Chronische Schlafstörungen
Warnzeichen: Bitte zuerst lesen
Lass das sofort ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Du nickst am Steuer ein, hast Sekundenschlaf oder schläfst tagsüber ungewollt ein, etwa im Gespräch oder beim Lesen
Fahr nicht mehr selbst, bis die Ursache ärztlich geklärt ist. Dahinter kann eine Schlafapnoe oder eine andere Schlafstörung stecken; auch Schlafmittel können am nächsten Tag die Fahrtüchtigkeit einschränken.
Hol dir jetzt Unterstützung, zum Beispiel bei der Telefonseelsorge, wenn du das bemerkst:
- Gedanken daran, dir das Leben zu nehmen oder dir etwas anzutun
Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Bist du in akuter Gefahr, ruf den Notruf 112.
Lass das ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Lautes Schnarchen mit Atemaussetzern im Schlaf, die jemand anderes bemerkt hat
Das spricht für eine schlafbezogene Atmungsstörung wie die Schlafapnoe. Sie kommt häufig zusammen mit einer Insomnie vor, wird im Schlaflabor abgeklärt und eigens behandelt.
- Unangenehmes Kribbeln, Ziehen oder Unruhe in den Beinen am Abend oder in Ruhe, das nur beim Bewegen nachlässt und dich nicht einschlafen lässt
Das kann auf ein Restless-Legs-Syndrom hinweisen. Es wird anders behandelt als eine Insomnie und gehört deshalb ärztlich abgeklärt.
- Die Schlafprobleme kommen zusammen mit gedrückter Stimmung, Freudlosigkeit oder Antriebslosigkeit, die länger als zwei Wochen anhalten
Schlafstörungen begleiten fast jede Depression und können ihr vorausgehen. Beides lässt sich behandeln, und die Verhaltenstherapie für Insomnie wirkt auch dann.
- Du nimmst seit Wochen regelmäßig Schlaf- oder Beruhigungstabletten und kommst ohne sie kaum noch in den Schlaf
Viele dieser Mittel sind nur für wenige Wochen gedacht, weil Gewöhnung und Abhängigkeit drohen. Setz sie nicht auf einen Schlag ab, denn danach kann die Schlaflosigkeit verstärkt zurückkehren. Plane das Ausschleichen gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Notruf: 112 · TelefonSeelsorge: 0800 111 0 111 · TelefonSeelsorge: 0800 111 0 222 · Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
Kurz erklärt
Wer über Monate an mehreren Nächten pro Woche schlecht einschläft, nachts lange wach liegt oder viel zu früh aufwacht und sich tagsüber erschöpft, unkonzentriert oder gereizt fühlt, erlebt mehr als eine Phase schlechten Schlafs. Fachleute sprechen dann von einer chronischen Insomnie, einer der häufigsten Schlafstörungen. Oft beginnt sie in einer belastenden Zeit und verselbstständigt sich danach: Das Grübeln im Bett, die innere Anspannung und die Sorge vor der nächsten Nacht halten sie am Laufen.
Die S3-Leitlinie setzt deshalb nicht bei einem Mittel an, sondern bei den Gewohnheiten und Gedanken rund um den Schlaf. Erste Wahl ist die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie, einzeln, in der Gruppe oder als digitale Anwendung auf Rezept. Schlafmittel wirken, sind aber nur für kurze Zeit gedacht, und von pflanzlichen Mitteln zur Behandlung rät die Leitlinie ab. Weil hinter hartnäckiger Schlaflosigkeit auch eine Schlafapnoe, ein Restless-Legs-Syndrom, eine verschobene innere Uhr, eine Depression, Medikamente oder eine körperliche Erkrankung stecken können, gehört eine chronische Schlafstörung ärztlich abgeklärt. Diese Seite bezieht sich auf Erwachsene; bei Kindern ist die kinderärztliche Praxis die erste Adresse.
