Burnout

Kurz erklärt
Burnout beschreibt eine tiefe Erschöpfung, die entsteht, wenn Stress bei der Arbeit über lange Zeit anhält und nicht mehr bewältigt werden kann. Die Weltgesundheitsorganisation nennt drei Kennzeichen: Die Kraft ist aufgebraucht, die Arbeit rückt innerlich auf Abstand oder wird nur noch zynisch gesehen, und das Gefühl, etwas zu bewirken, schwindet. Eine eigenständige Krankheit ist Burnout in ihrer Klassifikation nicht, sondern ein Phänomen des Arbeitslebens.
Leichtnehmen solltest du es trotzdem nicht. Die Beschwerden überschneiden sich deutlich mit denen einer Depression, und lange Überforderung kann eine Depression begünstigen. Wer anhaltend erschöpft ist, lässt das deshalb am besten ärztlich oder psychotherapeutisch abklären. Was bei Burnout selbst hilft, ist nur begrenzt untersucht: Am besten gestützt sind psychotherapeutische Verfahren und Programme zur Stressbewältigung, dazu Veränderungen an der Arbeit selbst. Ein Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln oder Heilpflanzen ist bei Burnout nicht belegt.
- Gut belegt4 Aussagen
- Teilweise belegt2 Aussagen
- Erste Hinweise4 Aussagen
- Traditionell genutzt2 Aussagen
- Studien sprechen dagegen1 Aussage
Sichtweisen im Vergleich
Körper
Medizin, Naturheilkunde, Ernährung und Bewegung: was im Körper geschieht.
Seele
Psychologie und Psychosomatik: wie Gefühle, Gedanken und Belastungen mitspielen und wie sie gedeutet werden.
Wirkstoffe und Methoden
Häufige Fragen
Woran erkenne ich ein Burnout?
- Gut belegt
Typisch sind die drei Kennzeichen, die die WHO beschreibt: Du fühlst dich dauerhaft ausgelaugt, gehst innerlich auf Abstand zu deiner Arbeit oder begegnest ihr zynisch, und du erlebst dich als weniger wirksam als früher. Die ersten Warnsignale sind oft körperlich, etwa Schlafprobleme, Kopf-, Rücken- oder Magenbeschwerden. Feste Diagnosekriterien, auf die sich die Forschung geeinigt hätte, gibt es nicht. Weil dieselben Beschwerden auch bei einer Depression, einer Angststörung oder einer körperlichen Erkrankung auftreten, gehört anhaltende Erschöpfung in ärztliche oder psychotherapeutische Hände.
Ist Burnout eine Krankheit?
- Gut belegt
Nach der Klassifikation der WHO nicht. Die ICD-11 führt Burnout unter dem Code QD85 im Kapitel über Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen, und beschränkt den Begriff ausdrücklich auf das Arbeitsleben. Schon in der ICD-10 stand es an dieser Stelle, in der Fassung der WHO als Z73.0 „Ausgebranntsein“; die in Deutschland verwendete ICD-10-GM führt es ohne eigenen Unterpunkt unter Z73 „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression nennt Burnout deshalb eine Zusatz- und keine eigenständige Behandlungsdiagnose. Harmlos ist es damit nicht: Dieselbe Leitlinie sieht darin einen Risikofaktor für psychische Erkrankungen wie Depressionen.
Quellen: Quelle 1, Quelle 18, Quelle 20, Quelle 21, Quelle 22
Burnout oder Depression – wie unterscheide ich das?
- Teilweise belegt
Nicht immer leicht, denn Erschöpfung, Energieverlust und Schlafprobleme kommen bei beidem vor. Ein Anhaltspunkt: Burnout bezieht sich nach der WHO auf die Arbeit. Bei einer Depression ist die Stimmung dagegen fast jeden Tag und weitgehend unabhängig von den Umständen gedrückt, und auch Hobbys, Freundschaften oder freie Tage machen keine Freude mehr. Wie weit sich beides überhaupt trennen lässt, ist in der Forschung umstritten: Eine Metaanalyse fand einen deutlichen Zusammenhang, hält die beiden aber für verschiedene Zustände, eine Übersichtsarbeit über 92 Studien stellt die Trennung grundsätzlich infrage. Die Unterscheidung gehört deshalb in fachliche Hände, auch weil eine Depression behandelbar ist und nicht als „nur Burnout“ liegen bleiben sollte.
