Arzneistoff
Amoxicillin
Auch bekannt als: Antibiotikum, Aminopenicillin, Penicillin
Kurz erklärt
Amoxicillin ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Penicilline; gegen Viren wirkt es nicht. Nach der in der EU vereinheitlichten Fachinformation ist es zugelassen bei bakteriellen Infektionen, etwa der Nasennebenhöhlen, des Mittelohrs, der Mandeln, der Blase, der Nieren und der Lunge, bei der Lyme-Borreliose und zusammen mit anderen Mitteln gegen den Magenkeim Helicobacter pylori.
Amoxicillin gibt es nur auf ärztliche Verschreibung. Ob du es brauchst, welches Mittel passt, in welcher Menge und wie lange, entscheidet die behandelnde Praxis. Bei einer Allergie gegen Penicilline darf es nicht genommen werden.
Häufige Nebenwirkungen sind nach der Packungsbeilage Durchfall, Übelkeit und Hautausschlag. Diese Seite fasst eine Fachinformation und eine Packungsbeilage zusammen und ersetzt nicht die Beilage des eigenen Präparats.
Amoxicillin ist ein Arzneistoff und nur als zugelassenes, verschreibungspflichtiges Arzneimittel erhältlich, nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel. Ob es genommen wird, in welcher Menge und wie lange, entscheidet die behandelnde Praxis.
Wofür
Borreliose
- Gut belegt
Amoxicillin ist nach der Fachinformation für die Lyme-Borreliose zugelassen. Das Robert Koch-Institut und die deutsche Leitlinie zur Borreliose der Haut nennen Doxycyclin oder Amoxicillin zum Einnehmen als Mittel der Wahl bei der Wanderröte; in Schwangerschaft und Stillzeit und bei Kindern unter 8 Jahren empfiehlt die Leitlinie Amoxicillin. Nach der Leitlinie ist die Behandlung der frühen Formen bei rechtzeitigem Beginn in 95 bis 100 Prozent der Fälle erfolgreich. Verschrieben und eingestellt wird es von der Praxis.
Was dagegen spricht
Doxycyclin ist nach der Leitlinie gleichwertig, eine Cochrane-Analyse fand auch Penicillin V gleich wirksam. Müdigkeit oder Gelenkschmerzen können trotz leitliniengerechter Behandlung Monate anhalten; eine wiederholte Langzeitbehandlung mit Antibiotika bringt nach der Leitlinie keinen belegten Nutzen. Zu Beginn der Behandlung kann nach der Fachinformation eine Jarisch-Herxheimer-Reaktion mit Fieber und Schüttelfrost auftreten.
Magenschleimhautentzündung
- Teilweise belegt
Steckt der Magenkeim Helicobacter pylori hinter einer Magenschleimhautentzündung, wird nach dem IQWiG mit Antibiotika behandelt. Amoxicillin ist nach der Fachinformation dafür zugelassen, immer zusammen mit einem Protonenpumpenhemmer und einem weiteren Antibiotikum für 7 Tage. Ob und welche Kombination passt, entscheidet die Praxis, nachdem der Keim nachgewiesen ist.
Was dagegen spricht
Allein ist Amoxicillin dafür nicht zugelassen. Viele Magenschleimhautentzündungen haben nach dem IQWiG andere Auslöser, etwa entzündungshemmende Schmerzmittel oder viel Alkohol; dann hilft ein Antibiotikum nicht. Nach dem IQWiG wird bei Helicobacter heute ein Protonenpumpenhemmer mit zwei Antibiotika und Bismut kombiniert, mindestens zehn Tage lang; die Fachinformation von 2015 nennt dagegen 7 Tage.
Mandelentzündung
- Teilweise belegt
Amoxicillin ist nach der Fachinformation für die akute Mandel- und Rachenentzündung durch Streptokokken zugelassen. Nach dem IQWiG verkürzen Antibiotika die Halsschmerzen im Schnitt um einen halben bis einen Tag; in den Studien hatten nach drei Tagen mit Antibiotika noch etwa 55 von 100 Personen Halsschmerzen, ohne etwa 80. Ob ein Antibiotikum nötig ist und welches, entscheidet die Praxis anhand der Beschwerden.
