Pflanze
Kamille
Matricaria recutita
Auch bekannt als: Echte Kamille, Kamillenblüten, Matricaria chamomilla, Chamomilla recutita, Matricariae flos
Kurz erklärt
Die Echte Kamille (Matricaria recutita, auch Chamomilla recutita) ist ein Korbblütler und gehört nach der europäischen Arzneimittelbehörde EMA zu den beliebtesten Heilpflanzen der Welt. Arzneilich genutzt werden die getrockneten Blütenköpfchen: gelbe Röhrenblüten auf einem hohlen, kegelförmigen Blütenboden, umgeben von weißen Zungenblüten.
Die Blüten enthalten 0,3 bis 1,9 Prozent ätherisches Öl. Darin stecken Vorstufen wie Matricin, aus denen bei der Destillation zum Teil das blaue Chamazulen entsteht; dazu kommen Flavonoide wie Apigenin und Luteolin. In Labor- und Tierversuchen wirkten Kamillenzubereitungen entzündungshemmend und beeinflussten Wundheilung und Magen-Darm-Trakt. Nach Einschätzung der EMA machen diese Befunde die traditionelle Anwendung plausibel, belegen aber keine Wirkung beim Menschen.
Die EU-Monographie führt Kamillenblüten nur als traditionelles pflanzliches Arzneimittel, gestützt auf lange Anwendung. Wofür genau und wie gut das belegt ist, steht bei den Anwendungen.
Kamillentee ist ein verbreiteter Kräutertee und wird als Lebensmittel getrunken; die EMA verweist in ihrem Bewertungsbericht auf diese breite Verwendung. Als Arzneimittel gilt Kamille, wenn ein Präparat für ein Anwendungsgebiet der EU-Monographie registriert oder zugelassen ist; nur für solche Arzneimittel gelten die Mengen, Altersgrenzen und Hinweise dieser Seite. In die EU-Liste traditioneller pflanzlicher Stoffe hat die EMA Kamillenblüten nicht aufgenommen, weil ausreichende Daten zur möglichen Schädigung des Erbguts fehlen.
Wofür
Angst und Ängstlichkeit
- Erste Hinweise
Bei der generalisierten Angststörung gibt es erste Hinweise aus Studien mit Kamillenextrakt in Kapseln. In einer doppelblinden Studie mit 57 Erwachsenen mit leichter bis mittelschwerer Ausprägung sanken die Angstwerte über acht Wochen etwas stärker als unter Placebo. Eine Metaanalyse von 2019 fand bei der generalisierten Angststörung nach zwei und vier Wochen eine kleine Besserung. Eine EU-Monographie für Angst gibt es nicht; eine Angststörung gehört in ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung, Kamille ersetzt sie nicht.
Was dagegen spricht
Die Studien sind wenige und klein, und der Unterschied in der ersten Studie war nur knapp statistisch gesichert. In einer längeren Studie mit 93 Menschen, denen es unter Kamille besser ging, wurden Rückfälle unter weiterer Kamille nicht sicher seltener als nach dem Wechsel auf Placebo. Bei vorübergehender Angst, etwa in belastenden Situationen, fand die Metaanalyse keinen Unterschied zu Placebo. Die EMA hielt die erste Studie für gut gemacht, für eine anerkannte Verwendung reichte sie ihr aber nicht, auch weil der geprüfte Extrakt nicht näher beschrieben ist.
Blähungen
- Traditionell genutzt
Die EU-Monographie führt Kamillenblüten als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei leichten Magen-Darm-Beschwerden wie Blähbauch und leichten Krämpfen, meist als Tee, auch für Kinder ab 6 Monaten in kleineren Mengen. Halten die Beschwerden länger als eine Woche an oder werden sie schlimmer, soll man ärztlichen Rat suchen.
