Arzneistoff
Acetylsalicylsäure (ASS)
Auch bekannt als: ASS
Kurz erklärt
Acetylsalicylsäure, kurz ASS, ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der nichtsteroidalen Entzündungshemmer (NSAR). Nach den Packungsbeilagen wirkt sie schmerzstillend, fiebersenkend und entzündungshemmend und hemmt außerdem das Verklumpen der Blutplättchen.
Daraus ergeben sich zwei ganz verschiedene Anwendungen. In höherer Stärke, etwa als Tablette mit 500 mg, wird ASS zur kurzzeitigen Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen und von Fieber eingesetzt. Niedrig dosiert, etwa als Tablette mit 100 mg, verschreibt oder empfiehlt die Praxis sie, um Blutgerinnseln vorzubeugen: nach einem Herzinfarkt, bei instabiler Angina pectoris, nach Eingriffen an Arterien und nach Vorboten eines Schlaganfalls. Diese niedrige Stärke ist nach ihrer Packungsbeilage zur Schmerzbehandlung nicht geeignet.
Die wichtigsten Risiken sind Blutungen, vor allem im Magen-Darm-Trakt, Überempfindlichkeit bis zum Asthmaanfall und bei Kindern mit Fieber das seltene Reye-Syndrom. Was diese Seite zusammenfasst, ersetzt nicht die Packungsbeilage des eigenen Präparats.
Acetylsalicylsäure ist ein Arzneistoff und nur als zugelassenes Arzneimittel erhältlich, nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel. In Deutschland gibt es Präparate in höherer Stärke zur kurzzeitigen Behandlung von Schmerzen und Fieber, deren Packungsbeilagen die Anwendung ohne ärztlichen Rat auf wenige Tage begrenzen, und niedrig dosierte Präparate zur Hemmung der Blutplättchen, deren Anwendung und Dauer die behandelnde Praxis festlegt.
Wofür
Erkältung
- Teilweise belegt
Fieber und leichte bis mäßig starke Schmerzen sind Anwendungsgebiete der höher dosierten ASS-Tablette, ohne ärztlichen Rat höchstens 3 Tage bei Fieber und 4 Tage bei Schmerzen. Ein Cochrane-Review zu entzündungshemmenden Schmerzmitteln, zu denen ASS gehört, fand bei Erkältung weniger Kopf-, Ohren-, Muskel- und Gelenkschmerzen. Die Erkältung dauerte damit aber nicht kürzer, und der Husten besserte sich nicht. Kinder und Jugendliche mit Fieber bekommen ASS nach der Packungsbeilage nur auf ärztliche Anweisung.
Was dagegen spricht
Die Studien waren wenige und unterschiedlich und prüften mehrere Mittel der Gruppe; auf die Atemwegsbeschwerden zeigte sich kein klarer Effekt.
Kopfschmerzen
- Erste Hinweise
Leichte bis mäßig starke Schmerzen gehören zu den Anwendungsgebieten der höher dosierten ASS-Tablette. Beim häufigen Spannungskopfschmerz fand ein Cochrane-Review von fünf Studien einen kleinen Vorteil gegenüber Placebo: Weniger Menschen brauchten ein weiteres Schmerzmittel, und mehr waren mit der Behandlung zufrieden. Unerwünschte Wirkungen waren nicht häufiger als unter Placebo. Die Packungsbeilage warnt: Wer Schmerzmittel dauerhaft nimmt, kann davon Kopfschmerzen bekommen.
Was dagegen spricht
Die Belege sind von niedriger bis sehr niedriger Qualität; zur Schmerzfreiheit nach zwei Stunden gab es keine Daten.
Migräne
- Gut belegt
Ein Cochrane-Review von 13 Studien mit über 4.000 Erwachsenen fand, dass eine Einzeldosis Acetylsalicylsäure eine Migräneattacke besser linderte als Placebo: Nach zwei Stunden war etwa eine von acht Behandelten mehr schmerzfrei, und eine von fünf mehr hatte deutlich weniger Kopfschmerz. Die Wirkung ähnelte der von Sumatriptan in niedriger Stärke. Zusammen mit einem Mittel gegen Übelkeit ließen Übelkeit und Erbrechen stärker nach. Unerwünschte Wirkungen waren meist leicht und vorübergehend. Wer häufig Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen nimmt, kann sie nach den Packungsbeilagen dadurch verschlimmern.
