Potenzprobleme
Das Wichtigste auf einen Blick
- Wiederkehrende Erektionsprobleme ärztlich abklären lassen, auch wegen Herz und GefäßenGut belegt
- Regelmäßig bewegen, am besten mäßig bis kräftig anstrengendes AusdauertrainingTeilweise belegtErste Hinweise
- Abnehmen, Rauchstopp, wenig Alkohol: ein gesünderer Lebensstil besserte in Studien die ErektionTeilweise belegt
- Potenzmittel nur auf Rezept und nie zusammen mit Nitraten oder „Poppers“Gut belegt
- Bei Druck oder Versagensangst: Sexual- oder Verhaltenstherapie, gern zu zweitTeilweise belegt
Ausführlich, mit Quellen, weiter unten.
Kurz erklärt
Potenzprobleme heißt: Eine Erektion kommt nicht zustande oder hält nicht lange genug für Sex. Gelegentlich ist das häufig, etwa bei Stress, Müdigkeit oder viel Alkohol. Hält es an, stecken oft Gefäße, Blutdruck, Blutzucker, Medikamente oder die Psyche dahinter, häufig mehreres zusammen. Lass das ärztlich abklären, denn es kann ein frühes Zeichen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung sein.
Am besten untersucht sind ein gesünderer Lebensstil mit Bewegung und Abnehmen sowie Tabletten aus der Gruppe der PDE-5-Hemmer, die die Praxis verschreibt. Wo Angst, Druck oder die Beziehung mitspielen, zeigen Studien Nutzen von Sexual- und Psychotherapie, gern zusammen mit der Partnerin oder dem Partner.
Die Wege hier wirken begleitend und ersetzen keine ärztliche Behandlung. Potenzmittel nur in Absprache mit der behandelnden Praxis und nie zusammen mit Nitraten.
- Gut belegt3 Aussagen
- Teilweise belegt8 Aussagen
- Erste Hinweise3 Aussagen
- Deutung1 Aussage
Sichtweisen im Vergleich
Körper
Medizin, Naturheilkunde, Ernährung und Bewegung: was im Körper geschieht.
Seele
Psychologie und Psychosomatik: wie Gefühle, Gedanken und Belastungen mitspielen und wie sie gedeutet werden.
Wirkstoffe und Methoden
Häufige Fragen
Was hilft schnell bei Erektionsproblemen?
- Gut belegt
Einen schnellen Weg ohne Praxis gibt es nicht. Gelegentliche Aussetzer bei Stress, Müdigkeit oder nach viel Alkohol sind nach dem NHS häufig und meist kein Grund zur Sorge. Kommen die Probleme immer wieder, lohnt die Abklärung. Als erste medikamentöse Wahl nennt die EAU-Leitlinie PDE-5-Hemmer, die es nur auf Rezept gibt; sie wirken nur bei sexueller Erregung. Zugleich empfiehlt sie, Lebensstil und Risikofaktoren anzugehen. Mittel aus dem Internet sind nach dem NHS oft gefälscht.
Können Erektionsstörungen ein Warnzeichen fürs Herz sein?
- Teilweise belegt
Ja, das ist möglich. Die EAU-Leitlinie beschreibt Erektionsstörungen als mögliches frühes Warnzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In einer Metaanalyse von zwölf Kohortenstudien erkrankten Männer mit Erektionsstörungen häufiger an Herzkrankheiten und Schlaganfall, auch wenn man Blutdruck, Rauchen und andere Risikofaktoren berücksichtigte. Das heißt nicht, dass jeder Mann mit Erektionsproblemen herzkrank ist. Es ist aber ein guter Anlass, Blutdruck, Blutfette und Blutzucker prüfen zu lassen.
Darf ich Potenzmittel nehmen, wenn ich Herzmedikamente brauche?
