Depression
Ergänzen, nicht ersetzen: Bei ernsthaften Erkrankungen gehören Diagnose und Behandlung in ärztliche Hände. Was du hier liest, ist ergänzendes Wissen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Bei Gedanken an Suizid sofort Hilfe holen: Telefonseelsorge oder NotrufGut belegt
- Hält die Niedergeschlagenheit über zwei Wochen an, mit der Hausarztpraxis sprechenGut belegt
- Psychotherapie und Antidepressiva sind die am besten belegten Wege, je nach SchweregradGut belegt
- Regelmäßig bewegen, am besten angeleitet oder in einer Gruppe, begleitend zur BehandlungTeilweise belegt
- Medikamente nur gemeinsam mit der behandelnden Praxis ändern oder beendenGut belegt
Ausführlich, mit Quellen, weiter unten.
Kurz erklärt
Eine Depression ist mehr als eine traurige Phase: Über mindestens zwei Wochen sind Stimmung, Freude und Antrieb deutlich gedrückt. Sie ist häufig und gut behandelbar. Am besten belegt sind Psychotherapie und Antidepressiva, je nach Schweregrad allein oder zusammen. Wer das bei sich bemerkt, spricht mit der Hausarztpraxis; bei Suizidgedanken sofort Hilfe holen.
Was hilft, richtet sich nach dem Schweregrad. Bei einer leichten Depression empfiehlt die Leitlinie zuerst niedrigschwellige Hilfen wie angeleitete Selbsthilfe, bei einer mittelgradigen Psychotherapie oder ein Antidepressivum, bei einer schweren beides zusammen. Sport und angeleitetes Training empfiehlt sie allen, die dazu in der Lage sind; bei einem Muster im Herbst und Winter kommt Lichttherapie dazu.
Alle Wege auf dieser Seite neben Psychotherapie und Medikamenten wirken begleitend und ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Medikamente änderst du nur in Absprache mit der behandelnden Praxis.
- Gut belegt6 Aussagen
- Teilweise belegt6 Aussagen
- Erste Hinweise2 Aussagen
Sichtweisen im Vergleich
Körper
Medizin, Naturheilkunde, Ernährung und Bewegung: was im Körper geschieht.
Seele
Psychologie und Psychosomatik: wie Gefühle, Gedanken und Belastungen mitspielen und wie sie gedeutet werden.
Wirkstoffe und Methoden
Häufige Fragen
Woran erkenne ich eine Depression?
- Gut belegt
An drei Hauptanzeichen: gedrückte Stimmung, Verlust von Freude und Interesse und fehlender Antrieb mit schneller Erschöpfung. Oft kommen Konzentrationsprobleme, Schuldgefühle, ein geringes Selbstwertgefühl, Hoffnungslosigkeit, Schlafstörungen, Appetitverlust und Gedanken an den Tod dazu. Von einer Depression spricht man, wenn mehrere dieser Anzeichen zwei Wochen oder länger anhalten. Bei älteren Menschen zeigt sie sich manchmal vor allem körperlich, etwa durch Gewichtsverlust oder Schmerzen ohne erkennbare Ursache. Die Diagnose stellt eine Ärztin, ein Arzt oder eine Psychotherapeutin im Gespräch.
Wie lange dauert eine Depression?
- Gut belegt
Das ist sehr verschieden. Eine Episode dauert meist einige Wochen oder Monate, manche Menschen erholen sich auch ohne Behandlung. Mit Behandlung bemerkt laut IQWiG etwa die Hälfte nach drei bis sechs Monaten eine deutliche Besserung. Etwa die Hälfte derer, die eine erste Episode hatten, erlebt später eine weitere; halten die Beschwerden länger als zwei Jahre an, spricht man von einer chronischen Depression. Deshalb empfiehlt die Leitlinie Menschen mit erhöhtem Rückfallrisiko, auch nach dem Abklingen weiter behandelt zu bleiben, etwa mit Psychotherapie.
Helfen Antidepressiva wirklich?
- Gut belegt
Bei mittelgradigen und schweren Depressionen gehören sie laut Leitlinie zu den wirksamen Behandlungen, bei einer mittelgradigen gleichwertig zur Psychotherapie, bei einer schweren am besten zusammen mit ihr. Bei einer leichten Depression sollten sie nicht das erste Mittel sein. Im Mittel ist ihr Vorteil gegenüber einem Scheinmedikament eher klein, die Leitlinie hält ihn aber für bedeutsam. Die einzelnen Wirkstoffe wirken ähnlich gut und unterscheiden sich vor allem in ihren Nebenwirkungen. Ob ein Mittel hilft, zeigt sich erst nach einigen Wochen. Wenn du unsicher bist oder Nebenwirkungen hast, sprich mit der verordnenden Praxis; eine Behandlung wird nur gemeinsam mit ihr und schrittweise beendet.
Quelle: Quelle 1
Hilft Sport bei Depressionen?
- Teilweise belegt
Ja, als Teil der Behandlung. Die Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, Menschen mit Depression zu Sport zu motivieren, am besten in einer Gruppe oder als angeleitetes Training. Ein Cochrane-Review von 2026 fand, dass Bewegung die Beschwerden im Vergleich zu keiner Behandlung verringern kann, in ähnlichem Maß wie Psychotherapie. Die Studien hatten aber oft methodische Schwächen, und über die Wirkung auf lange Sicht ist wenig bekannt. Bewegung ergänzt die Behandlung und ersetzt sie nicht, vor allem nicht bei einer schweren Depression.
Wo bekomme ich schnell Hilfe bei einer Depression?
