Arzneistoff
Acetylcystein
Auch bekannt als: N-Acetylcystein, NAC, Schleimlöser, Mukolytikum
Kurz erklärt
Acetylcystein ist ein Arzneistoff, der zähen Schleim in den Atemwegen verflüssigen soll, ein sogenannter Schleimlöser. Nach den Packungsbeilagen wird er zur Schleimlösung und zum leichteren Abhusten bei Atemwegserkrankungen mit zähem Schleim eingesetzt, für Erwachsene und Kinder ab 2 Jahren.
Zum Einnehmen bei akuten Erkältungskrankheiten ist Acetylcystein in Deutschland nicht verschreibungspflichtig. Wie gut es dabei wirkt, ist nicht gut belegt: Die hausärztliche Leitlinie zu Husten sieht keine ausreichenden Belege und empfiehlt Schleimlöser bei akutem Husten nicht. Ein Cochrane-Review zu Acetylcystein und dem verwandten Carbocystein fand bei Kindern einen kleinen Nutzen, der im Alltag kaum spürbar ist.
Kindern unter 2 Jahren darf Acetylcystein nicht gegeben werden. Wirst du nach 4 bis 5 Tagen nicht besser oder fühlst du dich schlechter, gehst du zur Ärztin oder zum Arzt. Diese Seite fasst die Packungsbeilagen zusammen und ersetzt nicht die Beilage des eigenen Präparats.
Acetylcystein ist ein Arzneistoff in zugelassenen Arzneimitteln. Zum Einnehmen bei akuten Erkältungskrankheiten ist es in Deutschland nicht verschreibungspflichtig und in der Apotheke ohne Rezept zu bekommen; für alle anderen Anwendungen, etwa als Infusion, verschreibt es die Praxis.
Wofür
Erkältung
- Erste Hinweise
Zum Einnehmen bei akuten Erkältungskrankheiten ist Acetylcystein in Deutschland rezeptfrei. Nach den Packungsbeilagen soll es zähen Schleim in den Atemwegen lösen und das Abhusten erleichtern. Wer nach 4 bis 5 Tagen nicht besser ist, geht zur Ärztin oder zum Arzt.
Was dagegen spricht
Nach der hausärztlichen S3-Leitlinie gibt es keine ausreichenden Belege, dass Schleimlöser bei Erkältungen und akutem Husten helfen; sie empfiehlt sie nicht. Auf Schnupfen, Halsweh oder Fieber zielt Acetylcystein nicht. Kinder unter 2 Jahren dürfen es nicht bekommen.
Husten
- Erste Hinweise
Schleimlösung und leichteres Abhusten bei Atemwegserkrankungen mit zähem Schleim sind das zugelassene Anwendungsgebiet von Acetylcystein, für Erwachsene und Kinder ab 2 Jahren. Ein Cochrane-Review zu Acetylcystein und dem verwandten Carbocystein fand bei Kindern mit akuten Atemwegsinfekten etwas weniger Husten nach sieben Tagen.
Was dagegen spricht
Die hausärztliche S3-Leitlinie sieht keine ausreichenden Belege für Schleimlöser bei akutem Husten und empfiehlt sie dafür nicht. Der Nutzen im Cochrane-Review war klein, kaum spürbar und beruht auf wenigen Studien fraglicher Qualität. Kinder unter 2 Jahren dürfen Acetylcystein nicht bekommen, und mit einem Hustenstiller kann sich gefährlich viel Schleim stauen.
Anwendung
Formen und Einnahme
- Brausetablette mit 600 mgNur für Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren, wegen des hohen Wirkstoffgehalts nicht für jüngere Kinder. Die Tablette löst du in einem Glas Trinkwasser auf; sie kann in gleiche Hälften geteilt werden. Nach der Packungsbeilage enthält eine Tablette 138,8 mg Natrium, dazu Milchzucker (Lactose) und Sorbitol; bei einer Unverträglichkeit bestimmter Zucker sprichst du vorher mit der Praxis.
