Pflanze
Ginseng
Panax ginseng
Auch bekannt als: Echter Ginseng, Asiatischer Ginseng, Koreanischer Ginseng, Ginsengwurzel, Ginseng radix

Kurz erklärt
Ginseng (Panax ginseng) ist eine ausdauernde Pflanze aus der Familie der Araliengewächse, die aus Korea und China stammt und in Ostasien seit Jahrhunderten in der traditionellen Medizin verwendet wird. Genutzt wird die Wurzel: getrocknet als weißer Ginseng oder, vor dem Trocknen mit Dampf behandelt, als roter Ginseng.
Kennzeichnend sind die Ginsenoside, Saponine aus der Stoffgruppe der Triterpene. Die Wurzel enthält davon etwa 2 bis 3 Prozent, rund 50 verschiedene sind aus ihr bekannt; dazu kommen Polysaccharide und Polyacetylene wie Falcarinol. Beim Dämpfen verschiebt sich das Muster: Einige Ginsenoside des weißen Ginsengs verschwinden, andere entstehen erst dabei. Das Europäische Arzneibuch verlangt für die Wurzel mindestens 0,4 Prozent der Ginsenoside Rg1 und Rb1 zusammen und für den Trockenextrakt mindestens 4 Prozent aus acht Ginsenosiden. Einen Inhaltsstoff, der nachweislich für eine Wirkung verantwortlich ist, erkennt die europäische Arzneimittelbehörde EMA nicht; die Ginsenoside dienen als Messgröße für die Qualität.
Ginseng wird oft als Adaptogen bezeichnet, als Mittel, das dem Körper helfen soll, sich an Belastungen anzupassen. Nach einem Papier der EMA ist dieses Konzept nicht ausreichend geklärt und der Begriff in der Fachsprache der Arzneimittel in der EU nicht anerkannt. Für Ginsengwurzel gibt es eine EU-Monographie; wofür sie Ginseng einordnet und wie gut das belegt ist, steht bei den Anwendungen.
Zu zwei Fragen außerhalb dieser Anwendungen gibt es Cochrane-Reviews: Für eine bessere Denkleistung gesunder Menschen fand einer von 2010 keine überzeugenden Belege. Bei Erektionsstörungen zeigten neun kleine placebokontrollierte Studien nach einem von 2021 allenfalls geringe Effekte, bei überwiegend niedriger Vertrauenswürdigkeit der Evidenz.
Die Stoffliste von Bund und Ländern kennt Ginsengwurzel als Lebensmittel und verweist auf den Novel-Food-Katalog der EU, nach dem Ginseng in der EU als Zutat von Getränken verwendet wurde. Zugleich führt sie die Wurzel als Arzneistoff und traditionelles Arzneimittel und empfiehlt, ihre Verwendung in Lebensmitteln zu beschränken (Liste B). Die Liste ist eine Empfehlung der Behörden, kein Gesetz; ob ein Produkt Lebensmittel oder Arzneimittel ist, wird im Einzelfall entschieden. Die EMA-Monographie ordnet Arzneimittel aus Ginsengwurzel als traditionelle pflanzliche Arzneimittel ein; in Deutschland ist unter anderem ein Ginsengwurzelpulver als Arzneimittel zugelassen oder registriert. Eine Gesundheitsaussage für Ginseng ist in der EU nicht zugelassen.
Wofür
Müdigkeit und Erschöpfung
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
Die EU-Monographie ordnet Ginsengwurzel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei Symptomen der Asthenie ein, also bei Müdigkeit und Schwäche. Das beruht allein auf langer Anwendung: Ginsengpräparate sind in der EU seit mindestens 30 Jahren als Stärkungsmittel bei Müdigkeit, Schwäche und nachlassender Leistungsfähigkeit im Handel. Eine anerkannte medizinische Verwendung (well-established use) hat die EMA ausdrücklich nicht festgestellt. Es gibt zwar seit den 1980er-Jahren zahlreiche Studien, doch sie prüften sehr unterschiedliche Zubereitungen, waren oft klein und methodisch schwach, und Studien mit demselben Präparat widersprechen sich.
