Einschlafprobleme
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Kurz erklärt
Wer abends lange wach liegt, sucht schnell nach einem Mittel. Die Leitlinie der Fachgesellschaften setzt an einer anderen Stelle an: Bei anhaltenden Einschlafproblemen wirkt eine kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie am besten, und zwar besser und länger als Medikamente. Magnesium kommt in der Leitlinie nicht vor.
Einzelne schlechte Nächte hat fast jeder. Von einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung spricht man erst, wenn die Beschwerden über Wochen anhalten und der Tag darunter leidet. Wo das so ist, lohnt der Weg zur Ärztin oder zum Arzt mehr als der Weg in die Drogerie — auch weil hinter hartnäckigen Einschlafproblemen behandelbare Ursachen stecken können.
- Gut belegt4 Aussagen
- Teilweise belegt2 Aussagen
- Erste Hinweise9 Aussagen
- Traditionell genutzt5 Aussagen
- Studien sprechen dagegen1 Aussage

Sichtweisen im Vergleich
Körper
Medizin, Naturheilkunde, Ernährung und Bewegung: was im Körper geschieht.
Schulmedizin
- Gut belegt
Die S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen" empfiehlt die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie als erste Behandlung für alle Betroffenen, bevorzugt in Präsenz. Sie arbeitet mit Schlaf-Wach-Rhythmus, Bettzeiten und den Gedanken, die das Wachliegen aufrechterhalten. Eine medikamentöse Behandlung kommt erst in Betracht, wenn die Verhaltenstherapie nicht gewirkt hat oder nicht möglich war.
Quelle: Quelle 1
Mikronährstoffe
- Erste Hinweise
Magnesium gilt in der Mikronährstoffmedizin als Mittel bei innerer Unruhe und nächtlichen Wadenkrämpfen, und daraus wird oft eine Wirkung auf den Schlaf abgeleitet. Die Studienlage trägt das bisher nicht: Ein systematischer Überblick über zwölf randomisierte Studien kommt zu widersprüchlichen Ergebnissen bei niedriger bis sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit. Sinnvoll bleibt die Frage nach einem tatsächlichen Mangel: In einer neueren Studie deutete eine explorative Auswertung auf einen größeren Nutzen bei Menschen hin, die über die Ernährung wenig Magnesium aufnehmen.
Lebensstil
- Teilweise belegt
Jeden Morgen zur gleichen Zeit aufstehen, sich tagsüber nicht hinlegen, nach dem Mittagessen keinen Kaffee, Schwarztee oder Cola mehr trinken, Alkohol weitgehend meiden und nie als Schlafmittel nutzen, das Bett nur zum Schlafen nutzen: Solche Regeln gehören zur kognitiven Verhaltenstherapie für Insomnie, wie die S3-Leitlinie sie beschreibt. Wer nicht einschlafen kann, steht nach etwa einer Viertelstunde wieder auf und geht erst zurück ins Bett, wenn die Schläfrigkeit kommt. Gut belegt ist die Therapie als Ganzes; Schlafregeln allein wirken nach einer Metaanalyse, die die Leitlinie aufführt, schwächer als die vollständige Verhaltenstherapie.
Quelle: Quelle 1
Seele
Psychologie: wie Gefühle, Gedanken und Belastungen mitspielen.
Psychologie
- Gut belegt
- Erste Hinweise
Aus Sicht der Psychologie hält sich ein Einschlafproblem, das länger anhält, oft selbst in Gang. Nach ein paar schlechten Nächten geht man mit Sorge ins Bett, setzt sich unter Druck, einschlafen zu müssen, und grübelt über die Folgen für den nächsten Tag. Genau diese Anspannung kann wach halten.
Die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie, nach der S3-Leitlinie die erste Wahl, arbeitet deshalb nicht nur mit Bettzeiten, sondern auch mit den Gedanken: Sie nimmt belastende Überzeugungen über den Schlaf unter die Lupe, etwa dass eine kurze Nacht den ganzen nächsten Tag verdirbt, und übt Entspannung. In einer Metaanalyse von 20 randomisierten Studien schliefen Erwachsene mit chronischer Schlaflosigkeit nach der Behandlung laut Schlaftagebuch im Mittel 19 Minuten schneller ein als in Vergleichsgruppen ohne aktive Behandlung.
