Pflanze
Rosenwurz
Rhodiola rosea
Auch bekannt als: Rhodiola, Rosenwurz-Wurzelstock, Golden Root, Arctic Root, Sedum roseum, Rhodiolae roseae rhizoma et radix

Kurz erklärt
Rosenwurz (Rhodiola rosea) ist eine ausdauernde Pflanze aus der Familie der Dickblattgewächse. Sie wächst rund um die Arktis und in Gebirgen der Nordhalbkugel, in Europa etwa in Skandinavien und in den Bergregionen Mittel- und Nordeuropas. Arzneilich genutzt wird der getrocknete unterirdische Teil, ein kräftiger Wurzelstock mit Wurzeln; frisch angeschnitten duftet er nach Rosen, daher der Name. Ein großer Teil der Handelsware stammt noch aus Wildsammlungen, etwa aus dem Altai. Die Nachfrage wächst, während die wilden Bestände in den wichtigsten Sammelgebieten schrumpfen; Fachleute empfehlen deshalb, stärker auf Anbau umzustellen.
Als kennzeichnend für die Art gelten Rosavin, Rosarin und Rosin, zusammen Rosavine genannt. Dazu kommen Salidrosid, das auch andere Rhodiola-Arten enthalten, Tyrosol, Flavonoide, Proanthocyanidine, wenig ätherisches Öl und cyanogene Glykoside wie Lotaustralin. Wie viel davon in der Wurzel steckt, schwankt stark mit Herkunft, Alter und Geschlecht der Pflanzen. Extrakte werden deshalb meist auf Rosavine und Salidrosid eingestellt, obwohl nicht geklärt ist, ob gerade diese Stoffe für eine Wirkung verantwortlich sind.
In Laborversuchen hemmen Wurzelextrakte verschiedene Enzyme, darunter die Monoaminoxidasen, die Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin abbauen; ob das beim Menschen eine Rolle spielt, ist offen. Im Handel wird Rosenwurz vor allem als sogenanntes Adaptogen angeboten, als Mittel also, das den Körper widerstandsfähiger gegen Belastungen machen soll. Für Rosenwurz gibt es eine EU-Monographie; wofür sie die Pflanze einordnet und wie gut das belegt ist, steht bei den Anwendungen.
In der EU ist Rosenwurz als Lebensmittel nicht eindeutig eingeordnet, deshalb „unklar“. Nach dem Novel-Food-Katalog der EU-Kommission sind Wurzel und Kraut in Nahrungsergänzungsmitteln nicht neuartig und dürfen dort ohne eigene Zulassung verwendet werden; in anderen Lebensmitteln, etwa als Tee, könnten sie als neuartig gelten und bräuchten dann eine Zulassung. Die Stoffliste des Bundes und der Bundesländer führt die Pflanze unter dem Namen Sedum roseum, mit Rhodiola rosea als Synonym. Eine Verwendung als Lebensmittel vermerkt sie weder für die Wurzel noch für das Kraut; sie vermerkt den Status aus dem Novel-Food-Katalog und setzt beide auf Liste C. Dort stehen Stoffe, deren Verwendung möglicherweise gesundheitsschädlich ist, weil Daten fehlen oder weil sie nur in Nahrungsergänzungsmitteln als nicht neuartig gelten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung leitete 2012 aus den Studien keine Gefahr ab, sah aber wesentliche Datenlücken, etwa zur Giftigkeit bei längerer Einnahme und zum Erbgut. Die Liste ist eine Empfehlung der Behörden, kein Gesetz; ob ein Produkt Lebensmittel oder Arzneimittel ist, wird im Einzelfall entschieden. Die EU-Monographie ordnet Trockenextrakte der Wurzel als traditionelle pflanzliche Arzneimittel ein, und auch die Stoffliste führt die Wurzel als traditionelles Arzneimittel; in Deutschland sind Trockenextrakte seit 2014 als traditionelle Arzneimittel registriert. Eine Gesundheitsaussage für Rosenwurz ist in der EU nicht zugelassen: Die beantragte Angabe, ein Rosenwurz-Extrakt trage zur Verringerung von Müdigkeit in Stresssituationen bei, hat die EU 2013 abgelehnt.
Wofür
Müdigkeit und Erschöpfung
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
Nach der EU-Monographie sind Rosenwurz-Trockenextrakte traditionelle pflanzliche Arzneimittel bei Stressbeschwerden wie Müdigkeit und Erschöpfung. Gemeint ist Müdigkeit im Zusammenhang mit Belastung, nicht Müdigkeit aus anderen Gründen, und die Einordnung beruht allein auf langer Anwendung. Halten die Beschwerden unter der Einnahme länger als zwei Wochen an, sieht die Monographie eine ärztliche Abklärung vor.