Was dagegen spricht
Die meisten Halsschmerzen gehen nach dem IQWiG auf Viren zurück, gegen die Antibiotika nicht wirken, und klingen auch ohne besondere Behandlung innerhalb einer Woche ab. Etwa 10 von 100 Erwachsenen bekommen unter Antibiotika Nebenwirkungen, vor allem Durchfall und Ausschlag. Steckt ein Pfeiffersches Drüsenfieber dahinter, soll Amoxicillin nach der Fachinformation gemieden werden, weil dann häufig ein Ausschlag auftritt.
Nasennebenhöhlenentzündung
- Teilweise belegt
Amoxicillin ist nach der Fachinformation für die akute bakterielle Nasennebenhöhlenentzündung zugelassen. Die deutsche Leitlinie empfiehlt Antibiotika bei Hinweisen auf Komplikationen wie starken Kopfschmerzen, Schwellungen im Gesicht oder Benommenheit und lässt sie erwägen bei Risikofaktoren, starken Beschwerden, steigenden Entzündungswerten oder Fieber über 38,5 Grad. Ist ein Antibiotikum nötig, nennt sie Amoxicillin als Mittel der ersten Wahl. Ob es nötig ist, entscheidet die Praxis.
Was dagegen spricht
Nach der Leitlinie sollen Antibiotika in der Regel nicht gegeben werden: Ohne Behandlung heilt die akute Form bei 60 bis 80 Prozent innerhalb von zwei Wochen. Die Leitlinie ist im Register als abgelaufen geführt und wird überarbeitet.
Ohrenschmerzen
- Teilweise belegt
Amoxicillin ist nach der Fachinformation für die akute Mittelohrentzündung zugelassen, bei Erwachsenen und bei Kindern mit einer Menge nach Körpergewicht. Nach dem IQWiG können Antibiotika sinnvoll sein, etwa bei Eiter aus dem Ohr, einer beidseitigen Entzündung bei Kindern unter zwei Jahren oder bei Komplikationen. Ob ein Antibiotikum nötig ist, entscheidet die Praxis.
Was dagegen spricht
Eine akute Mittelohrentzündung klingt nach dem IQWiG meist in zwei bis drei Tagen ohne Folgen ab, ernste Komplikationen sind sehr selten; im Mittelpunkt stehen Schmerzmittel.
Anwendung
Formen und Einnahme
- Kapseln, Tabletten, Filmtabletten, Tabletten zum Auflösen und Saft zum Einnehmen, auf RezeptWerden ärztlich verschrieben, in verschiedenen Stärken. Kinder unter 40 kg können nach der Fachinformation Kapseln, Tabletten zum Auflösen oder einen Saft bekommen, die Menge wird nach dem Körpergewicht berechnet; für Kinder unter sechs Monaten empfiehlt sie einen Saft für Kinder. Manche Säfte und Tabletten zum Auflösen enthalten Aspartam, eine Quelle für Phenylalanin, was bei Phenylketonurie zählt; das steht in der Beilage des jeweiligen Präparats. Welche Form und Stärke passt, entscheidet die Praxis.
- Pulver für eine Spritze oder Infusion, in der Klinik oder PraxisNach der Fachinformation wird Amoxicillin bei schweren Infektionen auch über die Vene oder in den Muskel gegeben; das übernimmt das Fachpersonal.
Nach der Packungsbeilage nimmst du Amoxicillin genau so, wie es mit der Praxis abgesprochen ist. Filmtabletten schluckst du im Ganzen mit Wasser, unzerkaut. Die Einnahmen verteilst du gleichmäßig über den Tag, mit mindestens 4 Stunden Abstand. Essen beeinträchtigt die Aufnahme nach der Fachinformation nicht.