Die Studien am Menschen ergeben ein gemischtes Bild mit allenfalls kleinen Effekten. Eine Metaanalyse von 2016 fand in vier placebokontrollierten Studien, zwei davon mit Amerikanischem Ginseng, eine geringe Besserung der Müdigkeit, hielt die Belege aber für unzureichend. Eine Metaanalyse von 2023 mit 19 Studien fand insgesamt keinen gesicherten Unterschied zu den Vergleichsgruppen; kleine Vorteile zeigten sich nur in Untergruppen, am deutlichsten bei Müdigkeit ohne bestimmte Grunderkrankung, außerdem bei chronischer Müdigkeit und für Rezepturen, die Ginseng mit anderen Pflanzen mischen. In einer koreanischen Studie mit 90 Erwachsenen mit anhaltender, ungeklärter Müdigkeit besserte ein Ginsengextrakt über vier Wochen den Teilwert für geistige Müdigkeit und, in der höheren Menge, eine zweite Müdigkeitsskala, nicht aber den Gesamtwert auf der Zahlenskala. Das sind erste Hinweise, keine Belege. Die Monographie sieht höchstens drei Monate Einnahme vor; hält die Müdigkeit trotz Einnahme länger als zwei Wochen an, gehört sie ärztlich abgeklärt.
Was dagegen spricht
Belegt ist eine Wirkung gegen Müdigkeit nicht: Nach Durchsicht der Studien und mehrerer systematischer Reviews hält die EMA die Daten für nicht schlüssig, und eine Gesamtschau von 19 Metaanalysen (2023) bewertete 14 davon methodisch als kritisch schwach. Die Metaanalyse von 2023 fand Vorteile nur in Untergruppen, nicht in der Gesamtauswertung; für Ginseng allein, ohne andere Pflanzen, war keine Untergruppe statistisch gesichert. Alle gefundenen Effekte waren klein. In der Metaanalyse von 2016 hatte Ginseng in acht Studien keinen Einfluss auf die körperliche Leistungsfähigkeit.
Gegen eine Wirkung spricht eine placebokontrollierte Studie mit 50 Erwachsenen mit chronischer, ungeklärter Müdigkeit: 3 g roter Ginseng am Tag brachten über sechs Wochen keinen Vorteil, weder bei der Müdigkeit noch bei Schlaf, Stimmung oder Lebensqualität; nur eine Untergruppe von Menschen über 50 Jahren mit mäßiger Müdigkeit schnitt besser ab. Mehrere ältere, fast durchweg positive Studien zu Vitalität und Erschöpfung mit dem Extrakt G115 aus den 1980er- und 1990er-Jahren entsprachen nicht den Regeln guter klinischer Praxis; die Autoren einer Übersicht zu G115 halten nach dem Bewertungsbericht der EMA neue Studien zur Bestätigung für nötig. Die Studien prüften zudem sehr unterschiedliche Zubereitungen, vom Pulver über eigens hergestellte Extrakte bis zu rotem Ginseng; ein Ergebnis gilt nur für das geprüfte Präparat.
Quellen: Quelle 1, Quelle 2, Quelle 3, Quelle 4, Quelle 5, Quelle 6, Quelle 7
Stress im Alltag
- Erste Hinweise
Ginseng wird oft als Adaptogen beworben, als Mittel, das die Anpassung an Belastungen unterstützen soll. Die EMA hält dieses Konzept für nicht ausreichend geklärt, und die EU-Monographie nennt Stress nicht als Anwendungsgebiet, sondern nur Müdigkeit und Schwäche.
Studien mit Menschen unter Stress gibt es kaum. In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie aus Belgien mit 149 Erwachsenen mit mäßigem Stress ging das empfundene Stressniveau nach drei Wochen mit täglich 200 mg Pulver aus rotem Ginseng stärker zurück als mit Placebo, ebenso negative Gefühle. Geprüft wurde ein Pulver aus Hydrokultur mit besonders hohem Gehalt an Ginsenosiden, bezahlt von der Firma, die die Kapseln herstellte und das Studiendesign mitplante. In einer kleinen Crossover-Studie mit 30 gesunden jungen Erwachsenen fühlten sich die Teilnehmenden nach 400 mg eines standardisierten Extrakts am ersten Tag einige Stunden lang etwas ruhiger. Das sind erste Hinweise, keine Belege.