Kann ein Blut- oder Speicheltest ein Burnout nachweisen?
- Studien sprechen dagegen
Nein. Ein systematischer Review von 31 Studien zu 38 möglichen Markern fand keinen Laborwert, der Burnout anzeigt; für den morgendlichen Cortisolanstieg und das Cortisol im Blut ergaben die Metaanalysen keine Unterschiede zu Menschen ohne Burnout. Auch die sogenannte Nebennierenschwäche, mit der Speichelprofile und Kuren begründet werden, ist nicht belegt: Eine systematische Übersicht über 58 Studien fand fast durchweg widersprüchliche Ergebnisse und keine Grundlage für ein solches Krankheitsbild. Sinnvoll sind Blutwerte, die andere Ursachen der Erschöpfung aufdecken. Die hausärztliche Leitlinie zu Müdigkeit nennt dafür Blutzucker, Blutbild, einen Entzündungswert, Leberwerte und den Schilddrüsenwert TSH; weitere Untersuchungen nur bei konkreten Hinweisen.
Wo finde ich Hilfe bei Erschöpfung durch Dauerstress?
- Gut belegt
Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Dort lässt sich klären, ob eine Depression, eine Angststörung oder eine körperliche Ursache dahintersteckt. Zur Psychotherapie kommst du als gesetzlich versicherte Person auch ohne Überweisung: Der erste Schritt ist die psychotherapeutische Sprechstunde, einen Termin vermittelt die 116 117 am Telefon oder online. Im Betrieb kannst du dich an die Betriebsärztin oder den Betriebsarzt wenden; sie unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht. Warst du innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen arbeitsunfähig, am Stück oder mit Unterbrechungen, muss dein Arbeitgeber mit dir klären, wie du gesund zurückkehren kannst und dein Arbeitsplatz erhalten bleibt. Dieses betriebliche Eingliederungsmanagement findet nur mit deiner Zustimmung statt. In einer akuten Krise erreichst du die TelefonSeelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111.
Warnzeichen: wann du ärztliche Hilfe brauchst
Ruf sofort den Notruf 112, wenn du das bemerkst:
- Schmerz, Druck oder Enge in der Brust, die länger als fünf Minuten anhalten, oder Atemnot schon in Ruhe
Das können Zeichen eines Herzinfarkts sein. Auch wenn du den Stress für die Ursache hältst: Ruf den Notruf 112, statt abzuwarten.
Lass das sofort ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Du schaffst den Alltag kaum noch: Aufstehen, Essen, Körperpflege oder der Weg zur Arbeit gelingen nicht mehr
Das geht über Erschöpfung hinaus. Hol dir zeitnah ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe, auch damit eine schwere Depression nicht übersehen wird.
Hol dir jetzt Unterstützung, zum Beispiel bei der Telefonseelsorge, wenn du das bemerkst:
- Gedanken daran, dir das Leben zu nehmen oder dich selbst zu verletzen
Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenlos erreichbar: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, auch per Chat. Bist du in akuter Gefahr, ruf sofort den Notruf 112.
Lass das ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Seit zwei Wochen oder länger fast jeden Tag gedrückte Stimmung, keine Freude mehr an Dingen, die dir sonst wichtig sind, oder kaum noch Antrieb
Das sind die Hauptzeichen einer Depression. Sie ist behandelbar und sollte nicht als „nur Burnout“ abgetan werden.
- Erschöpfung zusammen mit Fieber, ungewollter Gewichtsveränderung, lautem Schnarchen mit Atemaussetzern oder ungewolltem Einschlafen tagsüber
Dahinter können körperliche Ursachen stecken, etwa ein Infekt, eine Stoffwechsel- oder Schilddrüsenstörung oder eine Schlafapnoe. Die hausärztliche Abklärung beginnt mit Gespräch, Untersuchung und wenigen Blutwerten.
- Nach körperlicher oder geistiger Anstrengung geht es dir über längere Zeit deutlich schlechter
Diese Belastungsintoleranz ist ein Kernzeichen von ME/CFS, einer eigenen Erkrankung. Sprich sie an, bevor du mit mehr Bewegung oder Sport beginnst, damit Überanstrengung vermieden wird.
Die Notfall- und Krisennummern stehen unten auf jeder Seite.
Wer dir helfen kann
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Quellen
Alle 28 Quellen anzeigen
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