Loslassen lernen
Das Wichtigste auf einen Blick
- Gedanken nicht wegdrücken, sondern bemerken: Unterdrücken holt sie oft zurückTeilweise belegt
- Annehmen statt ankämpfen üben, etwa mit Akzeptanz- oder AchtsamkeitsverfahrenTeilweise belegt
- Anspannung im Körper lösen, zum Beispiel mit Progressiver MuskelentspannungTeilweise belegt
- Bei alten Kränkungen kann begleitete Vergebungsarbeit ein Weg seinTeilweise belegt
- Bei wochenlanger Niedergeschlagenheit oder Lebensmüdigkeit Hilfe holenGut belegt
Ausführlich, mit Quellen, weiter unten.
Kurz erklärt
Loslassen heißt, sich nicht länger an Gedanken, Gefühlen, Erwartungen oder Verlorenem festzuhalten. Wegdrücken gelingt dabei selten, unterdrückte Gedanken kehren oft eher zurück. Am besten untersucht sind Ansätze, die Annehmen statt Ankämpfen üben, etwa Akzeptanz- und Achtsamkeitsverfahren. Halten Grübeln und Niedergeschlagenheit wochenlang an, hol dir ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe.
Auch der Körper kann Loslassen üben: Bei der Progressiven Muskelentspannung spannt man Muskeln an und lässt sie bewusst wieder locker. In Studien verringerte sie Stress und Ängstlichkeit, Atemübungen zeigten erste Hinweise in dieselbe Richtung.
Im Pali-Kanon, den frühen buddhistischen Lehrreden, ist das Anhaften ein Kernthema. Das Gleichnis vom Floß erzählt, dass man selbst Hilfreiches zurücklassen kann, wenn es seinen Dienst getan hat.
Wenn du daran denkst, nicht mehr leben zu wollen: Die Telefonseelsorge ist Tag und Nacht unter 0800 111 0 111 erreichbar, in akuter Gefahr ruf die 112.
- Gut belegt1 Aussage
- Teilweise belegt7 Aussagen
- Erste Hinweise2 Aussagen
- Traditionell genutzt2 Aussagen
Sichtweisen im Vergleich
Körper
Medizin, Naturheilkunde, Ernährung und Bewegung: was im Körper geschieht.
Seele
Psychologie und Psychosomatik: wie Gefühle, Gedanken und Belastungen mitspielen und wie sie gedeutet werden.
Geist
Spirituelle Traditionen und Astrologie: wie sie auf Sinn, Haltung, innere Praxis und den Menschen im Kosmos schauen.
Wirkstoffe und Methoden
Häufige Fragen
Wie lerne ich loszulassen?
- Teilweise belegt
Am besten untersucht sind Wege, die Annehmen statt Ankämpfen üben. Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie übt, Gedanken und Gefühle wahrzunehmen, ohne ihnen zu folgen, und sich an dem auszurichten, was einem wichtig ist; in einer Metaanalyse schnitt sie besser ab als übliche Versorgung, ohne deutlichen Unterschied zur kognitiven Verhaltenstherapie. Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie verringerte in einer Metaanalyse von 29 randomisierten Studien das Grübeln, auch noch in der Nachbeobachtung. Für den Körper bieten sich Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung an. Beides sind Übungen, die man regelmäßig wiederholt, keine schnellen Tricks.
Warum fällt es so schwer, Gedanken loszulassen?
- Teilweise belegt
Ein Grund ist, dass Wegdrücken selten funktioniert. In Laborstudien kehrte ein Gedanke, den Menschen unterdrücken sollten, danach eher häufiger wieder; eine Metaanalyse fand diesen Rückpralleffekt klein bis mittelgroß, je nach Art des Gedankens unterschiedlich stark. Wer an Vergangenem hängt, gerät zudem leicht ins Grübeln, also ins immer neue Durchdenken belastender Ereignisse. Psychologische Programme, die üben, Gedanken zu bemerken, statt mit ihnen zu ringen, verringerten das Grübeln in einer Metaanalyse im Mittel mittelstark. Lassen sich die Gedanken über Wochen kaum anhalten und drücken auf Stimmung und Schlaf, lass das abklären.
Was bedeutet Loslassen im Buddhismus?
- Traditionell genutzt
Im Pali-Kanon, den frühen buddhistischen Lehrreden, steht das Anhaften (upādāna) im Mittelpunkt. Die Lehrrede vom Gleichnis mit der Schlange (Majjhima Nikāya 22) vergleicht die Lehre mit einem Floß, das man baut, um einen Strom zu überqueren, und am anderen Ufer zurücklässt, statt es weiterzutragen. Dieselbe Rede rät, loszulassen, was einem nicht gehört. Die Lehrrede vom Pfeil (Saṃyutta Nikāya 36.6) beschreibt, wie Menschen einem Schmerz durch Hadern einen zweiten hinzufügen. Beides beschreibt den Übungsweg dieser Überlieferung, keine Behandlung.