- Gut belegt7 Aussagen
- Teilweise belegt3 Aussagen
- Erste Hinweise7 Aussagen
- Traditionell genutzt1 Aussage
- Studien sprechen dagegen1 Aussage

Sichtweisen im Vergleich
Körper
Medizin, Naturheilkunde, Ernährung und Bewegung: was im Körper geschieht.
Schulmedizin
- Gut belegt
Eine chronische Insomnie wird im Gespräch erkannt, nicht mit einem Messgerät. Die Ärztin oder der Arzt fragt nach deinem Schlaf und deinem Befinden am Tag, nach Medikamenten, Alkohol und Koffein und nach anderen körperlichen und seelischen Beschwerden, untersucht dich und bittet dich, ein bis zwei Wochen lang ein Schlaftagebuch zu führen; der Nutzen von Schlaftrackern ist dafür bisher nicht ausreichend belegt. Ins Schlaflabor geht es vor allem, wenn eine andere Schlafstörung vermutet wird, die Behandlung nicht anschlägt oder der Beruf ein besonderes Risiko birgt, etwa am Steuer.
Als erste Behandlung empfehlen die deutsche und die europäische Leitlinie allen Betroffenen die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie, auch wenn andere Erkrankungen dazukommen, die dann ebenfalls behandelt werden. Medikamente sind der zweite Schritt, wenn die Verhaltenstherapie nicht ausreichend geholfen hat oder nicht möglich war, und nach der S3-Leitlinie in aller Regel nur für kurze Zeit; bei älteren Menschen rät sie zu großer Zurückhaltung.
Pflanzenheilkunde
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
- Studien sprechen dagegen
Beruhigende Heilpflanzen haben in der europäischen Pflanzenheilkunde eine lange Tradition beim Schlaf. Zur Behandlung einer Insomnie empfiehlt die S3-Leitlinie Pflanzenmittel trotzdem nicht (Empfehlung T9, Empfehlungsgrad B: „sollte nicht empfohlen werden“), weil die Studien insgesamt von niedriger Qualität sind; eine Metaanalyse von 14 Studien zu vier pflanzlichen Einzelmitteln fand bei keinem einen gesicherten Unterschied zu Placebo.
Baldrian ist am besten untersucht: Seine Trockenextrakte haben nach der EU-Monographie eine anerkannte medizinische Verwendung bei Schlafstörungen, doch wo Studien den Schlaf messen, etwa die Einschlafzeit, fanden Metaanalysen keinen Unterschied zu Placebo. Hopfen, Melisse, Passionsblume und Lavendel führen die EU-Monographien als traditionelle Arzneimittel zur Unterstützung des Schlafs, gestützt auf lange Anwendung; Studien zum Schlaf gibt es dazu nur wenige und kleine, oft mit Mischungen, und sie liefern höchstens erste Hinweise. Dass sich viele mit einem Kräutertee oder Dragee besser fühlen, muss nicht am Wirkstoff liegen: Schon ein Scheinmittel bessert den empfundenen Schlaf spürbar gegenüber gar keiner Behandlung.
Quellen: Quelle 1, Quelle 7, Quelle 8, Quelle 9, Quelle 10, Quelle 11, Quelle 12, Quelle 13, Quelle 14
Mikronährstoffe
- Erste Hinweise
In Nährstoffratgebern werden bei Schlafstörungen vor allem Magnesium und die Aminosäure L-Tryptophan genannt. Für Magnesium kommt der aktuellste systematische Überblick über zwölf randomisierte Studien zu widersprüchlichen Ergebnissen bei niedriger bis sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit und sieht Magnesium nicht als Standardbehandlung der Insomnie. Für L-Tryptophan fand eine Metaanalyse, die nur vier Studien gemeinsam auswerten konnte, eine kürzere Wachzeit nach dem Einschlafen, aber keinen Einfluss auf die übrigen Schlafwerte. Die S3-Leitlinie spricht für keinen der beiden Stoffe eine Empfehlung aus. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, klärt Nahrungsergänzungsmittel am besten vorher in der Praxis oder Apotheke ab.
