Müdigkeit und Erschöpfung
Warnzeichen: Bitte zuerst lesen
Ruf sofort den Notruf 112, wenn du das bemerkst:
- Plötzliche Atemnot, Schmerzen oder Druck in der Brust
Dahinter kann ein Herz- oder Lungennotfall stecken. Wähle sofort 112.
- Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Müdigkeit bei mehreren Menschen im selben Haushalt, vor allem mit Gastherme oder Kohleofen
Das kann auf eine Kohlenmonoxidvergiftung hindeuten. Verlass mit allen anderen sofort die Räume, geh an die frische Luft und wähle 112.
Lass das sofort ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Einnicken am Steuer oder in Situationen, in denen du wach sein musst
Das gefährdet dich und andere. Lass es zeitnah abklären und fahr bis dahin nicht selbst Auto.
Hol dir jetzt Unterstützung, zum Beispiel bei der Telefonseelsorge, wenn du das bemerkst:
- Gedanken daran, dir das Leben zu nehmen oder dir etwas anzutun
Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar: 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. In akuter Gefahr wähle 112.
Lass das ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Ungewollter Gewichtsverlust, Fieber oder Nachtschweiß zusammen mit der Müdigkeit
Lass das bald untersuchen und warte nicht erst Wochen ab.
- Lautes Schnarchen mit Atemaussetzern im Schlaf, die jemand bemerkt hat
Das kann auf eine Schlafapnoe hindeuten. Sie wird mit einer Messung im Schlaf abgeklärt und lässt sich behandeln.
- Gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit oder Interessenverlust über mehr als zwei Wochen
Müdigkeit ist ein häufiges Zeichen einer Depression. Die Hausarztpraxis oder eine psychotherapeutische Praxis kann das einordnen.
- Schon kleine körperliche oder geistige Anstrengungen verschlechtern die Beschwerden deutlich, manchmal erst mit Verzögerung und für Tage
Das kann auf ME/CFS hindeuten, eine eigene, schwere Erkrankung. Lass es ärztlich abklären und steigere die Belastung bis dahin nicht gegen die Beschwerden.
- Müdigkeit, die länger als vier Wochen anhält, ohne dass du den Grund kennst, oder die dich im Alltag deutlich einschränkt
Dann lohnt ein Termin in der Hausarztpraxis: Gespräch, Untersuchung und wenige gezielte Blutwerte können die häufigsten behandelbaren Ursachen aufdecken.
Notruf: 112 · TelefonSeelsorge: 0800 111 0 111 · TelefonSeelsorge: 0800 111 0 222 · Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
Kurz erklärt
Müde ist jeder einmal: nach einer kurzen Nacht, einem Infekt oder einer anstrengenden Woche. Hält die Müdigkeit aber über Wochen an und bringen Schlaf und Pausen keine Erholung, lohnt es sich, nach den Gründen zu suchen. Einige davon lassen sich gut behandeln, etwa ein Eisenmangel, eine Schilddrüsenunterfunktion, eine Schlafapnoe, eine Depression oder ein Medikament, das müde macht. Die Leitlinie der Hausärztinnen und Hausärzte beschreibt dafür einen klaren Weg: ein ausführliches Gespräch über Schlaf, Stimmung, Belastungen und Medikamente, eine körperliche Untersuchung und wenige gezielte Blutwerte.
Die häufigen Gründe sind selten die gefürchteten. Eine Depression wird in Hausarztpraxen weit öfter gefunden als Blutarmut, Diabetes oder eine Schilddrüsenerkrankung, und eine unentdeckte Krebserkrankung ist ohne weitere Hinweise sehr selten. Häufig kommen mehrere Dinge zusammen, und oft lässt sich keine einzelne Ursache festmachen. Dann empfiehlt die Leitlinie feste Folgetermine, und mehr Bewegung in kleinen Schritten sowie Verhaltenstherapie können helfen. Anders ist es bei ME/CFS, einer eigenen, schweren Erkrankung, bei der Überlastung die Beschwerden verschlimmert. Für Nahrungsergänzungsmittel ohne nachgewiesenen Mangel und für pflanzliche Stärkungsmittel gibt es keinen verlässlichen Nachweis, dass sie Müdigkeit vertreiben.