Hast du eine Einnahme vergessen, holst du sie nach der Beilage nach, sobald du daran denkst, wartest bis zur nächsten etwa 4 Stunden und nimmst nie die doppelte Menge. Du nimmst Amoxicillin so lange, wie es verordnet ist, auch wenn es dir schon besser geht; fühlst du dich nach dem Ende der Behandlung noch krank, gehst du nach der Beilage wieder in die Praxis.
Gib das Antibiotikum nicht an andere weiter und nimm keines, das für jemand anderen verschrieben wurde. Reste bringst du nach der Beilage in die Apotheke, nicht in die Toilette oder das Waschbecken. Bei hohen Mengen rät die Fachinformation, ausreichend zu trinken.
Dosis-Übersicht
| Grundlage | Menge | Einordnung |
|---|---|---|
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 250–1.000 mg Einzeldosis | Erwachsene und Kinder ab 40 kg mit akuter bakterieller Nasennebenhöhlenentzündung, Blasenentzündung, Nierenbeckenentzündung oder Zahnabszess mit sich ausbreitender Entzündung, auf ärztliche Verordnung · Nach der Fachinformation 250 bis 500 mg alle 8 Stunden oder 750 mg bis 1 g alle 12 Stunden, bei schweren Infektionen 750 mg bis 1 g alle 8 Stunden. Eine akute Blasenentzündung kann mit 3 g zweimal am Tag für einen Tag behandelt werden. Die Fachinformation verweist zusätzlich auf die geltenden Behandlungsleitlinien. Bei eingeschränkter Nierenfunktion gilt eine niedrigere Höchstmenge. Über Mittel, Menge und Dauer entscheidet die behandelnde Praxis. |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 500–1.000 mg Einzeldosis | Erwachsene und Kinder ab 40 kg mit akuter Mittelohrentzündung oder akuter Mandel- und Rachenentzündung durch Streptokokken, auf ärztliche Verordnung · Nach der Fachinformation 500 mg alle 8 Stunden oder 750 mg bis 1 g alle 12 Stunden, bei schweren Infektionen 750 mg bis 1 g alle 8 Stunden für 10 Tage. Die Fachinformation verweist zusätzlich auf die geltenden Behandlungsleitlinien. Über Mittel, Menge und Dauer entscheidet die behandelnde Praxis. Quelle: Quelle 1 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 500–2.000 mg Einzeldosis | Erwachsene und Kinder ab 40 kg mit Lyme-Borreliose, auf ärztliche Verordnung · Nach der Fachinformation im frühen Stadium 500 mg bis 1 g alle 8 Stunden, höchstens 4 g am Tag, für 14 Tage (10 bis 21 Tage). Im späten Stadium, wenn die Krankheit den Körper erfasst hat, 500 mg bis 2 g alle 8 Stunden, höchstens 6 g am Tag, für 10 bis 30 Tage. Nach der Packungsbeilage sind 6 g am Tag die empfohlene Höchstmenge. Über Mittel, Menge und Dauer entscheidet die behandelnde Praxis. |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 750–1.000 mg Einzeldosis | Erwachsene und Kinder ab 40 kg zur Beseitigung von Helicobacter pylori, zusammen mit anderen Mitteln, auf ärztliche Verordnung · Nach der Fachinformation 750 mg bis 1 g zweimal am Tag für 7 Tage, zusammen mit einem Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol und einem weiteren Antibiotikum wie Clarithromycin oder Metronidazol. Die Fachinformation verweist zusätzlich auf die geltenden Behandlungsleitlinien; nach dem IQWiG dauert die heute übliche Behandlung mit zwei Antibiotika und Bismut mindestens zehn Tage. Welche Kombination passt, entscheidet die behandelnde Praxis. |
Keine persönliche Dosisempfehlung. Sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke, besonders wenn du Medikamente nimmst.
