Grippe (Influenza)
Das Wichtigste auf einen Blick
- Jährliche Grippeimpfung im Herbst, besonders ab 60, mit Grundleiden oder in der SchwangerschaftGut belegtTeilweise belegt
- Ruhe, genug trinken und zu Hause bleiben, solange du Fieber hastTeilweise belegt
- Hände oft mit Seife waschen, in die Armbeuge husten, Räume lüftenTeilweise belegt
- Als Risikoperson früh in der Praxis anrufen: Grippemittel brauchen einen frühen BeginnTeilweise belegt
- Bei schwerer Atemnot, plötzlichen Brustschmerzen, Bluthusten oder Verwirrtheit sofort 112 wählenGut belegt
Ausführlich, mit Quellen, weiter unten.
Kurz erklärt
Die Grippe ist eine Infektion mit Influenzaviren, die oft plötzlich mit hohem Fieber, Gliederschmerzen, trockenem Husten und starker Erschöpfung beginnt. Meist ist das Schlimmste nach etwa einer Woche vorbei. Ruhe, Trinken und fiebersenkende Schmerzmittel lindern die Beschwerden, die jährliche Impfung ist die wichtigste Vorbeugung. Bei Atemnot, Brustschmerzen oder als Risikoperson hol früh ärztlichen Rat.
Grippemittel gegen das Virus verkürzen die Krankheit nur wenig und sind vor allem für Menschen mit erhöhtem Risiko gedacht. Antibiotika helfen nur bei einer zusätzlichen bakteriellen Infektion. Für Holunder und Vitamin D ist ein Nutzen nicht gesichert. Hausmittel wie Hühnerbrühe oder Kräutertee tun vielen gut, beschleunigen die Genesung nach den Belegen aber nicht.
- Gut belegt5 Aussagen
- Teilweise belegt6 Aussagen
- Erste Hinweise3 Aussagen
- Traditionell genutzt2 Aussagen
- Studien sprechen dagegen1 Aussage
Sichtweisen im Vergleich
Wirkstoffe und Methoden
Häufige Fragen
Grippe oder Erkältung: Woran erkenne ich den Unterschied?
- Gut belegt
Eine Grippe kommt meist plötzlich, innerhalb von Stunden, mit Fieber, Schüttelfrost, Gliederschmerzen, trockenem Husten und starker Erschöpfung. Eine Erkältung entwickelt sich langsamer, bleibt meist bei Nase und Hals und ist in der Regel harmlos. Sicher unterscheiden lassen sich Grippe, Erkältung und Covid-19 an den Beschwerden allein aber nicht, denn eine Grippe kann auch mild verlaufen. Nur etwa ein Drittel der Erkrankten hat das typische Bild.
Wie lange dauert eine Grippe und wie lange bin ich ansteckend?
- Gut belegt
Die Krankheit dauert nach dem RKI meist fünf bis sieben Tage, das Schlimmste ist oft nach etwa einer Woche vorbei. Bis du dich ganz erholt hast, kann es länger dauern, der Husten bleibt manchmal zwei bis drei Wochen. Ansteckend bist du im Mittel vier bis fünf Tage ab den ersten Beschwerden, manchmal länger und manchmal schon davor. Kinder können das Virus länger weitergeben.
Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?
- Gut belegt
- Teilweise belegt
Die STIKO empfiehlt die jährliche Impfung, vorzugsweise im Oktober oder November, unter anderem allen ab 60 Jahren, Menschen jeden Alters mit einer chronischen Grunderkrankung, Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimen, gesunden Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, Schwangeren mit Grunderkrankung schon ab dem ersten, und medizinischem Personal. Nach dem RKI schützt sie in 40 bis 60 Prozent vor einer im Labor bestätigten Grippe, bei Älteren weniger. Bei gesunden Erwachsenen senkte die Impfung im Cochrane-Review das Grippe-Risiko von 2,3 auf 0,9 Prozent. Welche Impfung zu dir passt, klärt die Hausarztpraxis.