In einer randomisierten Studie nahmen 60 Erwachsene mit stressbedingter Erschöpfung vier Wochen lang täglich 576 mg des Extrakts SHR-5 oder Placebo. Beide Gruppen besserten sich deutlich, die mit dem Extrakt etwas stärker auf einer Burnout-Skala und in einigen Aufmerksamkeitstests; bei Lebensqualität und depressiven Beschwerden berichtet die Studie keinen Unterschied zwischen den Gruppen. Studien mit Gesunden unter Belastung, etwa mit Ärztinnen und Ärzten im Nachtdienst und mit Kadetten nach einer einzelnen Gabe, fanden weniger Ermüdung in Leistungstests. Offene Studien ohne Vergleichsgruppe mit dem Extrakt WS 1375 berichten über weniger Müdigkeit bei 100 Menschen mit anhaltender Müdigkeit nach acht Wochen und über bessere Werte bei 118 Menschen mit Burnout-Beschwerden nach zwölf Wochen. Das sind erste Hinweise.
Was dagegen spricht
Eine unabhängige randomisierte Studie spricht dagegen: Bei 48 Pflegestudierenden im Schichtdienst in Kanada war die Müdigkeit nach sechs Wochen mit einem Rosenwurz-Präparat stärker als mit Placebo. Sie war klein, ausgewertet wurden 40 Personen, und die Autoren raten, das Ergebnis vorsichtig zu deuten.
Ansonsten ist der Nutzen eher nicht nachgewiesen als widerlegt. Ein systematischer Review (2012) fand die Ergebnisse widersprüchlich: Drei von fünf Studien zur geistigen und zwei von sechs zur körperlichen Ermüdung zeigten einen Nutzen, und alle hatten ein hohes oder unklares Risiko für Verzerrungen. Eine methodische Kritik (2009) fand in fast allen Studien mit positivem Ergebnis erhebliche statistische Mängel, und die EMA sieht keine ausreichenden Belege für eine Wirksamkeit bei Müdigkeit und Erschöpfung. In der Studie mit stressbedingter Erschöpfung war der Unterschied zu Placebo klein und nur knapp signifikant, in der mit Ärztinnen und Ärzten im Nachtdienst nur im ersten Behandlungsabschnitt zu sehen. Die offenen Studien können Erwartung und natürlichen Verlauf nicht von einer Wirkung trennen; an der Burnout-Studie war der Hersteller des Extrakts als Mitautor beteiligt. Die Angabe, ein Rosenwurz-Extrakt trage zur Verringerung von Müdigkeit in Stresssituationen bei, hat die EU 2013 für Lebensmittel abgelehnt, weil die eingereichten Studien einen anders eingestellten Extrakt prüften.
Quellen: Quelle 1, Quelle 2, Quelle 3, Quelle 4, Quelle 5, Quelle 6, Quelle 7, Quelle 8, Quelle 9, Quelle 10, Quelle 11, Quelle 12
Stress im Alltag
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
Die EU ordnet Trockenextrakte aus Rosenwurz als traditionelle pflanzliche Arzneimittel zur Linderung von Stressbeschwerden ein und nennt dabei Müdigkeit und Erschöpfung. Diese Einordnung beruht allein auf langer Anwendung: in Schweden seit 1987, später in vielen EU-Ländern, auch in Deutschland. Die Studien dazu hat der Ausschuss der EMA geprüft und für zu schwach befunden, um eine anerkannte medizinische Verwendung zu begründen.
Kleine placebokontrollierte Studien mit dem Extrakt SHR-5 fanden bei Gesunden unter Belastung bessere Werte in Leistungs- und Ermüdungstests, etwa bei 40 Studierenden in der Prüfungszeit und bei 56 jungen Ärztinnen und Ärzten im Nachtdienst. Mit einem zweiten Extrakt, WS 1375, gaben 101 Erwachsene mit Beschwerden durch Belastungen im Alltag nach vier Wochen deutlich weniger Beschwerden an, allerdings ohne Vergleichsgruppe. In einer Studie mit 80 leicht ängstlichen Erwachsenen berichteten die, die zwei Wochen lang einen Rosenwurz-Extrakt nahmen, über weniger Angst und Stress als die ohne Behandlung; ein Placebo gab es nicht. Eine systematische Übersicht (2011) hält eine Wirkung für möglich, vermisst aber unabhängige Wiederholungen. Das sind erste Hinweise, kein Nachweis.