Was dagegen spricht
Die günstigen Ergebnisse stammen aus einer einzigen Studie mit gestressten Menschen, die nur drei Wochen dauerte, ein Spezialpulver prüfte und vom Hersteller der Kapseln bezahlt wurde; eine unabhängige Bestätigung und ein systematischer Review fehlen. Unerwünschte Ereignisse, alle leicht bis mäßig, wurden dort unter Ginseng 21-mal gemeldet, unter Placebo 11-mal; einen Unterschied sahen die Autoren nicht. In einer älteren Studie mit 83 gesunden jungen Erwachsenen veränderten 200 oder 400 mg des Extrakts G115 täglich über acht Wochen weder positive noch negative Gefühle noch die Stimmung insgesamt. In der Crossover-Studie verlangsamten 200 mg das Kopfrechnen, während 400 mg es verbesserten; die größere Ruhe nach 400 mg zeigte sich nur zu zwei Messzeitpunkten des ersten Tages, und nach acht Tagen fanden die Autoren keinen zusätzlichen Nutzen. Das Reflexionspapier der EMA zum Adaptogen-Konzept hält die klinischen Daten dazu für methodisch mangelhaft. Schlaflosigkeit ist eine mögliche Nebenwirkung von Ginseng.
Anwendung
Formen und Einnahme
- Weißer Ginseng: geschnittene oder gepulverte WurzelDie getrocknete Wurzel, geschnitten für einen Tee zum Abkochen oder gepulvert in Kapseln und Tabletten. Beide sind nach der EU-Monographie traditionelle pflanzliche Arzneimittel; die Mengen stehen in der Dosis-Übersicht.
- Roter GinsengDie Wurzel wird vor dem Trocknen mit Dampf behandelt. Die EU-Monographie führt roten Ginseng als Pulver sowie als Trocken- und Dickextrakt mit Ethanol. Mehrere Studien auf dieser Seite prüften roten Ginseng aus Korea; ihre Ergebnisse gelten nicht ohne Weiteres für weißen Ginseng oder andere Extrakte.
- Standardisierter Trockenextrakt (G115)Trockenextrakt, ausgezogen mit Ethanol 40 Prozent und eingestellt auf 4 Prozent Ginsenoside. Er ist in der EU seit 1981 als Arzneimittel im Handel und einer der am besten untersuchten Ginsengextrakte; in Studien heißt er meist G115.
- Weitere Extrakte und Zubereitungen mit WeinDie EU-Monographie nennt weitere Trocken-, Dick- und Flüssigextrakte, ausgezogen mit Ethanol oder Methanol, und einen Auszug mit Likörwein. Sie sind unterschiedlich stark, ihre Mengen lassen sich nicht gegeneinander austauschen; maßgeblich ist die Packungsbeilage. Viele flüssige Zubereitungen enthalten Alkohol.
- KombinationspräparateViele Produkte mischen Ginseng mit Vitaminen, Mineralstoffen oder anderen Pflanzen. Die EMA hat solche Kombinationen nicht bewertet, und ein Studienergebnis gilt nur für die geprüfte Mischung. Schwerere Nebenwirkungen wurden eher bei Kombinationspräparaten berichtet, meist ohne dass sich klären ließ, welcher Bestandteil sie verursachte.
- Andere Pflanzen mit „Ginseng“ im NamenSibirischer Ginseng (Taigawurzel, Eleutherococcus senticosus) ist eine andere Pflanze aus derselben Familie mit eigener EU-Monographie. Amerikanischer Ginseng (Panax quinquefolius) ist eine andere Art derselben Gattung, und als Indischer Ginseng wird Ashwagandha (Withania somnifera) bezeichnet. Befunde zu diesen Pflanzen lassen sich nicht auf Panax ginseng übertragen.
Die EU-Monographie beschreibt Ginsengzubereitungen zum Einnehmen für Erwachsene und Ältere, höchstens drei Monate lang; die EMA begründet die Grenze mit Berichten über Beschwerden nach hohen Mengen und langer Einnahme. Bessern sich die Beschwerden nach zwei Wochen nicht oder werden sie stärker, lass das ärztlich oder in der Apotheke abklären.