Risiken
Nebenwirkungen
Häufig, bei bis zu einer von 10 Personen, sind nach der Packungsbeilage Durchfall, Übelkeit und Hautausschlag; gelegentlich Erbrechen sowie juckender Ausschlag oder Quaddeln. Bei einem solchen Ausschlag sprichst du mit der Praxis, weil die Einnahme dann beendet werden muss.
Sehr selten, aber schwer sind nach der Beilage allergische Reaktionen mit Schwellung von Gesicht, Lippen oder Zunge und Atemnot, schwere Hautreaktionen mit Blasen oder sich ablösender Haut, eine verzögerte allergische Reaktion 7 bis 12 Tage nach Beginn, eine Darmentzündung mit Durchfall, manchmal mit Blut, Bauchschmerzen und Fieber, Leberschäden mit Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunklem Urin oder hellem Stuhl und Veränderungen der Blutzellen mit Fieber, Halsschmerzen oder blauen Flecken. Mit unbekannter Häufigkeit kommen ein allergisch bedingter Brustschmerz (Kounis-Syndrom) und bei Kindern ein Enterokolitis-Syndrom mit anhaltendem Erbrechen 1 bis 4 Stunden nach der Einnahme vor. Bei einem dieser Zeichen nimmst du das Mittel nach der Beilage nicht weiter und wendest dich sofort an eine Ärztin oder einen Arzt; manche treten noch Wochen nach der Behandlung auf.
Bei der Behandlung einer Lyme-Borreliose kann nach der Fachinformation eine Jarisch-Herxheimer-Reaktion mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Muskelschmerzen auftreten; sie gilt als häufige, meist von selbst abklingende Folge der Behandlung. Bei langer Anwendung kann sich nach der Beilage ein Hefepilz (Soor) ausbreiten; bei Kindern kann sich die Zahnoberfläche verfärben, was sich nach der Fachinformation meist wegputzen lässt.
Wechselwirkungen
- Gerinnungshemmer zum Einnehmen wie Warfarin, Phenprocoumon oder AcenocoumarolMittel
Nach der Fachinformation stieg bei einzelnen Menschen, die Acenocoumarol oder Warfarin nahmen, der Gerinnungswert INR unter Amoxicillin an. Nach der Fachinformation soll der Gerinnungswert deshalb zu Beginn und am Ende der Behandlung mit Amoxicillin genau kontrolliert und die Menge des Gerinnungshemmers bei Bedarf angepasst werden. Nach der Packungsbeilage können zusätzliche Blutuntersuchungen nötig sein.
- Methotrexat (etwa bei Krebs oder schwerer Schuppenflechte)Mittel
Penicilline können nach der Fachinformation die Ausscheidung von Methotrexat verringern, sodass seine Nebenwirkungen zunehmen können. Sag der Praxis, dass du Methotrexat nimmst.
- Probenecid (ein Gichtmittel)Gering
Probenecid verringert nach der Fachinformation die Ausscheidung von Amoxicillin über die Nieren, die Menge im Blut steigt und bleibt länger erhöht. Die gleichzeitige Anwendung wird nicht empfohlen; die Praxis kann die Menge anpassen.
- Allopurinol (ein Gichtmittel)Gering
Zusammen mit Allopurinol steigt nach der Fachinformation und der Packungsbeilage die Wahrscheinlichkeit für einen allergischen Hautausschlag.
- Tetracycline und andere Antibiotika, die Bakterien nur hemmenGering
Sie können nach der Fachinformation die abtötende Wirkung von Amoxicillin stören; nach der Packungsbeilage kann Amoxicillin dann weniger wirksam sein.
Wer es nicht nehmen sollte
Nach der Packungsbeilage darf Amoxicillin nicht genommen werden bei einer Allergie gegen Amoxicillin, ein anderes Penicillin oder einen Bestandteil des Präparats und wenn du schon einmal allergisch auf ein anderes Antibiotikum reagiert hast. Nach der Fachinformation gilt das auch nach einer früheren schweren Sofortreaktion wie einem allergischen Schock auf ein anderes Beta-Laktam-Antibiotikum, etwa ein Cephalosporin.
