Migräne
Warnzeichen: Bitte zuerst lesen
Ruf sofort den Notruf 112, wenn du das bemerkst:
- Ein Kopfschmerz, der plötzlich einsetzt und extrem stark ist
Das ist ein Notfall. Wähle 112 und fahr nicht selbst ins Krankenhaus.
- Lähmung oder Schwäche in Arm oder Bein auf einer Körperseite oder in einer Gesichtshälfte
Diese Zeichen brauchen sofort ärztliche Hilfe. Wähle 112.
- Kopfschmerzen mit Problemen beim Sprechen, Gehen, mit dem Gleichgewicht oder beim Erinnern, Sehverlust, verschwommenem oder doppeltem Sehen, Benommenheit, Verwirrtheit oder einem Krampfanfall
Wähle 112.
- Kopfschmerzen mit sehr hohem Fieber und steifem Nacken oder mit einem Ausschlag, der nicht verblasst, wenn du ein Glas darüber rollst
Das können Zeichen einer Hirnhautentzündung sein. Wähle 112.
- Kopfschmerzen nach einer Kopfverletzung, etwa durch einen Sturz oder Unfall, in den letzten drei Monaten
Lass das sofort untersuchen: 112 oder die Notaufnahme.
Lass das sofort ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Eine Migräneattacke, die länger als 72 Stunden anhält
Eine so lange Attacke braucht noch heute ärztliche Behandlung, in einer Praxis oder in der Notaufnahme.
- Eine Aura, etwa Flimmern, Zickzacklinien, Kribbeln oder Sprachstörungen, die länger als eine Stunde anhält oder sich nicht vollständig zurückbildet
Eine Aura dauert sonst Minuten bis höchstens eine Stunde und bildet sich ganz zurück. Lass das noch heute ärztlich abklären. Kommen Lähmungen oder Sehverlust dazu, wähle 112.
- Eine Aura, die du nach dem 40. Lebensjahr zum ersten Mal erlebst, vor allem wenn danach keine Kopfschmerzen kommen
Dann muss eine andere Ursache ausgeschlossen werden, vor allem eine kurze Durchblutungsstörung im Gehirn. Lass das noch heute ärztlich abklären.
- Eine Migräneattacke in der Schwangerschaft oder kurz nach einer Geburt
Lass das noch heute ärztlich abklären, auch wenn du Migräne von früher kennst.
Lass das ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Attacken häufiger als einmal pro Woche, Attacken, die stärker oder länger werden oder sich deutlich anders anfühlen als deine gewohnte Migräne, oder Schmerz- und Migränemittel an 10 oder mehr Tagen im Monat
Dann ist eine vorbeugende Behandlung zu besprechen, eine veränderte Migräne braucht eine Abklärung, und zu häufige Mittel können selbst Kopfschmerzen machen. Bring deinen Kopfschmerzkalender mit.
Notruf: 112 · TelefonSeelsorge: 0800 111 0 111 · TelefonSeelsorge: 0800 111 0 222 · Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
Kurz erklärt
Migräne ist eine häufige Kopfschmerzerkrankung mit wiederkehrenden Attacken: meist pochender, häufig einseitiger Kopfschmerz über 4 bis 72 Stunden, dazu oft Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit. Für die Attacke empfiehlt die Leitlinie Schmerzmittel wie ASS oder Ibuprofen, bei starken Attacken Triptane, zur Vorbeugung Ausdauersport, Entspannung und Verhaltenstherapie, bei häufigen Attacken auch Medikamente. Bei plötzlichem, extrem starkem Kopfschmerz wähle 112.
Die Neigung zur Migräne ist oft erblich, Auslöser wie Stress, Schlafmangel, ausgelassene Mahlzeiten oder Alkohol können Attacken anstoßen. Heilen lässt sich Migräne bisher nicht, Behandlung kann Attacken aber lindern und seltener machen.