Was dagegen spricht
Völlig schmerzfrei wurde nur eine Minderheit; die Studien prüften einzelne Attacken, die Suche endete 2013.
Anwendung
Formen und Einnahme
- Tablette mit 500 mgZur kurzzeitigen Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen und von Fieber. Die Tablette hat eine Bruchkerbe und kann in gleiche Hälften geteilt werden. Bei Kindern und Jugendlichen mit fieberhaften Erkrankungen nur auf ärztliche Anweisung.
- Niedrig dosierte Tablette mit 100 mgHemmt das Verklumpen der Blutplättchen und ist zur längerfristigen Anwendung bei Herz- und Gefäßerkrankungen gedacht, über deren Dauer die behandelnde Praxis entscheidet. Wegen ihres geringen Wirkstoffgehalts eignet sie sich nach ihrer Packungsbeilage nicht zur Behandlung von Schmerzen.
Die Packungsbeilage der 500-mg-Tablette sieht vor, sie unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit, etwa einem Glas Wasser, und nicht auf nüchternen Magen zu nehmen. Die Einzeldosis kann bei Bedarf im Abstand von 4 bis 8 Stunden bis zu dreimal am Tag genommen werden. Ohne ärztlichen oder zahnärztlichen Rat nicht länger als 3 Tage bei Fieber und 4 Tage bei Schmerzen; fühlst du dich dann nicht besser oder schlechter, gehört das ärztlich abgeklärt. Bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion muss die Dosis kleiner oder der Abstand länger sein. Wer eine Einnahme vergessen hat, nimmt nicht die doppelte Menge.
Die niedrig dosierte Tablette mit 100 mg wird nach ihrer Packungsbeilage möglichst nach einer Mahlzeit mit reichlich Wasser genommen, nicht auf nüchternen Magen. Bei einem akuten Herzinfarkt soll die erste Tablette zerbissen oder zerkaut werden. Sie ist für die längerfristige Anwendung gedacht; Menge und Dauer legt die Praxis fest, und unterbrochen oder beendet wird sie nach der Packungsbeilage nur nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt.
Vor Operationen, auch kleinen wie dem Ziehen eines Zahns, sagst du Praxis oder Zahnarztpraxis, dass du ASS genommen hast: Die Blutungszeit kann nach den Packungsbeilagen noch bis zu 8 Tage nach der Einnahme verlängert sein. Die Mengen der Packungsbeilagen stehen in der Dosis-Übersicht; maßgeblich ist die Beilage des eigenen Präparats.
Dosis-Übersicht
| Grundlage | Menge | Einordnung |
|---|---|---|
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 500–1.000 mg Einzeldosis | Jugendliche und Erwachsene · Bei leichten bis mäßig starken Schmerzen und Fieber eine Einzeldosis von 1 bis 2 Tabletten mit 500 mg, bei Bedarf im Abstand von 4 bis 8 Stunden bis zu dreimal am Tag, nach der Packungsbeilage. Unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit, nicht auf nüchternen Magen. Höchstmenge am Tag in der nächsten Zeile. Bei fieberhaften Erkrankungen von Jugendlichen nur auf ärztliche Anweisung. Quelle: Quelle 2 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 1.500–3.000 mg pro Tag | Jugendliche und Erwachsene · Tagesgesamtmenge nach der Packungsbeilage der 500-mg-Tablette: 3 bis 6 Tabletten. Ohne ärztlichen oder zahnärztlichen Rat höchstens 3 Tage bei Fieber und 4 Tage bei Schmerzen. Bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion weniger oder in längeren Abständen. Quelle: Quelle 2 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 250–500 mg Einzeldosis | Kinder von 6 bis 14 Jahren, nur auf ärztliche Anweisung · Nach der Packungsbeilage der 500-mg-Tablette eine halbe bis eine Tablette je Gabe, insgesamt 1½ bis 3 Tabletten (750 bis 1.500 mg) am Tag, im Abstand von 4 bis 8 Stunden. Bei Kindern mit fieberhaften Erkrankungen soll ASS nach derselben Beilage nur auf ärztliche Anweisung und nur dann gegeben werden, wenn andere Maßnahmen nicht wirken, wegen des Reye-Syndroms. Quelle: Quelle 2 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 100 mg pro Tag | Erwachsene mit instabiler Angina pectoris, akutem Herzinfarkt, nach Eingriffen an Arterien oder zur Vorbeugung nach Vorboten eines Schlaganfalls, auf ärztliche Anweisung · Empfohlene Tagesdosis nach der Packungsbeilage der niedrig dosierten Tablette: eine Tablette mit 100 mg am Tag, möglichst nach einer Mahlzeit. Nach einem Bypass scheint der günstigste Beginn 24 Stunden nach der Operation zu liegen. Zur längerfristigen Anwendung; über die Dauer entscheidet die behandelnde Praxis. Quelle: Quelle 5 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 300 mg pro Tag | Erwachsene nach einem ersten Herzinfarkt, zur Vorbeugung eines weiteren, auf ärztliche Anweisung · Empfohlene Tagesdosis nach der Packungsbeilage der niedrig dosierten Tablette: drei Tabletten mit 100 mg am Tag. Über Menge und Dauer entscheidet die behandelnde Praxis. Quelle: Quelle 5 |
Keine persönliche Dosisempfehlung. Sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke, besonders wenn du Medikamente nimmst.