Vorher besprochen werden nach der Beilage ein Pfeiffersches Drüsenfieber, Nierenprobleme und unregelmäßiges Wasserlassen. Bei Verdacht auf Pfeiffersches Drüsenfieber soll Amoxicillin nach der Fachinformation gemieden werden, weil dann häufig ein Ausschlag auftritt. Bei eingeschränkter Nierenfunktion passt die Praxis die Menge an; Krampfanfälle kamen nach der Fachinformation vor allem bei Nierenproblemen oder hohen Mengen vor. Amoxicillin kann Urin-Zuckertests, Leberwerte und in der Schwangerschaft Bestimmungen von Estriol verfälschen; sag es bei solchen Untersuchungen.
Schwangerschaft und Stillzeit: Nach der Fachinformation zeigen die begrenzten Daten beim Menschen kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen; in der Schwangerschaft wird es eingesetzt, wenn der Nutzen die Risiken überwiegt. In die Muttermilch geht es in kleinen Mengen über, mit dem möglichen Risiko einer Sensibilisierung (das Kind kann eine Allergie entwickeln); beim gestillten Kind sind Durchfall und Pilzbefall der Schleimhäute möglich, sodass das Stillen unter Umständen unterbrochen werden muss. In der Stillzeit wird es nur nach Abwägung von Nutzen und Risiko durch die Praxis eingesetzt. Bist du schwanger oder stillst du, fragst du nach der Beilage vorher die Praxis.
Überdosierung
Nach der Packungsbeilage kann zu viel Amoxicillin Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall auslösen oder Kristalle im Urin bilden, erkennbar an trübem Urin oder Problemen beim Wasserlassen. Dann wendest du dich so schnell wie möglich an die Praxis und nimmst die Packung mit. Nach der Fachinformation führten Kristalle im Urin in einigen Fällen zu Nierenversagen, und bei Nierenproblemen oder hohen Mengen können Krampfanfälle auftreten.
Häufige Fragen
Wofür wird Amoxicillin verschrieben?
- Gut belegt
Bei Infektionen durch Bakterien, für die es zugelassen ist. Nach der Fachinformation gehören dazu bakterielle Entzündungen der Nasennebenhöhlen, des Mittelohrs, der Mandeln und des Rachens durch Streptokokken, der Blase, der Nieren und der Lunge, die Lyme-Borreliose und, zusammen mit anderen Mitteln, die Beseitigung des Magenkeims Helicobacter pylori. Bei der Wanderröte nach einem Zeckenstich nennen das Robert Koch-Institut und die Leitlinie Amoxicillin neben Doxycyclin als Mittel der Wahl. Ob ein Antibiotikum nötig ist und welches, entscheidet die Praxis.
Hilft Amoxicillin gegen Viren, etwa bei Halsschmerzen?
- Gut belegt
Nein. Antibiotika wirken nach der Packungsbeilage nur gegen Bakterien, gegen Virusinfektionen sind sie unwirksam. Akute Halsschmerzen gehen nach der hausärztlichen Leitlinie zu 50 bis 80 Prozent auf Viren zurück, und die meisten klingen nach dem IQWiG innerhalb einer Woche von selbst ab. Wer unnötig Antibiotika nimmt, trägt die Nebenwirkungen, und nach der Beilage hilft ein vorsichtiger Einsatz, dass Bakterien nicht unempfindlich werden. Ob eine bakterielle Infektion vorliegt, beurteilt die Praxis.
Kann ich Amoxicillin bei einer Penicillinallergie nehmen?
- Gut belegt
Nein. Amoxicillin ist selbst ein Penicillin. Nach der Packungsbeilage darf es bei einer Allergie gegen Amoxicillin oder Penicillin nicht genommen werden, ebenso wenn du schon einmal allergisch auf ein anderes Antibiotikum reagiert hast. Nach der Fachinformation fragt die Praxis vor Beginn genau nach früheren Reaktionen, weil schwere Allergien bei Menschen mit bekannter Penicillinallergie häufiger sind. Sag bei jeder Verordnung, wenn du eine solche Allergie hast; die Praxis wählt dann ein anderes Mittel.