Alles auf dieser Seite ist begleitend gedacht und ersetzt keine ärztliche Behandlung. Verordnete Medikamente änderst oder beendest du nur in Absprache mit deiner behandelnden Praxis. Nimmst du an 10 oder mehr Tagen im Monat Triptane oder Kombinationsmittel oder an 15 oder mehr Tagen einfache Schmerzmittel, können die Kopfschmerzen davon häufiger werden.
- Gut belegt3 Aussagen
- Teilweise belegt8 Aussagen
- Erste Hinweise9 Aussagen
- Traditionell genutzt1 Aussage
Sichtweisen im Vergleich
Körper
Medizin, Naturheilkunde, Ernährung und Bewegung: was im Körper geschieht.
Schulmedizin
- Gut belegt
Erkannt wird Migräne im Gespräch über die Beschwerden und an einer unauffälligen neurologischen Untersuchung; ein Bild vom Kopf braucht es nur bei ungewöhnlichen Beschwerden. Etwa 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen sind betroffen, zwischen 20 und 50 Jahren Frauen bis zu dreimal so häufig wie Männer. Chronisch heißt die Migräne bei Kopfschmerzen an 15 oder mehr Tagen im Monat über mehr als drei Monate, davon mindestens 8 mit Migräne.
Für die Attacke empfiehlt die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft bei leichten und mittelstarken Attacken zuerst Schmerzmittel wie ASS, Ibuprofen oder die Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein, bei starken Attacken oder wenn diese nicht reichen Triptane. Gegen Übelkeit gibt es eigene Mittel. Früh in der Kopfschmerzphase genommen, wirken die Mittel besser. Opioide sollen nicht eingesetzt werden.
Vorbeugende Medikamente rät die Leitlinie bei häufigen oder sehr belastenden Attacken an. Als wirksam nennt sie unter anderem die Betablocker Propranolol und Metoprolol, Flunarizin, Topiramat und Amitriptylin, Antikörper gegen CGRP und die Gepante, bei chronischer Migräne auch Botulinumtoxin. Welches Mittel passt, hängt von Häufigkeit, Begleiterkrankungen und Lebenssituation ab und wird in der Praxis entschieden; geändert wird nur in Absprache mit ihr.
Lebensstil
- Teilweise belegt
- Erste Hinweise
Die Leitlinie empfiehlt regelmäßigen Ausdauersport zur Vorbeugung und zählt auch Kraftsport und einen geregelten Tagesrhythmus dazu. Die Studien sind klein: In einer Metaanalyse linderte Ausdauertraining bei Migräne die Schmerzstärke und den Verbrauch an Schmerzmitteln in kleinem bis mittlerem Maß, bei sehr geringer bis geringer Vertrauenswürdigkeit der Belege.
Viele Betroffene kennen Auslöser wie Stress, Schlafmangel, ausgelassene Mahlzeiten oder Alkohol, vor allem Rotwein. In einer Auswertung von 85 Befragungen nannten vier von fünf Menschen mit Migräne oder Spannungskopfschmerz mindestens einen Auslöser, am häufigsten Stress und Schlaf; das sind selbst wahrgenommene, keine nachgewiesenen Auslöser. Die Leitlinie empfiehlt, mindestens 1,5 Liter am Tag zu trinken und Koffein zu begrenzen; mehr zu trinken senkte in einer Studie die Zahl der Attacken allerdings nicht. Zuckerarme, fettarme oder ketogene Ernährung ist nach der Leitlinie möglicherweise wirksam, die Belege sind schwach.
Ein Kopfschmerzkalender, auf Papier oder als App, zeigt dir und deiner Praxis Muster, Auslöser und die Tage mit Schmerzmitteln.
„Teilweise belegt“ gilt für Ausdauersport, „Erste Hinweise“ für Ernährung und Auslöser.