Was dagegen spricht
Die Einstufung beruht auf langer Anwendung, nicht auf Wirksamkeitsnachweisen. Die einzige Studie dazu, die die EMA heranzieht, stammt von 1978 und hatte keine Vergleichsgruppe. Tierversuche zeigen Wirkungen auf den Magen-Darm-Trakt, doch geben die meisten Arbeiten weder Zubereitung noch Menge genau an.
Einschlafprobleme
- Erste Hinweise
- Studien sprechen dagegen
Kamille gehört zu den am häufigsten genutzten Pflanzen bei Schlafproblemen, eine EU-Monographie dafür gibt es aber nicht. Eine Metaanalyse von 2019 fand, dass sich die selbst eingeschätzte Schlafqualität unter Kamille besserte; mehr als erste Hinweise sind das nicht. Bei Menschen mit einer echten Schlafstörung, der Insomnie, fanden die Studien keinen Vorteil gegenüber Placebo; darauf bezieht sich „Studien sprechen dagegen“.
Was dagegen spricht
Eine Metaanalyse von 14 Studien zu pflanzlichen Einzelmitteln bei Insomnie fand für Kamille bei keinem Messwert einen Vorteil gegenüber Placebo. In einer Pilotstudie mit 34 Menschen mit chronischer Insomnie unterschied sich Kamillenextrakt im Schlaftagebuch nicht von Placebo. In einer Studie mit 80 Frauen nach der Geburt schliefen die Frauen mit Kamillentee nach zwei Wochen etwas besser, vier Wochen später war der Unterschied verschwunden; einen Placebo-Tee gab es dort nicht. Die Studien sind klein und verwenden ganz unterschiedliche Zubereitungen.
Erkältung
- Traditionell genutzt
Die EU-Monographie führt Kamillenblüten als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Erkältungsbeschwerden, als Dampfinhalation mit Blüten oder flüssigen Auszügen in heißem Wasser, mit Blüten auch für Kinder ab 6 Jahren. Halten die Beschwerden länger als eine Woche an, soll man ärztlichen Rat suchen.
Was dagegen spricht
Die Einstufung beruht auf langer Anwendung. Die Studien, die die EMA dazu nennt, waren offen und ohne Vergleichsgruppe; dass sich die meisten Teilnehmenden besser fühlten, belegt keine Wirkung. In zwei kleinen Studien mit Menschen mit Lungenerkrankungen verschlechterte die Inhalation die Atmung nicht.
Halsschmerzen
- Traditionell genutzt
Bei kleinen Geschwüren und Entzündungen in Mund und Rachen führt die EU-Monographie Kamillenblüten als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zum Spülen und Gurgeln, als Aufguss oder verdünnter Auszug, mehrmals täglich, für Jugendliche und Erwachsene. Halten die Beschwerden länger als eine Woche an oder werden sie schlimmer, gehören sie ärztlich angesehen.
Was dagegen spricht
Gestützt wird die Anwendung vor allem durch offene Studien ohne Vergleichsgruppe. Eine placebokontrollierte Studie, in der Kamille Entzündungen der Mundschleimhaut unter Chemotherapie vorbeugen sollte, fand keinen Unterschied zu Placebo. Studien gerade zu Halsschmerzen bei Erkältung nennt der Bewertungsbericht nicht.
Magenschmerzen
- Traditionell genutzt
Bei leichten, krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden ordnet die EU-Monographie Kamillentee als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein, drei- bis viermal täglich. In einer älteren Studie mit 104 Menschen mit unspezifischen Magenbeschwerden wie Druck im Magen, Aufstoßen, Sodbrennen und Übelkeit gaben viele nach sechs Wochen mit einem Kamillenauszug eine Besserung an. Anhaltende, starke oder immer wiederkehrende Magenschmerzen gehören ärztlich abgeklärt.
Was dagegen spricht
Die Studie hatte keine Vergleichsgruppe; die EMA wertet sie nur als Stütze der traditionellen Anwendung, nicht als Wirksamkeitsnachweis. Kontrollierte Studien zu Kamille bei Magenschmerzen nennt der Bewertungsbericht nicht.