Eine Technik daraus klingt widersinnig: Bei der paradoxen Intention versucht man, abends im Bett möglichst lange wach zu bleiben, statt einschlafen zu wollen. So sollen der Druck, einschlafen zu müssen, und die Angst vor dem Nicht-Schlafen nachlassen. In einer Metaanalyse von zehn kleinen Studien besserten sich wichtige Beschwerden der Schlaflosigkeit deutlich gegenüber Vergleichsgruppen ohne aktive Behandlung, gegenüber anderen Verfahren bei mehreren Zielgrößen noch mäßig. Die Angst vor dem Nicht-Schlafen ließ gegenüber den Gruppen ohne aktive Behandlung deutlich nach. Für ein sicheres Urteil halten die Autorinnen und Autoren die Studien aber noch für zu schwach.
„Gut belegt“ gilt für die Verhaltenstherapie als Ganzes, „Erste Hinweise“ für die paradoxe Intention.
Wirkstoffe und Methoden
Als ruhiger Übergang zwischen Tag und Nacht wird die Progressive Muskelentspannung oft vor dem Einschlafen geübt, und bei Schlafproblemen ist sie gut untersucht. Die S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“ zählt sie zu den Entspannungsmethoden der kognitiven Verhaltenstherapie für Insomnie und sieht keine Entspannungsmethode den anderen eindeutig überlegen. Die amerikanische Fachgesellschaft für Schlafmedizin schlägt Entspannung bei chronischer Insomnie auch als einzelnen Baustein vor, als bedingte Empfehlung. In einer Metaanalyse von 31 randomisierten Studien besserte sich die selbst eingeschätzte Schlafqualität mit der Progressiven Muskelentspannung deutlich.
Halten die Einschlafprobleme über Wochen an, ist die vollständige Verhaltenstherapie für Insomnie, in der die Entspannung nur ein Baustein ist, der besser belegte Weg.
Was dagegen spricht
Die Einzelergebnisse der Metaanalyse gehen weit auseinander, und die berechneten Effekte sind ungewöhnlich groß. Gemessen wurde meist die allgemeine Schlafqualität per Fragebogen, nicht die Zeit bis zum Einschlafen. Die amerikanische Empfehlung ist ausdrücklich nur bedingt, und als alleinige Behandlung ist Entspannung schwächer belegt als die Verhaltenstherapie als Ganzes.
Baldrianwurzel ist in der EU als pflanzliches Arzneimittel bei Schlafstörungen eingeordnet: Trockenextrakte mit Ethanol-Wasser haben eine anerkannte medizinische Verwendung, Tee, Tinkturen und wässrige Auszüge gelten als traditionelle Arzneimittel, die allein auf langer Anwendung beruhen. Die anerkannte Verwendung stützt die EMA auf randomisierte Studien mit solchen Extrakten, zum Teil ohne Placebogruppe.
Unabhängige Übersichtsarbeiten zeichnen ein schwächeres Bild, und es kommt darauf an, was gemessen wurde. Wo Studien den Schlaf messen, etwa die Einschlafzeit in Minuten, die Schlafdauer oder Werte aus dem Schlaflabor, finden die Metaanalysen keinen Unterschied zu Placebo; darauf bezieht sich „Studien sprechen dagegen“. Fragt man nur, ob jemand besser geschlafen hat, bejahen das unter Baldrian in einigen Auswertungen etwas mehr Menschen als unter Placebo. Mehr als erste Hinweise sind das nicht, zumal Studien ohne Effekt womöglich unveröffentlicht blieben. Die S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“ spricht sich in Empfehlung T9 gegen Phytopharmaka zur Behandlung der Insomnie aus, und auch die europäische Leitlinie empfiehlt pflanzliche Mittel dafür nicht.
Was dagegen spricht
Die Übersichtsarbeiten widersprechen sich. Ein Review von 2007 hielt fest, dass keine der neueren, methodisch strengsten Studien einen Effekt fand. Eine Metaanalyse von 2006 (16 Studien) sah zwar häufiger besseren Schlaf unter Baldrian, aber auch Hinweise darauf, dass Studien ohne Effekt unveröffentlicht geblieben sind. Eine Metaanalyse von 2010 (18 Studien) fand keinen Unterschied bei der Einschlafzeit, im Mittel 0,7 Minuten, und keinen bei der auf Skalen gemessenen Schlafqualität, sondern nur bei der Ja-oder-Nein-Frage, ob man besser geschlafen hat. Ein Überblick über 14 Studien zu pflanzlichen Einzelmitteln (2015) fand bei keinem von 13 Messwerten einen Vorteil, eine Metaanalyse von 2020 über zehn Studien keinen gesicherten Unterschied, bei sehr uneinheitlichen Ergebnissen und Hinweisen auf fehlende Studien. Eine Gesamtschau der systematischen Reviews kam 2024 zu dem Schluss, dass eine Wirksamkeit bei Insomnie nicht belegt ist.
