Pflanze
Aloe vera
Aloe barbadensis (Aloe vera), Aloe ferox
Auch bekannt als: Echte Aloe, Aloe barbadensis, Curaçao-Aloe, Kap-Aloe, Aloe-vera-Gel, Aloe-Saft, Aloe-Latex, Aloes folii succus siccatus
Kurz erklärt
Aloe vera ist eine Sukkulente mit dicken, fleischigen Blättern. Aus einem Blatt kommen zwei sehr verschiedene Stoffe: das farblose Gel aus dem Blattinneren und der gelbliche, bittere Saft aus den Zellen direkt unter der Blatthaut, oft Latex genannt. Der getrocknete Saft enthält Anthranoide, vor allem Aloin, die stark abführen. Das Gel enthält sie nur, wenn beim Schälen Reste der äußeren Schicht hineingeraten.
Die EU-Monographie der Arzneimittelagentur EMA gilt nur dem getrockneten Saft: als Abführmittel zur kurzen Anwendung bei gelegentlicher Verstopfung, höchstens eine Woche. Eigene Studien dazu gibt es nach dem Bewertungsbericht nicht, die Einstufung stützt sich auf den Vergleich mit anderen Anthranoiden wie Sennes. Wegen eines Verdachts auf Erbgut- und Krebsrisiken in Tierversuchen sind diese Abführmittel eng begrenzt.
Das Gel steckt in Hautpflege und Getränken. Eine belegte medizinische Verwendung sieht die EMA dafür nicht; kleine Studien zu Haut, Akne und Schuppenflechte kommen zu gemischten Ergebnissen. Wofür Aloe eingesetzt wird und wie gut das belegt ist, steht bei den Anwendungen.
Aloe-vera-Gel aus dem Blattinneren wird in der EU in Lebensmitteln und Kosmetika verwendet; nach dem BfR betrifft der Verdacht auf Krebsrisiken anthranoidfreies Gel nicht. Als Arzneimittel gilt nur der getrocknete Blattsaft mit eingestelltem Anthranoidgehalt; für ihn gelten Menge, Dauer und Gegenanzeigen dieser Seite. Die EU hatte 2021 Zubereitungen aus Aloe-Blättern, die Anthranoide enthalten, in Lebensmitteln verboten. Das Gericht der EU hat diesen Eintrag im November 2024 für nichtig erklärt. Das BfR hatte solche Zubereitungen 2017 für ungeeignet in Lebensmitteln erklärt.
Wofür
Akne
- Erste Hinweise
In einer doppelblinden Studie mit 60 Menschen mit leichter bis mittelschwerer Akne verringerte ein Aloe-vera-Gel zusätzlich zu Tretinoin-Creme die Pickel über acht Wochen stärker als Tretinoin allein, und die Haut war weniger gerötet. Nach der US-Behörde NCCIH deuten zwei kleine Studien an, dass Aloe-Gel zusätzlich zu anderen Behandlungen helfen kann.
Was dagegen spricht
Aloe wurde nur zusätzlich zu einem Akne-Medikament geprüft, nicht allein, und die Studien sind klein. Eine Metaanalyse zu ergänzenden Mitteln bei Akne fand keine ausreichenden Belege für eine Empfehlung.
Schuppenflechte
- Erste Hinweise
In einer placebokontrollierten Studie mit 60 Erwachsenen klangen die Herde mit einer Creme mit Aloe-Extrakt bei 25 von 30 ab, mit Placebo bei 2 von 30. In einer Studie mit 80 Menschen besserte eine Aloe-Creme die Haut ähnlich wie eine schwache Kortisoncreme. Eine Metaanalyse sieht begrenzte Unterstützung für Aloe zum Auftragen bei leichter Schuppenflechte.
Was dagegen spricht
In einer doppelblinden Studie mit 41 Menschen war ein handelsübliches Aloe-Gel nicht besser als Placebo, und viele bekamen trockene Haut. Die Studien sind klein und methodisch schwach, ein neuerer Review sieht für Aloe gemischte Ergebnisse. Nach dem IQWiG ist ein Nutzen nicht nachgewiesen, Fachgesellschaften empfehlen Aloe nicht.