Lebensstil
- Erste Hinweise
Einige Regeln rund um den Schlaf gehören als Baustein zur Verhaltenstherapie: nach dem Mittagessen keinen Kaffee, Schwarztee oder Cola mehr, Alkohol weitgehend meiden und nie zum Einschlafen einsetzen, abends nicht schwer essen, vor dem Zubettgehen nichts Aufwühlendes und kein helles Licht, ein kühles, dunkles und ruhiges Schlafzimmer und nachts kein Blick auf die Uhr.
Als alleinige Behandlung einer chronischen Insomnie tragen diese Regeln wenig. In einer Metaanalyse von 42 Studien besserten sich die Beschwerden mit reiner Aufklärung über Schlafhygiene zwar etwas, aber deutlich weniger als mit der Verhaltenstherapie, und fast alle Studien hatten ein hohes Verzerrungsrisiko; die amerikanische Fachgesellschaft für Schlafmedizin rät davon ab, Schlafhygiene allein einzusetzen. Regelmäßige Bewegung schnitt in derselben Auswertung besser ab als die reine Aufklärung, und auch andere Metaanalysen finden positive Effekte bei begrenzter Studienqualität. Die deutsche Leitlinie hält Bewegungstherapie für erwägenswert, die europäische als Ergänzung zur Verhaltenstherapie.
Seele
Psychologie: wie Gefühle, Gedanken und Belastungen mitspielen.
Psychologie
- Gut belegt
- Teilweise belegt
Die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) setzt dort an, wo sich Schlaflosigkeit selbst erhält: beim langen Wachliegen im Bett, beim nächtlichen Grübeln und bei der Sorge, die nächste Nacht werde wieder schlecht. Sie verbindet Wissen über den Schlaf mit Entspannungsübungen, einer vorübergehend verkürzten Bettzeit, die den Schlafdruck erhöht (Bettzeitrestriktion), der Regel, das Bett nur zum Schlafen zu nutzen und bei langem Wachliegen aufzustehen (Stimuluskontrolle), und mit Techniken gegen kreisende Gedanken.
In einer Metaanalyse von 87 randomisierten Studien nahm vor allem die Schwere der Schlaflosigkeit deutlich ab; die Wirkung wird mit der Zeit schwächer, ist aber ein Jahr nach der Therapie noch messbar. Am besten wirkt die KVT-I als Einzel- oder Gruppentherapie oder digital mit persönlicher Begleitung, und die S3-Leitlinie bevorzugt die Therapie in Präsenz. Im Verzeichnis des BfArM sind mehrere digitale Programme für Insomnie dauerhaft als Gesundheitsanwendung aufgenommen und können verordnet werden. Achtsamkeitsbasierte Verfahren zeigten in Metaanalysen ebenfalls positive Effekte, stehen aber noch auf einer kleinen Datenbasis.
Wirkstoffe und Methoden
Bei Schlafproblemen werden Achtsamkeitsübungen meist als Ergänzung untersucht. Eine Metaanalyse von 18 randomisierten Studien mit gut 1.600 Teilnehmenden mit Schlafproblemen fand mit Achtsamkeitsmeditation eine mäßig bessere Schlafqualität als in Vergleichsgruppen mit ähnlichem Zeitaufwand, direkt nach dem Kurs und in der Nachbeobachtung. Die Autorinnen und Autoren nennen diese Ergebnisse selbst vorläufig.
An erster Stelle steht bei einer chronischen Insomnie nach der S3-Leitlinie die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie, zu der ebenfalls Übungen gegen nächtliches Grübeln und Anspannung gehören.