Auch große Einzelstudien verfehlten ihr Hauptziel, etwa eine norwegische mit 405 und eine amerikanische mit 391 Teilnehmenden. Die Studien, in denen ein Baldrianextrakt ähnlich abschnitt wie niedrig dosiertes Oxazepam, hatten keine Placebogruppe; in der größeren bemerkten unter Baldrian mehr Menschen gar keine Veränderung (13 gegenüber 7 Prozent). Ergebnisse von Mischpräparaten gelten nicht für Baldrian allein: In einer Studie war eine Kombination mit Hopfen dem Placebo überlegen, derselbe Baldrianextrakt ohne Hopfen nicht. Welche Dosis am besten wirkt, ist nicht geklärt. Die S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“ (2025) spricht sich in Empfehlung T9 gegen Phytopharmaka zur Behandlung der Insomnie aus (Empfehlungsgrad B), die europäische Leitlinie (2023) empfiehlt pflanzliche Mittel nicht, und die amerikanische Fachgesellschaft für Schlafmedizin rät mit schwacher Empfehlung von Baldrian ab.
Quellen: Quelle 1, Quelle 9, Quelle 10, Quelle 11, Quelle 12, Quelle 13, Quelle 14, Quelle 15, Quelle 16, Quelle 17, Quelle 18, Quelle 19, Quelle 20, Quelle 21, Quelle 22, Quelle 23
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) führt Hopfenzapfen als traditionelles pflanzliches Arzneimittel, das den Schlaf unterstützen soll: als Tee, Pulver oder Trockenextrakt eine halbe bis eine Stunde vor dem Zubettgehen. Grundlage ist die jahrzehntelange Anwendung, nicht der Nachweis in Studien.
Hopfen allein wurde für den Schlaf kaum klinisch geprüft; die Studien testen fast immer feste Kombinationen mit Baldrian. In der größten Studie, mit 184 Erwachsenen mit leichter Insomnie, besserte sich der Schlaf unter der Kombination nur wenig, und die meisten Unterschiede zu Placebo waren nicht statistisch gesichert. In einer kleinen Studie aus dem Umfeld des Herstellers mit 30 Teilnehmenden verkürzte die Kombination die Einschlafzeit stärker als Placebo, Baldrian allein dagegen nicht. Eine Machbarkeitsstudie von 2025 fand in einer explorativen Auswertung unter der Kombination knapp 22 Minuten mehr Schlaf pro Nacht, gemessen mit Fitness-Trackern. Ob Hopfen selbst beruhigt, den Baldrian verstärkt oder nichts beiträgt, hält die EMA für ungeklärt.
Im Tierversuch verringern Hopfenextrakte die Aktivität und verlängern den Schlaf nach einem Narkosemittel; welche Inhaltsstoffe beim Menschen wirken könnten, ist offen. Hopfenkissen sind eine alte Hausanwendung, aber nicht untersucht. Ins Bett eines Säuglings gehört nach der Leitlinie zur Vorbeugung des plötzlichen Säuglingstods überhaupt kein Kissen, also auch kein Hopfenkissen.
Was dagegen spricht
Die S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“ spricht sich in Empfehlung T9 gegen Phytopharmaka zur Behandlung der Insomnie aus (Empfehlungsgrad B), weil die Studien insgesamt von niedriger Qualität sind; Hopfenzapfen führt sie in ihrer Übersicht der frei verkäuflichen Pflanzenmittel auf. Das belegt nicht, dass Hopfen unwirksam ist, zeigt aber, dass gute Studien fehlen.
In der größten Studie zur Baldrian-Hopfen-Kombination fand die Messung im Schlaflabor keinen Unterschied zu Placebo. Ob der Hopfen etwas beiträgt, bleibt auch deshalb offen, weil sich die direkten Vergleiche widersprechen: In einer älteren Studie mit 128 Personen verbesserte ein Baldrian-Hopfen-Präparat mit weniger Baldrianextrakt den Schlaf nicht, ein Baldrianextrakt allein dagegen schon. Eine Studie, die eine Hopfen-Baldrian-Kombination einem Benzodiazepin gleichwertig fand, hatte keine Placebogruppe und sagt deshalb nicht, ob eines der Mittel mehr bewirkte als ein Scheinmedikament. Die drei neueren Studien zur festen Kombination wurden von der Industrie finanziert oder von Mitarbeitenden des Herstellers mitverfasst.
