Trauer
Das Wichtigste auf einen Blick
- Bei Gedanken an Suizid sofort Hilfe holen: Telefonseelsorge oder NotrufGut belegt
- Zwischen Trauern und Alltag wechseln: Gefühle zulassen, aber auch Freunde und SchönesTeilweise belegt
- Nach über einem halben Jahr noch stark beeinträchtigt: psychotherapeutische Hilfe suchenTeilweise belegt
- Schmerzen oder Enge in der Brust nach einem Verlust: sofort den Notruf wählenTeilweise belegt
- Bewegung wie Gehen oder Yoga kann Trauernden guttun, ist aber wenig erforschtErste Hinweise
Ausführlich, mit Quellen, weiter unten.
Kurz erklärt
Trauer ist die natürliche Antwort auf den Verlust eines geliebten Menschen, keine Krankheit. Bei den meisten wird sie über Monate langsam leichter, auch wenn Jahrestage sie wieder aufwühlen. Gut tut ein Wechsel zwischen Trauern und Alltag. Schränkt die Trauer nach über einem halben Jahr den Alltag noch stark ein, ist psychotherapeutische Hilfe sinnvoll.
Die Weltgesundheitsorganisation spricht dann von einer anhaltenden Trauerstörung. Nach natürlichen Todesfällen betrifft sie knapp jeden zehnten Hinterbliebenen, nach Unfall, Gewalt oder Suizid deutlich mehr. Am besten untersucht ist dafür Psychotherapie, vor allem die kognitive Verhaltenstherapie.
Wenn du daran denkst, nicht mehr leben zu wollen: Die Telefonseelsorge ist Tag und Nacht unter 0800 111 0 111 erreichbar, in akuter Gefahr ruf die 112.
- Gut belegt4 Aussagen
- Teilweise belegt5 Aussagen
- Erste Hinweise3 Aussagen
- Traditionell genutzt1 Aussage
Sichtweisen im Vergleich
Körper
Medizin, Naturheilkunde, Ernährung und Bewegung: was im Körper geschieht.
Seele
Psychologie und Psychosomatik: wie Gefühle, Gedanken und Belastungen mitspielen und wie sie gedeutet werden.
Geist
Spirituelle Traditionen und Astrologie: wie sie auf Sinn, Haltung, innere Praxis und den Menschen im Kosmos schauen.
Wirkstoffe und Methoden
Häufige Fragen
Wie lange dauert Trauer normalerweise?
- Gut belegt
Eine feste Frist gibt es nicht. Bei den meisten Menschen lassen die starke Belastung und die Einschränkungen über die ersten Monate langsam nach, auch wenn Jahrestage, Ferien oder Weihnachten die Trauer wieder aufwühlen; ein Teil des Schmerzes kann Jahre bleiben. Die WHO zählt Trauer unter sechs Monaten nie als Störung und berücksichtigt, wie lange in der eigenen Kultur und Religion getrauert wird. Erst wenn die Trauer nach mehr als einem halben Jahr den Alltag noch stark einschränkt, kann eine anhaltende Trauerstörung vorliegen.
Was ist der Unterschied zwischen Trauer und Depression?
- Gut belegt
Beide können sich ähnlich anfühlen: Traurigkeit, Rückzug, Schuldgefühle, wenig Freude. Das Diagnosehandbuch der WHO grenzt die anhaltende Trauerstörung so ab: Ihre Beschwerden richten sich auf den verstorbenen Menschen und den Verlust, die einer Depression dagegen auf viele Bereiche des Lebens. Schwer anzunehmen, dass jemand tot ist, oder das Gefühl, ein Teil von einem selbst sei mitgestorben, sind typisch für die Trauerstörung, nicht für die Depression. Beides kann zusammen auftreten. Halten gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit und Antriebsmangel zwei Wochen oder länger an, lass das ärztlich einordnen.
Kann Trauer krank machen?
- Teilweise belegt
Trauer selbst ist keine Krankheit, sie kann aber den Körper belasten. Hinterbliebene haben mehr körperliche Beschwerden, und in den ersten Wochen und Monaten ist ihr Sterberisiko erhöht; Verwitwete hatten in einer großen Metaanalyse ein um etwa ein Viertel höheres Sterberisiko als Verheiratete. Am Tag nach dem Tod eines nahestehenden Menschen war das Risiko eines Herzinfarkts in einer Studie etwa 21-mal so hoch wie sonst und sank danach Tag für Tag; in absoluten Zahlen bleibt es klein. Schmerzen oder Enge in der Brust sind deshalb immer ein Grund für die 112.
