Spiritualität
Metta-Meditation (liebende Güte)
Kurz erklärt
Metta-Meditation, auch Meditation der liebenden Güte genannt, kommt aus der buddhistischen Überlieferung. Mettā ist ein Wort der Sprache Pali und meint Güte oder Wohlwollen. Geübt wird, still Gutes zu wünschen, meist der Reihe nach: sich selbst, nahestehenden Menschen, Fremden und schließlich allen Wesen.
Im Pali-Kanon beschreibt die Lehrrede über die Liebe (Mettasutta, Suttanipāta 1.8) diese Haltung: Man wünscht allen Wesen, dass sie glücklich und in Sicherheit sein mögen, schwachen und starken, nahen und fernen, sichtbaren und unsichtbaren. Heute wird die Übung auch außerhalb des Buddhismus in Kursen und Programmen angeboten, oft zusammen mit Achtsamkeits- oder Mitgefühlsübungen. Studien finden vor allem mehr positive Gefühle und weniger Belastung als ohne Übung; gegenüber anderen aktiven Angeboten schneidet sie meist nicht besser ab. Bei einer seelischen Erkrankung ersetzt sie keine Behandlung.
Wie es wirken soll
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
Im Pali-Kanon ist die Güte eine Haltung, die man bewusst entfaltet. Die Lehrrede über die Liebe (Suttanipāta 1.8) beschreibt zuerst, wie jemand leben soll, der den Weg zum Frieden gehen will: aufrichtig, sanft, genügsam und ohne Stolz. Dann folgt der Wunsch, alle Wesen mögen glücklich und in Sicherheit sein, große und kleine, nahe und ferne, geborene und werdende. Keiner soll den anderen täuschen, verachten oder ihm aus Ärger Leid wünschen. Der Buddha vergleicht die Haltung mit einer Mutter, die ihr einziges Kind mit dem eigenen Leben schützt. In der Übersetzung von Karl Eugen Neumann (erstmals 1905) heißt es: „Wie die Mutter ihres Leibes eigne Frucht, / Mit dem Leben schützen mag ihr einzig Kind: / Also mag man alles was geworden ist / Unbegränzbar einbegreifen in der Brust.“ Geübt wird diese Haltung nach der Lehrrede im Stehen, Gehen, Sitzen und Liegen, solange man wach ist; die Überlieferung nennt sie ein göttliches Verweilen (brahmavihāra).
Eine andere kurze Lehrrede (Aṅguttara Nikāya 11.15) zählt elf Vorteile auf, die diese Überlieferung der gründlich geübten Güte zuschreibt: gut schlafen, froh aufwachen, keine bösen Träume, bei Menschen und anderen Wesen beliebt sein, Schutz durch Gottheiten und vor Feuer, Gift und Waffen, ein schnell gesammelter Geist, ein klares Gesicht, ein Tod ohne Verwirrung und eine Wiedergeburt in der Brahma-Welt. Das ist die Verheißung der Tradition, keine Untersuchung ihrer Wirkung.
Was Studien finden: Eine Metaanalyse von 23 randomisierten Studien fand mit Programmen der liebenden Güte mehr Achtsamkeit, Mitgefühl und positive Gefühle und weniger negative Gefühle und seelische Beschwerden als ohne Angebot; gegenüber aktiven Vergleichsangeboten und anderen bewährten Verfahren waren die Unterschiede nicht bedeutsam. Eine Metaanalyse von 24 Studien fand mittlere Effekte auf positive Gefühle im Alltag, eine weitere von 26 randomisierten Studien kleine bis mittlere Effekte auf Mitgefühl und hilfsbereites Verhalten. Auf die Lebenszufriedenheit zeigte sich in randomisierten Studien kein bedeutsamer Effekt. Wie die Übung wirkt, ist offen; als mögliche Wege nennen die Studien Selbstmitgefühl und positive Gefühle.
Quellen: Quelle 1, Quelle 2, Quelle 3, Quelle 4, Quelle 5, Quelle 6
Wofür
Burnout
- Erste Hinweise
Begleitend gibt es erste Hinweise. Eine Metaanalyse von 21 Studien mit Beschäftigten fand mit Metta- und Mitgefühlsmeditation in zehn Studien weniger Burnout, dazu mehr Selbstmitgefühl und seelische Gesundheit; die Effekte waren klein bis mittel. Bei anhaltender Erschöpfung gehört die Ursache ärztlich abgeklärt, und die Übung ersetzt keine Behandlung.