Risiken
Nebenwirkungen
Häufig, also bei bis zu einer von zehn behandelten Personen, sind nach den Packungsbeilagen Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall; unter der niedrig dosierten Tablette außerdem geringe, unbemerkte Blutverluste aus dem Magen-Darm-Trakt. Gelegentlich bis selten kommen Magen-Darm-Blutungen und -Geschwüre vor, die durchbrechen können, besonders bei älteren Menschen; nach längerer Einnahme kann durch verborgene Blutverluste eine Blutarmut durch Eisenmangel entstehen. Außerdem kann sich eine Blutungsneigung zeigen, etwa Nasen-, Zahnfleisch- oder Hautblutungen, mit verlängerter Blutungszeit. Selten bis sehr selten sind schwere Blutungen bis zur Hirnblutung beschrieben, vor allem bei nicht eingestelltem Bluthochdruck oder zusammen mit Gerinnungshemmern.
Bei schwarzem Stuhl (Teerstuhl), blutigem Erbrechen oder starken Bauchschmerzen nimmst du ASS nach den Packungsbeilagen nicht weiter und benachrichtigst sofort die Ärztin oder den Arzt. Bei den ersten Zeichen einer Überempfindlichkeit darf ASS nach den Packungsbeilagen nicht noch einmal genommen werden, und du benachrichtigst die Ärztin oder den Arzt. Solche Reaktionen sind selten, treten vor allem bei Menschen mit Asthma auf und können sich als Atemnot, Blutdruckabfall oder Schwellungen von Gesicht, Zunge und Kehlkopf zeigen, bis zum allergischen Schock. Atemnot oder Kreislaufschwäche sind ein Notfall: Dann wählst du 112. Außerdem kommen selten schwere Hautausschläge mit Blasen vor.
Sehr selten sind erhöhte Leberwerte, Nierenfunktionsstörungen bis zum akuten Nierenversagen und ein zu niedriger Blutzucker. In niedriger Dosis vermindert ASS die Ausscheidung von Harnsäure und kann bei gefährdeten Menschen einen Gichtanfall auslösen. Bei schwerem Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel können rote Blutkörperchen zerfallen. Wer lange Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen nimmt, kann sie dadurch verschlimmern, und gewohnheitsmäßiger Gebrauch, besonders von Kombinationen, kann die Nieren dauerhaft schädigen. Treten während der Einnahme Zeichen einer Infektion wie Rötung, Schwellung, Überwärmung, Schmerz oder Fieber neu auf oder werden schlimmer, gehört das nach der Beilage der 500-mg-Tablette unverzüglich ärztlich abgeklärt: Sehr selten haben sich unter Entzündungshemmern dieser Gruppe infektionsbedingte Entzündungen verschlechtert.