Körperarbeit
- Erste Hinweise
Wenn dir anstrengender Sport nicht bekommt, können nach der Leitlinie auch Übungen mit geringerer Belastung wie Yoga unterstützen. In einer randomisierten Studie aus Indien mit 160 Menschen mit episodischer Migräne machte die Hälfte drei Monate lang zusätzlich zur üblichen Behandlung Yoga. In dieser Gruppe gingen Häufigkeit und Stärke der Kopfschmerzen, die Beeinträchtigung und die Zahl der Tabletten stärker zurück als mit der Behandlung allein. Allerdings wussten die Teilnehmenden, in welcher Gruppe sie waren, und nur 114 beendeten die Studie. Eine Metaanalyse fand bei Migräne keinen gesicherten Effekt von Yoga; die Wirkung zeigte sich dort vor allem beim Spannungskopfschmerz.
„Erste Hinweise“ gilt für Yoga als Ergänzung.
Mikronährstoffe
- Erste Hinweise
Für die meisten Nahrungsergänzungsmittel sieht die Leitlinie keine Wirkung bei der Vorbeugung. Ausnahmen, bei geringer wissenschaftlicher Gewissheit, sind Magnesium, Vitamin B2 (Riboflavin) und Coenzym Q10.
Magnesium hält die Leitlinie vor allem für Menschen geeignet, die kein dafür zugelassenes Medikament möchten. In einer Studie mit 81 Erwachsenen gingen die Attacken mit Magnesium um knapp 42 Prozent zurück, mit Placebo um knapp 16 Prozent; eine andere Studie fand keinen Unterschied. Häufigste Nebenwirkung ist Durchfall. Zu hoch dosiertem Vitamin B2 gibt es nur kleine Studien derselben Arbeitsgruppe; in einer mit 55 Menschen halbierten sich die Kopfschmerztage bei 59 statt 15 Prozent. Für Q10 fand eine Metaanalyse von sechs Studien etwas seltenere und kürzere Attacken, bei ihrer Stärke keinen gesicherten Unterschied; bei Kindern und Jugendlichen war es in einer Studie nicht besser als Placebo. Eine Kombination aus allen dreien linderte die Stärke der Attacken, nicht ihre Häufigkeit.
Zu Melatonin sind die Studien widersprüchlich: Eine fand weniger Migränetage als mit Placebo, eine andere keinen Unterschied. Welche Menge sinnvoll ist, besprichst du am besten mit deiner Praxis oder Apotheke.
„Erste Hinweise“ gilt für alle genannten Stoffe.
Quellen: Quelle 1, Quelle 2, Quelle 10, Quelle 11, Quelle 12, Quelle 13, Quelle 14
Pflanzenheilkunde
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
Die EU-Monographie führt gepulvertes Mutterkraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Vorbeugung von Migräne, nachdem eine Ärztin oder ein Arzt ernste Ursachen ausgeschlossen hat; das beruht auf langer Anwendung, nicht auf Studien. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie in Schwangerschaft und Stillzeit wird es nicht empfohlen, bei einer Allergie gegen Korbblütler kommt es nicht infrage. Ein Cochrane-Review von sechs Studien fand in der größten 0,6 Attacken weniger im Monat als mit Placebo und wertet die Belege als schwach. Nach der Leitlinie war ein bestimmter Extrakt in zwei Studien wirksam; andere Zubereitungen seien nicht untersucht und könnten nicht empfohlen werden.
Ein bestimmter Pestwurz-Extrakt war nach der Leitlinie in zwei placebokontrollierten Studien wirksam. In extrem seltenen Fällen kam es zu schweren Störungen der Leberfunktion; als Arzneimittel ist Pestwurz in Deutschland und Österreich nicht mehr erhältlich.
Für die Attacke wurde eine kühlende Menthollösung auf Stirn und Schläfen untersucht: In einer kleinen Studie linderte sie die Schmerzen besser als eine sehr schwache Vergleichslösung.
„Traditionell genutzt“ gilt nach der Monographie, „Erste Hinweise“ für Mutterkraut, Pestwurz und Menthol.