Anwendung
Formen und Einnahme
- Tee aus KamillenblütenGetrocknete Blüten, mit kochendem Wasser aufgegossen und getrunken. Die EU-Monographie führt den Tee als traditionelles Arzneimittel bei leichten Magen-Darm-Beschwerden; er ist auch als gewöhnlicher Kräutertee weit verbreitet. Für den Tee hält die Monographie die Sicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit für belegt.
- DampfinhalationBlüten oder flüssige Auszüge in heißem Wasser, deren Dampf eingeatmet wird; traditionelle Anwendung bei Erkältungsbeschwerden nach der EU-Monographie. Mit Blüten nicht für Kinder unter 6 Jahren, mit den meisten flüssigen Auszügen nicht unter 12 Jahren, weil Daten fehlen.
- Spülung und GurgellösungAufguss aus Blüten oder verdünnte flüssige Auszüge, traditionell bei kleinen Geschwüren und Entzündungen in Mund und Rachen. Viele Zubereitungen sind dafür erst ab 12 Jahren vorgesehen.
- Umschläge, Waschungen, Sitz- und Vollbäder, Salben und CremesFür die Haut, traditionell bei leichten Hautentzündungen wie Sonnenbrand, oberflächlichen Wunden und kleinen Furunkeln sowie begleitend bei Reizungen im Anal- und Genitalbereich, wenn eine Ärztin oder ein Arzt Ernsthaftes ausgeschlossen hat. Wann ein Bad nicht infrage kommt, steht bei den Gegenanzeigen.
- Flüssige Auszüge und TrockenextrakteDie Monographie nennt viele Auszüge mit unterschiedlichen Lösungsmitteln und Stärken; ihre Mengen lassen sich nicht gegeneinander austauschen, maßgeblich ist die Packungsbeilage. Die meisten enthalten Alkohol, und in Schwangerschaft und Stillzeit werden sie mangels Daten nicht empfohlen.
Als Tee bei leichten Magen-Darm-Beschwerden sieht die EU-Monographie für Jugendliche und Erwachsene drei bis vier Tassen am Tag vor, für Kinder je nach Alter zwei bis vier kleinere Gaben. Zum Inhalieren, Gurgeln und für Umschläge wird Kamille mehrmals täglich angewendet. Wie viel eine Gabe ist, hängt von Zubereitung und Alter ab; die Mengen der Monographie stehen in der Dosis-Übersicht, bei Fertigarzneimitteln gilt die Packungsbeilage.
Halten die Beschwerden länger als eine Woche an oder werden sie während der Anwendung schlimmer, lass das ärztlich oder in der Apotheke abklären. Reizungen im Anal- und Genitalbereich behandelst du nach der Monographie erst mit Kamille, wenn eine Ärztin oder ein Arzt ernste Ursachen ausgeschlossen hat.