Die Monographie nennt 13 Zubereitungen aus weißem und rotem Ginseng mit jeweils eigenen Mengen. Der Tee wird als Abkochung zubereitet, die geschnittene Wurzel also in Wasser gekocht und nicht nur überbrüht. Wie viel eine Gabe ist, hängt stark von der Zubereitung ab; maßgeblich ist die Angabe des jeweiligen Arzneimittels. Die Mengen für Tee, Pulver und den standardisierten Extrakt stehen in der Dosis-Übersicht.
Dosis-Übersicht
| Grundlage | Menge | Einordnung |
|---|---|---|
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 1–2 g Einzeldosis | Erwachsene und Ältere · Geschnittene weiße Ginsengwurzel als Tee, mit 150 ml Wasser als Abkochung zubereitet, zwei- bis dreimal täglich. Traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie, die allein auf langer Verwendung beruht. Höchstens drei Monate; nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, nicht in Schwangerschaft und Stillzeit. Quelle: Quelle 1 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 600–2.000 mg pro Tag | Erwachsene und Ältere · Gepulverte weiße Ginsengwurzel, etwa in Kapseln oder Tabletten: 250 bis 1200 mg je Einnahme, entweder einmal täglich 1200 mg oder verteilt auf zwei bis acht Gaben. Traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie; höchstens drei Monate, nicht unter 18 Jahren, nicht in Schwangerschaft und Stillzeit. Quelle: Quelle 1 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 40–200 mg pro Tag | Erwachsene und Ältere · Trockenextrakt (Droge-Extrakt-Verhältnis 3 bis 7 zu 1, Auszugsmittel Ethanol 40 Prozent), eingestellt auf 4 Prozent Ginsenoside, in Studien meist G115 genannt: ein- bis zweimal täglich. In besonderen Situationen erlaubt die EU-Monographie in den ersten fünf Tagen bis zu 600 mg am Tag. Traditionelle Anwendung; höchstens drei Monate, nicht unter 18 Jahren, nicht in Schwangerschaft und Stillzeit. Quelle: Quelle 1 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 1.200–1.800 mg pro Tag | Erwachsene und Ältere · Gepulverter roter Ginseng, also gedämpfte und dann getrocknete Wurzel: 600 bis 1200 mg je Einnahme, ein- bis dreimal täglich. Traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie; höchstens drei Monate, nicht unter 18 Jahren, nicht in Schwangerschaft und Stillzeit. Quelle: Quelle 1 |
| In Studien genutztSpanne aus ausgewerteten Studien | 1–2 g pro Tag | Erwachsene mit anhaltender, ungeklärter Müdigkeit · Eigens hergestellter Ginsengextrakt (Auszugsmittel Ethanol 20 Prozent) in Kapseln, verteilt auf zwei Gaben, über vier Wochen in einer placebokontrollierten Studie mit 90 Erwachsenen. Der Gesamtwert der Müdigkeit unterschied sich nicht von Placebo, nur Teilwerte fielen günstiger aus. Dieser Extrakt gehört nicht zu den Zubereitungen der EU-Monographie.
Quelle: Quelle 6 |
| In Studien genutztSpanne aus ausgewerteten Studien | 200 mg pro Tag | Erwachsene mit mäßigem Stress · Pulver aus rotem Ginseng aus Hydrokultur mit zwei- bis dreimal so viel Ginsenosiden wie Ginseng vom Feld, eine Kapsel täglich über drei Wochen, in einer vom Hersteller der Kapseln bezahlten Studie mit 149 Erwachsenen. Mit den Pulvern der EU-Monographie ist diese Menge nicht vergleichbar.
Quelle: Quelle 9 |
Keine persönliche Dosisempfehlung. Sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke, besonders wenn du Medikamente nimmst.