TCM
- Teilweise belegt
Die Akupunktur stammt aus der traditionellen chinesischen Medizin und ist bei Migräne gut untersucht. Ein Cochrane-Review von 22 Studien mit fast 5.000 Erwachsenen mit episodischer Migräne fand: Zusätzlich zur Behandlung der Attacken halbierte sich die Kopfschmerzhäufigkeit mit Akupunktur bei 41 Prozent, ohne bei 17 Prozent. Gegenüber einer Scheinakupunktur war der Vorsprung klein, 50 gegenüber 41 Prozent. Im Vergleich mit vorbeugenden Medikamenten war Akupunktur mindestens ähnlich wirksam, und weniger Menschen brachen wegen Nebenwirkungen ab. Die Qualität der Belege gilt als mittel, Studien über mehr als ein Jahr fehlen, und mehrere Autorinnen und Autoren wenden Akupunktur selbst an.
Die deutsche Leitlinie urteilt zurückhaltender: Ob klassische Akupunktur einer Scheinakupunktur überlegen ist, sei widersprüchlich, insgesamt zeigten sich mäßige, unspezifische Effekte. Für die akute Attacke gibt es Hinweise, die Studien reichen für eine Empfehlung aber nicht aus.
„Teilweise belegt“ gilt für Akupunktur zur Vorbeugung.
Seele
Psychologie und Psychosomatik: wie Gefühle, Gedanken und Belastungen mitspielen und wie sie gedeutet werden.
Psychologie
- Teilweise belegt
- Erste Hinweise
Die Leitlinie beschreibt Migräne als Zusammenspiel von erblicher Veranlagung, körperlichen Vorgängen und dem Umgang mit Belastungen. Psychologische Verfahren gehören deshalb zur Vorbeugung: Aufklärung über die Erkrankung, Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training, Biofeedback, kognitive Verhaltenstherapie und Achtsamkeit. Sie können nach der Leitlinie allein oder zusammen mit Medikamenten eingesetzt werden; was davon zu dir passt, besprichst du mit deiner Praxis. Bei starker Beeinträchtigung oder seelischen Begleiterkrankungen sollen sie immer dazugehören.
Entspannung und Biofeedback senkten die Migränehäufigkeit nach den Metaanalysen, auf die sich die Leitlinie stützt, im Mittel um 35 bis 45 Prozent, ähnlich wie das Medikament Propranolol. Eine Metaanalyse von 55 Studien fand für Biofeedback einen mittleren Effekt, der über im Mittel 17 Monate hielt. Ein Cochrane-Review urteilt strenger: Die Studien seien von sehr geringer Qualität, eine Wirkung auf die Zahl der Migränetage sei nicht belegt, kurzfristig sprachen aber gut doppelt so viele Menschen auf die Behandlung an. In einer Studie mit 89 Erwachsenen senkte ein Achtsamkeitskurs die Migränetage nicht stärker als ein Informationskurs, verbesserte aber Beeinträchtigung und Lebensqualität.
„Teilweise belegt“ gilt für Entspannung, Biofeedback und Verhaltenstherapie, „Erste Hinweise“ für Achtsamkeit.
Wirkstoffe und Methoden
Die Leitlinie zählt das Autogene Training zu den Entspannungsverfahren, die sie zur Vorbeugung der Migräne empfiehlt. Eine Metaanalyse von 60 kontrollierten Studien fand mittlere Effekte des Autogenen Trainings gegenüber Kontrollbedingungen, unter anderem bei Spannungskopfschmerz und Migräne.
Was dagegen spricht
Die Studien der Metaanalyse stammen aus den Jahren 1952 bis 1999, Spannungskopfschmerz und Migräne wurden gemeinsam ausgewertet, und anderen psychologischen Verfahren war das Autogene Training nicht überlegen. Für Ungeübte stellen sich nach der Leitlinie Erfolge mit Progressiver Muskelentspannung schneller ein.
Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfiehlt regelmäßigen Ausdauersport zur Vorbeugung der Migräne und zählt auch Kraftsport dazu. In einer Metaanalyse von 19 Studien zu Migräne und Spannungskopfschmerz linderte Ausdauertraining bei Migräne die Schmerzstärke und den Verbrauch an Schmerzmitteln in kleinem bis mittlerem Maß.