- Gut belegt
Das entscheidet nur die behandelnde Praxis. Nach der Fachinformation dürfen PDE-5-Hemmer nie zusammen mit Nitraten in irgendeiner Form genommen werden, etwa Nitro-Spray, und auch nicht mit Stickstoffmonoxid-Spendern wie „Poppers“ oder mit Riociguat, weil der Blutdruck gefährlich fallen kann. Auch nach einem kürzlichen Herzinfarkt oder Schlaganfall, bei niedrigem Blutdruck oder wenn dir wegen einer schweren Herzerkrankung von Sex abgeraten wird, sind sie nicht vorgesehen. Sag deshalb in der Praxis, welche Mittel du nimmst.
Ist das nur Kopfsache?
- Teilweise belegt
Oft nicht allein. Nach einem Cochrane-Review wirken seelische Faktoren bei vielen Männern mit, allein oder zusammen mit körperlichen Ursachen. Der NHS nennt Bluthochdruck, hohe Blutfette, Diabetes, Hormonstörungen und Medikamente ebenso wie Depression und Angst. Darum gehört beides angeschaut. Wo Angst oder Beziehungsdruck mitspielen, hatten Männer nach Gruppen- oder Sexualtherapie seltener anhaltende Probleme, und die EAU-Leitlinie empfiehlt Verhaltenstherapie zusammen mit der medizinischen Behandlung.
Hilft Beckenbodentraining wirklich bei Erektionsstörungen?
- Teilweise belegt
- Erste Hinweise
Es gibt erste gute Hinweise. In einer kleinen randomisierten Studie aus England verbesserte angeleitetes Beckenbodentraining mit Biofeedback die Erektionsfunktion nach drei Monaten deutlicher als Lebensstilratschläge allein. Eine Metaanalyse fand für Training insgesamt, also Ausdauer- und Beckenbodentraining, eine Besserung, allerdings in Studien mit Schwächen. Die EAU-Leitlinie nennt das Training nach einer Prostataoperation vielversprechend und wünscht sich bessere Studien.
Warnzeichen: wann du ärztliche Hilfe brauchst
Ruf sofort den Notruf 112, wenn du das bemerkst:
- Schmerzen, Druck oder Enge in der Brust beim Sex oder danach, auch mit Atemnot, kaltem Schweiß oder Übelkeit
Das kann ein Herzinfarkt sein: sofort 112. Hast du ein Potenzmittel genommen, nimm kein Nitro-Spray und sag dem Rettungsdienst, welches Mittel du wann genommen hast.
Lass das sofort ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Eine Erektion, die länger als vier Stunden anhält, oft schmerzhaft
Das braucht sofort ärztliche Hilfe, am besten in einer Notaufnahme. Ohne rasche Behandlung kann das Gewebe im Penis dauerhaft Schaden nehmen.
- Plötzlich schlechteres Sehen oder Sehverlust nach der Einnahme eines Potenzmittels
Die Gebrauchsinformation nennt das als seltene, ernste Nebenwirkung. Nimm das Mittel nicht noch einmal und lass dich sofort ärztlich untersuchen.
Lass das ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Erektionsprobleme, die immer wieder auftreten oder seit Wochen anhalten
Dahinter können Bluthochdruck, hohe Blutfette, Diabetes, Hormonstörungen, ein Medikament oder eine Gefäßerkrankung stecken. Männer mit Erektionsstörungen haben ein höheres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, eine Abklärung in der Hausarzt- oder Urologiepraxis lohnt sich.
- Erektionsprobleme zusammen mit einer neuen Verkrümmung, Verhärtung oder einem Knoten am Penis, Veränderungen an Hoden oder Genitalien oder Beschwerden beim Wasserlassen
Das gehört bald in eine Urologiepraxis. Nach der EAU-Leitlinie kann die Untersuchung dabei eine Verkrümmung des Penis, Veränderungen der Genitalien oder eine vergrößerte Prostata aufdecken, die eigene Behandlung brauchen.
- Erektionsprobleme zusammen mit gedrückter Stimmung, Freudlosigkeit oder Antriebslosigkeit über mehr als zwei Wochen
Das kann zu einer Depression gehören, die sich behandeln lässt. Hast du Gedanken, nicht mehr leben zu wollen, erreichst du die Telefonseelsorge Tag und Nacht unter 0800 111 0 111; in akuter Gefahr wähle 112.
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Verwandte Themen
Quellen
Alle 12 Quellen anzeigen
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