Risiken
Nebenwirkungen
Nach der EU-Monographie können Magenbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung auftreten, außerdem allergische Hautreaktionen wie Nesselsucht und Juckreiz sowie Schlaflosigkeit; wie häufig, ist nicht bekannt. In Studien waren die Beschwerden nach dem Bewertungsbericht der EMA leicht und gingen wieder zurück; genannt werden dort auch Kopfschmerzen. Schwere Nebenwirkungen, die sich eindeutig auf Ginseng zurückführen lassen, sind weder aus Studien noch aus Meldesystemen bekannt. Ein systematischer Review fand unter Präparaten mit Ginseng allein etwa so viele unerwünschte Ereignisse wie unter Placebo; eine Gesamtschau von Metaanalysen nennt neben Magen-Darm-Beschwerden mögliche Blutungen, aber keine schweren Fälle.
Schwerere allergische Reaktionen mit Atembeschwerden sind nur in Einzelfällen beschrieben: zweimal nach dem Einatmen von Ginsengstaub und einmal nach dem Essen frischer Wurzel. Dass Ginseng den Blutdruck erhöht, ist nicht belegt: Eine Metaanalyse von 17 Studien mit 1381 Teilnehmenden fand keine Wirkung auf den Blutdruck, und die EMA hält ältere Berichte über erhöhten Blutdruck für widersprüchlich. Treten unter der Einnahme andere Beschwerden auf, lass sie ärztlich abklären oder frag in der Apotheke nach.
Wechselwirkungen
- Warfarin und andere Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ (Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon)Gering
Die EU-Monographie hält fest, dass keine Wechselwirkungen berichtet sind, und die EMA stuft das Wechselwirkungspotenzial von Ginseng mit Warfarin als wenig bedeutsam ein; deshalb steht hier „gering“. Einzelne Fallberichte bringen Ginseng mit einer schwächeren Wirkung von Warfarin in Verbindung: Bei einem Mann sank der Gerinnungswert (INR), der neun Monate stabil gewesen war, zwei Wochen nach Beginn der Einnahme eines standardisierten Ginsengextrakts auf 1,5 und kehrte nach dem Absetzen in den Zielbereich zurück; ob gleichzeitig andere Arzneimittel eine Rolle spielten, ist nicht geklärt. Eine Übersichtsarbeit nennt außerdem wenige Fälle spontaner Blutungen. Kontrollierte Studien fanden keinen Einfluss: bei zwölf gesunden Männern, bei 25 Menschen nach einem Schlaganfall und bei 25 Menschen mit künstlicher Herzklappe unter 1 g rotem Ginseng am Tag; auch ein Tierversuch fand keinen. Abgeschwächt hat die Warfarin-Wirkung in einer Studie mit Gesunden Amerikanischer Ginseng, eine andere Art. Übersichtsarbeiten raten dennoch, den Gerinnungswert in den ersten Wochen nach Beginn und nach Ende einer Einnahme enger zu kontrollieren. Untersucht ist nur Warfarin, das wie Phenprocoumon ein Vitamin-K-Antagonist ist. Wer solche Gerinnungshemmer nimmt, bespricht Ginseng vorher ärztlich.
Quellen: Quelle 2, Quelle 12, Quelle 13, Quelle 14, Quelle 15, Quelle 16, Quelle 17
- Thrombozytenaggregationshemmer wie ASS (Acetylsalicylsäure)Gering
Laborversuche deuten darauf hin, dass Ginseng die Blutplättchen hemmt. In einer placebokontrollierten Studie mit gesunden Freiwilligen veränderte gepulverter weißer Ginseng, zweimal täglich 500 mg über drei Wochen, Blutplättchen und Gerinnung aber weder allein noch zusammen mit ASS in klinisch bedeutsamer Weise, und nennenswerte Blutungen traten nicht auf. Zu anderen Plättchenhemmern als ASS nennt der Bewertungsbericht der EMA keine Studien.
Quelle: Quelle 2
- MAO-Hemmer wie Phenelzin (Antidepressiva)Gering
Ältere Fallberichte beschreiben zwei Frauen, die den MAO-Hemmer Phenelzin nahmen: Die eine bekam nach ginsenghaltigen Präparaten zweimal Kopfschmerzen und Zittern, die andere unter einem Präparat aus Ginseng und Blütenpollen manieähnliche Beschwerden. Die EMA hält einen ursächlichen Zusammenhang für zweifelhaft, weil Phenelzin selbst solche Nebenwirkungen haben kann und die Präparate weder genau beschrieben waren noch nur Ginseng enthielten; die EU-Monographie nennt keine Wechselwirkungen. Deshalb steht hier „gering“. Wer MAO-Hemmer nimmt, bespricht Ginseng vorher ärztlich.