Ein Nahrungsergänzungsmittel aus Hopfenextrakt und mehrfach ungesättigten Fettsäuren schnitt bei chronischer Insomnie nicht besser ab als ein Placebo mit Olivenöl, obwohl sich beide Gruppen deutlich besserten. Die einzige Untersuchung zum Schlaf mit Hopfen ohne andere Heilpflanzen — 17 Pflegerinnen tranken zwei Wochen lang alkoholfreies Bier, ohne Vergleich mit Placebo — wertet die EMA als anekdotisch.
Quellen: Quelle 1, Quelle 21, Quelle 24, Quelle 25, Quelle 26, Quelle 27, Quelle 28, Quelle 29, Quelle 30, Quelle 31, Quelle 32, Quelle 33, Quelle 34, Quelle 35
Zwei neuere systematische Übersichten fassen die Studien zum Schlaf zusammen. Eine Metaanalyse von 2025 wertete 18 randomisierte Studien aus; mit einer weiteren Studie umfasste ihre Auswahl knapp 900 Teilnehmende. Unter L-Theanin besserte sich die selbst eingeschätzte Schlafqualität, Beeinträchtigungen am Tag nahmen ab, und die selbst eingeschätzte Einschlafzeit verkürzte sich nur sehr wenig. Ein Review von 13 Studien, in denen L-Theanin allein gegeben wurde (2026), beschreibt bei 200 bis 450 mg am Tag günstige Effekte auf Einschlafen, Durchschlafen und das Gefühl, erholt aufzuwachen. In einer vierwöchigen Studie mit 30 Gesunden besserten sich mit 200 mg am Tag Einschlafzeit und Schlafstörungen im Fragebogen stärker als mit Placebo. Die Studien sind klein, erfassen den Schlaf oft per Fragebogen, und Studien mit Menschen mit diagnostizierter Insomnie halten die Autorinnen und Autoren erst noch für nötig; deshalb „Erste Hinweise“.
Was dagegen spricht
Die Effekte sind klein, bei der Einschlafzeit am kleinsten. Die Autorinnen und Autoren der Metaanalyse weisen selbst darauf hin, dass es an Studien mit reinem L-Theanin fehlt; was Kombinationen etwa mit GABA oder einem Milcheiweiß-Hydrolysat bewirken, lässt sich nicht L-Theanin allein zuschreiben. Der positive Review zu L-Theanin allein stammt aus der Forschung eines Tabakkonzerns und einer weiteren Firma und fasst die Studien ohne Metaanalyse zusammen. In einer Studie, die den Schlaf mit einem Bewegungsmesser am Handgelenk maß, änderte sich bei 98 Jungen mit ADHS die Einschlafzeit unter 400 mg am Tag nicht; nur Schlafanteil und Schlafeffizienz stiegen. Bei Erwachsenen mit generalisierter Angststörung verringerte L-Theanin die Schlafprobleme insgesamt nicht stärker als Placebo, nur die Zufriedenheit mit dem Schlaf war größer. Die EFSA sah 2011 eine Wirkung auf den normalen Schlaf nicht als belegt an. Die S3-Leitlinie Insomnie empfiehlt als erste Behandlung die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie; L-Theanin erwähnt sie nicht.
Quellen: Quelle 1, Quelle 36, Quelle 37, Quelle 38, Quelle 39, Quelle 40, Quelle 41, Quelle 42
Lavendel ist in der europäischen Pflanzenheilkunde eine alte Einschlafhilfe. Die EU-Monographie führt Lavendeltee, Lavendeltinktur und Lavendelöl als traditionelle Mittel, die den Schlaf unterstützen sollen – gestützt auf die lange Anwendung, nicht auf Studien.
Die meisten Studien gibt es zum Duft: Eine Metaanalyse von elf kleinen randomisierten Studien mit zusammen 628 Erwachsenen fand mit Lavendelöl, meist eingeatmet, bessere Werte für die Schlafqualität. Untersucht wurden überwiegend Menschen im Krankenhaus oder mit chronischen Erkrankungen, einige nur über ein oder zwei Nächte. Die Einzelergebnisse schwanken stark, und ob die Beteiligten wussten, was sie bekamen, lässt sich bei den meisten Studien nicht beurteilen.