Was dagegen spricht
Belegt ist ein Nutzen damit nicht, widerlegt aber auch nicht. Die EMA bemängelt, dass die kontrollierten Studien meist Gesunde mit nicht validierten Tests prüften. Die neueren Studien zu Stress und Erschöpfung hatten keine Placebogruppe, und ohne Vergleich mit Placebo lässt sich eine Besserung nicht sicher von Erwartung und natürlichem Verlauf trennen. Eine methodische Kritik schwedischer Pharmakologen (2009) fand in fast allen Studien, die einen Effekt melden, erhebliche statistische Mängel und verwies auf Studien höherer Qualität ohne signifikanten Effekt. In der Studie mit Ärztinnen und Ärzten im Nachtdienst zeigte sich die Verbesserung nur im ersten der beiden Behandlungsabschnitte.
Die Angabe, ein Rosenwurz-Extrakt trage zur Verringerung von Müdigkeit in Stresssituationen bei, hat die EU 2013 für Lebensmittel abgelehnt: Die eingereichten Studien prüften einen anders eingestellten Extrakt, sodass die EFSA daraus nichts ableiten konnte. Auch diese Ablehnung bedeutet, dass ein Nutzen nicht nachgewiesen ist, nicht, dass Studien dagegen sprechen. Die jüngste systematische Übersicht (2026) bewertet die Studien insgesamt positiv; unter ihren fünf Studien zu Rosenwurz sind aber eine Untersuchung zu Leberenzymen und eine Studie ohne Placebo, und als Grenzen nennt sie selbst kleine Teilnehmerzahlen, kurze Studiendauern und sehr unterschiedliche Studien.
Quellen: Quelle 1, Quelle 2, Quelle 4, Quelle 10, Quelle 11, Quelle 12, Quelle 13, Quelle 14, Quelle 15, Quelle 16, Quelle 17
Anwendung
Formen und Einnahme
- Trockenextrakt mit Ethanol (Arzneimittel)Auszug aus Wurzelstock und Wurzeln mit 67 bis 70 Prozent Ethanol (Volumenprozent), Verhältnis von Droge zu Extrakt 1,5 bis 5 zu 1, als Tablette oder in anderer fester Form zum Einnehmen. Die EU-Monographie beschreibt nur diese Zubereitung, und zwar als traditionelles pflanzliches Arzneimittel. In Deutschland sind solche Extrakte seit 2014 als traditionelle Arzneimittel registriert; in Schweden war ein zweistufig mit Ethanol und Wasser gewonnener Extrakt (SHR-5) schon seit 1987 im Handel. Die meisten Studien, die hier genannt werden, prüften SHR-5 oder den Extrakt WS 1375, der mit 60 Massenprozent Ethanol gewonnen wird, das entspricht etwa 68 Volumenprozent.
- NahrungsergänzungsmittelKapseln oder Tabletten mit Wurzelpulver oder Extrakt. Für sie gelten nicht die Qualitätsvorgaben für Arzneimittel. In einer Laboruntersuchung von rund 40 Produkten aus dem europäischen Handel enthielt etwa jedes fünfte kein Rosavin, und die meisten übrigen enthielten weniger davon als die registrierten Arzneimittel, vermutlich weil andere Rhodiola-Arten beigemischt waren.
- Andere Rhodiola-ArtenVerwandte Arten wie die in der chinesischen Medizin genutzte Rhodiola crenulata enthalten mehr Salidrosid, aber keine oder kaum Rosavine. Sie werden als Ersatz verwendet oder untergemischt, oft ohne Kennzeichnung. Die EU-Monographie gilt nur für Rhodiola rosea, und Studienergebnisse lassen sich nicht von einer Art auf die andere übertragen.
- Tee, Tinktur und FlüssigextraktIn der früheren Sowjetunion waren ein Tee und ein Auszug mit 40 Prozent Ethanol gebräuchlich. Eine heutige arzneiliche Verwendung solcher Zubereitungen fand die EMA in der EU nicht, und die Monographie beschreibt sie nicht. Als Lebensmittel gilt die Wurzel in der EU nur in Nahrungsergänzungsmitteln als nicht neuartig; ein Tee könnte als neuartiges Lebensmittel gelten und bräuchte dann eine Zulassung.
- KombinationenEs gibt Präparate, die Rosenwurz mit Vitaminen, Mineralstoffen oder anderen Pflanzen wie Taigawurzel und Schisandra mischen. Ein Studienergebnis gilt dann nur für die geprüfte Mischung und lässt sich nicht auf Rosenwurz allein übertragen, und umgekehrt.