- Gut belegt3 Aussagen
- Teilweise belegt7 Aussagen
- Erste Hinweise3 Aussagen
- Traditionell genutzt2 Aussagen
- Studien sprechen dagegen1 Aussage

Sichtweisen im Vergleich
Körper
Medizin, Naturheilkunde, Ernährung und Bewegung: was im Körper geschieht.
Schulmedizin
- Gut belegt
Die S3-Leitlinie „Müdigkeit“ der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) setzt zuerst auf das Gespräch: Seit wann und wie zeigt sich die Müdigkeit, wie schläfst du, schnarchst du oder hat jemand Atemaussetzer bemerkt, welche Medikamente nimmst du, wie viel Alkohol trinkst du, gab es einen Infekt, wie geht es dir seelisch und was ist im Beruf und zu Hause los. Zwei kurze Fragen nach Niedergeschlagenheit und nach Freudlosigkeit gehören ausdrücklich dazu. Es folgen eine körperliche Untersuchung und, wenn die Müdigkeit länger als vier Wochen besteht und sich nichts Bestimmtes gezeigt hat, wenige Blutwerte: Blutzucker, Blutbild mit Differenzierung, Blutsenkung oder CRP, Leberwerte und TSH.
Dahinter steht eine systematische Auswertung von 26 Studien aus Hausarztpraxen. In den methodisch guten Studien fand sich bei knapp jedem fünften Menschen mit Müdigkeit eine Depression, bei etwa drei von hundert eine Blutarmut, bei gut vier von hundert eine andere ernste körperliche Erkrankung wie Diabetes oder eine Schilddrüsenstörung und bei weniger als einem von hundert Krebs. In Studien mit Vergleichsgruppe waren solche körperlichen Erkrankungen bei Menschen ohne Müdigkeit genauso häufig. Weitere Untersuchungen empfiehlt die Leitlinie deshalb nur bei konkreten Hinweisen, denn jeder zusätzliche Test erhöht die Zahl der Zufallsbefunde, die mehr verunsichern als klären.
Lebensstil
- Teilweise belegt
Mehr Bewegung ist gut untersucht und liegt in deiner Hand. Eine Metaanalyse kontrollierter Studien fand, dass sich Menschen mit regelmäßigem Training wacher und weniger erschöpft fühlten als Vergleichsgruppen; in Studien, die Training allein mit einer Scheinbehandlung verglichen, zeigte sich allerdings kein Unterschied. Die Leitlinie rät, die Aktivität gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt in kleinen, realistischen Schritten zu steigern, damit aus Müdigkeit, Schonung und schwindender Kondition kein Kreislauf wird, und sie anzupassen oder zu beenden, wenn es dir damit schlechter geht. Dazu gehören genug Schlaf, Pausen bei Dauerbelastung und Schichtarbeit sowie weniger Alkohol, Cannabis und Nikotin. Wenn dich schon kleine Anstrengungen für Tage zurückwerfen, steht die Abklärung auf ME/CFS vor jedem Trainingsplan.
Mikronährstoffe
- Teilweise belegt
In der Mikronährstoffmedizin wird Müdigkeit oft mit Nährstoffmängeln erklärt. Am besten untersucht ist Eisen: Bei Erwachsenen mit Eisenmangel ohne Blutarmut verringerte eine Eisengabe in randomisierten Studien die empfundene Müdigkeit, nicht aber die messbare körperliche Leistungsfähigkeit. Die Hausarzt-Leitlinie sieht einen klaren Nutzen bei müden Frauen im gebärfähigen Alter mit deutlichem Mangel und hält die Effekte bei leichtem Mangel eher für Placebowirkungen. Für Nahrungsergänzungsmittel ohne nachgewiesenen Mangel ist ein Nutzen gegen Müdigkeit nicht belegt. Daran ändert auch die in der EU zugelassene Werbeaussage „trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei“ nichts, die für Eisen, Magnesium, Vitamin C und sechs B-Vitamine gilt: Sie darf schon auf Lebensmitteln stehen, die als „Quelle“ des Nährstoffs gelten, und sagt nichts darüber, ob zusätzliche Mengen bei guter Versorgung etwas bewirken.