Quellen: Quelle 4, Quelle 5, Quelle 6, Quelle 7, Quelle 8, Quelle 9
Verstopfung
- Erste Hinweise
Die EU-Monographie erkennt einen Trockenextrakt aus getrocknetem Aloe-Blattsaft als Arzneimittel zur kurzen Anwendung bei gelegentlicher Verstopfung an, einmal täglich abends, ab 12 Jahren und höchstens eine Woche. Die enthaltenen Anthranoide regen den Dickdarm an und halten Wasser im Darm; der Stuhlgang folgt nach 6 bis 12 Stunden.
Was dagegen spricht
Studien zur Wirksamkeit von Aloe bei Verstopfung gibt es nach dem Bewertungsbericht der EMA nicht; die Einstufung beruht auf der Pharmakologie und dem Vergleich mit anderen Anthranoiden wie Sennes. Die Monographie sieht Aloe erst vor, wenn Ernährung und Quellstoffe nicht reichen. Wegen eines Verdachts auf Erbgut- und Krebsrisiken aus Tierversuchen ist die Anwendung begrenzt, in Schwangerschaft, Stillzeit und unter 12 Jahren ausgeschlossen. Lange Einnahme kann die Darmfunktion schwächen.
Anwendung
Formen und Einnahme
- Getrockneter Blattsaft (Aloe-Latex)Der eingedickte gelbe Saft aus den Zellen unter der Blatthaut, als Curaçao-Aloe oder Kap-Aloe. Nach der EU-Monographie ein Arzneimittel: ein wässriger Trockenextrakt, eingestellt auf einen festen Gehalt an Anthranoiden, zum Einnehmen als kurzzeitiges Abführmittel bei gelegentlicher Verstopfung, ab 12 Jahren.
- Aloe-vera-Gel zum AuftragenDas farblose, schleimige Gewebe aus dem Blattinneren, in Gelen, Cremes und Lotionen. Die EMA bewertet das Gel nicht, weil sie keine belegte medizinische Verwendung sieht. Studien prüften es vor allem bei Verbrennungen, Akne und Schuppenflechte, mit gemischten Ergebnissen.
- Säfte und Getränke aus Gel oder ganzen BlätternAls Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Entscheidend ist, ob die äußere Blattschicht entfernt wurde: Nach dem BfR ist anthranoidfreies Gel aus dem Blattinneren nicht das Problem, Säfte aus ganzen, ungeschälten Blättern hält es wegen der Anthranoide für ungeeignet als Lebensmittel.
Als Abführmittel nimmst du den Trockenextrakt nach der EU-Monographie einmal täglich abends ein. Richtig ist die kleinste Menge, die zu einem weichen, geformten Stuhl führt. Die Wirkung setzt nach 6 bis 12 Stunden ein. Meist reichen zwei bis drei Einnahmen in einer Woche, länger als eine Woche soll es nicht genommen werden. Die Monographie sieht Aloe erst vor, wenn eine Umstellung der Ernährung oder Quellstoffe nicht reichen. Brauchst du jeden Tag ein Abführmittel, gehört die Ursache ärztlich abgeklärt. Bleiben die Beschwerden unter der Einnahme oder werden sie schlimmer, frag ärztlich oder in der Apotheke nach.
Das Gel wird dünn auf die Haut aufgetragen. Mengen oder Zeiträume dafür nennt keine amtliche Stelle; maßgeblich ist die Anleitung des Produkts.
