Panikattacken
Das Wichtigste auf einen Blick
- Wiederkehrende Attacken ärztlich abklären lassen, bei Brustschmerzen immer 112Gut belegt
- Bei einer Panikstörung ist Verhaltenstherapie die am besten belegte BehandlungGut belegtTeilweise belegt
- Sich erinnern: Eine Attacke erreicht rasch ihren Höhepunkt und klingt wieder abTeilweise belegtErste Hinweise
- Ausprobieren, ob weniger Kaffee, Tee, Cola und Energydrinks die Attacken seltener machenTeilweise belegt
Ausführlich, mit Quellen, weiter unten.
Kurz erklärt
Eine Panikattacke ist eine Welle heftiger Angst mit Herzrasen, Atemnot oder Schwindel, die rasch ansteigt und wieder abklingt. Kehren die Attacken unerwartet immer wieder, spricht man von einer Panikstörung. Am besten belegt ist die Verhaltenstherapie. Beim ersten Mal und bei Brustschmerzen gilt: ärztlich abklären, im Zweifel 112.
Eine Panikstörung lässt sich gut behandeln, mit Psychotherapie, wenn nötig auch mit Medikamenten. Die Wege auf dieser Seite begleiten, ersetzen aber keine ärztliche Behandlung.
Selbst kannst du ausprobieren, ob weniger Koffein hilft, und dich regelmäßig bewegen. In der Verhaltenstherapie übst du, gefürchtete Körperempfindungen und gemiedene Situationen wieder auszuhalten.
- Gut belegt5 Aussagen
- Teilweise belegt4 Aussagen
- Erste Hinweise6 Aussagen
Sichtweisen im Vergleich
Körper
Medizin, Naturheilkunde, Ernährung und Bewegung: was im Körper geschieht.
Seele
Psychologie und Psychosomatik: wie Gefühle, Gedanken und Belastungen mitspielen und wie sie gedeutet werden.
Wirkstoffe und Methoden
Häufige Fragen
Was hilft akut bei einer Panikattacke?
- Teilweise belegt
- Erste Hinweise
Zu wissen, dass die Welle von selbst abklingt: Eine Panikattacke erreicht nach der Cochrane-Übersicht innerhalb von etwa zehn Minuten ihren Höhepunkt. Die Verhaltenstherapie übt, die gefürchteten Empfindungen wie Herzklopfen auszuhalten, statt vor ihnen zu fliehen; dieser Baustein, die interozeptive Exposition, war in einer Auswertung von 72 Studien der wirksamste. Atemtraining machte die Therapie dort vor allem leichter annehmbar, zu ihrer Wirkung trug es wenig bei. Bei Brustschmerzen gilt immer 112.
Ist eine Panikattacke gefährlich?
- Gut belegt
Sie fühlt sich oft lebensbedrohlich an, doch die NICE-Leitlinie sieht nach einer Panikattacke in der Notaufnahme meist keine stationäre Aufnahme vor: Nur akute körperliche Ursachen werden ausgeschlossen, die weitere Behandlung übernimmt die Hausarztpraxis. Selbst unterscheiden kannst du eine Attacke aber nicht sicher von einem Herzinfarkt. Bei Schmerzen, Druck oder Enge in der Brust wählst du deshalb immer 112, auch wenn du Attacken schon kennst.
Was ist der Unterschied zwischen Panikattacke und Panikstörung?
- Gut belegt
Eine einzelne Panikattacke ist noch keine Erkrankung, betont die NICE-Leitlinie. Von einer Panikstörung spricht man, wenn Attacken immer wieder unerwartet kommen. Sie betrifft 1 bis 4 Prozent der Menschen und kann mit einer Agoraphobie einhergehen, der Angst vor bestimmten Orten und Situationen. Beides lässt sich gut behandeln.
Hilft Verzicht auf Kaffee gegen Panikattacken?
- Teilweise belegt
Es ist einen Versuch wert. In placebokontrollierten Versuchen löste eine hohe Koffeinmenge bei gut der Hälfte der Menschen mit Panikstörung eine Attacke aus, Placebo bei niemandem; gesunde Vergleichspersonen reagierten fast nie so. Über kleinere Mengen, wie im Alltag üblich, sagen die Studien nichts. Ob weniger Kaffee, Tee, Cola oder Energydrinks bei dir etwas ändern, zeigt dir nur das Ausprobieren.
Quelle: Quelle 9
Wann sollte ich mit Panikattacken zum Arzt?
- Gut belegt
Nach der ersten Attacke, damit körperliche Ursachen abgeklärt werden, und wenn Attacken wiederkehren, du Orte oder Situationen meidest oder zu Alkohol und Beruhigungsmitteln greifst. Nach der NICE-Leitlinie sind Selbsthilfe, Verhaltenstherapie und Antidepressiva wirksame Wege, über die du mit der Hausarztpraxis entscheidest. Bei Brustschmerzen gilt immer der Notruf 112, bei Gedanken, nicht mehr leben zu wollen, die Telefonseelsorge.
Warnzeichen: wann du ärztliche Hilfe brauchst
Ruf sofort den Notruf 112, wenn du das bemerkst:
- Schmerzen, Druck oder Enge in der Brust, die in Arm, Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlen können, oft mit Atemnot, Übelkeit, kaltem Schweiß, Schwäche oder Bewusstlosigkeit
Das kann ein Herzinfarkt sein, auch wenn es sich wie eine Panikattacke anfühlt und du schon Attacken kennst. Bei Brustschmerzen immer sofort 112 wählen.
