Naturheilkunde
Mykotherapie (Heilpilze)
Kurz erklärt
Mykotherapie heißt, Pilze oder Pilzextrakte gesundheitlich zu nutzen. Gemeint sind vor allem Reishi (Glänzender Lackporling), Shiitake, Igelstachelbart (Hericium, auch Löwenmähne) und Raupenpilz (Cordyceps), daneben Chaga, Maitake oder Schmetterlingstramete. Angeboten werden die Pilze als Pulver, Kapseln, Extrakte, Tee oder Pilz-„Kaffee“. Shiitake und Maitake sind auch gewöhnliche Speisepilze.
Die Pilze stammen aus der traditionellen chinesischen Medizin und werden nach den Verbraucherzentralen dort und im Ayurveda seit Langem verwendet, allerdings in eigens zusammengestellten Mischungen. Mit Kapseln aus einzelnen Pilzbestandteilen hat das nach den Verbraucherzentralen wenig zu tun. In China gilt Reishi, dort Lingzhi genannt, als „Kraut der spirituellen Kraft“ und Sinnbild für Wohlergehen und langes Leben.
In Deutschland sind Heilpilze nicht als Arzneimittel zugelassen. Verkauft werden sie meist als Nahrungsergänzungsmittel, und die dürfen nicht mit Krankheiten beworben werden. „Vitalpilz“ ist nach den Verbraucherzentralen ein Werbebegriff ohne feste Bedeutung. Vermarktet werden die Pilze nach den Verbraucherzentralen vor allem über das Internet und auf Gesundheitsmessen.
Wie es wirken soll
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
- Studien sprechen dagegen
Traditionell werden Reishi, vor allem in China, Wirkungen auf Blutzucker, Abwehr und Leber zugeschrieben. Diese Vorstellungen beruhen nach einer Übersicht vor allem auf Anekdoten, Überlieferung und kulturellen Überzeugungen. Viele moderne Studien sind Zell- oder Tierversuche, die sich nicht auf Menschen übertragen lassen; Studien mit Menschen sind nach den Verbraucherzentralen wenige, klein und oft schwach angelegt.
Am besten geprüft ist Reishi bei Typ-2-Diabetes: Ein Cochrane-Review fand über drei bis vier Monate keinen deutlicheren Einfluss auf Langzeitblutzucker, Cholesterin oder Blutdruck als ein Scheinmittel. Für Shiitake als Lebensmittel zeigte eine kleine Studie Veränderungen bei Abwehrzellen im Labor, nicht aber, ob die Menschen seltener krank wurden. Für Igelstachelbart gibt es erste Hinweise aus sehr kleinen Studien auf die geistige Leistungsfähigkeit, für Raupenpilz knapp messbare Effekte auf die Ausdauer von Sportlern.
„Traditionell genutzt“ gilt für den Gebrauch der Pilze in der chinesischen Medizin, „Erste Hinweise“ für einzelne Studienergebnisse, „Studien sprechen dagegen“ für Reishi bei Blutzucker und Blutfetten im Diabetes.
Quellen: Quelle 1, Quelle 2, Quelle 3, Quelle 4, Quelle 5, Quelle 6, Quelle 7
Wofür
Abwehrkräfte stärken
- Erste Hinweise
In der Werbung für Heilpilze heißt es nach den Verbraucherzentralen oft, sie wirkten positiv auf die Abwehr. In einer kleinen Studie aßen 52 gesunde junge Erwachsene vier Wochen lang täglich getrocknete Shiitake-Pilze; danach vermehrten sich bestimmte Abwehrzellen im Labor stärker, und der Entzündungswert CRP sank. Shiitake gehören dabei immer gut durchgegart.
Was dagegen spricht
Die Studie hatte keine Vergleichsgruppe ohne Pilze und maß nur Laborwerte, nicht, ob die Teilnehmenden seltener Infekte bekamen. Für Pilzpräparate in Kapselform sagt sie nichts; für Hericium als „Immunbooster“ fehlen nach den Verbraucherzentralen die Belege.