Das zugelassene Lavendelöl zum Einnehmen verbesserte in zwei placebokontrollierten Studien mit Erwachsenen, die unter deutlicher Angst und schlechtem Schlaf litten, auch den Schlaf, einschließlich der angegebenen Einschlafdauer. Die Angst ging dabei früher zurück als die Schlafprobleme, und eine Nachauswertung spricht dafür, dass der bessere Schlaf fast ganz eine Folge der geringeren Angst war. Bei Schlafproblemen ohne Angst ist das Präparat nicht untersucht. Zu eingenommenen Lavendelblüten ist die Studienlage dünn: In einer placebokontrollierten Studie mit 156 Frauen nach den Wechseljahren fiel der Schlafwert mit Blütenpulver in Kapseln besser aus als mit Placebo.
Was dagegen spricht
Die S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“ (2025) rät davon ab, eine Insomnie mit pflanzlichen Mitteln zu behandeln (Empfehlung T9, mittlerer Empfehlungsgrad B), und von Aromatherapie noch deutlicher (T11, höchster Empfehlungsgrad A); Lavendel bewertet sie nicht eigens. Die positiven Metaanalysen zur Aromatherapie hält sie für kaum überprüfbar, weil viele der ausgewerteten Studien ohne fachliche Begutachtung oder nur in anderen Sprachen als Englisch erschienen sind. Das ist ein fehlender Nachweis, kein Beleg dafür, dass Lavendel nicht wirkt.
Zwei ältere kleine Studien, die als Beleg für Lavendelduft und Lavendelmassage beim Schlaf angeführt werden, tragen wenig: Zehn Erwachsene mit leichter Insomnie atmeten im Wechsel je eine Woche lang Lavendelduft oder Mandelöl ein; der Unterschied war statistisch nicht gesichert. In einer Hospizstudie mit 42 Teilnehmenden brachte Lavendelöl in der Massage gegenüber einer Massage mit Trägeröl allein keinen zusätzlichen Unterschied, auch nicht beim Schlaf.
Kräuterweine taugen nicht als Einschlafhilfe, auch nicht mit Lavendel: Die Leitlinie rät, Alkohol nicht als Schlafmittel einzusetzen. Bei anhaltenden Einschlafproblemen empfiehlt sie als erste Behandlung die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie.
Quellen: Quelle 1, Quelle 43, Quelle 44, Quelle 45, Quelle 46, Quelle 47, Quelle 48, Quelle 49, Quelle 50, Quelle 51, Quelle 52
Melissenblätter werden traditionell bei nervös bedingten Einschlafproblemen verwendet, als Tee oder zusammen mit Baldrian und Hopfen. Die EU-Monographie beschreibt sie als traditionelles pflanzliches Arzneimittel, das den Schlaf fördern soll — gestützt auf die lange Anwendung, nicht auf Wirksamkeitsstudien. Studien zur Melisse allein sind wenige, klein und dauerten höchstens acht Wochen: Mit einem Melissenextrakt in Phospholipid-Form gaben Teilnehmende nach zwei bis drei Wochen im Fragebogen besseren Schlaf an als unter Placebo, ebenso Menschen mit Angina pectoris nach acht Wochen Melissenkapseln. Eine Mischung aus Baldrian und Melisse verbesserte in einer Studie mit 100 Frauen in den Wechseljahren den selbst eingeschätzten Schlaf; welchen Anteil die Melisse daran hat, bleibt offen. Als Behandlung anhaltender Einschlafprobleme ist Melisse damit nicht belegt.
Was dagegen spricht
Die S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“ (2025) rät davon ab, eine Insomnie mit pflanzlichen Mitteln zu behandeln (Empfehlung T9, mittlerer Empfehlungsgrad B), und von Aromatherapie noch deutlicher (T11, höchster Empfehlungsgrad A). Melissenblätter nennt sie nur in einer Übersicht frei verkäuflicher Mittel, Studien zur Melisse bespricht sie nicht; erste Wahl ist dort die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie. Für Baldrian, den häufigsten Partner in Mischungen, finden Metaanalysen allenfalls einen geringen Nutzen.