Helfen Grippemittel wie Oseltamivir?
- Teilweise belegt
Ein wenig. Im Cochrane-Review aller Herstellerstudien besserten sich die Beschwerden bei Erwachsenen mit Oseltamivir etwa 17 Stunden früher, Krankenhausaufenthalte wurden nicht nachweisbar seltener, Übelkeit und Erbrechen dagegen häufiger. Das RKI nennt die Mittel vor allem für Menschen mit erhöhtem Risiko oder schwerem Verlauf, begonnen innerhalb von 48 Stunden nach den ersten Beschwerden. Gehörst du zu einer Risikogruppe, ruf deshalb früh in der Praxis an. Oseltamivir ist verschreibungspflichtig.
Wann sollte ich mit Grippe zum Arzt?
- Gut belegt
Hol ärztlichen Rat, wenn du zu einer Risikogruppe gehörst, also etwa ab 60, schwanger, chronisch krank oder mit geschwächter Abwehr, wenn du dich sehr krank oder kurzatmig fühlst, wenn es dir nach einigen Tagen wieder schlechter geht oder nach sieben Tagen keine Besserung kommt, und wenn du dir um ein Kind Sorgen machst. Bei schwerer Atemnot, plötzlichen Brustschmerzen, Bluthusten oder Verwirrtheit wähle 112.
Warnzeichen: wann du ärztliche Hilfe brauchst
Ruf sofort den Notruf 112, wenn du das bemerkst:
- Schwere Atemnot: Du ringst nach Luft und kannst kaum sprechen, oder Lippen, Zunge oder Haut werden bläulich, grau oder fleckig
Das kann eine Lungenentzündung oder ein anderer Notfall sein. Wähle sofort 112.
- Plötzliche Schmerzen in der Brust oder du hustest Blut
Wähle 112 oder lass dich in die Notaufnahme bringen. Fahr nicht selbst.
- Plötzliche Verwirrtheit oder starke Schläfrigkeit, oder ein Baby lässt sich kaum wecken oder wirkt schlaff
Wähle sofort 112, auch nachts.
- Fieber mit steifem Nacken, Schmerzen beim Blick ins Licht, sehr starken Kopfschmerzen oder einem Ausschlag, der unter einem daraufgedrückten Glas nicht verblasst
Das können Zeichen einer Hirnhautentzündung sein. Wähle sofort 112.
- Ein Kind atmet sehr schnell oder mühsam, stöhnt beim Atmen, die Haut zwischen den Rippen zieht sich beim Einatmen ein, oder es hat zum ersten Mal einen Fieberkrampf
Wähle sofort 112.
Lass das sofort ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Ein Baby unter drei Monaten hat 38 °C Fieber oder mehr, ein Baby zwischen drei und sechs Monaten 39 °C oder mehr
Ruf noch am selben Tag in der Kinderarztpraxis an, nachts beim ärztlichen Bereitschaftsdienst.
- Ein Kind zeigt Zeichen von Austrocknung, etwa kaum nasse Windeln, eingesunkene Augen oder Weinen ohne Tränen, oder das Fieber hält fünf Tage oder länger an
Ruf noch am selben Tag in der Kinderarztpraxis an, nachts beim ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117.
- Du fühlst dich sehr krank oder kurzatmig, oder es geht dir nach einigen Tagen wieder deutlich schlechter
Schwere Verläufe zeigen sich oft drei bis zehn Tage nach Beginn, meist an der Lunge. Lass dich noch am selben Tag untersuchen.
Lass das ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Grippebeschwerden, und du bist ab 60, schwanger, chronisch krank oder hast eine geschwächte Abwehr
Ruf früh in deiner Praxis an. Ein Grippemittel kommt für dich eher infrage und wird möglichst in den ersten zwei Tagen begonnen.
- Nach sieben Tagen keine Besserung
Lass klären, ob eine Komplikation wie eine Nebenhöhlen-, Mittelohr- oder Lungenentzündung dahintersteckt.
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Quellen
Alle 21 Quellen anzeigen
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