Hilft Vergeben, um loszulassen?
- Teilweise belegt
Vergebung ist in der Psychologie gut untersucht. In einer Metaanalyse von 54 Studienberichten mit über 2.300 Teilnehmenden konnten Menschen nach gezielten Vergebungsprogrammen eine bestimmte Kränkung eher vergeben als ohne Behandlung und auch eher als mit anderen Behandlungen. Depressivität und Ängstlichkeit gingen stärker zurück, die Hoffnung nahm zu. Längere Programme und Einzelgespräche wirkten stärker als kurze Angebote und Gruppen. Ob und wann jemand vergeben möchte, entscheidet jede und jeder selbst.
Quelle: Quelle 5
Wann brauche ich Hilfe, wenn ich nicht loslassen kann?
- Gut belegt
Wenn das Festhalten deinen Alltag bestimmt. Halten gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit oder Antriebsmangel zusammen mit weiteren Beschwerden wie Schlafstörungen, Schuldgefühlen oder Hoffnungslosigkeit zwei Wochen oder länger an, kann nach dem IQWiG eine Depression dahinterstehen, und die lässt sich behandeln. Erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis, du kannst dich aber auch direkt an eine psychotherapeutische Praxis wenden. Bei Gedanken, nicht mehr leben zu wollen, ist die Telefonseelsorge Tag und Nacht unter 0800 111 0 111 erreichbar, in akuter Gefahr die 112.
Quelle: Quelle 14
Warnzeichen: wann du ärztliche Hilfe brauchst
Ruf sofort den Notruf 112, wenn du das bemerkst:
- Du hast einen konkreten Plan, dir das Leben zu nehmen, oder kannst dich von solchen Gedanken nicht mehr abgrenzen
Wähle 112 oder geh in die Notfallambulanz einer psychiatrischen Klinik. Bleib nicht allein und sag einem Menschen in deiner Nähe Bescheid.
Hol dir jetzt Unterstützung, zum Beispiel bei der Telefonseelsorge, wenn du das bemerkst:
- Gedanken daran, nicht mehr leben zu wollen
Die Telefonseelsorge ist Tag und Nacht kostenlos und anonym erreichbar: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Bist du in akuter Gefahr, wähle 112.
Lass das ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Zwei Wochen oder länger gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit oder Antriebsmangel, oft mit Grübeln, Schlafstörungen oder Schuldgefühlen
Dahinter kann eine Depression stehen, die sich behandeln lässt. Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis oder eine psychotherapeutische Praxis.
- Nach einem schlimmen Erlebnis drängen sich Bilder und Erinnerungen immer wieder auf, du meidest alles, was daran erinnert, und kommst nicht zur Ruhe
Das kann eine Traumafolgestörung sein. Lass es ärztlich oder psychotherapeutisch abklären.
- Gedanken oder Handlungen, die du nicht loswirst, obwohl du sie selbst unsinnig findest, etwa ständiges Kontrollieren oder Waschen, kosten dich täglich viel Zeit
Dahinter kann eine Zwangsstörung stehen. Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis oder eine psychotherapeutische Praxis.
- Nach dem Tod eines nahestehenden Menschen bestimmt die Trauer auch nach mehr als einem halben Jahr fast jeden Tag und schränkt dich im Alltag stark ein
Dahinter kann eine anhaltende Trauerstörung stehen. Mehr dazu steht auf der Seite „Trauer“.
- Du trinkst mehr Alkohol oder greifst zu Beruhigungs- oder Schlafmitteln, um Gedanken abzuschalten
Das ist ein häufiger, aber riskanter Weg. Sprich es offen in deiner Hausarztpraxis an.
Die Notfall- und Krisennummern stehen unten auf jeder Seite.
Wer dir helfen kann
Für Fragen zu deiner persönlichen Situation sind Fachleute die richtige Anlaufstelle: deine Hausarztpraxis, deine Apotheke oder Heilpraktiker:innen mit Zulassung.
Die Methoden auf dieser Seite bieten zum Beispiel an: Heilpraktiker:in für Psychotherapie, Ärztin / Arzt, Physiotherapeut:in, Psychotherapeut:in, Coach.
Fachleute finden Dazu ist noch niemand im Verzeichnis.
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Quellen
Alle 14 Quellen anzeigen
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Was die Evidenz-Labels bedeuten, erklären wir unter So ordnen wir ein.
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