Wechselwirkungen
- Gerinnungshemmer wie Cumarine oder Heparin, Mittel zur Auflösung von Blutgerinnseln und andere Thrombozytenaggregationshemmer wie Clopidogrel, Prasugrel, Ticagrelor oder Ticlopidin
Das Blutungsrisiko steigt. Wer ASS vor einer Behandlung zur Auflösung von Blutgerinnseln genommen hat, achtet nach den Packungsbeilagen besonders auf Zeichen äußerer und innerer Blutungen, etwa blaue Flecken. Die Beilage der 500-mg-Tablette nennt eine Behandlung mit Gerinnungshemmern zum Einnehmen als Grund, sie nicht zu nehmen.
- Ibuprofen, Naproxen und Metamizol bei niedrig dosierter ASS zum Schutz von Herz und Gefäßen
Ibuprofen und Naproxen können nach der Packungsbeilage die Hemmung der Blutplättchen durch niedrig dosierte ASS abschwächen und so den Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall verringern. Metamizol kann die Wirkung von ASS auf die Blutplättchen ebenfalls verringern, wenn beide gleichzeitig genommen werden; bei ASS zum Herzschutz ist diese Kombination nur mit Vorsicht anzuwenden. Zusammen mit anderen NSAR steigt außerdem das Risiko für Geschwüre und Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Wer ASS regelmäßig nimmt, spricht nach der Packungsbeilage vor jedem weiteren Arzneimittel mit der Praxis, auch vor rezeptfreien.
Quelle: Quelle 5
- Andere NSAR einschließlich COX-2-Hemmern, Kortison zum Einnehmen, Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI und Alkohol
Das Risiko für Geschwüre und Blutungen im Magen-Darm-Trakt steigt. Zwei NSAR gleichzeitig sollen nach der Packungsbeilage vermieden werden, und während der Einnahme möglichst kein Alkohol.
- Methotrexat, Digoxin, Lithium, Valproinsäure und blutzuckersenkende Mittel wie Insulin oder Sulfonylharnstoffe
Ihre Wirkung und ihre Nebenwirkungen können stärker werden; bei blutzuckersenkenden Mitteln kann der Blutzucker sinken. Mit 15 mg oder mehr Methotrexat pro Woche darf ASS nach den Packungsbeilagen nicht genommen werden.
- Entwässernde Mittel wie Spironolacton oder Furosemid, Blutdrucksenker wie ACE-Hemmer und Gichtmittel wie Probenecid oder Benzbromaron
ASS kann ihre Wirkung abschwächen; die Beilage der 500-mg-Tablette nennt das für entwässernde Mittel und Blutdrucksenker ab 3 g ASS am Tag.
- Mittel gegen Magenbeschwerden, Antazida und Aktivkohle
Die Beilage der 500-mg-Tablette empfiehlt, zwischen solchen Mitteln und ASS mindestens 2 Stunden Abstand zu lassen.
Quelle: Quelle 2
- Weitere in der Packungsbeilage genannte Mittel: Sulfonamid-Antibiotika wie Sulfamethoxazol mit Trimethoprim, Pemetrexed, Triiodthyronin, Barbiturate, Anagrelid und Deferasirox
Ihre Wirkung kann bei gleichzeitiger Einnahme beeinflusst werden. Wer eines dieser Mittel nimmt, fragt vorher in der Praxis oder Apotheke.
Quelle: Quelle 2
Wer es nicht nehmen sollte
Nach den Packungsbeilagen darf ASS nicht genommen werden bei Allergie gegen Acetylsalicylsäure oder andere Salicylate; wenn Mittel gegen Schmerzen, Fieber oder Entzündungen früher Asthmaanfälle oder andere Überempfindlichkeit ausgelöst haben; bei akuten Magen- oder Darmgeschwüren; bei krankhaft erhöhter Blutungsneigung; bei Leber- oder Nierenversagen; bei schwerer, nicht durch Medikamente eingestellter Herzschwäche; und zusammen mit 15 mg oder mehr Methotrexat pro Woche. Die Beilage der 500-mg-Tablette nennt außerdem akute Magen-Darm-Blutungen oder -Durchbrüche, frühere Magen-Darm-Blutungen oder -Durchbrüche nach NSAR, wiederholte Geschwüre in der Vorgeschichte und eine Behandlung mit Gerinnungshemmern zum Einnehmen.