Ernährung
- Erste Hinweise
Eine Ernährungsweise, die Müdigkeit verlässlich vertreibt, ist nicht belegt; die Leitlinie nennt nur einzelne Studien. Bei Übergewicht besserte eine blutdrucksenkende Kost nach dem DASH-Prinzip die Tagesschläfrigkeit, und ein Programm zur Gewichtsabnahme verringerte die Erschöpfung. Einige Ernährungsformen gingen dagegen mit mehr Schwäche oder Tagesschläfrigkeit einher, etwa eine streng ketogene Kost und teilweise Intervallfasten. Wichtig ist vor allem, dass kein Mangel entsteht: Wer vegan lebt, muss nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung Vitamin B12 ergänzen und die Versorgung regelmäßig prüfen lassen. Auch eine Zöliakie, eine durch Gluten ausgelöste Erkrankung des Dünndarms, kann müde machen; getestet wird darauf, wenn Verdauungsbeschwerden, Blutarmut oder erhöhte Leberwerte dazukommen.
Pflanzenheilkunde
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
In der europäischen Pflanzenheilkunde gelten einige Wurzeln als stärkend bei Erschöpfung; die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erkennt dafür nur eine traditionelle Anwendung an, gestützt auf langjährige Erfahrung und nicht auf Wirksamkeitsnachweise aus Studien. Ginseng ist dort als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei Schwächezuständen wie Müdigkeit und Kraftlosigkeit eingestuft, doch belegt ist eine Wirkung nicht: Ein systematischer Überblick über zehn Studien sah nur bescheidene Hinweise auf weniger Müdigkeit und fordert methodisch bessere Studien. Rosenwurz ist traditionell zur Linderung von Stressbeschwerden wie Müdigkeit und Erschöpfung eingestuft, doch die elf Studien eines systematischen Überblicks kamen zu widersprüchlichen Ergebnissen und hatten alle methodische Schwächen. Die Taigawurzel hat dieselbe traditionelle Einstufung wie Ginseng; in einer randomisierten Studie mit Menschen mit lang anhaltender, ungeklärter Müdigkeit war insgesamt kein Unterschied zum Scheinmedikament nachweisbar. Keine dieser Pflanzen ersetzt die Suche nach der Ursache.
Quellen: Quelle 7, Quelle 8, Quelle 9, Quelle 10, Quelle 11, Quelle 12
Seele
Psychologie: wie Gefühle, Gedanken und Belastungen mitspielen.
Psychologie
- Teilweise belegt
Müdigkeit hat oft seelische Anteile, und sie ist deshalb nicht weniger echt. Depression, Angst und anhaltende Belastung durch Beruf, die Pflege von Angehörigen oder Konflikte gehören zu den häufigsten Gründen oder Begleitern. Die Leitlinie rät, Körper, Seele und Lebenslage von Anfang an gemeinsam anzusehen, statt erst alle körperlichen Ursachen auszuschließen: Wer lange nur nach einem Befund sucht, hält am Ende leicht an der Überzeugung fest, es müsse einer übersehen worden sein. Verhaltenstherapie, oft zusammen mit schrittweiser Aktivierung, verbessert in Studien die Müdigkeit bei vielen Grunderkrankungen und kann auch bei ungeklärter Müdigkeit angeboten werden, sofern kein Verdacht auf ME/CFS besteht. Liegt eine Depression vor, wird sie nach ihrer eigenen Leitlinie behandelt.