- Saft (Lösung zum Einnehmen) mit 20 mg je mlFür Kinder ab 2 Jahren, Jugendliche und Erwachsene. Abgemessen wird mit der beiliegenden Spritze oder dem Messbecher; 10 ml entsprechen nach der Packungsbeilage 200 mg Acetylcystein. Der Saft enthält unter anderem Natriumbenzoat, Propylenglycol und Methyl-4-hydroxybenzoat, das Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen kann, auch verzögert.
Nach den Packungsbeilagen nimmst du Acetylcystein nach den Mahlzeiten. Die Brausetablette löst du in einem Glas Trinkwasser auf und trinkst das Glas ganz aus. Den Saft kannst du einem Kind direkt aus der Spritze in den Mund geben, langsam gegen die Innenseite der Wange und im aufrechten Sitzen, damit es sich nicht verschluckt, oder auf einen Löffel.
Verschlimmern sich die Beschwerden oder bessern sie sich nach 4 bis 5 Tagen nicht, gehst du zur Ärztin oder zum Arzt. Hast du eine Einnahme vergessen, machst du beim nächsten Mal wie gewohnt weiter und nimmst nicht die doppelte Menge. Andere Arzneimittel löst du nicht gleichzeitig mit der Brausetablette auf oder im Saft.
Gerade zu Beginn kann sich der Schleim verflüssigen und dadurch mehr werden. Kannst du ihn nicht ausreichend abhusten, sprichst du mit der Praxis. Ein leichter Geruch nach faulen Eiern (Schwefelwasserstoff) entsteht nach den Beilagen beim normalen Altern des Präparats und ist bis zum Verfallsdatum unbedenklich.
Dosis-Übersicht
| Grundlage | Menge | Einordnung |
|---|---|---|
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 600 mg pro Tag | |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 400 mg pro Tag | |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 200–300 mg pro Tag | Kinder von 2 bis 5 Jahren, nur als Saft · Nach der Packungsbeilage des Safts zwei- bis dreimal am Tag je 5 ml, zusammen 200 bis 300 mg, abgemessen mit der beiliegenden Spritze. Kinder unter 2 Jahren bekommen kein Acetylcystein. Quelle: Quelle 4 |
Keine persönliche Dosisempfehlung. Sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke, besonders wenn du Medikamente nimmst.
Risiken
Nebenwirkungen
Gelegentlich, also bei bis zu einer von hundert Personen, sind nach den Packungsbeilagen Überempfindlichkeitsreaktionen, Kopfschmerzen, Ohrgeräusche, Herzrasen, Erbrechen, Durchfall, Entzündungen der Mundschleimhaut, Bauchschmerzen, Übelkeit, beim Saft auch Sodbrennen, allergische Hautreaktionen wie Quaddeln, Juckreiz, Ausschlag und Schwellungen, Fieber und ein niedriger Blutdruck. Selten sind Atemnot und Verkrampfungen der Bronchien, vor allem bei Asthma, sowie Verdauungsstörungen. Sehr selten sind Überempfindlichkeitsreaktionen bis zum Schock und Blutungen; ohne bekannte Häufigkeit Wasseransammlungen im Gesicht. Studien zeigten, dass sich Blutplättchen unter Acetylcystein weniger zusammenballen; was das bedeutet, ist nach den Beilagen unklar.
Sehr selten wurden schwere Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, Lyell-Syndrom) berichtet, meist zusammen mit weiteren Arzneimitteln. Treten neue Veränderungen an Haut oder Schleimhäuten auf, beendest du die Einnahme nach den Beilagen und holst sofort ärztlichen Rat ein. Bei ersten Zeichen einer Überempfindlichkeit nimmst du Acetylcystein nicht noch einmal. Bei Atemnot, Schwellung im Rachen oder Kreislaufproblemen rufst du sofort den Notruf 112.
Wechselwirkungen
- Hustenstiller (Antitussiva)Schwer
Ein Hustenstiller dämpft den Hustenreflex, während Acetylcystein den Schleim verflüssigt. Nach den Packungsbeilagen kann sich dabei gefährlich viel Schleim in den Atemwegen stauen. Vor einer gemeinsamen Einnahme fragst du deshalb unbedingt die Ärztin oder den Arzt.