Dosis-Übersicht
| Grundlage | Menge | Einordnung |
|---|---|---|
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 10–30 mg Einzeldosis | Jugendliche ab 12 Jahren, Erwachsene und Ältere · Menge an Hydroxyanthracenderivaten, berechnet als Aloin, aus einem wässrigen Trockenextrakt des getrockneten Blattsafts; einmal täglich abends, allgemein anerkannte Anwendung nach der EU-Monographie zur kurzzeitigen Anwendung bei gelegentlicher Verstopfung. Die kleinste wirksame Menge nehmen, höchstens eine Woche. Unter 12 Jahren, in Schwangerschaft und Stillzeit nicht anwenden. Quelle: Quelle 10 |
Keine persönliche Dosisempfehlung. Sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke, besonders wenn du Medikamente nimmst.
Risiken
Nebenwirkungen
Nach der EU-Monographie kann der Blattsaft Bauchschmerzen, Krämpfe und dünnen Stuhl auslösen, vor allem bei Menschen mit Reizdarm oder nach einer zu hohen Menge; dann wird die Menge verringert. Allergische Reaktionen sind möglich. Der Urin kann sich gelb oder rotbraun färben, was harmlos ist. Bei langer Einnahme können Wasser- und Salzhaushalt entgleisen, mit Eiweiß und Blut im Urin. Die Darmschleimhaut kann sich dunkel färben (Pseudomelanosis coli), was sich nach dem Absetzen meist zurückbildet. Lange Einnahme kann die Darmfunktion schwächen und abhängig von Abführmitteln machen.
Nach der US-Behörde NCCIH sind nach Blattextrakten zum Einnehmen akute Leberentzündungen beschrieben, nach Einnahmen von drei Wochen bis zu fünf Jahren. In Tierversuchen löste ein nicht entfärbter Ganzblattextrakt Darmkrebs aus; ob die Dauereinnahme beim Menschen das Darmkrebsrisiko erhöht, ist nach der EMA offen. Gel auf der Haut wird meist gut vertragen, gelegentlich mit Brennen, Juckreiz, Ausschlag oder Ekzem.
Wechselwirkungen
- Herzglykoside (Digitalis) und Mittel gegen Herzrhythmusstörungen
Ein Kaliummangel nach längerem Abführmittelgebrauch verstärkt die Wirkung von Herzglykosiden und beeinflusst Mittel gegen Herzrhythmusstörungen. Nach der EU-Monographie vor der gleichzeitigen Einnahme ärztlich nachfragen; das gilt auch für Mittel, die die QT-Zeit verlängern.
Quelle: Quelle 10
- Entwässernde Mittel (Diuretika), Kortison (Kortikosteroide) und Süßholzwurzel
Zusammen mit Aloe kann mehr Kalium verloren gehen. Nach der EU-Monographie vor der gleichzeitigen Einnahme ärztlich nachfragen.
Quelle: Quelle 10
Wer es nicht nehmen sollte
Nach der EU-Monographie nicht anwenden bei Überempfindlichkeit, Darmverschluss oder verengtem Darm, erschlafftem Darm, Blinddarmentzündung, entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, Bauchschmerzen unklarer Ursache und starkem Flüssigkeits- und Salzverlust. Wie alle Abführmittel nicht bei verhärtetem Stuhl im Darm und nicht bei unklaren, akuten oder anhaltenden Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen, außer auf ärztlichen Rat: Sie können Zeichen eines Darmverschlusses sein. Bei Nierenerkrankungen kann der Salzhaushalt entgleisen.
In der Schwangerschaft und Stillzeit ist der Blattsaft nach der Monographie nicht erlaubt, ebenso bei Kindern unter 12 Jahren. Grund sind Hinweise auf Erbgutschäden durch einige Anthranoide und der Übergang von Abbauprodukten in die Muttermilch.
Überdosierung
Nach der EU-Monographie zeigt sich eine Überdosis mit kolikartigen Bauchschmerzen und starkem Durchfall, mit Verlust von Flüssigkeit und Salzen. Behandelt wird mit reichlich Flüssigkeit, die Salze, vor allem Kalium, werden kontrolliert, besonders bei älteren Menschen. Lange zu hohe Einnahme von Anthranoid-Abführmitteln kann eine giftbedingte Leberentzündung auslösen.