Quelle: Quelle 1
Wirkstoffe und Methoden
Bei Müdigkeit klingt Bewegung zunächst paradox, ist aber gut untersucht. Eine Metaanalyse kontrollierter Studien fand, dass sich Menschen mit regelmäßigem Training wacher und weniger erschöpft fühlten als Vergleichsgruppen, mit kleinem bis mittlerem Effekt. Die deutsche Leitlinie zu Müdigkeit rät, die Aktivität gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt in kleinen, realistischen Schritten zu steigern, damit aus Müdigkeit, Schonung und schwindender Kondition kein Kreislauf wird.
Wenn dich schon kleine Anstrengungen für Stunden oder Tage zurückwerfen, steht die ärztliche Abklärung auf ME/CFS vor jedem Trainingsplan.
Was dagegen spricht
In Studien, die Training allein mit einer Scheinbehandlung verglichen, zeigte sich kein Unterschied; ein Teil der Wirkung kann also auf Erwartung beruhen. Die Metaanalyse ist von 2006. Bei ME/CFS kann Anstrengung die Beschwerden verschlimmern, und die britische Leitlinie rät dort von einem Training mit fest steigender Belastung ab.
Die EU-Monographie ordnet Ginsengwurzel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei Symptomen der Asthenie ein, also bei Müdigkeit und Schwäche. Das beruht allein auf langer Anwendung: Ginsengpräparate sind in der EU seit mindestens 30 Jahren als Stärkungsmittel bei Müdigkeit, Schwäche und nachlassender Leistungsfähigkeit im Handel. Eine anerkannte medizinische Verwendung (well-established use) hat die EMA ausdrücklich nicht festgestellt. Es gibt zwar seit den 1980er-Jahren zahlreiche Studien, doch sie prüften sehr unterschiedliche Zubereitungen, waren oft klein und methodisch schwach, und Studien mit demselben Präparat widersprechen sich.
Die Studien am Menschen ergeben ein gemischtes Bild mit allenfalls kleinen Effekten. Eine Metaanalyse von 2016 fand in vier placebokontrollierten Studien, zwei davon mit Amerikanischem Ginseng, eine geringe Besserung der Müdigkeit, hielt die Belege aber für unzureichend. Eine Metaanalyse von 2023 mit 19 Studien fand insgesamt keinen gesicherten Unterschied zu den Vergleichsgruppen; kleine Vorteile zeigten sich nur in Untergruppen, am deutlichsten bei Müdigkeit ohne bestimmte Grunderkrankung, außerdem bei chronischer Müdigkeit und für Rezepturen, die Ginseng mit anderen Pflanzen mischen. In einer koreanischen Studie mit 90 Erwachsenen mit anhaltender, ungeklärter Müdigkeit besserte ein Ginsengextrakt über vier Wochen den Teilwert für geistige Müdigkeit und, in der höheren Menge, eine zweite Müdigkeitsskala, nicht aber den Gesamtwert auf der Zahlenskala. Das sind erste Hinweise, keine Belege. Die Monographie sieht höchstens drei Monate Einnahme vor; hält die Müdigkeit trotz Einnahme länger als zwei Wochen an, gehört sie ärztlich abgeklärt.
Was dagegen spricht
Belegt ist eine Wirkung gegen Müdigkeit nicht: Nach Durchsicht der Studien und mehrerer systematischer Reviews hält die EMA die Daten für nicht schlüssig, und eine Gesamtschau von 19 Metaanalysen (2023) bewertete 14 davon methodisch als kritisch schwach. Die Metaanalyse von 2023 fand Vorteile nur in Untergruppen, nicht in der Gesamtauswertung; für Ginseng allein, ohne andere Pflanzen, war keine Untergruppe statistisch gesichert. Alle gefundenen Effekte waren klein. In der Metaanalyse von 2016 hatte Ginseng in acht Studien keinen Einfluss auf die körperliche Leistungsfähigkeit.