Die EU-Monographie sieht die Trockenextrakte für Erwachsene vor, ein- bis zweimal täglich zum Einnehmen; die Mengen stehen in der Dosis-Übersicht, maßgeblich ist die Angabe des jeweiligen Arzneimittels. Halten die Beschwerden unter der Einnahme länger als zwei Wochen an oder werden sie stärker, lass das ärztlich oder in der Apotheke abklären.
In einigen Studien wurde der Extrakt in der ersten Tageshälfte eingenommen, etwa vor dem Frühstück und vor dem Mittagessen. Unter den gemeldeten Nebenwirkungen finden sich Nervosität und Schlaflosigkeit. Nahrungsergänzungsmittel unterscheiden sich stark in Extrakt und Menge; ihre Angaben lassen sich nicht ohne Weiteres mit denen der Arzneimittel vergleichen.
Dosis-Übersicht
| Grundlage | Menge | Einordnung |
|---|---|---|
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 144–400 mg pro Tag | Erwachsene und Ältere · Trockenextrakt aus Wurzelstock und Wurzeln (Droge-Extrakt-Verhältnis 1,5 bis 5 zu 1, Auszugsmittel Ethanol 67 bis 70 Prozent V/V) in fester Form zum Einnehmen; traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie, die allein auf langer Verwendung beruht. Eine Einzelgabe enthält 144 bis 200 mg, ein- bis zweimal täglich. Halten die Beschwerden länger als zwei Wochen an, sieht die Monographie eine ärztliche Abklärung vor. Nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, nicht in Schwangerschaft und Stillzeit. Quelle: Quelle 1 |
| In Studien genutztSpanne aus ausgewerteten Studien | 400 mg pro Tag | Erwachsene mit Stressbeschwerden, leichter Ängstlichkeit, anhaltender Müdigkeit oder Burnout-Beschwerden · Trockenextrakt mit 60 Massenprozent Ethanol (Droge-Extrakt-Verhältnis 1,5 bis 5 zu 1), in drei der vier Studien ausdrücklich der Extrakt WS 1375, zweimal täglich 200 mg über zwei bis zwölf Wochen. Drei dieser Studien hatten keine Kontrollgruppe, die vierte verglich mit Teilnehmenden ohne Behandlung statt mit Placebo. Die Menge entspricht der höchsten Tagesmenge der EU-Monographie.
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| In Studien genutztSpanne aus ausgewerteten Studien | 100–576 mg pro Tag | Gesunde Erwachsene unter Belastung und Erwachsene mit stressbedingter Erschöpfung · Extrakt SHR-5, zweistufig mit 70 Prozent Ethanol und Wasser gewonnen, in placebokontrollierten Studien: 100 mg täglich über 20 Tage bei Studierenden in der Prüfungszeit, 170 mg täglich über zwei Wochen bei Ärztinnen und Ärzten im Nachtdienst, 576 mg täglich über 28 Tage bei stressbedingter Erschöpfung. Eine weitere Studie gab Kadetten einmalig 370 oder 555 mg und fand keinen Unterschied zwischen den beiden Mengen; eine beste Dosis lässt sich daraus nicht ableiten.
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Keine persönliche Dosisempfehlung. Sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke, besonders wenn du Medikamente nimmst.
Risiken
Nebenwirkungen
Die EU-Monographie nennt Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall sowie Hautausschlag und Juckreiz; wie häufig sie auftreten, ist nicht bekannt. In die Monographie kamen sie erst mit der Überarbeitung von 2024; die EMA stützte sich dabei auf Studien, auf Meldungen in der europäischen Datenbank für Verdachtsfälle und auf die Fachinformationen registrierter Arzneimittel. In Studien und in Meldungen an die europäische Datenbank für Verdachtsfälle ging es vor allem um das Nervensystem, etwa Kopfschmerzen, Nervosität, Schlaflosigkeit und Schwindel, und um den Magen-Darm-Trakt, etwa Übelkeit und Erbrechen; in einer kleinen Studie mit Menschen mit generalisierter Angststörung waren Schwindel und Mundtrockenheit am häufigsten. Besondere Sicherheitsbedenken sieht die EMA nicht. Treten andere Beschwerden auf, lass sie ärztlich abklären oder frag in der Apotheke nach.
