Entspannung und Resilienz
Warnzeichen: Bitte zuerst lesen
Ruf sofort den Notruf 112, wenn du das bemerkst:
- Schmerzen, Druck oder Enge in der Brust oder plötzliche starke Atemnot, auch beim Sport, beim Yoga oder bei Atemübungen
Das können Anzeichen eines Herzinfarkts oder eines anderen Notfalls sein. Hör sofort auf und wähle 112, statt abzuwarten.
Hol dir jetzt Unterstützung, zum Beispiel bei der Telefonseelsorge, wenn du das bemerkst:
- Gedanken daran, dir das Leben zu nehmen, oder das Gefühl, es nicht mehr auszuhalten
Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar: 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Bist du in akuter Gefahr, wähle 112.
Lass das ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Panik, sich aufdrängende Erinnerungen an Belastendes (Flashbacks) oder das Gefühl, neben dir zu stehen, während oder nach Entspannungs-, Atem- oder Meditationsübungen
Brich die Übung ab und sprich mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in einer psychotherapeutischen Praxis darüber, bevor du weiterübst. Solche Reaktionen kommen vor, auch bei Menschen ohne frühere psychische Probleme.
- Schwindel, Herzstolpern, Schmerzen oder Taubheitsgefühle bei oder nach Yoga, Sport oder Atemübungen
Setz die Übungen aus und lass die Beschwerden ärztlich abklären, bevor du weitermachst.
- Gedrückte Stimmung, Freud- oder Interessenlosigkeit oder fehlender Antrieb, die länger als zwei Wochen anhalten
Das können Anzeichen einer Depression sein. Lass das ärztlich oder psychotherapeutisch einordnen; Entspannungsübungen ersetzen keine Behandlung.
- Herzrasen, Magen-Darm-Beschwerden oder Kopfschmerzen, die du auf Stress zurückführst und die neu sind, stärker werden oder bleiben
Lass zuerst ärztlich abklären, ob eine körperliche Ursache dahintersteckt. Entspannung kann eine Behandlung ergänzen, eine Untersuchung ersetzt sie nicht.
Notruf: 112 · TelefonSeelsorge: 0800 111 0 111 · TelefonSeelsorge: 0800 111 0 222 · Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
Kurz erklärt
Entspannung lässt sich lernen wie eine Fertigkeit. Verfahren wie die Progressive Muskelentspannung, das Autogene Training, Atemübungen, Yoga, Tai-Chi oder Qigong üben eine Reaktion ein, die der körperlichen Stressreaktion entgegenwirkt. In Studien verringerten sie Anspannung, Angst und depressive Beschwerden meist in kleinem bis mittlerem Ausmaß. Als klar überlegen hat sich keines dieser Verfahren erwiesen; wichtiger dürfte sein, dass du eines findest, das dir liegt, und dabeibleibst.
Resilienz, die seelische Widerstandskraft, versteht die Forschung heute meist nicht als feste Eigenschaft, sondern als Ergebnis: Ein Mensch bleibt trotz schwerer Belastung seelisch gesund oder erholt sich rasch wieder. Nach belastenden Ereignissen ist das eher die Regel als die Ausnahme. Was die Widerstandskraft stützt, ist oft alltäglich: Am besten belegt ist regelmäßige Bewegung, danach guter Schlaf, und auch der Rückhalt durch andere Menschen zählt. Resilienztrainings zeigen bisher nur kleine und unsichere Effekte. Und Widerstandskraft ist nicht allein deine Aufgabe: Auch Arbeitgeber müssen psychische Belastungen bei der Arbeit beurteilen.
Entspannung kann eine Behandlung ergänzen, sie ersetzt sie nicht. Bei einer Angststörung, einer Depression oder anhaltender Erschöpfung führt der erste Weg zur Ärztin, zum Arzt oder in eine psychotherapeutische Praxis. Und wenn eine Übung dich unruhiger statt ruhiger macht, ist das bekannt: Unterbrich sie und hol dir Rat. Achtsamkeit und Meditation beschreibt die Seite „Der zweite Pfeil“ ausführlicher.
- Gut belegt2 Aussagen
- Teilweise belegt9 Aussagen
- Erste Hinweise7 Aussagen

Sichtweisen im Vergleich
Körper
Medizin, Naturheilkunde, Ernährung und Bewegung: was im Körper geschieht.