Gegen eine Wirkung spricht eine placebokontrollierte Studie mit 50 Erwachsenen mit chronischer, ungeklärter Müdigkeit: 3 g roter Ginseng am Tag brachten über sechs Wochen keinen Vorteil, weder bei der Müdigkeit noch bei Schlaf, Stimmung oder Lebensqualität; nur eine Untergruppe von Menschen über 50 Jahren mit mäßiger Müdigkeit schnitt besser ab. Mehrere ältere, fast durchweg positive Studien zu Vitalität und Erschöpfung mit dem Extrakt G115 aus den 1980er- und 1990er-Jahren entsprachen nicht den Regeln guter klinischer Praxis; die Autoren einer Übersicht zu G115 halten nach dem Bewertungsbericht der EMA neue Studien zur Bestätigung für nötig. Die Studien prüften zudem sehr unterschiedliche Zubereitungen, vom Pulver über eigens hergestellte Extrakte bis zu rotem Ginseng; ein Ergebnis gilt nur für das geprüfte Präparat.
Quellen: Quelle 7, Quelle 14, Quelle 15, Quelle 16, Quelle 17, Quelle 18, Quelle 19
Häufige Fragen
Welche Ursachen kann anhaltende Müdigkeit haben?
- Gut belegt
Viele, und häufig wirken mehrere zusammen. Eine Depression findet sich in Hausarztpraxen deutlich öfter als Blutarmut oder eine andere ernste körperliche Erkrankung. Dazu kommen Angst, Stress und Überforderung, zu wenig oder gestörter Schlaf, Alkohol und andere Suchtmittel sowie Medikamente, die müde machen können, etwa Beruhigungs- und Schlafmittel, manche Antidepressiva, ältere Mittel gegen Allergien oder Betablocker. Nach Infekten kann Müdigkeit lange nachwirken. Blutarmut, Diabetes, Schilddrüsen-, Leber- oder Lungenerkrankungen sind seltener, Krebs ist sehr selten, und fast immer gibt es dann weitere Hinweise. An eine Schlafapnoe ist besonders bei lautem Schnarchen, beobachteten Atemaussetzern und Übergewicht zu denken. Niedriger Blutdruck, in Deutschland eine verbreitete Erklärung, ist als Ursache nicht ausreichend belegt.
Welche Laborwerte lohnen sich bei Müdigkeit?
- Teilweise belegt
Wenige, gezielt gewählte. Hält die Müdigkeit länger als vier Wochen an und haben Gespräch und Untersuchung keinen bestimmten Hinweis ergeben, empfiehlt die Hausarzt-Leitlinie Blutzucker, ein Blutbild mit Differenzierung, Blutsenkung oder CRP als Entzündungswert, Leberwerte (Transaminasen oder Gamma-GT) und TSH für die Schilddrüse. Bei Frauen im gebärfähigen Alter kann das Speichereisen (Ferritin) dazukommen. Weitere Werte, etwa Hormone, Vitamin D oder umfangreiche Nährstoffprofile, sieht die Leitlinie nur bei konkreten Hinweisen vor; ein niedriger Vitamin-D-Wert hing in einer Untersuchung aus Hausarztpraxen nicht mit mehr Müdigkeit zusammen. Der Grund für die Zurückhaltung: Je mehr Werte gemessen werden, desto öfter liegt einer rein zufällig außerhalb des Normbereichs, und solche Befunde verunsichern oft mehr, als sie klären. Ein paar Wochen mit der Blutabnahme zu warten, schadete in einer Vergleichsstudie nicht, solange keine Warnzeichen bestehen.
Quelle: Quelle 1
Was hilft am besten gegen anhaltende Müdigkeit?
- Gut belegt
- Teilweise belegt
Das hängt von der Ursache ab, und deshalb steht die Suche danach an erster Stelle. Am besten belegt ist, eine gefundene Ursache gezielt zu behandeln: eine Depression, eine Schlafapnoe, einen deutlichen Eisenmangel, einen Diabetes oder ein Medikament, das müde macht. Findet sich keine klare Ursache, können schrittweise mehr Aktivität und Verhaltenstherapie die Müdigkeit verbessern; für Aktivierungsprogramme gilt das bei ME/CFS ausdrücklich nicht. Pflanzliche Stärkungsmittel und Nahrungsergänzung ohne nachgewiesenen Mangel stehen am Ende: Ihre Wirkung ist nicht verlässlich belegt, und Medikamente gegen die Müdigkeit selbst haben in Studien überwiegend enttäuscht.