Was dagegen spricht
Die Vertrauenswürdigkeit der Belege ist sehr gering bis gering, die Studien haben ein hohes Verzerrungsrisiko. In einer Vergleichsstudie, die die Leitlinie nennt, gingen die Attacken mit Ausdauersport, Entspannung oder Topiramat jeweils nur um weniger als eine im Monat zurück. Offen ist nach der Leitlinie, ob Sport eigene Effekte hat oder vor allem wie ein Entspannungsverfahren wirkt.
Die Leitlinie empfiehlt Entspannungsverfahren zur Vorbeugung der Migräne, allein oder zusammen mit Medikamenten; was bei dir passt, klärst du mit deiner Praxis. In den Studien war das meist die Progressive Muskelentspannung; im Mittel ging die Migränehäufigkeit um 35 bis 45 Prozent zurück, ähnlich wie mit dem Medikament Propranolol. Für Ungeübte stellen sich die Erfolge nach der Leitlinie schneller ein als mit Autogenem Training. Geübt wird regelmäßig, nicht nur bei Schmerzen.
Was dagegen spricht
Nach der Leitlinie gibt es wenige Studien, die die Progressive Muskelentspannung gezielt bei Migräne untersuchen. Ein Cochrane-Review zu psychologischen Verfahren bei Migräne bewertet die Belege insgesamt als sehr unsicher und fand keine nachgewiesene Wirkung auf die Zahl der Migränetage.
Die Leitlinie hält Achtsamkeit zur Vorbeugung der Migräne für empfehlenswert, vor allem für die Lebensqualität. In einer randomisierten Studie mit 89 Erwachsenen mit Migräne verbesserte ein achtwöchiger MBSR-Kurs Beeinträchtigung, Lebensqualität, Selbstwirksamkeit und depressive Beschwerden bis zur 36. Woche stärker als ein Kurs mit Informationen über Kopfschmerzen.
Was dagegen spricht
Die Zahl der Migränetage sank in beiden Gruppen ähnlich, der Achtsamkeitskurs war dabei nicht überlegen. Nach der Leitlinie sind die Ergebnisse zu Schmerzstärke und Häufigkeit uneinheitlich; größere Studien fehlen.
In einer randomisierten Studie mit 160 Menschen mit episodischer Migräne in Indien machte die Hälfte drei Monate lang Yoga zusätzlich zur üblichen medizinischen Behandlung. Mit Yoga gingen Häufigkeit und Stärke der Kopfschmerzen, die Beeinträchtigung und der Tablettenverbrauch stärker zurück als mit der Behandlung allein. Nach der Leitlinie können Übungen mit geringer Belastung wie Yoga unterstützen, wenn anstrengender Sport nicht vertragen wird.
Was dagegen spricht
Die Studie war offen, die Teilnehmenden wussten also, ob sie Yoga machten; sie lief an nur einer Klinik, und nur 114 von 160 beendeten sie. Eine Metaanalyse randomisierter Studien fand bei Migräne keinen gesicherten Effekt von Yoga, die Wirkung zeigte sich dort vor allem beim Spannungskopfschmerz.
Häufige Fragen
Was hilft schnell bei einer Migräneattacke?
- Gut belegt
- Erste Hinweise
Nimm dein Mittel früh in der Kopfschmerzphase, dann wirkt es nach der Leitlinie besser. Bei leichten und mittelstarken Attacken sind ASS, Ibuprofen und andere Schmerzmittel die erste Wahl; gelöst, etwa als Brausetablette, wirken sie schneller. Bei starken Attacken oder wenn Schmerzmittel nicht reichen, sind Triptane am wirksamsten, gegen Übelkeit gibt es eigene Mittel. Der britische Gesundheitsdienst rät, sich in einem abgedunkelten Raum hinzulegen oder zu schlafen. Kühlen von Stirn und Schläfen empfanden Betroffene in Studien als wohltuend. Welche Mittel zu dir passen, klärst du mit deiner Praxis oder Apotheke.