Häufige Fragen
Hilft Aloe vera bei Verstopfung?
- Erste Hinweise
Der getrocknete Blattsaft führt ab und ist nach der EU-Monographie zur kurzen Anwendung bei gelegentlicher Verstopfung anerkannt, höchstens eine Woche lang. Eigene Studien zu Aloe gibt es nach dem Bewertungsbericht der EMA nicht; die Einstufung beruht auf der Pharmakologie und dem Vergleich mit Sennes. Die Monographie sieht Aloe erst vor, wenn Ernährung und Quellstoffe nicht reichen. Gel und Aloe-Getränke sind kein geprüftes Abführmittel. Brauchst du jeden Tag ein Abführmittel, lass die Ursache ärztlich abklären.
Ist Aloe-vera-Saft zum Trinken unbedenklich?
- Erste Hinweise
Das hängt davon ab, woraus er gemacht ist. Gel aus dem geschälten Blattinneren hält das BfR nicht für das Problem. Säfte aus ganzen, ungeschälten Blättern enthalten Anthranoide, die im Verdacht stehen, das Erbgut zu schädigen und Krebs auszulösen; das BfR hält sie deshalb für ungeeignet als Lebensmittel. Nach der US-Behörde NCCIH sind nach Blattextrakten zum Einnehmen akute Leberentzündungen beschrieben. Gel zum Trinken bis zu 42 Tage erscheint nach dem NCCIH sicher. Für die Wirkung von Aloe-Getränken auf die Gesundheit gibt es kaum belastbare Studien.
Hilft Aloe-vera-Gel bei Sonnenbrand und Verbrennungen?
- Erste Hinweise
Möglicherweise etwas, sicher belegt ist es nicht. Nach der US-Behörde NCCIH deuten Studien an, dass Aloe-Gel auf der Haut Verbrennungen schneller abheilen lässt und Schmerzen lindert. Ein Cochrane-Review fand dagegen keine hochwertigen Belege für Aloe auf Wunden: Bei Verbrennungen heilte Aloe nicht besser als eine übliche Wundcreme, die Studien hatten ein hohes Verzerrungsrisiko. Wie Aloe im Vergleich zu üblicher Wundversorgung abschneidet, ist damit offen.
Hilft Aloe vera bei Schuppenflechte?
- Erste Hinweise
Die Studien widersprechen sich. In einer kleinen Studie von 1996 klangen die Herde mit einer Aloe-Creme bei 25 von 30 Menschen ab, mit Placebo bei 2 von 30; in einer späteren Studie war ein Aloe-Gel nicht besser als Placebo. Eine Metaanalyse sah begrenzte Unterstützung bei kleinen, methodisch schwachen Studien. Nach dem IQWiG ist ein Nutzen nicht nachgewiesen, Fachgesellschaften empfehlen Aloe deshalb nicht. Wer es ausprobieren will, bespricht das am besten mit der Hautarztpraxis.
Darf ich Aloe in der Schwangerschaft oder Stillzeit nehmen?
- Erste Hinweise
Den abführenden Blattsaft nicht. Die EU-Monographie schließt ihn in Schwangerschaft und Stillzeit aus, weil einige Anthranoide im Labor das Erbgut schädigten und Abbauprodukte in kleinen Mengen in die Muttermilch übergehen. Auch nach der US-Behörde NCCIH kann Aloe zum Einnehmen in dieser Zeit unsicher sein; sie rät, vorher ärztlich nachzufragen. Bei Verstopfung in der Schwangerschaft fragst du am besten in der Praxis, bei der Hebamme oder in der Apotheke nach.
Nächster Schritt
Bevor du etwas einnimmst: Lass dich beraten, zum Beispiel in deiner Hausarztpraxis oder deiner Apotheke. Bring vorhandene Laborwerte mit, und sag, welche Medikamente du nimmst.
Mehr zu den Themen findest du oben unter Wofür und in der Themenübersicht.
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Quellen
Alle 14 Quellen anzeigen
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