Was dagegen spricht
Ob die Wirkung anhält, ist nach den Autorinnen und Autoren noch offen. Untersucht wurden Beschäftigte, nicht Menschen in Behandlung wegen eines Burnouts.
Quelle: Quelle 7
Gesunder Schlaf
- Traditionell genutzt
Im Pali-Kanon zählt eine kurze Lehrrede (Aṅguttara Nikāya 11.15) elf Vorteile auf, die diese Überlieferung der gründlich geübten Güte zuschreibt. Die ersten drei betreffen den Schlaf: gut schlafen, froh aufwachen, keine bösen Träume. Das ist die Verheißung der Tradition, keine Untersuchung ihrer Wirkung.
Quelle: Quelle 2
Rückenschmerzen
- Erste Hinweise
Bei chronischen Kreuzschmerzen liegt eine kleine Pilotstudie vor. Darin verglichen 43 Betroffene ein achtwöchiges Programm der liebenden Güte mit üblicher Versorgung: In der Metta-Gruppe besserten sich Schmerzen und seelische Belastung, in der Vergleichsgruppe nicht. An Tagen mit mehr Übung waren die Schmerzen geringer.
Was dagegen spricht
Eine einzelne kleine Pilotstudie ohne aktive Vergleichsgruppe, deren Ergebnisse die Autorinnen und Autoren selbst vorläufig nennen. Bewegung und die Behandlung nach Leitlinie stehen auf der Themenseite.
Quelle: Quelle 8
Stress im Alltag
- Erste Hinweise
Bei Stress gibt es erste Hinweise für Metta-Meditation, die Übung, bei der man sich selbst und anderen still Güte wünscht. Eine Metaanalyse von 21 Studien mit Beschäftigten fand mit Metta- und Mitgefühlsmeditation weniger Stress und weniger Burnout, mit Effekten im kleinen bis mittleren Bereich. Eine Metaanalyse von 23 randomisierten Studien fand weniger negative Gefühle und seelische Beschwerden als ohne Angebot.
Was dagegen spricht
Gegenüber aktiven Vergleichsangeboten und anderen bewährten Verfahren waren die Unterschiede nicht bedeutsam. In der Metaanalyse zum Arbeitsplatz ist nach den Autorinnen und Autoren noch offen, ob die Wirkung anhält.
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Risiken
Metta-Meditation gilt als sanfte Übung, ist aber nicht für alle angenehm. Nach einem systematischen Review kann es manchen Menschen anfangs schwerfallen, sich selbst oder anderen bewusst Güte zu wünschen. Für Meditation allgemein fand eine systematische Übersicht über 83 Studien bei gut 8 von 100 Meditierenden unerwünschte Ereignisse, am häufigsten Angst, depressive Beschwerden und Veränderungen von Denken und Wahrnehmung, auch bei Menschen ohne frühere psychische Probleme. Wühlt dich eine Übung stark auf, unterbrich sie und hol dir fachliche Unterstützung.
Hast du eine schwere psychische Erkrankung oder starke Folgen eines Traumas, sprich vor einem Kurs mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder einer psychotherapeutischen Praxis. Bei einer Depression oder Angststörung ersetzt die Übung keine Behandlung. Bei Gedanken, dir etwas anzutun, erreichst du die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111, im Notfall rufst du die 112.
Häufige Fragen
Wie geht Metta-Meditation?
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
Du wünschst still Gutes, meist in einer festen Reihenfolge: zuerst dir selbst, dann nahestehenden Menschen, dann Fremden und schließlich allen Wesen. So beschreiben es die Studien zu Programmen der liebenden Güte. Die Lehrrede über die Liebe im Pali-Kanon (Suttanipāta 1.8) formuliert den Wunsch, alle Wesen mögen glücklich und in Sicherheit sein, nahe wie ferne, und nach der Lehrrede wird die Haltung im Stehen, Gehen, Sitzen und Liegen geübt, nicht nur im Sitzen. Programme in Studien reichen von einzelnen Übungen bis zu mehrwöchigen Kursen; ihre Länge änderte die Ergebnisse nicht.
Was bringt Metta-Meditation?