Was tun bei Durchfall oder Ausschlag unter Amoxicillin?
- Gut belegt
Mit der Praxis sprechen. Durchfall und Hautausschlag sind nach der Packungsbeilage häufig. Ein juckender Ausschlag oder Quaddeln bedeuten nach der Beilage, dass die Einnahme beendet werden muss; darüber entscheidet die Praxis. Sofort ärztliche Hilfe brauchst du bei Schwellungen von Gesicht, Lippen oder Zunge, Atemnot, Blasen auf der Haut oder starkem Durchfall, manchmal mit Blut, mit Bauchschmerzen und Fieber; dann nimmst du das Mittel nach der Beilage nicht weiter. Nach der Fachinformation sollen bei solchem Durchfall keine Mittel genommen werden, die die Darmbewegung hemmen.
Darf man Amoxicillin in der Schwangerschaft nehmen?
- Teilweise belegt
Ja, wenn die Praxis es nach Abwägung verschreibt. Nach der Fachinformation zeigen die begrenzten Daten beim Menschen kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen; eingesetzt wird es, wenn der Nutzen die Risiken überwiegt. Die Leitlinie zur Lyme-Borreliose empfiehlt bei einer Wanderröte in Schwangerschaft und Stillzeit Amoxicillin zum Einnehmen. In der Stillzeit sind beim gestillten Kind nach der Fachinformation Durchfall, Pilzbefall und eine Sensibilisierung möglich, sodass das Stillen unter Umständen unterbrochen werden muss; die Praxis wägt Nutzen und Risiko ab. Bist du schwanger oder stillst du, sprichst du nach der Packungsbeilage vor der Einnahme mit der Praxis.
Nächster Schritt
Bevor du etwas einnimmst: Lass dich beraten, zum Beispiel in deiner Hausarztpraxis oder deiner Apotheke. Bring vorhandene Laborwerte mit, und sag, welche Medikamente du nimmst.
Mehr zu den Themen findest du oben unter Wofür und in der Themenübersicht.
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Quellen
Alle 9 Quellen anzeigen
- Amoxil and associated names (amoxicillin): Annex III, harmonisierte Fachinformation (Summary of Product Characteristics) und Packungsbeilage nach dem Referral-Verfahren nach Artikel 30. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP), 2015Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- RKI-Ratgeber Lyme-Borreliose. Robert Koch-Institut (RKI), 2025Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Hofmann H, Fingerle V, Rauer S, Hunfeld KP, Huppertz HI, Krause A. Cutaneous Lyme borreliosis: Guideline of the German Dermatology Society.. German medical science : GMS e-journal, 2025LeitlinieDOI 10.3205/000348PubMed 41195426
- Gebrauchsinformation eines in Deutschland zugelassenen, verschreibungspflichtigen Amoxicillin-Präparats (Filmtabletten mit 500, 750 und 1000 mg Amoxicillin), Stand Mai 2026. PUREN Pharma GmbH & Co. KG, veröffentlicht im PatientenInfo-Service der Rote Liste Service GmbH, 2026SonstigesZur Quelle
- Magenschleimhautentzündung (Gastritis) (gesundheitsinformation.de). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), 2025Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Verschwinden Halsschmerzen schneller durch Antibiotika? (gesundheitsinformation.de). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de, 2022Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Rhinosinusitis. S2k-Leitlinie, Kurzfassung (AWMF-Register-Nr. 017-049 und 053-012). Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) und Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), 2017LeitlinieZur Quelle
- Mittelohrentzündung (gesundheitsinformation.de). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de, 2026Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- S3-Leitlinie Halsschmerzen (AWMF-Register 053-010, DEGAM-Leitlinie Nr. 14), Kurzversion. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), 2020LeitlinieZur Quelle
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