Körperarbeit
- Teilweise belegt
- Erste Hinweise
Entspannungsverfahren sollen eine Reaktion einüben, die der körperlichen Stressreaktion entgegenwirkt, und sie mit der Zeit auch im Alltag abrufbar machen. Bei der Progressiven Muskelentspannung spannst du nacheinander einzelne Muskelgruppen an und lässt wieder los. Die Angewandte Entspannung baut darauf auf und übt, sich in angespannten Situationen gezielt zu entspannen. Beim Autogenen Training versetzt du dich mit innerlich wiederholten, ruhigen Sätzen, etwa zu Schwere und Wärme, in einen Zustand der Ruhe. Yoga, Tai-Chi und Qigong verbinden langsame Bewegung, Atmung und Aufmerksamkeit.
Am längsten untersucht sind die klassischen Verfahren. In einer Metaanalyse von 27 Studien verringerten Entspannungstrainings die Angst in mittlerem Ausmaß, stärker bei längeren Trainings; allerdings waren auch Studien ohne Kontrollgruppe dabei. Für das Autogene Training fand eine ältere Metaanalyse von 60 kontrollierten Studien mittlere Effekte gegenüber Kontrollbedingungen, aber keinen Vorteil gegenüber anderen psychologischen Behandlungen. Zur Progressiven Muskelentspannung zeigt eine neue Metaanalyse von 31 randomisierten Studien besseren Schlaf und weniger Angst, doch die Ergebnisse der einzelnen Studien gehen weit auseinander.
Yoga verringerte in einer Metaanalyse bei Menschen mit erhöhter Ängstlichkeit die Angst leicht; bei Angststörungen nach den üblichen Diagnosekriterien blieb die Wirkung unklar. Unerwünschte Ereignisse waren unter Yoga nicht häufiger als unter üblicher Versorgung oder anderem Sport. In einer gemeinsamen Auswertung von 17 randomisierten Studien zu Tai-Chi und Yoga sank das empfundene Stressniveau deutlich, und die Herzfrequenzvariabilität verschob sich in Richtung Ruhe. Für Qigong gibt es erst wenige kleine Studien mit gesunden Erwachsenen, für gezielte Atemtechniken zwölf randomisierte Studien zum Stress mit kleinem bis mittlerem Effekt und mäßigem Verzerrungsrisiko.
„Teilweise belegt“ gilt für die Progressive Muskelentspannung, das Autogene Training und Yoga, „Erste Hinweise“ für Atemtechniken, Tai-Chi und Qigong.
Quellen: Quelle 4, Quelle 8, Quelle 9, Quelle 10, Quelle 11, Quelle 12, Quelle 13, Quelle 14, Quelle 15
Schulmedizin
- Teilweise belegt
In der Medizin gelten Entspannungsverfahren als bewährter Baustein, selten als Behandlung für sich allein. Am deutlichsten ist das beim Schlaf: Die S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“ empfiehlt als erste Behandlung die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie, und zu ihr gehören Entspannungsmethoden wie die Progressive Muskelentspannung, das Autogene Training oder Imaginationsübungen. Dass eine dieser Methoden den anderen eindeutig überlegen wäre, dafür sieht die Leitlinie keine überzeugenden Hinweise.
Bei seelischen Erkrankungen reicht Entspannung allein meist nicht. Ein Cochrane-Review fand, dass Entspannungsübungen depressive Beschwerden stärker verringerten als keine oder eine minimale Behandlung, aber weniger als eine psychologische Behandlung, meist eine kognitive Verhaltenstherapie. Bei Angststörungen schnitten Entspannungsverfahren in einer Metaanalyse von 50 Studien, die beides direkt verglichen, insgesamt etwas schlechter ab als kognitive und verhaltenstherapeutische Verfahren, vor allem bei Posttraumatischer Belastungsstörung und Zwangsstörung; bei generalisierter Angststörung, Panikstörung, sozialer Angst und spezifischen Phobien fand sich kein gesicherter Unterschied. Die deutsche S3-Leitlinie zu Angststörungen urteilt strenger. Sie empfiehlt die Angewandte Entspannung bei der generalisierten Angststörung nur als Baustein innerhalb einer kognitiven Verhaltenstherapie, sieht für die Progressive Muskelentspannung bei der Panikstörung keine ausreichenden Belege und weist darauf hin, dass Entspannungsübungen selbst Panikattacken auslösen können.
Dieselbe Grenze ziehen die Regeln der Krankenkassen: Ihre Entspannungskurse richten sich an Menschen mit Stressbelastung, ersetzen keine psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung und sind bei schweren, behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankungen nicht vorgesehen.