Wechselwirkungen
- Antidepressiva wie Paroxetin, Sertralin oder Duloxetin und andere PsychopharmakaMittel
Die EU-Monographie hält fest, dass keine klinisch bedeutsamen Wechselwirkungen beobachtet wurden. Es gibt aber einzelne Verdachtsfälle. Eine Frau, die wegen einer Depression Paroxetin nahm, bekam etwa zwei Wochen nach Beginn einer zusätzlichen Einnahme von Rosenwurz Unruhe, Zittern und vegetative Beschwerden, die die Autoren des Fallberichts als Serotoninsyndrom deuteten. In der europäischen Datenbank für Verdachtsfälle liegen Einzelmeldungen zu Rosenwurz zusammen mit Sertralin, Paroxetin, Duloxetin und Amitriptylin vor, und eine Auswertung von 147 Fällen, in denen die Autoren ein Pflanzenpräparat für wahrscheinlich oder sicher beteiligt hielten, nennt Rosenwurz neben Antidepressiva, Neuroleptika und Beruhigungsmitteln. Zubereitung und Menge sind dort meist nicht angegeben. Die EMA schließt daraus keine klinisch bedeutsame Wechselwirkung: Aus der Anwendung nach der Zulassung sind ihr keine bedeutsamen Wechselwirkungen gemeldet worden. In Laborversuchen hemmen Rosenwurz-Extrakte die Monoaminoxidasen, die Botenstoffe wie Serotonin abbauen; ob das beim Menschen eine Rolle spielt, ist offen. Wegen dieser Einzelfälle steht hier vorsichtshalber „mittel“: Wer Psychopharmaka nimmt, bespricht Rosenwurz vorher ärztlich.
Quellen: Quelle 1, Quelle 2, Quelle 18, Quelle 19, Quelle 20
- Arzneimittel mit enger therapeutischer Breite, die über das Leberenzym CYP2C9 abgebaut werden, etwa Warfarin oder PhenytoinGering
In einer Studie mit 13 Gesunden senkte eine zweiwöchige Einnahme von 290 mg des Extrakts SHR-5 täglich die Aktivität des Enzyms CYP2C9 um etwa ein Fünftel; CYP1A2, CYP2C19, CYP2D6 und CYP3A4 veränderten sich nicht. Die Autoren halten das bei Mitteln wie Warfarin oder Phenytoin für möglicherweise bedeutsam. Die EMA hält die klinische Bedeutung für unklar, kennt aus der Anwendung nach der Zulassung keine Meldungen dazu und sieht nach heutigem Wissen kein Risiko; in einem Tierversuch veränderte Rosenwurz weder die Aufnahme und den Abbau von Warfarin noch dessen gerinnungshemmende Wirkung. Deshalb steht hier „gering“. Wer solche Mittel nimmt, bespricht Rosenwurz vorher ärztlich.
Wer es nicht nehmen sollte
Nicht bei Überempfindlichkeit gegen Rosenwurz. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren empfiehlt die EU-Monographie Rosenwurz nicht, weil Daten zur Sicherheit fehlen. In Schwangerschaft und Stillzeit wird von der Einnahme abgeraten, weil ihre Sicherheit nicht belegt ist; zur Fruchtbarkeit gibt es keine Daten, und Untersuchungen auf Schäden an Erbgut und Fortpflanzung liegen nicht vor. Ob Rosenwurz die Fahrtüchtigkeit beeinflusst, wurde nicht untersucht.
Anhaltende Erschöpfung, Niedergeschlagenheit oder Antriebslosigkeit können Zeichen einer Depression oder einer anderen Erkrankung sein und gehören ärztlich abgeklärt. Für die Behandlung von Depressionen unterstützt eine internationale Leitlinie psychiatrischer Fachgesellschaften (2022) Rosenwurz nicht.
Überdosierung
Eine Überdosierung ist nach der EU-Monographie nicht beschrieben. Aus Studien mit Tagesmengen von 100 bis 1800 mg leitete das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR, 2012) keine Gefahr ab, hält die Daten aber für lückenhaft, weil Untersuchungen zur Giftigkeit bei längerer Einnahme, zur Fortpflanzung und zum Erbgut fehlen. Die Wurzel enthält Lotaustralin, einen Stoff, aus dem Blausäure frei werden kann. Nach einer Überschlagsrechnung des BfR wären selbst 17 g rohe Wurzel für einen Erwachsenen akut unbedenklich; Messwerte für Extrakte lagen dem BfR nicht vor.
Nächster Schritt
Bevor du etwas einnimmst: Lass dich beraten, zum Beispiel in deiner Hausarztpraxis oder deiner Apotheke. Bring vorhandene Laborwerte mit, und sag, welche Medikamente du nimmst.
Mehr zu den Themen findest du oben unter Wofür und in der Themenübersicht.
Quellen
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