- Gut belegt
Erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis; du kannst dich auch direkt an eine psychotherapeutische oder psychiatrische Praxis wenden. Einen Termin vermittelt die Terminservicestelle unter 116 117. Hast du Gedanken, dir das Leben zu nehmen, ist die Telefonseelsorge Tag und Nacht kostenlos und anonym erreichbar: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Bei akuter Gefahr wähle 112 oder geh in die Notfallambulanz einer psychiatrischen Klinik.
Warnzeichen: wann du ärztliche Hilfe brauchst
Ruf sofort den Notruf 112, wenn du das bemerkst:
- Du hast einen konkreten Plan, dir das Leben zu nehmen, oder kannst dich nicht mehr davon abgrenzen
Wähle 112 oder geh in die Notfallambulanz einer psychiatrischen Klinik. Bleib nicht allein und sag einem Menschen in deiner Nähe Bescheid.
Lass das sofort ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Neue oder stärkere Suizidgedanken, starke Unruhe, ungewöhnliche Veränderungen im Verhalten oder eine deutliche Verschlechterung, nachdem ein Antidepressivum begonnen oder die Dosis verändert wurde
Hol dir sofort ärztlichen Rat: bei der verordnenden Praxis, außerhalb der Sprechzeiten beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 oder in der Notfallambulanz einer psychiatrischen Klinik. Bei akuter Gefahr wähle 112. Setz das Mittel nicht ohne Rücksprache ab.
- Du kannst dich kaum noch selbst versorgen, isst und trinkst wenig oder kommst über Tage nicht aus dem Bett
Das spricht für eine schwere Depression. Lass dich rasch ärztlich oder in der Ambulanz einer psychiatrischen Klinik untersuchen; Angehörige dürfen dabei helfen.
- Du hörst Stimmen oder bist fest überzeugt, schwer schuldig, verarmt oder unheilbar krank zu sein, obwohl andere das nicht sehen
Solche Wahrnehmungen und Überzeugungen können zu einer schweren Depression gehören und brauchen eine eigene Behandlung. Lass dich noch heute ärztlich untersuchen, etwa in der Ambulanz einer psychiatrischen Klinik oder über den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Hol dir jetzt Unterstützung, zum Beispiel bei der Telefonseelsorge, wenn du das bemerkst:
- Gedanken daran, nicht mehr leben zu wollen oder dir etwas anzutun
Die Telefonseelsorge ist Tag und Nacht kostenlos und anonym erreichbar: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Sprich solche Gedanken auch bei deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Psychotherapeutin offen an.
Lass das ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit oder fehlender Antrieb über mehr als zwei Wochen
Das kann eine Depression sein. Sprich mit der Hausarztpraxis oder einer psychotherapeutischen Praxis; einen Termin vermittelt auch die 116 117.
- Gewichtsverlust, Erschöpfung oder Schmerzen ohne erkennbare Ursache, besonders im höheren Alter
Bei älteren Menschen zeigt sich eine Depression manchmal vor allem körperlich. Auch körperliche Erkrankungen, etwa eine Schilddrüsenunterfunktion, können dahinterstecken und gehören abgeklärt.
Die Notfall- und Krisennummern stehen unten auf jeder Seite.
Wer dir helfen kann
Für Fragen zu deiner persönlichen Situation sind Fachleute die richtige Anlaufstelle: deine Hausarztpraxis, deine Apotheke oder Heilpraktiker:innen mit Zulassung.
Die Methoden auf dieser Seite bieten zum Beispiel an: Heilpraktiker:in für Psychotherapie, Ärztin / Arzt, Physiotherapeut:in, Psychotherapeut:in, Coach.
Verwandte Themen
Quellen
Alle 8 Quellen anzeigen
- Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register nvl-005). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm), 2022LeitlinieZur Quelle
- Depression. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de, 2023Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Kuyken W, Warren FC, Taylor RS, Whalley B, Crane C, Bondolfi G, et al.. Efficacy of Mindfulness-Based Cognitive Therapy in Prevention of Depressive Relapse: An Individual Patient Data Meta-analysis From Randomized Trials.. JAMA psychiatry, 2016MetaanalyseDOI 10.1001/jamapsychiatry.2016.0076PubMed 27119968
- Psychotherapie: Ein Überblick (gesund.bund.de). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de, 2021Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Clegg AJ, Hill JE, Mullin DS, Harris C, Smith CJ, Lightbody CE, et al.. Exercise for depression.. The Cochrane database of systematic reviews, 2026Systematischer ReviewDOI 10.1002/14651858.cd004366.pub7PubMed 41500513
- Noetel M, Sanders T, Gallardo-Gómez D, Taylor P, Del Pozo Cruz B, van den Hoek D, et al.. Effect of exercise for depression: systematic review and network meta-analysis of randomised controlled trials.. BMJ (Clinical research ed.), 2024MetaanalyseDOI 10.1136/bmj-2023-075847PubMed 38355154
- Cramer H, Lauche R, Langhorst J, Dobos G. Yoga for depression: a systematic review and meta-analysis.. Depression and anxiety, 2013MetaanalyseDOI 10.1002/da.22166PubMed 23922209
- Golden RN, Gaynes BN, Ekstrom RD, Hamer RM, Jacobsen FM, Suppes T, et al.. The efficacy of light therapy in the treatment of mood disorders: a review and meta-analysis of the evidence.. The American journal of psychiatry, 2005MetaanalyseDOI 10.1176/appi.ajp.162.4.656PubMed 15800134
Was die Evidenz-Labels bedeuten, erklären wir unter So ordnen wir ein.