Quellen: Quelle 4, Quelle 16, Quelle 17, Quelle 18, Quelle 19
Lebensstil
- Gut belegt
- Teilweise belegt
- Erste Hinweise
Was die seelische Widerstandskraft im Alltag stützt, ist oft unspektakulär. Am besten belegt ist Bewegung. Eine Übersicht über 97 systematische Reviews mit mehr als 1.000 randomisierten Studien fand mittlere Effekte auf depressive Beschwerden, Angst und seelische Belastung, bei Gesunden ebenso wie bei Menschen mit psychischen oder chronischen Erkrankungen; intensivere Bewegung wirkte stärker. Bei Menschen mit Depression verringerten in einer Netzwerk-Metaanalyse von 218 Studien Gehen oder Joggen, Yoga und Krafttraining die Beschwerden am deutlichsten, Tai-Chi und Qigong ebenfalls; Yoga und Krafttraining wurden am besten angenommen. Nur eine dieser Studien hatte ein geringes Verzerrungsrisiko. Welche Form am besten wirkt, ist deshalb weniger sicher als der Befund, dass Bewegung überhaupt etwas bewirkt.
Auch Schlaf zählt. In einer Metaanalyse von 65 randomisierten Studien ging es Menschen seelisch besser, wenn sich ihr Schlaf besserte: Depression, Angst, Grübeln und Stress nahmen ab, und zwar umso mehr, je deutlicher sich der Schlaf besserte. Alkohol ist dafür kein Mittel; die Insomnie-Leitlinie rät, ihn weitgehend zu meiden und keinesfalls als Schlafmittel einzusetzen. Wie guter Schlaf gelingt, beschreiben die Seiten „Gesunder Schlaf“ und „Einschlafprobleme“.
Beziehungen spielen ebenfalls eine Rolle. In einer systematischen Auswertung von 100 Studien ging Unterstützung durch Partnerin oder Partner, Familie und Freunde mit weniger Depressionen einher. In Verlaufsstudien war der Zusammenhang aber schwächer, und es gibt Hinweise, dass er auch umgekehrt wirkt: Eine Depression kann dazu führen, dass Menschen weniger Unterstützung erleben.
„Gut belegt“ gilt für Bewegung, „Teilweise belegt“ für besseren Schlaf und „Erste Hinweise“ für soziale Unterstützung, weil die Daten dazu aus Beobachtungsstudien stammen.
Quellen: Quelle 16, Quelle 20, Quelle 21, Quelle 22, Quelle 23
Seele
Psychologie: wie Gefühle, Gedanken und Belastungen mitspielen.
Psychologie
- Teilweise belegt
- Erste Hinweise
Resilienz versteht die Forschung heute meist nicht als festen Charakterzug, den man hat oder nicht hat, sondern als Ergebnis: Ein Mensch bleibt während oder nach einer schweren Belastung seelisch gesund oder erholt sich rasch wieder. Das ist eher die Regel als die Ausnahme. In einer Auswertung von 54 Verlaufsstudien nach potenziell traumatischen Ereignissen blieben im Mittel knapp zwei Drittel der Menschen weitgehend stabil, rund ein Fünftel erholte sich nach einer belastenden Phase, und nur eine Minderheit entwickelte anhaltende oder verzögert einsetzende Beschwerden.
Welche Faktoren schützen, wird meist in Beobachtungsstudien untersucht. Eine systematische Übersicht über 139 Studien mit jungen Erwachsenen fand persönliche Faktoren wie eine zuversichtliche Denkweise und soziale Faktoren wie Rückhalt durch andere und durch die Familie am häufigsten mit weniger depressiven Beschwerden verbunden. Wirtschaftliche Lage, Arbeits- und Lebensumstände wurden dagegen kaum untersucht, und die Autorinnen und Autoren mahnen, Resilienz nicht auf die Psyche und das engste Umfeld zu verengen. Kurse zur Stressbewältigung und Resilienz üben meist mehrere Dinge zugleich: Probleme planvoll angehen, Unterstützung suchen, belastende Gedanken prüfen und Abstand zu ihnen gewinnen, Selbstwirksamkeit und realistischen Optimismus stärken, dazu Achtsamkeit oder ein Entspannungsverfahren.
Was solche Trainings bewirken, ist noch nicht sicher belegt. Ein Cochrane-Review von 44 randomisierten Studien mit Beschäftigten im Gesundheitswesen fand direkt nach dem Training mäßig mehr Resilienz und weniger Stress sowie etwas weniger depressive Beschwerden, aber kaum Wirkung auf Angst und Wohlbefinden; die Vertrauenswürdigkeit war sehr gering, und Daten über längere Zeit fehlten. Über 268 Studien hinweg war der Effekt im Mittel klein. Bei der Stressbewältigung am Arbeitsplatz schnitten Programme auf Grundlage der kognitiven Verhaltenstherapie besser ab als andere, auch als reine Entspannungsprogramme; Maßnahmen, die an der Arbeit selbst ansetzen, waren selten untersucht. Dabei ist das auch Sache der Arbeitgeber: Sie müssen die Gefährdungen am Arbeitsplatz beurteilen, ausdrücklich auch psychische Belastungen, und daraus ableiten, welche Schutzmaßnahmen nötig sind.