Was dagegen spricht
Gegenüber bewährten Schlafbehandlungen wie der kognitiven Verhaltenstherapie fand dieselbe Metaanalyse keinen Unterschied, bei schwacher Beleglage. Die Studien schlossen Menschen mit sehr unterschiedlichen Schlafproblemen ein, nicht nur mit chronischer Insomnie, und gemessen wurde vor allem die selbst eingeschätzte Schlafqualität. Ob Achtsamkeit allein eine chronische Insomnie dauerhaft bessert, ist offen.
Bei chronischen Schlafstörungen kann regelmäßige Bewegung die Behandlung ergänzen. Eine Netzwerk-Metaanalyse von 22 randomisierten Studien mit 1.348 Erwachsenen mit Insomnie fand, dass Bewegung den Schlaf verbessert; am besten schnitten Yoga, Tai-Chi und Gehen oder Joggen ab. In einer Metaanalyse zur Schlafhygiene besserte Bewegung die Insomnie mehr als reine Aufklärung über Schlafregeln. Die deutsche S3-Leitlinie hält Bewegungstherapie für erwägenswert, die europäische Leitlinie als Ergänzung zur kognitiven Verhaltenstherapie für Insomnie, die die erste Behandlung bleibt.
Auch abends kannst du trainieren: Nach einer Metaanalyse mit gesunden Menschen stört abendlicher Sport den Schlaf nicht, nur sehr anstrengendes Training kurz vor dem Zubettgehen kann das Einschlafen verzögern.
Was dagegen spricht
Nur wenige Studien zu Bewegung bei Insomnie haben ein geringes Verzerrungsrisiko, die Sicherheit der meisten Ergebnisse ist gering, und manche berechneten Effekte sind unplausibel groß. Die Studien zur Schlafhygiene hatten zum großen Teil ein hohes Verzerrungsrisiko.
Quellen: Quelle 1, Quelle 2, Quelle 17, Quelle 20, Quelle 21
Bei chronischen Schlafstörungen gehört Tai-Chi zu den Bewegungsformen mit den besten Ergebnissen. Eine Netzwerk-Metaanalyse von 22 randomisierten Studien mit 1.348 Erwachsenen mit Insomnie fand, dass sich mit Tai-Chi die selbst eingeschätzte Schlafqualität besserte; nach Schlaftagebüchern und auch nach Messungen schliefen die Teilnehmenden länger. Am besten schnitten Yoga, Tai-Chi und Gehen oder Joggen ab.
Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt als erste Behandlung der chronischen Insomnie die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie. Tai-Chi kann sie ergänzen.
Was dagegen spricht
Die Sicherheit der Ergebnisse zu Tai-Chi stufen die Autorinnen und Autoren als gering ein, und nur vier der 22 Studien hatten ein geringes Verzerrungsrisiko. Zu Qigong bei Insomnie gibt es in dieser Auswertung keine eigenen Ergebnisse.
Bei chronischen Schlafstörungen ist Yoga eine der Bewegungsformen mit den besten Ergebnissen. Eine Netzwerk-Metaanalyse von 22 randomisierten Studien mit 1.348 Erwachsenen mit Insomnie verglich verschiedene Bewegungsformen; Yoga, Tai-Chi und Gehen oder Joggen schnitten am besten ab, und mit Yoga schliefen die Teilnehmenden nach ihren Schlaftagebüchern länger und lagen nachts kürzer wach.
Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt als erste Behandlung der chronischen Insomnie die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie. Yoga kann sie ergänzen.
Was dagegen spricht
Nur vier der 22 Studien hatten ein geringes Verzerrungsrisiko, und für die meisten Ergebnisse ist die Sicherheit gering. Der berechnete Zugewinn von fast zwei Stunden Schlaf pro Nacht beruht auf wenigen Studien und liegt weit über dem, was die am besten belegte Behandlung erreicht; das spricht eher für Schwächen der Studien als für eine so große Wirkung.
Häufige Fragen
Ab wann gilt eine Schlafstörung als chronisch?