Kann ein Nährstoffmangel müde machen?
- Teilweise belegt
Ja, vor allem wenn daraus eine Blutarmut entsteht, etwa bei einem Mangel an Eisen oder Vitamin B12. Einen Eisenmangel können starke Regelblutungen, anderer Blutverlust, Ausdauersport oder eine eisenarme Ernährung begünstigen; dann ist es sinnvoll, das Speichereisen (Ferritin) bestimmen zu lassen. Wird ein Eisenmangel festgestellt, verringerte Eisen in Studien die empfundene Müdigkeit, bei deutlichem Mangel klarer als bei leichtem. Wer vegan lebt, braucht Vitamin B12 als Ergänzung. Ohne nachgewiesenen Mangel ist nicht belegt, dass Nahrungsergänzungsmittel wacher machen.
Mein TSH-Wert ist leicht erhöht. Helfen Schilddrüsenhormone gegen die Müdigkeit?
- Studien sprechen dagegen
Wenn nur der TSH-Wert leicht erhöht ist und die Schilddrüsenhormone selbst im Normbereich liegen, spricht die Studienlage dagegen. In einer Metaanalyse von 21 randomisierten Studien mit rund 2200 nicht schwangeren Erwachsenen brachten Schilddrüsenhormone zwar den TSH-Wert in den Normbereich, besserten aber weder die Lebensqualität noch schilddrüsentypische Beschwerden. In einer großen Studie mit über 700 Menschen ab 65 Jahren blieb auch die Müdigkeit gleich. Die Hausarzt-Leitlinie hält den Nutzen einer Behandlung in dieser Lage für unklar. Eine ausgeprägte Unterfunktion, bei der auch die Schilddrüsenhormone zu niedrig sind, ist etwas anderes; wann ein leicht erhöhter Wert behandelt werden sollte, besprichst du am besten in der Hausarztpraxis. Wer schon Schilddrüsenhormone verordnet bekommen hat, setzt sie deshalb nicht auf eigene Faust ab, sondern spricht vorher mit der Ärztin oder dem Arzt.
Wer dir helfen kann
Für Fragen zu deiner persönlichen Situation sind Fachleute die richtige Anlaufstelle: deine Hausarztpraxis, deine Apotheke oder Heilpraktiker:innen mit Zulassung.
Die Methoden auf dieser Seite bieten zum Beispiel an: Ärztin / Arzt, Physiotherapeut:in, Coach.
Fachleute finden Dazu ist noch niemand im Verzeichnis.
Verwandte Themen
Quellen
- S3-Leitlinie Müdigkeit (AWMF-Register 053-002, DEGAM-Leitlinie Nr. 2), Aktualisierung 2022. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), 2022LeitlinieZur Quelle
- Stadje R, Dornieden K, Baum E, Becker A, Biroga T, Bösner S, et al.. The differential diagnosis of tiredness: a systematic review.. BMC family practice, 2016Systematischer ReviewDOI 10.1186/s12875-016-0545-5PubMed 27765009
- Puetz TW, O'Connor PJ, Dishman RK. Effects of chronic exercise on feelings of energy and fatigue: a quantitative synthesis.. Psychological bulletin, 2006MetaanalyseDOI 10.1037/0033-2909.132.6.866PubMed 17073524
- Houston BL, Hurrie D, Graham J, Perija B, Rimmer E, Rabbani R, et al.. Efficacy of iron supplementation on fatigue and physical capacity in non-anaemic iron-deficient adults: a systematic review of randomised controlled trials.. BMJ open, 2018Systematischer ReviewDOI 10.1136/bmjopen-2017-019240PubMed 29626044
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern. 2012Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Neubewertung der DGE-Position zu veganer Ernährung. Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). 2024Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- European Union herbal monograph on Panax ginseng C.A.Mey., radix – Revision 1 (EMA/HMPC/27744/2023). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC), 2024MonographieZur Quelle
