Nervenschmerzen
Das Wichtigste auf einen Blick
- Anhaltendes Kribbeln, Brennen oder Taubheit in Füßen oder Händen ärztlich abklären lassenGut belegt
- Gewöhnliche Schmerzmittel helfen bei Nervenschmerzen oft nicht: nach passenden Mitteln fragenGut belegt
- Bei Diabetes den Blutzucker gut einstellen, Füße täglich ansehen, wenig AlkoholGut belegtTeilweise belegt
- Ausdauer- und Gleichgewichtstraining besserte in Studien Gang und Balance, vor allem bei DiabetesTeilweise belegtErste Hinweise
- Vitamin B12 bei nachgewiesenem Mangel ersetzen, ohne Mangel ist der Nutzen nicht belegtGut belegtErste Hinweise
Ausführlich, mit Quellen, weiter unten.
Kurz erklärt
Nervenschmerzen entstehen, wenn Nerven selbst geschädigt sind. Sie brennen, stechen oder schießen ein, oft mit Kribbeln oder Taubheit, meist zuerst an den Füßen. Häufige Ursachen sind Diabetes und Alkohol, dazu Gürtelrose, Vitamin-B12-Mangel und eingeengte Nerven. Am besten belegt sind die Behandlung der Ursache und spezielle Mittel gegen Nervenschmerzen. Lass solche Beschwerden ärztlich abklären.
Gewöhnliche Schmerzmittel helfen hier oft nicht. Die Leitlinie nennt als erste Wahl bestimmte Mittel gegen Krampfanfälle und Antidepressiva, die Schmerzsignale dämpfen. Ganz schmerzfrei werden viele nicht; Ziel sind weniger Schmerz, besserer Schlaf und mehr Alltag.
Bewegung mit Gleichgewichtstraining und bei Diabetes ein gut eingestellter Blutzucker kommen dazu. Alles hier wirkt begleitend und ersetzt keine ärztliche Behandlung.
- Gut belegt6 Aussagen
- Teilweise belegt5 Aussagen
- Erste Hinweise5 Aussagen
- Studien sprechen dagegen1 Aussage
Sichtweisen im Vergleich
Wirkstoffe und Methoden
Häufige Fragen
Was hilft schnell gegen Nervenschmerzen?
- Gut belegt
Schnell wirkt leider wenig. Gewöhnliche Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Metamizol helfen bei Nervenschmerzen nach dem NHS oft nicht, und die DGN-Leitlinie rät bei chronischen Nervenschmerzen von ihnen ab, weil sich keine Wirkung zeigen ließ. Die Mittel der ersten Wahl, etwa Gabapentin, Pregabalin oder bestimmte Antidepressiva, werden langsam eindosiert und wirken erst mit Verzögerung. Bei Schmerz an einer umschriebenen Stelle kommen Pflaster infrage. Was für dich passt, klärst du mit deiner Praxis.
Wann sollte ich mit Nervenschmerzen zum Arzt?
- Gut belegt
Am besten bald, wenn Kribbeln, Brennen, Taubheit oder einschießende Schmerzen in Füßen oder Händen anhalten oder wiederkommen, wenn du unsicherer gehst oder schwächer wirst und wenn eine Wunde am Fuß nicht heilt. Das rät der NHS; bei Diabetes empfiehlt er regelmäßige Kontrollen. Sofort 112 gilt bei plötzlicher Lähmung, hängendem Gesicht oder verwaschener Sprache. Nehmen Schwäche und Taubheit innerhalb von Tagen rasch zu, lass das noch am selben Tag abklären.
Hilft Vitamin B bei Nervenschmerzen?
- Gut belegt
- Erste Hinweise
Wenn ein Vitamin-B12-Mangel die Ursache ist, ja: Dann wird der Mangel nach dem NHS gezielt ersetzt, bei Nervenbeschwerden mit Spritzen. Ohne nachgewiesenen Mangel ist der Nutzen nicht belegt. Eine Cochrane-Auswertung kleiner Studien bei Nervenschäden durch Diabetes oder Alkohol fand zu wenige Daten für ein Urteil. Lass deshalb zuerst den Vitamin-B12-Wert im Blut bestimmen, statt auf Verdacht Präparate zu nehmen.