„Teilweise belegt“ gilt dafür, dass die meisten Menschen schwere Belastungen ohne anhaltende Beschwerden überstehen, „Erste Hinweise“ für die einzelnen Schutzfaktoren und für Resilienztrainings.
Quellen: Quelle 1, Quelle 2, Quelle 3, Quelle 4, Quelle 5, Quelle 6, Quelle 7
Geist
Spirituelle Traditionen: wie sie auf Sinn, Haltung und innere Praxis schauen.
Spiritualität
- Erste Hinweise
Viele Wege zur Entspannung haben religiöse oder philosophische Wurzeln. Die Krankenkassen zählen Yoga, Tai-Chi und Qigong zu den fernöstlichen Entspannungsverfahren und fördern sie nur, wenn sie weltanschaulich neutral vermittelt werden, ohne Ausübung einer Glaubensrichtung und ohne Heilversprechen. Wer einen solchen Kurs besucht, muss also keinen Glauben teilen. Wie ein altes buddhistisches Gleichnis in die heutige Psychologie gefunden hat, beschreibt die Seite „Der zweite Pfeil“.
Menschen, die gläubig sind oder spirituell leben, kann ihr Glaube Halt geben. In einer Metaanalyse von 147 Studien mit fast 100.000 Teilnehmenden ging Religiosität mit etwas weniger depressiven Beschwerden einher, deutlicher bei Menschen, die kurz zuvor Belastendes erlebt hatten. Wer Schwierigkeiten mit religiösen Handlungen auswich oder Gott die Schuld an ihnen gab, hatte dagegen mehr Beschwerden. Von 152 Verlaufsstudien fand knapp die Hälfte einen günstigen, aber kleinen Zusammenhang, die meisten übrigen keinen; religiöse Zweifel und innere Kämpfe gingen oft mit mehr Depression einher. Ob eine neu begonnene spirituelle Praxis dieselbe Wirkung hätte, zeigen diese Beobachtungsstudien nicht.
Häufige Fragen
Welche Entspannungsverfahren sind gut untersucht?
- Teilweise belegt
- Erste Hinweise
Am längsten erforscht sind die Progressive Muskelentspannung, die aus ihr entwickelte Angewandte Entspannung und das Autogene Training. Im Vergleich dazu, nichts zu tun, verringerten sie in Studien Angst und depressive Beschwerden meist in mittlerem Ausmaß, wobei viele dieser Studien alt oder klein sind. Zu Yoga gibt es inzwischen eine Reihe randomisierter Studien, zu Tai-Chi, Qigong und Atemübungen weniger und kleinere. Achtsamkeitskurse verringerten die seelische Belastung bei Erwachsenen außerhalb der Krankenversorgung leicht bis mäßig; in Studien mit Erkrankten waren Meditationsprogramme anderen aktiven Behandlungen wie Bewegung aber nicht nachweislich überlegen. Einen klaren Sieger haben die Studien nicht ermittelt; auch die Insomnie-Leitlinie sieht keine Entspannungsmethode den anderen eindeutig überlegen. Wichtiger als die Wahl dürfte sein, dass du dranbleibst: In einer Metaanalyse wirkten längere Trainings stärker.
Quellen: Quelle 8, Quelle 9, Quelle 11, Quelle 13, Quelle 14, Quelle 15, Quelle 16, Quelle 17, Quelle 26, Quelle 27
Was stärkt die psychische Widerstandskraft?
- Gut belegt
- Teilweise belegt
- Erste Hinweise
Eine einzelne Übung dafür gibt es nicht. Am besten belegt ist regelmäßige Bewegung: In mehr als 1.000 randomisierten Studien verringerte sie depressive Beschwerden, Angst und seelische Belastung im Mittel spürbar. Auch guter Schlaf zählt; wenn sich der Schlaf besserte, besserte sich in randomisierten Studien auch die seelische Verfassung. In Beobachtungsstudien gingen sozialer Rückhalt und eine zuversichtliche Sicht auf die Dinge mit weniger depressiven Beschwerden unter Belastung einher. Wie sehr die wirtschaftliche Lage, Arbeits- und Lebensumstände mitwirken, ist viel seltener untersucht. Resilienz heißt nicht, alles allein zu tragen: Rückhalt durch andere gehört zu den Schutzfaktoren, die in Studien am häufigsten auftauchen.