Vorher ärztlich oder in der Apotheke besprechen sollst du die Einnahme unter anderem bei Asthma, Heuschnupfen, Nasenpolypen oder chronischen Atemwegserkrankungen, bei anderen Allergien, bei Magen-Darm-Geschwüren oder -Blutungen in der Vorgeschichte, bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion, bei Herzschwäche oder Flüssigkeitsmangel, bei nicht eingestelltem Bluthochdruck oder Diabetes, vor Operationen, bei starken Monatsblutungen und bei schwerem Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel. Bei Kindern und Jugendlichen mit Fieber nur auf ärztliche Anweisung: Lang anhaltendes Erbrechen kann dann ein Zeichen des Reye-Syndroms sein, einer sehr seltenen, lebensbedrohlichen Erkrankung, die sofort ärztlich behandelt werden muss.
In den letzten 3 Monaten der Schwangerschaft darf die 500-mg-Tablette nicht genommen werden, die niedrig dosierte Tablette nicht über 100 mg am Tag und dann nur mit enger geburtshilflicher Überwachung. In den ersten 6 Monaten nur, wenn es unbedingt nötig ist und die Ärztin oder der Arzt es empfiehlt. Ab der 20. Woche kann eine Einnahme über mehr als ein paar Tage nach den Beilagen die Nieren des ungeborenen Kindes und ein Blutgefäß an seinem Herzen beeinträchtigen. In der Stillzeit ist nach der Beilage der 500-mg-Tablette bei gelegentlicher Einnahme der empfohlenen Menge keine Stillpause nötig, bei längerer Einnahme oder hohen Dosen soll abgestillt werden; nach der Beilage der niedrig dosierten Tablette ist bis 150 mg am Tag in der Regel keine Stillpause nötig, über 150 mg am Tag soll abgestillt werden. ASS kann es erschweren, schwanger zu werden; das bildet sich nach dem Ende der Einnahme zurück.
Überdosierung
Ohrensausen, Hörstörungen, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel und Verwirrtheit können nach den Packungsbeilagen Zeichen einer schweren Vergiftung sein, besonders bei Kindern und älteren Menschen. Bei Verdacht auf eine Überdosierung benachrichtigst du sofort eine Ärztin oder einen Arzt; sie entscheiden je nach Schwere über die nötigen Maßnahmen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen ASS 100 und ASS 500?
- Gut belegt
Es ist derselbe Wirkstoff für zwei verschiedene Zwecke. Die Tablette mit 500 mg ist nach ihrer Packungsbeilage für leichte bis mäßig starke Schmerzen und Fieber gedacht, kurzzeitig, ohne ärztlichen Rat höchstens 3 Tage bei Fieber und 4 Tage bei Schmerzen. Die Tablette mit 100 mg hemmt das Verklumpen der Blutplättchen und wird längerfristig bei Herz- und Gefäßerkrankungen eingesetzt, etwa nach einem Herzinfarkt oder nach Vorboten eines Schlaganfalls; wegen des geringen Wirkstoffgehalts eignet sie sich nicht gegen Schmerzen. Beides steht so in den mit der Zulassung genehmigten Packungsbeilagen.
Darf ich ASS nehmen, wenn ich Ibuprofen nehme?
- Gut belegt
Nicht ohne Rücksprache. Zwei entzündungshemmende Schmerzmittel gleichzeitig sollen nach den Packungsbeilagen vermieden werden, weil das Risiko für Geschwüre und Blutungen im Magen-Darm-Trakt steigt. Wer niedrig dosierte ASS zum Schutz von Herz und Gefäßen nimmt, sollte zusätzlich wissen: Ibuprofen und Naproxen können nach der Packungsbeilage diesen Schutz abschwächen, und Metamizol kann die Wirkung auf die Blutplättchen verringern. Sprich deshalb vor jedem weiteren Schmerzmittel, auch einem rezeptfreien, mit deiner Praxis oder Apotheke.
Warum sollen Kinder kein ASS bekommen?
- Gut belegt
Bei Kindern und Jugendlichen mit fieberhaften Erkrankungen soll ASS nach den Packungsbeilagen nur auf ärztliche Anweisung gegeben werden, und nur, wenn andere Maßnahmen nicht wirken. Der Grund ist das Reye-Syndrom, eine sehr seltene, aber lebensbedrohliche Erkrankung. Lang anhaltendes Erbrechen während einer solchen Erkrankung kann ein Zeichen dafür sein und muss sofort ärztlich behandelt werden. Für Schmerzen und Fieber bei Kindern berät die Praxis oder Apotheke über geeignete Mittel.
