeden Mittwoch um 19:30 beim Mittwochabend in der Principium-App, online und kostenlos.