- Gut belegt
Von einer Insomnie spricht man, wenn du an mindestens drei Nächten pro Woche über mehr als einen Monat schlecht einschläfst, schlecht durchschläfst oder zu früh aufwachst und der Tag darunter leidet. Als chronisch gilt sie nach der neuen internationalen Klassifikation ICD-11, wenn die Beschwerden mehrmals pro Woche auftreten und seit mindestens drei Monaten bestehen. Eine bestimmte Zahl an Minuten bis zum Einschlafen oder an Stunden Schlaf braucht es für die Diagnose nicht; entscheidend sind, wie du deinen Schlaf erlebst und wie es dir tagsüber geht.
Schlechte Nächte sind dabei viel häufiger als eine Insomnie: In einer bundesweiten Erhebung des Robert Koch-Instituts berichtete etwa ein Drittel der Erwachsenen von Ein- oder Durchschlafproblemen in den vier Wochen zuvor, die Kriterien einer Insomnie mit Folgen am Tag erfüllten 5,7 Prozent.
Welche Behandlungen gibt es bei chronischer Schlaflosigkeit?
- Gut belegt
An erster Stelle steht nach der deutschen und der europäischen Leitlinie die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie, für alle Betroffenen und auch dann, wenn andere körperliche oder seelische Erkrankungen dazukommen; diese werden zusätzlich behandelt. Hilft sie nicht ausreichend oder ist sie nicht möglich, können Medikamente dazukommen, in aller Regel nur für kurze Zeit. Bewegungs- und Lichttherapie sowie künstlerische Therapien kann man nach der S3-Leitlinie erwägen, sie sind aber deutlich schwächer belegt. Von sedierenden Antihistaminika, Aromatherapie, Akupunktur, Fußreflexzonenmassage und Homöopathie rät die Leitlinie zur Behandlung der Insomnie ab; Pflanzenmittel empfiehlt sie nicht (Empfehlung T9).
Wie komme ich an eine kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie?
- Gut belegt
Ein guter erster Schritt ist die Hausarztpraxis, die auch andere Ursachen abklärt. Die Therapie gibt es einzeln oder in der Gruppe bei Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten und als digitale Gesundheitsanwendung. Fachleute mit Erfahrung in dieser Methode sind allerdings knapp, das hält auch die S3-Leitlinie fest.
Im DiGA-Verzeichnis des BfArM sind Programme für Insomnie dauerhaft aufgenommen; welche es gerade gibt, zeigt das Verzeichnis selbst. Ärztinnen, Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten können sie verordnen, die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten. Digitale Programme wirken, in Studien aber meist etwas schwächer als die Therapie mit einem Menschen, besonders ohne persönliche Begleitung.
Was kann ich selbst tun, bis ich einen Therapieplatz habe?
- Teilweise belegt
Selbsthilfeprogramme und Ratgeber, die auf der Verhaltenstherapie aufbauen, bessern den Schlaf in Studien ebenfalls, wenn auch weniger als eine begleitete Therapie. Einige Regeln der Stimuluskontrolle kannst du gleich ausprobieren: jeden Morgen zur selben Zeit aufstehen, dich tagsüber nicht hinlegen, erst ins Bett gehen, wenn du schläfrig bist, und wieder aufstehen, wenn du nach etwa einer Viertelstunde noch wach liegst, und erst zurückgehen, wenn die Müdigkeit wiederkommt. Ein Schlaftagebuch über ein bis zwei Wochen hilft dir und später der Praxis, das Muster zu erkennen.
Diese Regeln kosten anfangs etwas Schlaf und können dich, wie eine verkürzte Bettzeit, in den ersten Wochen tagsüber müder machen. Sei in dieser Zeit am Steuer und bei gefährlichen Tätigkeiten vorsichtig; wer eine Epilepsie oder eine bipolare Störung hat, geht beides nur mit fachlicher Begleitung an.
Sind Schlaftabletten bei chronischer Schlaflosigkeit eine Lösung?