Dosis-Übersicht
| Grundlage | Menge | Einordnung |
|---|---|---|
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 1,5–4 g Einzeldosis | Jugendliche, Erwachsene und Ältere · Getrocknete Kamillenblüten als Tee, mit 150 ml kochendem Wasser aufgegossen, drei- bis viermal täglich; traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei leichten Magen-Darm-Beschwerden wie Blähbauch und leichten Krämpfen. Halten die Beschwerden länger als eine Woche an, ärztlichen Rat suchen. Quelle: Quelle 5 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 1,5–3 g Einzeldosis | Kinder von 6 bis 12 Jahren · Getrocknete Kamillenblüten als Tee, zwei- bis viermal täglich; traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei leichten Magen-Darm-Beschwerden. Halten die Beschwerden länger als eine Woche an oder werden sie schlimmer, ärztlichen Rat suchen. Quelle: Quelle 5 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 1–1,5 g Einzeldosis | Kinder von 2 bis 6 Jahren · Getrocknete Kamillenblüten als Tee, zwei- bis viermal täglich; traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei leichten Magen-Darm-Beschwerden. Halten die Beschwerden länger als eine Woche an oder werden sie schlimmer, ärztlichen Rat suchen. Quelle: Quelle 5 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 0,5–1 g Einzeldosis | Kinder von 6 Monaten bis 2 Jahren · Getrocknete Kamillenblüten als Tee, zwei- bis viermal täglich; traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei leichten Magen-Darm-Beschwerden. Für Säuglinge unter 6 Monaten sieht die Monographie keinen Tee vor, mit Blick auf ihre Ernährung und Trinkmenge. Halten die Beschwerden an oder werden sie schlimmer, in der Kinderarztpraxis nachfragen. |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 3–10 g Einzeldosis | Jugendliche, Erwachsene und Ältere · Getrocknete Kamillenblüten in 100 ml heißem Wasser zur Dampfinhalation, mehrmals täglich; traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei Erkältungsbeschwerden. Quelle: Quelle 5 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 2–5 g Einzeldosis | Kinder von 6 bis 12 Jahren · Getrocknete Kamillenblüten in 100 ml heißem Wasser zur Dampfinhalation, ein- bis zweimal täglich; traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei Erkältungsbeschwerden. Für Kinder unter 6 Jahren nicht vorgesehen, weil Daten fehlen. Quelle: Quelle 5 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 1–5 g Einzeldosis | Jugendliche, Erwachsene und Ältere · Getrocknete Kamillenblüten als Aufguss in 100 ml Wasser zum Spülen und Gurgeln, mehrmals täglich; traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei kleinen Geschwüren und Entzündungen in Mund und Rachen. Für Kinder unter 12 Jahren nicht vorgesehen, weil Daten fehlen. Quelle: Quelle 5 |
Keine persönliche Dosisempfehlung. Sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke, besonders wenn du Medikamente nimmst.
Risiken
Nebenwirkungen
Nach der EU-Monographie sind Überempfindlichkeitsreaktionen beschrieben, auch schwere allergische Reaktionen mit Atemnot, Schwellungen von Haut und Schleimhaut, Kreislaufkollaps oder Schock, nachdem flüssige Kamillenzubereitungen mit Schleimhäuten in Kontakt kamen; wie häufig, ist nicht bekannt. Das wichtigste Risiko ist nach der EMA, dass sich eine Allergie gegen Korbblütler entwickelt; weitere nennenswerte Risiken sieht sie nicht. In einer Auswertung aus deutschen Hausarzt- und Facharztpraxen traten bei 2 von 1602 Menschen, die Kamillenpräparate bekamen, leichte Nebenwirkungen auf, eine davon eine leichte Hautallergie.
Ob Kamille die Fahrtüchtigkeit beeinflusst, wurde nicht untersucht. Treten Beschwerden auf, die hier nicht genannt sind, frag ärztlich oder in der Apotheke nach.
Wechselwirkungen
- Ciclosporin nach einer Nierentransplantation
Die EU-Monographie nennt Wechselwirkungen über Leberenzyme der CYP450-Familie bei Menschen nach einer Nierentransplantation, die große Mengen Kamille über längere Zeit, etwa zwei Monate, eingenommen hatten. Der Bewertungsbericht beschreibt Fallberichte, in denen sich der Ciclosporin-Spiegel veränderte, nachdem täglich anderthalb Liter oder mehr Kräutertee getrunken oder dieser Tee wieder abgesetzt worden war; die Befunde widersprechen sich zum Teil. Wer nach einer Transplantation Immunsuppressiva nimmt, bespricht regelmäßigen Kamillentee vorher mit dem behandelnden Zentrum.