- European Union herbal monograph on Rhodiola rosea L., rhizoma et radix (EMA/HMPC/24177/2023), Revision 1. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC), 2024MonographieZur Quelle
- Community herbal monograph on Eleutherococcus senticosus (Rupr. et Maxim.) Maxim., radix (EMA/HMPC/680618/2013). 2014MonographieZur Quelle
- Arring NM, Millstine D, Marks LA, Nail LM. Ginseng as a Treatment for Fatigue: A Systematic Review.. Journal of alternative and complementary medicine (New York, N.Y.), 2018Systematischer ReviewDOI 10.1089/acm.2017.0361PubMed 29624410
- Ishaque S, Shamseer L, Bukutu C, Vohra S. Rhodiola rosea for physical and mental fatigue: a systematic review.. BMC complementary and alternative medicine, 2012Systematischer ReviewDOI 10.1186/1472-6882-12-70PubMed 22643043
- Hartz AJ, Bentler S, Noyes R, Hoehns J, Logemann C, Sinift S, et al.. Randomized controlled trial of Siberian ginseng for chronic fatigue.. Psychological medicine, 2004Randomisierte kontrollierte StudieDOI 10.1017/s0033291703008791PubMed 14971626
- Myalgic encephalomyelitis (or encephalopathy)/chronic fatigue syndrome: diagnosis and management (NICE guideline NG206). National Institute for Health and Care Excellence (NICE), 2021LeitlinieZur Quelle
- Assessment report on Panax ginseng C.A.Mey., radix – Revision 1 (EMA/HMPC/27745/2023). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC), 2024Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Bach HV, Kim J, Myung SK, Cho YA. Efficacy of Ginseng Supplements on Fatigue and Physical Performance: a Meta-analysis.. Journal of Korean medical science, 2016MetaanalyseDOI 10.3346/jkms.2016.31.12.1879PubMed 27822924
- Li X, Yang M, Zhang YL, Hou YN, Smith CM, Korenstein D, et al.. Ginseng and Ginseng Herbal Formulas for Symptomatic Management of Fatigue: A Systematic Review and Meta-Analysis.. Journal of integrative and complementary medicine, 2023MetaanalyseDOI 10.1089/jicm.2022.0532PubMed 36730693
- Li Z, Wang Y, Xu Q, Ma J, Li X, Tian Y, et al.. Ginseng and health outcomes: an umbrella review.. Frontiers in pharmacology, 2023Systematischer ReviewDOI 10.3389/fphar.2023.1069268PubMed 37465522
- Kim HG, Cho JH, Yoo SR, Lee JS, Han JM, Lee NH, et al.. Antifatigue effects of Panax ginseng C.A. Meyer: a randomised, double-blind, placebo-controlled trial.. PloS one, 2013Randomisierte kontrollierte StudieDOI 10.1371/journal.pone.0061271PubMed 23613825
- Sung WS, Kang HR, Jung CY, Park SS, Lee SH, Kim EJ. Efficacy of Korean red ginseng (Panax ginseng) for middle-aged and moderate level of chronic fatigue patients: A randomized, double-blind, placebo-controlled trial.. Complementary therapies in medicine, 2020Randomisierte kontrollierte StudieDOI 10.1016/j.ctim.2019.102246PubMed 31987248
- Feller M, Snel M, Moutzouri E, Bauer DC, de Montmollin M, Aujesky D, et al.. Association of Thyroid Hormone Therapy With Quality of Life and Thyroid-Related Symptoms in Patients With Subclinical Hypothyroidism: A Systematic Review and Meta-analysis.. JAMA, 2018MetaanalyseDOI 10.1001/jama.2018.13770PubMed 30285179
- Stott DJ, Rodondi N, Kearney PM, Ford I, Westendorp RGJ, Mooijaart SP, et al.. Thyroid Hormone Therapy for Older Adults with Subclinical Hypothyroidism.. The New England journal of medicine, 2017Randomisierte kontrollierte StudieDOI 10.1056/nejmoa1603825PubMed 28402245
Was die Evidenz-Labels bedeuten, erklären wir unter So ordnen wir ein.