- Glyceroltrinitrat (Nitroglycerin)Schwer
Acetylcystein kann nach den Packungsbeilagen die gefäßerweiternde Wirkung von Nitroglycerin verstärken. Hält die Praxis beides für nötig, achtet sie auf einen Blutdruckabfall, der schwer sein und sich durch Kopfschmerzen ankündigen kann.
- Antibiotika (Tetracycline, Aminoglykoside, Penicilline)Mittel
Laborversuche deuten nach den Packungsbeilagen darauf hin, dass Acetylcystein diese Antibiotika abschwächen kann. Deshalb nimmst du sie getrennt und mit mindestens 2 Stunden Abstand. Für Cefixim und Loracarbef gilt das nach den Beilagen nicht.
- CarbamazepinMittel
Zusammen mit Acetylcystein kann der Spiegel von Carbamazepin im Blut sinken und seine Wirkung nachlassen, so die Packungsbeilagen. Sag der Praxis, dass du beides nimmst.
- AktivkohleGering
Aktivkohle kann nach den Packungsbeilagen die Wirkung von Acetylcystein verringern.
- Laboruntersuchungen (Salicylate im Blut, Ketonkörper im Urin)Gering
Acetylcystein kann nach den Packungsbeilagen die Messung von Salicylaten und von Ketonkörpern im Urin verfälschen. Sag bei einer Untersuchung, dass du es nimmst.
Wer es nicht nehmen sollte
Nach den Packungsbeilagen darf Acetylcystein nicht genommen werden bei einer Allergie gegen Acetylcystein oder einen anderen Bestandteil und nicht von Kindern unter 2 Jahren: Schleimlöser können bei ihnen wegen der engen Atemwege und weil sie Schleim kaum abhusten können, die Atemwege verlegen. Brausetabletten mit 600 mg sind erst ab 14 Jahren gedacht.
Frag vorher in der Praxis oder Apotheke, wenn du Asthma hast, wenn du ein Magen- oder Darmgeschwür hattest oder hast, vor allem zusammen mit Mitteln, die die Magenschleimhaut reizen, und wenn du Schleim schlecht abhusten kannst. Bei einer Histaminintoleranz sollte Acetylcystein nach den Beilagen nicht länger genommen werden, weil es Beschwerden wie Kopfschmerzen, Fließschnupfen oder Juckreiz auslösen kann.
Schwangerschaft und Stillzeit: Mit Schwangeren gibt es nach den Beilagen nicht genug Erfahrung, und ob Acetylcystein in die Muttermilch übergeht, ist nicht bekannt. In beiden Fällen wird es nur genommen, wenn die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt es für unbedingt nötig hält.
Auf das Autofahren und das Bedienen von Maschinen hat Acetylcystein nach den Beilagen keinen oder kaum einen Einfluss.
Überdosierung
Bei zu viel Acetylcystein können nach den Packungsbeilagen Magen und Darm gereizt werden, etwa mit Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. Schwere Nebenwirkungen oder Vergiftungszeichen wurden nach den Beilagen bisher auch nach sehr großen Mengen nicht beobachtet. Wer meint, zu viel genommen zu haben, sagt trotzdem der Ärztin oder dem Arzt Bescheid.
Häufige Fragen
Hilft Acetylcystein wirklich gegen Husten?
- Erste Hinweise
Das ist nicht gut belegt. Die hausärztliche S3-Leitlinie zu Husten findet für Schleimlöser bei akutem Husten und Erkältungen keine ausreichenden Belege und empfiehlt sie dafür nicht; für Acetylcystein gibt es eine Einzelstudie, aber keine überzeugenden Übersichtsarbeiten. Ein Cochrane-Review zu Acetylcystein und dem verwandten Carbocystein mit sechs Studien bei Kindern fand etwas weniger Husten nach sieben Tagen, der Unterschied war im Alltag aber kaum bedeutsam und die Studien von fraglicher Qualität. Akuter Husten klingt meist von selbst ab.
Wie lange darf man Acetylcystein nehmen?
- Gut belegt
Ohne ärztlichen Rat nur kurz: Verschlimmern sich die Beschwerden oder bessern sie sich nach 4 bis 5 Tagen nicht, gehst du nach den Packungsbeilagen zur Ärztin oder zum Arzt. Rezeptfrei ist Acetylcystein nur zum Einnehmen bei akuten Erkältungskrankheiten. Bei einer Histaminintoleranz sollte es nach den Beilagen nicht länger genommen werden. Eine längere Behandlung, etwa bei einer chronischen Lungenerkrankung, legt die Praxis fest.