- Erste Hinweise
In Studien vor allem mehr positive Gefühle und Mitgefühl, belegt ist das bisher vorläufig. Eine Metaanalyse von 23 randomisierten Studien fand mit Programmen der liebenden Güte mehr Achtsamkeit, Mitgefühl und positive Gefühle und weniger negative Gefühle und seelische Beschwerden als ohne Angebot. Gegenüber aktiven Vergleichsangeboten waren die Unterschiede aber nicht bedeutsam. Ein älterer Review bewertete die Qualität der Studien als gering bis mäßig, und auf die Lebenszufriedenheit zeigte sich in randomisierten Studien kein bedeutsamer Effekt.
Hilft Metta-Meditation bei Stress?
- Erste Hinweise
Es gibt erste Hinweise. Eine Metaanalyse von 21 Studien mit Beschäftigten fand mit Metta- und Mitgefühlsmeditation weniger Stress und weniger Burnout, die Effekte lagen im kleinen bis mittleren Bereich. Ob die Wirkung anhält, ist nach den Autorinnen und Autoren noch offen. Eine größere Metaanalyse randomisierter Studien fand weniger seelische Belastung als ohne Angebot, aber keinen Vorteil gegenüber anderen aktiven Angeboten. Was bei Stress sonst entlastet, steht auf der Themenseite „Stress im Alltag“.
Hilft Metta-Meditation beim Schlafen?
- Traditionell genutzt
Das verspricht die buddhistische Überlieferung, untersucht ist es kaum. Im Pali-Kanon zählt eine kurze Lehrrede (Aṅguttara Nikāya 11.15) elf Vorteile der gründlich geübten Güte auf, und die ersten drei betreffen den Schlaf: gut schlafen, froh aufwachen, keine bösen Träume. Das ist die Sicht der Tradition. Die Übersichtsarbeiten zur liebenden Güte werten Gefühle, Mitgefühl und Belastung aus, nicht den Schlaf. Bei anhaltenden Schlafproblemen helfen die Seiten zum gesunden Schlaf und zu chronischen Schlafstörungen weiter.
Kann Metta-Meditation auch schaden?
- Erste Hinweise
Meist ist sie gut verträglich, aber nicht für alle angenehm. Nach einem systematischen Review kann die Übung für manche Menschen anfangs herausfordernd sein. Für Meditation allgemein fand eine Übersicht über 83 Studien bei gut 8 von 100 Meditierenden unerwünschte Ereignisse, am häufigsten Angst und depressive Beschwerden, auch bei Menschen ohne frühere psychische Probleme. Wühlt dich eine Übung stark auf, unterbrich sie. Bei einer schweren psychischen Erkrankung oder Traumafolgen sprich vorher mit deiner Praxis; eine Behandlung ersetzt die Übung nicht.
Ähnliche Methoden
Zu denselben Themen.
Quellen
Alle 10 Quellen anzeigen
- Karl Eugen Neumann (Übersetzer). Liebe (Mettasutta, Suttanipāta 1.8), in: Karl Eugen Neumann, Die Reden Gotamo Buddhos aus der Sammlung der Bruchstücke Suttanipāto des Pāli-Kanons. Erste Ausgabe Leipzig: Barth 1905; Digitalisat der zweiten unveränderten Auflage, München: R. Piper & Co. 1911, 1905BuchZur Quelle
- Sabbamitta (Übersetzerin). Die Vorteile der Liebe (Mettāsutta, Aṅguttara Nikāya 11.15), deutsche Übersetzung von Sabbamitta. SuttaCentral, 2019WebsiteZur Quelle
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- Gu X, Luo W, Zhao X, Chen Y, Zheng Y, Zhou J, et al.. The effects of loving-kindness and compassion meditation on life satisfaction: A systematic review and meta-analysis.. Applied psychology. Health and well-being, 2022MetaanalyseDOI 10.1111/aphw.12367PubMed 35532366
- Wang R, Gu X, Zhang Y, Luo K, Zeng X. Loving-kindness and compassion meditations in the workplace: A meta-analysis and future prospects.. Stress and health : journal of the International Society for the Investigation of Stress, 2024MetaanalyseDOI 10.1002/smi.3273PubMed 37221984
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- Farias M, Maraldi E, Wallenkampf KC, Lucchetti G. Adverse events in meditation practices and meditation-based therapies: a systematic review.. Acta psychiatrica Scandinavica, 2020Systematischer ReviewDOI 10.1111/acps.13225PubMed 32820538
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