Muss ich ASS vor einer Operation oder beim Zahnarzt absetzen?
- Gut belegt
Das entscheidet die behandelnde Praxis, nicht du allein. Nach den Packungsbeilagen kann ASS die Blutungsneigung verstärken, auch bei kleinen Eingriffen wie dem Ziehen eines Zahns, und die Blutungszeit kann bis zu 8 Tage nach der Einnahme verlängert sein. Sag deshalb vor jedem Eingriff, dass du ASS nimmst. Niedrig dosierte ASS zum Schutz von Herz und Gefäßen soll nach ihrer Beilage nicht ohne Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt unterbrochen oder beendet werden.
Hilft ASS bei Migräne?
- Gut belegt
In Studien ja, bei einem Teil der Attacken. Ein Cochrane-Review von 13 Studien fand, dass eine Einzeldosis von rund 1.000 mg besser als Placebo linderte: Nach zwei Stunden war etwa eine von acht Behandelten mehr schmerzfrei und eine von fünf mehr hatte deutlich weniger Kopfschmerz, ähnlich wie mit dem Migränemittel Sumatriptan in niedriger Stärke. Unerwünschte Wirkungen waren meist leicht und etwas häufiger als unter Placebo. Ein Mittel gegen Übelkeit dazu linderte Übelkeit und Erbrechen besser. Wer oft Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen nimmt, kann sie nach den Packungsbeilagen dadurch verschlimmern.
Nächster Schritt
Bevor du etwas einnimmst: Lass dich beraten, zum Beispiel in deiner Hausarztpraxis oder deiner Apotheke. Bring vorhandene Laborwerte mit, und sag, welche Medikamente du nimmst.
Mehr zu den Themen findest du oben unter Wofür und in der Themenübersicht.
Quellen
Alle 10 Quellen anzeigen
- Kim SY, Chang YJ, Cho HM, Hwang YW, Moon YS. Non-steroidal anti-inflammatory drugs for the common cold.. The Cochrane database of systematic reviews, 2015Systematischer ReviewDOI 10.1002/14651858.cd006362.pub4PubMed 26387658
- Gebrauchsinformation eines in Deutschland zugelassenen Acetylsalicylsäure-Präparats (Tablette mit 500 mg), Stand Dezember 2024. 1 A Pharma GmbH, veröffentlicht im PatientenInfo-Service der Rote Liste Service GmbH, 2024SonstigesZur Quelle
- Derry S, Wiffen PJ, Moore RA. Aspirin for acute treatment of episodic tension-type headache in adults.. The Cochrane database of systematic reviews, 2017Systematischer ReviewDOI 10.1002/14651858.cd011888.pub2PubMed 28084009
- Kirthi V, Derry S, Moore RA. Aspirin with or without an antiemetic for acute migraine headaches in adults.. The Cochrane database of systematic reviews, 2013Systematischer ReviewDOI 10.1002/14651858.cd008041.pub3PubMed 23633350
- Gebrauchsinformation eines in Deutschland zugelassenen niedrig dosierten Acetylsalicylsäure-Präparats zur Hemmung der Blutplättchen (Tablette mit 100 mg), Stand Dezember 2024. 1 A Pharma GmbH, veröffentlicht im PatientenInfo-Service der Rote Liste Service GmbH, 2024SonstigesZur Quelle
- Aspirin. National Health Service (NHS England), nhs.uk, 2026Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Ibuprofen- and dexibuprofen-containing medicines: Article 31 referral (PRAC recommendation April 2015, CMDh position May 2015). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), 2015Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Acetylsalicylic acid: CMDh scientific conclusions and grounds for variation, amendments to the product information (PSUSA/00000039/201902). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Koordinierungsgruppe der Mitgliedstaaten (CMDh), 2019Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Reye's syndrome. National Health Service (NHS England), nhs.uk, 2023Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Management of Dental Patients Taking Anticoagulants or Antiplatelet Drugs (2nd edition). Scottish Dental Clinical Effectiveness Programme (SDCEP), NHS Education for Scotland, 2022LeitlinieZur Quelle
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