Darf man Acetylcystein und einen Hustenstiller zusammen nehmen?
- Gut belegt
Nicht ohne ärztlichen Rat. Ein Hustenstiller unterdrückt den Hustenreflex, Acetylcystein verflüssigt den Schleim. Nach den Packungsbeilagen kann sich dadurch gefährlich viel Schleim in den Atemwegen stauen, deshalb fragst du vor einer gemeinsamen Einnahme unbedingt die Ärztin oder den Arzt. Auch die hausärztliche Leitlinie rät davon ab, Schleimlöser und Hustenstiller zu kombinieren.
Ab welchem Alter dürfen Kinder Acetylcystein bekommen?
- Gut belegt
Ab 2 Jahren, und dann in einer Stärke für Kinder, etwa als Saft. Kinder unter 2 Jahren dürfen nach den Packungsbeilagen keine Schleimlöser bekommen, weil der gelöste Schleim ihre engen Atemwege verlegen kann. Ein Cochrane-Review nennt für diese Altersgruppe ernste Sicherheitsbedenken, darunter 59 Meldungen von Säuglingen mit paradox vermehrtem Schleim in den Bronchien. Kinder von 2 bis 5 Jahren bekommen nach der Beilage 200 bis 300 mg am Tag, Kinder von 6 bis 14 Jahren 400 mg. Brausetabletten mit 600 mg sind erst ab 14 Jahren gedacht.
Ist Acetylcystein rezeptfrei?
- Gut belegt
Zum Teil. Zum Einnehmen bei akuten Erkältungskrankheiten ist es in Deutschland nicht verschreibungspflichtig, für alle anderen Anwendungen schon. Dazu gehört die Infusion im Krankenhaus: Dort wird Acetylcystein nach der Fachinformation eines solchen Präparats als Gegenmittel bei einer Überdosis Paracetamol gegeben. Hast du zu viel Paracetamol genommen, rufst du den Notruf 112 oder einen Giftnotruf an.
Nächster Schritt
Bevor du etwas einnimmst: Lass dich beraten, zum Beispiel in deiner Hausarztpraxis oder deiner Apotheke. Bring vorhandene Laborwerte mit, und sag, welche Medikamente du nimmst.
Mehr zu den Themen findest du oben unter Wofür und in der Themenübersicht.
Ähnliche Wirkstoffe
Zu denselben Themen.
Quellen
Alle 6 Quellen anzeigen
- Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1: verschreibungspflichtige Stoffe (Eintrag Acetylcystein). 2026Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Gebrauchsinformation eines in Deutschland zugelassenen Acetylcystein-Präparats (Brausetabletten mit 600 mg, für Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren), Stand Juli 2023. Hexal AG, veröffentlicht im PatientenInfo-Service der Rote Liste Service GmbH, 2023SonstigesZur Quelle
- S3-Leitlinie Akuter und chronischer Husten (AWMF-Register 053-013, DEGAM-Leitlinie Nr. 11), Version 3.2. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), 2021LeitlinieZur Quelle
- Gebrauchsinformation eines in Deutschland zugelassenen Acetylcystein-Präparats (Lösung zum Einnehmen mit 20 mg je ml), Stand April 2023. Hexal AG, veröffentlicht im PatientenInfo-Service der Rote Liste Service GmbH, 2023SonstigesZur Quelle
- Chalumeau M, Duijvestijn YC. Acetylcysteine and carbocysteine for acute upper and lower respiratory tract infections in paediatric patients without chronic broncho-pulmonary disease.. The Cochrane database of systematic reviews, 2013Systematischer ReviewDOI 10.1002/14651858.cd003124.pub4PubMed 23728642
- Fachinformation (Produktresumé) eines in Schweden zugelassenen Acetylcystein-Konzentrats zur Herstellung einer Infusionslösung (200 mg je ml), erstmals zugelassen 2025. Läkemedelsverket (schwedische Arzneimittelbehörde), 2025Behörde / amtliche StelleZur Quelle
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