Hol dir jetzt Unterstützung, zum Beispiel bei der Telefonseelsorge, wenn du das bemerkst:
- Gedanken daran, nicht mehr leben zu wollen oder dir etwas anzutun
Die Telefonseelsorge ist Tag und Nacht kostenlos und anonym erreichbar: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Bist du in akuter Gefahr, wähle 112.
Lass das ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Die erste Attacke dieser Art, oder Attacken, die immer wiederkommen
Lass zuerst körperliche Ursachen abklären. Danach ist die Hausarztpraxis oder eine psychotherapeutische Praxis die richtige Anlaufstelle; eine Panikstörung lässt sich wirksam behandeln.
- Du meidest aus Angst vor einer Attacke immer mehr Orte, Bus und Bahn, Menschenmengen oder das Alleinsein
Das kann eine Agoraphobie sein, die mit einer Panikstörung einhergehen kann. Vermeiden macht die Angst auf Dauer meist größer; eine Verhaltenstherapie hilft, den Spielraum zurückzugewinnen.
- Du greifst immer öfter zu Alkohol, Beruhigungsmitteln oder anderen Substanzen, um die Angst auszuhalten
Sprich das offen in deiner Hausarztpraxis an, auch wenn dir ein Mittel verordnet wurde. Änderungen an Medikamenten nur in Absprache mit ihr.
Die Notfall- und Krisennummern stehen unten auf jeder Seite.
Wer dir helfen kann
Für Fragen zu deiner persönlichen Situation sind Fachleute die richtige Anlaufstelle: deine Hausarztpraxis, deine Apotheke oder Heilpraktiker:innen mit Zulassung.
Die Methoden auf dieser Seite bieten zum Beispiel an: Ärztin / Arzt, Physiotherapeut:in, Psychotherapeut:in, Coach.
Fachleute finden Dazu ist noch niemand im Verzeichnis.
Verwandte Themen
Quellen
Alle 12 Quellen anzeigen
- Generalised anxiety disorder and panic disorder in adults: management (NICE-Leitlinie CG113). National Institute for Health and Care Excellence (NICE), Großbritannien, 2020LeitlinieZur Quelle
- Guaiana G, Meader N, Barbui C, Davies SJ, Furukawa TA, Imai H, et al.. Pharmacological treatments in panic disorder in adults: a network meta-analysis.. The Cochrane database of systematic reviews, 2023MetaanalyseDOI 10.1002/14651858.cd012729.pub3PubMed 38014714
- Breilmann J, Girlanda F, Guaiana G, Barbui C, Cipriani A, Castellazzi M, et al.. Benzodiazepines versus placebo for panic disorder in adults.. The Cochrane database of systematic reviews, 2019MetaanalyseDOI 10.1002/14651858.cd010677.pub2PubMed 30921478
- Pompoli A, Furukawa TA, Imai H, Tajika A, Efthimiou O, Salanti G. Psychological therapies for panic disorder with or without agoraphobia in adults: a network meta-analysis.. The Cochrane database of systematic reviews, 2016MetaanalyseDOI 10.1002/14651858.cd011004.pub2PubMed 27071857
- Pompoli A, Furukawa TA, Efthimiou O, Imai H, Tajika A, Salanti G. Dismantling cognitive-behaviour therapy for panic disorder: a systematic review and component network meta-analysis.. Psychological medicine, 2018MetaanalyseDOI 10.1017/s0033291717003919PubMed 29368665
- Efron G, Wootton BM. Remote cognitive behavioral therapy for panic disorder: A meta-analysis.. Journal of anxiety disorders, 2021MetaanalyseDOI 10.1016/j.janxdis.2021.102385PubMed 33774557
- Muotri RW, Luciano AC, Garrudo Guirado A, Lotufo Neto F, Bernik M. Brief intermittent intense exercise as interoceptive exposure for panic disorder: a randomized controlled clinical trial.. Frontiers in psychiatry, 2025Randomisierte kontrollierte StudieDOI 10.3389/fpsyt.2025.1739639PubMed 41737725
- Yadla VS, Nj P, Kamarthy P, Matti MR. Effect of Integrated Yoga as an Adjuvant to Standard Care for Panic Disorder: A Randomized Control Trial Study.. Cureus, 2024Randomisierte kontrollierte StudieDOI 10.7759/cureus.53286PubMed 38435873
- Klevebrant L, Frick A. Effects of caffeine on anxiety and panic attacks in patients with panic disorder: A systematic review and meta-analysis.. General hospital psychiatry, 2022MetaanalyseDOI 10.1016/j.genhosppsych.2021.11.005PubMed 34871964
- Schuch FB, Stubbs B, Meyer J, Heissel A, Zech P, Vancampfort D, et al.. Physical activity protects from incident anxiety: A meta-analysis of prospective cohort studies.. Depression and anxiety, 2019MetaanalyseDOI 10.1002/da.22915PubMed 31209958
- Machado S, Telles G, Magalhaes F, Teixeira D, Amatriain-Fernández S, Budde H, et al.. Can regular physical exercise be a treatment for panic disorder? A systematic review.. Expert review of neurotherapeutics, 2022Systematischer ReviewDOI 10.1080/14737175.2021.2005581PubMed 35077254
- Herzinfarkt: Ursachen, Behandlung, Rehabilitation (gesund.bund.de). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de, 2020Behörde / amtliche StelleZur Quelle
Was die Evidenz-Labels bedeuten, erklären wir unter So ordnen wir ein.
Mit anderen darüber reden: jeden Mittwoch um 19:30 beim Mittwochabend in der Principium-App, online und kostenlos.