Hilft Cannabis bei Nervenschmerzen?
- Erste Hinweise
Das ist nicht klar belegt. Eine aktuelle Cochrane-Auswertung von 21 Studien mit über 2000 Erwachsenen fand 2026 keine klaren Belege, dass Cannabis-Arzneimittel chronische Nervenschmerzen lindern, und konnte nicht sagen, ob sie mehr nutzen oder schaden; das Vertrauen in die Daten ist gering. Die DGN-Leitlinie empfiehlt Cannabinoide nicht allgemein, nur im Einzelfall, wenn andere Behandlungen nicht geholfen haben, und dann in einem Gesamtkonzept der Schmerztherapie.
Gehen Nervenschmerzen wieder weg?
- Teilweise belegt
Das hängt von der Ursache ab. Nach gesund.bund.de lassen sich die Beschwerden oft bessern, wenn die Grunderkrankung behandelt wird, etwa Diabetes oder ein Vitaminmangel; heilen lässt sich eine Polyneuropathie so aber nicht. Die DGN-Leitlinie sagt offen, dass trotz Medikamenten oft keine Schmerzfreiheit erreicht wird. Realistisch ist, den Schmerz deutlich zu senken, besser zu schlafen und im Alltag aktiv zu bleiben. Schmerzpsychotherapie und eine Schmerztherapie aus mehreren Fächern gelten dabei als wichtige Bausteine.
Warnzeichen: wann du ärztliche Hilfe brauchst
Ruf sofort den Notruf 112, wenn du das bemerkst:
- Plötzliche Lähmung oder Schwäche in Gesicht, Arm oder Bein, ein hängender Mundwinkel oder verwaschene Sprache
Sofort 112 wählen. Das kann ein Schlaganfall sein. Fahr nicht selbst.
- Schwäche und Taubheit, die von den Füßen rasch nach oben steigen, mit Atemnot oder Schluckbeschwerden
Sofort 112 wählen. Selten steckt eine akute Entzündung der Nerven dahinter, das Guillain-Barré-Syndrom, die die Atmung lähmen kann.
- Rücken- oder Beinschmerz mit Taubheit im Genital- oder Gesäßbereich oder plötzlichen Problemen, Urin oder Stuhl zu halten
Sofort 112 wählen oder in die Notaufnahme. Das kann ein stark eingeklemmter Nervenstrang im unteren Rücken sein, der rasch operiert werden muss.
Lass das sofort ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Kribbeln, Taubheit oder Schwäche, die innerhalb von Tagen deutlich zunehmen
Lass dich noch heute ärztlich untersuchen, in der Hausarztpraxis oder über den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.
- Rücken- oder Beinschmerz mit Fieber, ungewolltem Gewichtsverlust, Schmerzen, die nachts stärker werden, oder bei einer bekannten Krebserkrankung
Lass dich noch heute ärztlich untersuchen. Selten steckt eine Entzündung oder ein Tumor an der Wirbelsäule dahinter, der rasch abgeklärt werden muss.
- Brennender Schmerz an einer Körperseite, dazu ein Ausschlag mit Bläschen in einem Streifen
Geh möglichst bald in die Praxis, am besten innerhalb von drei Tagen nach Beginn des Ausschlags. Bei einer Gürtelrose wirken Mittel gegen das Virus am besten früh.
Lass das ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Eine Wunde, Rötung oder Schwellung am Fuß, die du kaum spürst oder die nicht heilt, vor allem bei Diabetes
Zeig sie zeitnah in der Praxis. Bei Nervenschäden fallen Verletzungen spät auf und können sich entzünden.
- Anhaltendes Kribbeln, Brennen, Taubheit oder einschießende Schmerzen in Füßen oder Händen, unsicherer Gang
Lass die Ursache in der Hausarztpraxis abklären. Blutwerte und eine Untersuchung der Nerven zeigen, ob etwa Diabetes, Alkohol oder ein Vitamin-B12-Mangel dahinterstecken.
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Quellen
Alle 19 Quellen anzeigen
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Was die Evidenz-Labels bedeuten, erklären wir unter So ordnen wir ein.
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