- Arzneimittel, die über die Leberenzyme CYP1A2 oder CYP3A4 abgebaut werden
Im Reagenzglas hemmten Kamillenextrakt und Kamillenöl diese Enzyme, und bei Ratten senkte Kamillentee über vier Wochen die Aktivität von CYP1A2. Ob das beim Menschen eine Rolle spielt, ist nach der EMA nicht geklärt; dafür gibt es bisher nur einzelne Berichte. Einen Fallbericht über eine Blutung unter dem Gerinnungshemmer Warfarin nach viel Kamillentee wertete die EMA nicht, weil der Tee aus Blättern statt Blüten bereitet war. Wer dauerhaft Medikamente nimmt und große Mengen Kamille einnehmen möchte, fragt vorher in der Praxis oder Apotheke.
Quelle: Quelle 4
Wer es nicht nehmen sollte
Nicht bei Überempfindlichkeit gegen Kamille oder andere Korbblütler. Nach dem Bewertungsbericht der EMA sind Menschen mit einer Allergie gegen Kamille nicht selten zugleich gegen Beifuß- oder Birkenpollen sensibilisiert.
Tee ist für Säuglinge unter 6 Monaten nicht vorgesehen, die Dampfinhalation mit Blüten nicht für Kinder unter 6 Jahren; viele flüssige Auszüge sind erst ab 12 Jahren vorgesehen, weil Daten fehlen. In Schwangerschaft und Stillzeit hält die Monographie Kamillentee für sicher, für alle anderen Zubereitungen fehlen Daten, sie werden dann nicht empfohlen. Wer stillt und Kamille auf der Haut anwendet, reinigt die Brustwarzen vor dem Anlegen, damit das Kind nicht sensibilisiert wird.
Kein Vollbad mit Kamille bei offenen Wunden, größeren Hautverletzungen, akuten Hauterkrankungen, hohem Fieber, schweren Infektionen, schweren Kreislaufstörungen oder Herzschwäche; kein Sitz- oder Teilbad bei offenen Wunden, größeren Hautverletzungen, akuten Hauterkrankungen, hohem Fieber oder schweren Infektionen.
Überdosierung
Nach der EU-Monographie ist kein Fall einer Überdosierung berichtet worden.
Häufige Fragen
Hilft Kamillentee bei Bauchschmerzen und Blähungen?
- Traditionell genutzt
Das ist vor allem Erfahrung aus langer Anwendung. Die EU-Monographie führt Kamillentee als traditionelles Arzneimittel bei leichten Magen-Darm-Beschwerden wie Blähbauch und leichten Krämpfen. Gestützt wird das neben der Tradition nur durch eine Studie von 1978 mit 104 Menschen ohne Vergleichsgruppe; einen Wirksamkeitsnachweis sieht die EMA darin nicht. Halten die Beschwerden länger als eine Woche an oder werden sie stärker, lass sie ärztlich abklären.
Hilft Kamillentee beim Einschlafen?
- Erste Hinweise
- Studien sprechen dagegen
Gesichert ist das nicht. Eine Metaanalyse von 2019 fand, dass sich die selbst eingeschätzte Schlafqualität unter Kamille besserte. Bei echter Schlafstörung, der Insomnie, fanden die Studien dagegen keinen Unterschied: weder eine kleine Studie mit 34 Betroffenen noch eine Metaanalyse von 14 Studien zu pflanzlichen Mitteln, in der Kamille keinem Placebo überlegen war. In einer Studie mit jungen Müttern hielt die Besserung durch Tee nur kurz an. Eine EU-Monographie für Schlafprobleme gibt es bei Kamille nicht.
Hilft Kamille bei Angst?
- Erste Hinweise
Es gibt erste Hinweise bei der generalisierten Angststörung. In einer kleinen, sorgfältigen Studie mit 57 Erwachsenen sanken die Angstwerte unter Kamillenextrakt etwas stärker als unter Placebo. In einer längeren Studie blieben die Beschwerden unter Kamille geringer, Rückfälle wurden aber nicht sicher seltener. Bei vorübergehender Angst fand eine Metaanalyse keinen Unterschied zu Placebo. Eine Angststörung gehört in ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung; Kamille ersetzt sie nicht.
Darf ich in der Schwangerschaft Kamillentee trinken?