Brauche ich eine Trauerbegleitung oder eine Therapie?
- Teilweise belegt
Nicht jeder braucht sie. Angebote für alle Hinterbliebenen zeigten in Studien keinen vorbeugenden Nutzen, gezielte Hilfe bei starker, lang anhaltender Trauer dagegen schon. Je nach Dauer und Stärke der Trauer reichen die Angebote von Selbsthilfegruppen und Trauercafés über Trauerberatung bis zur Psychotherapie. Bist du auch nach einem halben Jahr durch den Verlust stark beeinträchtigt, such dir psychotherapeutische Unterstützung; Ansprechpartner sind die Hausarztpraxis und psychotherapeutische Praxen, Termine vermittelt auch die 116 117.
Wo finde ich sofort Hilfe, wenn ich nicht mehr weiterweiß?
- Gut belegt
Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar, unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, und berät auch per Mail und Chat. Dort kannst du auch einfach reden, wenn dich die Trauer gerade überrollt. Hast du Gedanken, dir das Leben zu nehmen, und bist in akuter Gefahr, wähle 112 oder geh in die Notfallambulanz einer psychiatrischen Klinik.
Warnzeichen: wann du ärztliche Hilfe brauchst
Ruf sofort den Notruf 112, wenn du das bemerkst:
- Du hast einen konkreten Plan, dir das Leben zu nehmen, oder kannst dich von solchen Gedanken nicht mehr abgrenzen
Wähle 112 oder geh in die Notfallambulanz einer psychiatrischen Klinik. Bleib nicht allein und sag einem Menschen in deiner Nähe Bescheid.
- Schmerzen, Druck oder Enge in der Brust, Atemnot oder kalter Schweiß, gerade in den Tagen nach dem Verlust
Das kann ein Herzinfarkt sein. Kurz nach dem Tod eines nahestehenden Menschen ist das Risiko dafür vorübergehend erhöht. Wähle sofort 112.
Hol dir jetzt Unterstützung, zum Beispiel bei der Telefonseelsorge, wenn du das bemerkst:
- Gedanken daran, nicht mehr leben zu wollen, auch der Wunsch, der verstorbenen Person nachzufolgen
Die Telefonseelsorge ist Tag und Nacht kostenlos und anonym erreichbar: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, auch per Mail und Chat. Bist du in akuter Gefahr, wähle 112.
Lass das ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Auch nach mehr als einem halben Jahr bestimmt die Trauer fast jeden Tag, und du kommst im Alltag, in der Familie oder im Beruf kaum zurecht
Dahinter kann eine anhaltende Trauerstörung stehen, die sich gut behandeln lässt. Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis oder eine psychotherapeutische Praxis; Termine vermittelt auch die 116 117.
- Über mehr als zwei Wochen gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit und Antriebsmangel, die sich nicht mehr nur um den Verlust drehen
Dahinter kann eine Depression stehen, die zur Trauer hinzukommen kann. Sie lässt sich behandeln und gehört ärztlich oder psychotherapeutisch eingeordnet.
- Du trinkst mehr Alkohol, rauchst deutlich mehr oder greifst zu Beruhigungs- oder Schlafmitteln, um die Trauer auszuhalten
Das ist ein häufiger, aber riskanter Weg. Sprich es offen in deiner Hausarztpraxis an.
Die Notfall- und Krisennummern stehen unten auf jeder Seite.
Wer dir helfen kann
Für Fragen zu deiner persönlichen Situation sind Fachleute die richtige Anlaufstelle: deine Hausarztpraxis, deine Apotheke oder Heilpraktiker:innen mit Zulassung.
Die Methoden auf dieser Seite bieten zum Beispiel an: Ärztin / Arzt, Physiotherapeut:in, Coach.
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Quellen
Alle 20 Quellen anzeigen
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- TelefonSeelsorge Deutschland. TelefonSeelsorge Deutschland (evangelisch und katholisch), 2026WebsiteZur Quelle
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