- Gut belegt
Für kurze Zeit können sie helfen, als Dauerlösung nach der S3-Leitlinie nicht. Benzodiazepine und die verwandten Wirkstoffe Zolpidem und Zopiclon wirken in der Kurzzeitbehandlung bis zu vier Wochen; von einer längeren Einnahme rät die Leitlinie ab, weil sich Gewöhnung und Abhängigkeit entwickeln können, nachts Verwirrtheit und Stürze drohen, am nächsten Tag die Fahrtüchtigkeit leiden kann und die Schlaflosigkeit nach dem Absetzen häufig zurückkehrt, zum Teil stärker als zuvor. Auch schlafanstoßende Antidepressiva, sofern sie nicht zugleich eine Erkrankung wie eine Depression behandeln, für die sie zugelassen sind, und die neueren Orexin-Rezeptor-Antagonisten empfiehlt sie nicht für eine Langzeitbehandlung. Melatonin ist in Deutschland für Menschen ab 55 Jahren zur Kurzzeitbehandlung zugelassen, in dieser Gruppe hält die Leitlinie es für wirksam, von einer Langzeitbehandlung rät sie ab.
Von rezeptfreien Schlafmitteln mit sedierenden Antihistaminika wie Diphenhydramin oder Doxylamin rät sie ab: hochwertige Studien fehlen, die Wirkung ist allenfalls gering, und der Körper gewöhnt sich rasch daran. Wer Schlafmittel schon länger nimmt, setzt sie nicht auf einen Schlag ab, sondern plant das Ausschleichen mit der Ärztin oder dem Arzt.
Könnte hinter meiner Schlaflosigkeit etwas anderes stecken?
- Gut belegt
Ja, und deshalb gehört eine chronische Schlafstörung ärztlich abgeklärt. Recht häufig steckt eine nächtliche Atmungsstörung mit dahinter: Nach einer Übersichtsarbeit, auf die sich die S3-Leitlinie stützt, haben 30 bis 40 Prozent der Menschen mit Insomnie zugleich eine obstruktive Schlafapnoe. Auch Beinbewegungen im Schlaf oder ein Restless-Legs-Syndrom, eine innere Uhr, die nicht zu den gewünschten Schlafzeiten passt, etwa bei Schichtarbeit, chronische Schmerzen, Erkrankungen von Herz, Lunge, Nieren oder Hormondrüsen, starker Juckreiz, die Wechseljahre sowie Depressionen und Angststörungen können den Schlaf stören.
Dazu kommen Alkohol, Koffein und manche Medikamente, zum Beispiel Betablocker, antriebssteigernde Antidepressiva, Kortison, Schilddrüsenhormone, Asthmamittel oder harntreibende Mittel; setz sie nicht eigenmächtig ab, sondern sprich die Praxis darauf an. Solche Ursachen werden gezielt behandelt, die Insomnie oft zusätzlich, weil sie sich mit der Zeit verselbstständigt.
Ist chronisch schlechter Schlaf auf Dauer schädlich?
- Teilweise belegt
Eine chronische Insomnie belastet vor allem den Tag: Leistungsfähigkeit, Stimmung und Lebensqualität leiden. Eine Metaanalyse von 21 Langzeitstudien fand bei Menschen mit Schlaflosigkeit ein etwa doppelt so hohes Risiko, später an einer Depression zu erkranken, wie bei Menschen ohne Schlafprobleme; ob der schlechte Schlaf die Depression verursacht, können solche Beobachtungsstudien allerdings nicht zeigen. Die Verhaltenstherapie für Insomnie bessert in Studien neben dem Schlaf auch depressive Beschwerden, Ängste und Erschöpfung.
Das ist ein Grund, eine chronische Schlafstörung behandeln zu lassen, aber keiner, sich über einzelne schlechte Nächte zu sorgen: Gerade die Sorge um den Schlaf hält eine Insomnie oft am Laufen.
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Quellen
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