Kann man Resilienz trainieren?
- Erste Hinweise
Ein Stück weit, sicher belegt ist das aber noch nicht. Resilienztrainings sind meist Gruppenkurse mit Elementen aus der kognitiven Verhaltenstherapie und der Achtsamkeit. Ein Cochrane-Review von 44 Studien mit Beschäftigten im Gesundheitswesen fand direkt nach dem Kurs mäßig mehr Resilienz und weniger Stress sowie etwas weniger depressive Beschwerden, aber kaum Wirkung auf Angst und Wohlbefinden. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Ergebnisse ist sehr gering, und ob die Wirkung anhält, ist kaum untersucht. Über 268 Studien mit ganz unterschiedlichen Programmen hinweg war der Effekt im Mittel klein. Kurse zur Stressbewältigung, die solche Bausteine enthalten, können die gesetzlichen Krankenkassen bezuschussen, wenn sie zertifiziert sind.
Wie lerne ich ein Entspannungsverfahren, und zahlt die Krankenkasse?
- Teilweise belegt
Am einfachsten unter Anleitung. Kurse, die die Krankenkassen fördern, laufen über mehrere Wochen, meist mit einem Termin pro Woche, und leiten dazu an, zwischen den Terminen allein weiterzuüben, damit sich die Entspannung mit der Zeit auch in angespannten Momenten abrufen lässt. Das Üben lohnt sich: In einer Metaanalyse wirkten längere Trainings stärker. Nach § 20 SGB V bieten die gesetzlichen Krankenkassen Leistungen zur Vorbeugung an. Kurse in Progressiver Muskelentspannung, Autogenem Training, Hatha-Yoga, Tai-Chi und Qigong sowie Kurse zur Stressbewältigung können sie bezuschussen, wenn der Kurs zertifiziert ist; das prüft in ihrem Auftrag die Zentrale Prüfstelle Prävention anhand von Kursinhalt und Qualifikation der Kursleitung. Ob und in welcher Höhe deine Kasse zahlt, legt sie selbst fest, deshalb lohnt die Nachfrage vor der Anmeldung. Die Kurse sind Vorbeugung für Menschen mit Stressbelastung, keine Behandlung einer psychischen Erkrankung.
Was, wenn mich Entspannungsübungen unruhiger machen?
- Teilweise belegt
Das kommt vor und ist in der Fachliteratur beschrieben. Manche Menschen spüren gerade beim Loslassen mehr Anspannung oder Angst, bis hin zu Panikattacken; die S3-Leitlinie zu Angststörungen weist ausdrücklich darauf hin. In einer Laborstudie reagierten Menschen mit generalisierter Angststörung oder Depression eher so als Menschen ohne diese Erkrankungen; die Forschenden erklären das mit einer Empfindlichkeit für plötzliche Umschwünge von Ruhe in unangenehme Gefühle. Auch Meditation kann unerwünschte Wirkungen haben, etwa Angst, Niedergeschlagenheit oder das Gefühl, neben sich zu stehen, auch bei Menschen ohne frühere psychische Probleme. Unterbrich die Übung, wenn es zu viel wird, und sprich mit der Kursleitung. Kommen Panik, sich aufdrängende Erinnerungen an Belastendes oder anhaltende Unruhe dazu, lass das ärztlich oder psychotherapeutisch einordnen. Bei der generalisierten Angststörung empfiehlt die Leitlinie Entspannung ohnehin nur als Baustein innerhalb einer Verhaltenstherapie.
Ersetzen Entspannungsverfahren eine Behandlung?
- Teilweise belegt
Bei seelischen Erkrankungen nicht. In einem Cochrane-Review verringerten Entspannungsübungen depressive Beschwerden zwar stärker als keine Behandlung, aber weniger als eine Psychotherapie. Bei Angststörungen schnitten sie im direkten Vergleich insgesamt etwas schlechter ab als kognitive und verhaltenstherapeutische Verfahren, vor allem bei Posttraumatischer Belastungsstörung und Zwangsstörung. Die Präventionskurse der Krankenkassen sind ausdrücklich kein Ersatz für eine psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung. Halten gedrückte Stimmung, Freud- oder Antriebslosigkeit länger als zwei Wochen an, lass das ärztlich oder psychotherapeutisch abklären. Als Ergänzung haben Entspannungsverfahren dagegen ihren Platz, etwa als Teil der Verhaltenstherapie bei Schlafstörungen.
Quellen: Quelle 4, Quelle 16, Quelle 17, Quelle 18, Quelle 32
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Quellen
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Was die Evidenz-Labels bedeuten, erklären wir unter So ordnen wir ein.