- Blutzuckersenkende ArzneimittelGering
Ginseng kann den Blutzucker leicht senken: In einer Metaanalyse von 16 Studien mit Ginseng-Arten bei Menschen mit und ohne Diabetes lag der Nüchternblutzucker im Mittel um 0,31 mmol/l (etwa 5,6 mg/dl) niedriger als in den Vergleichsgruppen. Die EMA hält die Studienlage zum Blutzucker für uneinheitlich, und Wechselwirkungen mit Diabetesmedikamenten sind nach der EU-Monographie nicht berichtet. Wer blutzuckersenkende Medikamente nimmt, bespricht Ginseng vorher ärztlich.
- Arzneimittel, die über das Leberenzym CYP3A4 abgebaut werden und genau dosiert sein müssenGering
In einer Studie mit zwölf Gesunden, die 28 Tage lang zweimal täglich 500 mg Ginseng nahmen, sank die Menge des Testmedikaments Midazolam im Blut um etwa ein Drittel; Ginseng regte das abbauende Enzym offenbar leicht an. Andere Studien fanden keinen oder nur einen schwachen Einfluss auf Leberenzyme, und die EMA sieht bei CYP3A, CYP1A2 und CYP2D6 keinen klinisch bedeutsamen Effekt. Die Autoren der Studie und einer Übersichtsarbeit raten bei Medikamenten mit enger therapeutischer Breite trotzdem zu enger Kontrolle.
Wer es nicht nehmen sollte
Nicht bei Überempfindlichkeit gegen Ginseng. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren empfiehlt die EU-Monographie Ginseng nicht, weil ausreichende Daten fehlen. In Schwangerschaft und Stillzeit wird Ginseng nicht empfohlen: Studien am Menschen gibt es nicht, geeignete Tests zur Wirkung auf die Fortpflanzung fehlen, und Versuche mit einzelnen Ginsenosiden an Embryonen von Nagetieren in der Zellkultur fielen widersprüchlich aus, allerdings in Konzentrationen, die nach Einschätzung der EMA bei üblicher Einnahme nicht erreicht werden. Zur Fruchtbarkeit gibt es keine Daten.
Studien zur Fahrtüchtigkeit gibt es nach der Monographie nicht. Viele flüssige Zubereitungen enthalten Alkohol; das steht dann in der Packungsbeilage. Müdigkeit und Schwäche, die trotz Einnahme länger als zwei Wochen anhalten oder stärker werden, gehören ärztlich abgeklärt.
Überdosierung
Fälle von Überdosierung sind nach der EU-Monographie nicht bekannt. In der Literatur ist ein „Ginseng-Missbrauchssyndrom“ aus einer Beobachtungsstudie von 1979 beschrieben: Von 133 Menschen, die regelmäßig Ginsengpräparate nahmen, hatten 14, die bis zu 15 g Ginsengwurzel am Tag nahmen und dazu koffeinhaltige Getränke tranken, erhöhten Blutdruck, Nervosität, Schlaflosigkeit, Hautausschläge, Wassereinlagerungen und morgendlichen Durchfall; mit geringeren Mengen gingen die Beschwerden zurück. Die EMA hält den Zusammenhang für fraglich, weil die Präparate nicht beschrieben waren, auch andere Pflanzen enthielten und teils geschnupft oder gespritzt wurden. Für die üblichen Mengen sieht sie darin kein Sicherheitsproblem, begrenzt die Anwendung aber vorsorglich auf drei Monate.
Nächster Schritt
Bevor du etwas einnimmst: Lass dich beraten, zum Beispiel in deiner Hausarztpraxis oder deiner Apotheke. Bring vorhandene Laborwerte mit, und sag, welche Medikamente du nimmst.
Mehr zu den Themen findest du oben unter Wofür und in der Themenübersicht.
Quellen
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- Assessment report on Panax ginseng C.A.Mey., radix – Revision 1 (EMA/HMPC/27745/2023). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC), 2024Behörde / amtliche StelleZur Quelle
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