- Teilweise belegt
Nach der EU-Monographie ja: Für Kamillentee hält sie die Sicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit für belegt. Die EMA stützt sich dabei auf große Befragungen und Beobachtungsstudien mit vielen Schwangeren, die keinen Hinweis auf ein Risiko zeigten. Für alle anderen Kamillenzubereitungen, etwa alkoholische Auszüge, fehlen Daten; sie werden in dieser Zeit nicht empfohlen. Wer gegen Korbblütler allergisch ist, verzichtet auch in der Schwangerschaft auf Kamille.
Kann man gegen Kamille allergisch sein?
- Teilweise belegt
Ja. Kamille ist ein Korbblütler, und wer gegen andere Korbblütler allergisch ist, soll sie nach der EU-Monographie nicht anwenden. Beschrieben sind auch schwere allergische Reaktionen bis zum Schock, nachdem flüssige Kamillenzubereitungen an die Schleimhäute kamen. Insgesamt sind Nebenwirkungen selten: In einer Auswertung aus deutschen Praxen gab es bei 2 von 1602 Menschen leichte Nebenwirkungen, eine davon eine leichte Hautallergie. Das wichtigste Risiko ist nach der EMA, dass sich eine Allergie gegen Korbblütler entwickelt.
Nächster Schritt
Bevor du etwas einnimmst: Lass dich beraten, zum Beispiel in deiner Hausarztpraxis oder deiner Apotheke. Bring vorhandene Laborwerte mit, und sag, welche Medikamente du nimmst.
Mehr zu den Themen findest du oben unter Wofür und in der Themenübersicht.
Quellen
Alle 8 Quellen anzeigen
- Amsterdam JD, Li Y, Soeller I, Rockwell K, Mao JJ, Shults J. A randomized, double-blind, placebo-controlled trial of oral Matricaria recutita (chamomile) extract therapy for generalized anxiety disorder. Journal of Clinical Psychopharmacology, 2009Randomisierte kontrollierte StudieDOI 10.1097/jcp.0b013e3181ac935cPubMed 19593179
- Mao JJ, Xie SX, Keefe JR, Soeller I, Li QS, Amsterdam JD. Long-term chamomile (Matricaria chamomilla L.) treatment for generalized anxiety disorder: A randomized clinical trial. Phytomedicine, 2016Randomisierte kontrollierte StudieDOI 10.1016/j.phymed.2016.10.012PubMed 27912875
- Hieu TH, Dibas M, Surya Dila KA, et al.. Therapeutic efficacy and safety of chamomile for state anxiety, generalized anxiety disorder, insomnia, and sleep quality: A systematic review and meta-analysis of randomized trials and quasi-randomized trials. Phytotherapy Research, 2019MetaanalyseDOI 10.1002/ptr.6349PubMed 31006899
- Assessment report on Matricaria recutita L., flos and Matricaria recutita L., aetheroleum (EMA/HMPC/55837/2011). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC), 2015Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- European Union herbal monograph on Matricaria recutita L., flos (EMA/HMPC/55843/2011). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC), 2015MonographieZur Quelle
- Leach MJ, Page AT. Herbal medicine for insomnia: A systematic review and meta-analysis.. Sleep medicine reviews, 2015MetaanalyseDOI 10.1016/j.smrv.2014.12.003PubMed 25644982
- Zick SM, Wright BD, Sen A, Arnedt JT. Preliminary examination of the efficacy and safety of a standardized chamomile extract for chronic primary insomnia: a randomized placebo-controlled pilot study. BMC Complementary and Alternative Medicine, 2011Randomisierte kontrollierte StudieDOI 10.1186/1472-6882-11-78PubMed 21939549
- Chang SM, Chen CH. Effects of an intervention with drinking chamomile tea on sleep quality and depression in sleep disturbed postnatal women: a randomized controlled trial. Journal of Advanced Nursing, 2016Randomisierte kontrollierte StudieDOI 10.1111/jan.12836PubMed 26483209
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