Wie oft darf ich Schmerzmittel oder Triptane bei Migräne nehmen?
- Teilweise belegt
Die Leitlinie zieht die Grenze bei 10 Tagen im Monat für Triptane und Kombinationsschmerzmittel und bei 15 Tagen für einfache Schmerzmittel wie ASS oder Ibuprofen. Werden diese Grenzen regelmäßig erreicht, können die Mittel selbst die Kopfschmerzen häufiger machen; man spricht von Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch. Nach der Patientenleitlinie bessert er sich bei etwa 70 bis 80 Prozent, wenn der Übergebrauch endet und eine vorbeugende Behandlung dazukommt. Brauchst du deine Mittel so oft, sprich mit deiner Praxis darüber; dort wird geplant, wie es weitergeht. Ein Kopfschmerzkalender hilft, die Tage im Blick zu behalten.
Ab wann brauche ich eine vorbeugende Behandlung gegen Migräne?
- Teilweise belegt
Nach der Leitlinie kommen vorbeugende Medikamente infrage, wenn die Migräne dich stark belastet, etwa bei drei oder mehr beeinträchtigenden Attacken im Monat, bei Attacken, die regelmäßig länger als 72 Stunden dauern, wenn Akutmittel nicht wirken oder nicht vertragen werden oder wenn du immer öfter Schmerzmittel brauchst. Diese Schwellen beruhen auf Erfahrung, nicht auf Studien. Als Erfolg gilt, wenn die Attacken um mindestens die Hälfte seltener werden, bei chronischer Migräne um mindestens 30 Prozent. Die meisten Mittel werden mindestens neun Monate gegeben, spätestens nach zwei Jahren wird geprüft, ob es sie noch braucht. Sport, Entspannung und Verhaltenstherapie sollen sie begleiten.
Hilft Magnesium bei Migräne?
- Erste Hinweise
Vielleicht ein wenig. Die Leitlinie zählt Magnesium zu den Mitteln mit geringerer Evidenz: Eine Studie mit 81 Erwachsenen fand deutlich weniger Attacken als mit Placebo, eine andere keinen Unterschied, und insgesamt ist die Wirkung nicht sehr ausgeprägt. Magnesium wird meist gut vertragen, kann aber Durchfall machen. Die Leitlinie hält es vor allem für Menschen geeignet, die kein dafür zugelassenes Medikament nehmen möchten. Ob es zu deiner Behandlung passt und welche Menge sinnvoll ist, besprichst du mit deiner Praxis oder Apotheke.
Wann sollte ich mit Migräne zum Arzt oder in die Notaufnahme?
- Gut belegt
Sofort über 112: bei plötzlichem, extrem starkem Kopfschmerz, bei Schwäche oder Lähmung von Arm, Bein oder Gesicht auf einer Seite, wenn du schlecht sprechen, sehen, gehen oder das Gleichgewicht halten kannst, bei Verwirrtheit, Krampfanfall, sehr hohem Fieber mit steifem Nacken oder nach einer kürzlichen Kopfverletzung. Noch am selben Tag ärztlich: bei einer Attacke über 72 Stunden, einer Aura, die länger als eine Stunde anhält oder nicht ganz zurückgeht, einer ersten Aura nach dem 40. Lebensjahr, in der Schwangerschaft und kurz nach einer Geburt. In die Praxis: bei Attacken häufiger als einmal pro Woche, bei Attacken, die stärker, länger oder anders werden als gewohnt, oder wenn du an 10 oder mehr Tagen im Monat Mittel brauchst.
Quellen: Quelle 1, Quelle 20, Quelle 21, Quelle 22, Quelle 23
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Quellen
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- Leitlinie Therapie der Migräne für Patientinnen und Patienten, 1. Auflage (AWMF-Register 030-057). Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), mit Mitteln der Deutschen Hirnstiftung, 2025LeitlinieZur Quelle
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Was die Evidenz-Labels bedeuten, erklären wir unter So ordnen wir ein.