Die EMA fand 2013 keine Studien, die eine Wirksamkeit belegen. Eine häufig zitierte Pilotstudie mit deutlich weniger Schlafbeschwerden nach 15 Tagen hatte weder Placebo- noch Vergleichsgruppe und stammt überwiegend von Mitarbeitenden des Extraktherstellers. Die beiden neueren placebokontrollierten Studien von 2023 und 2024 prüften denselben Extrakt eines Herstellers, waren klein und kurz und stützten sich vor allem auf Fragebögen; in einer davon schlief die Melissengruppe schon zu Beginn schlechter, weshalb die Autorinnen und Autoren selbst zur Vorsicht raten.
Quellen: Quelle 1, Quelle 53, Quelle 54, Quelle 55, Quelle 56, Quelle 57, Quelle 58, Quelle 59
Die EU-Monographie führt Passionsblumenkraut auch als traditionelles Mittel zur Unterstützung des Schlafs, gestützt auf lange Anwendung statt auf einen Wirksamkeitsnachweis. Zwei kurze placebokontrollierte Studien liefern erste Hinweise: Ein abendlicher Tee besserte bei gesunden jungen Erwachsenen die empfundene Schlafqualität leicht, und bei Menschen mit Insomnie nahm die im Schlaflabor gemessene Schlafdauer unter einem Extrakt nach zwei Wochen um etwa 23 Minuten zu, unter Placebo praktisch nicht.
Bei anhaltenden Schlafproblemen ist nach der S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“ die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie die erste Wahl; gegen Phytopharmaka zur Behandlung der Insomnie spricht sich die Leitlinie in Empfehlung T9 aus.
Was dagegen spricht
Die S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“ spricht sich in Empfehlung T9 gegen Phytopharmaka zur Behandlung der Insomnie aus (Empfehlungsgrad B), weil die Studien insgesamt von niedriger Qualität sind; eine Metaanalyse speziell zur Passionsblume führt sie nicht auf.
Beide Studien sind kurz, die Teestudie zudem klein. In der Teestudie besserte sich von sechs Werten im Schlaftagebuch nur die empfundene Schlafqualität, um etwa fünf Prozent; bei der Einschlafdauer gab es keinen Unterschied zum Placebo, und im Schlaflabor zeigte sich bei den zehn dort untersuchten Teilnehmenden überhaupt kein Unterschied. Menschen mit Schlafstörungen waren in dieser Studie nicht dabei. In der Studie mit Insomnie-Betroffenen war der Unterschied bei der Schlafdauer statistisch knapp, Schlafeffizienz und nächtliche Wachzeit unterschieden sich nicht vom Placebo, und wie Schlaftagebuch und Fragebögen ausfielen, geht aus der veröffentlichten Zusammenfassung nicht hervor.
Quellen: Quelle 1, Quelle 60, Quelle 61, Quelle 62, Quelle 63
Häufige Fragen
Hilft Magnesium beim Einschlafen?
- Erste Hinweise
Die Studienlage ist dünn und widersprüchlich. Der aktuellste systematische Überblick über zwölf randomisierte Studien stuft die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse als niedrig bis sehr niedrig ein und sieht Magnesium nicht als Standardbehandlung bei Insomnie. Eine ältere Metaanalyse an älteren Menschen fand eine um etwa 17 Minuten kürzere Einschlafzeit, stützte sich aber auf nur drei kleine Studien mit deutlichen Schwächen. Für die Werbung auf Produkten ist die Frage ohnehin entschieden: Für Magnesium ist in der EU keine Aussage zum Schlaf zugelassen.
Was hilft denn am besten bei Einschlafproblemen?
- Gut belegt
Nach der S3-Leitlinie die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie. Sie soll allen Betroffenen angeboten werden und wirkt nach dem Ende der Behandlung weiter — anders als Schlafmittel. Medikamente kommen erst infrage, wenn sie nicht gewirkt hat oder nicht möglich war.
Quelle: Quelle 1
Ab wann sollte ich zur Ärztin oder zum Arzt?
- Gut belegt
Wenn die Einschlafprobleme länger als vier Wochen anhalten und der Tag darunter leidet, wenn du tagsüber gegen den Schlaf ankämpfen musst, oder wenn Warnzeichen dazukommen: Atemaussetzer im Schlaf, Einnicken am Steuer, oder eine über Wochen gedrückte Stimmung.
Quelle: Quelle 1
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Verwandte Themen
Quellen
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