Diabetes Typ 2
- Studien sprechen dagegen
Reishi wird nach den Verbraucherzentralen oft als natürliches Mittel bei Diabetes beworben. Ein Cochrane-Review mit Studien an Menschen mit Typ-2-Diabetes fand über drei bis vier Monate keinen deutlicheren Einfluss auf den Langzeitblutzucker, das Cholesterin oder den Blutdruck als ein Scheinmittel. Reishi kann zusammen mit Diabetesmitteln zu Unterzuckerungen beitragen; Medikamente ändert nur die behandelnde Praxis.
Was dagegen spricht
Der Review stützt sich auf wenige kleine Studien, und nur eine hatte ein geringes Verzerrungsrisiko. Ein kleiner Effekt lässt sich damit nicht sicher ausschließen.
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Risiken
Bei Reishi-Pulver und -Extrakten sind sehr seltene, teils schwere Leberschäden beschrieben. Ein Fall aus Hongkong und ein tödliches Leberversagen aus Thailand traten jeweils ein bis zwei Monate nach dem Wechsel vom gekochten Sud auf Pulver auf; beide Personen nahmen auch andere Mittel ein. Ein Mann in den USA bekam nach Reishi-Pulver und Alkohol eine Leberentzündung, die abheilte. Nach LiverTox, der Leberschaden-Datenbank des US-Gesundheitsinstituts NIDDK, sind viele Fälle schlecht dokumentiert, und ob Reishi allein die Ursache war, ist unsicher. Müdigkeit, Übelkeit, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, dunkler Urin oder gelbe Haut oder Augen unter der Einnahme: Reishi absetzen und sofort ärztlich abklären lassen.
Nach dem MSD Manual kann Reishi das Blutungsrisiko mit Blutverdünnern erhöhen und die Wirkung von Blutdruck- und Diabetesmitteln verstärken; Reishi-„Kaffee“ kann nach den Verbraucherzentralen bei Menschen mit und ohne Diabetes eine gefährliche Unterzuckerung auslösen, wie ein Fallbericht zeigt. Die Verbraucherzentralen raten von einer Selbstbehandlung mit Pilzextrakten ab, besonders wer Medikamente nimmt oder eine Chemotherapie bekommt, und empfehlen, vorher in der Arztpraxis oder Apotheke nachzufragen. Verschriebene Medikamente nur in Absprache mit der behandelnden Praxis ändern. Zu Reishi in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es nach dem MSD Manual keine Daten.
Rohe oder kaum gegarte Shiitake können eine juckende, streifenförmige Hautentzündung auslösen; Shiitake also immer gut durchgaren. Igelstachelbart kann Magenbeschwerden, Kopfschmerzen und Allergien machen. Pilzprodukte können nach den Verbraucherzentralen Schimmelpilzgifte, Schwermetalle oder andere Pilzarten als angegeben enthalten.
Heilpilze ersetzen keine ärztliche Behandlung, auch nicht bei Krebs.
Häufige Fragen
Was ist Mykotherapie?
- Traditionell genutzt
Mykotherapie nutzt Pilze wie Reishi, Shiitake, Igelstachelbart oder Raupenpilz als Pulver, Kapsel oder Extrakt für die Gesundheit. Die Pilze stammen nach den Verbraucherzentralen aus der traditionellen chinesischen Medizin, wo sie in eigens zusammengestellten Mischungen verwendet werden. In Deutschland sind sie nicht als Arzneimittel zugelassen, sondern werden meist als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Der Gebrauch ist traditionell überliefert; aussagekräftige Studien mit Menschen gibt es nur wenige.
Ist Reishi schädlich für die Leber?
- Erfahrungswissen
Sehr selten möglich: Bei Reishi-Pulver und -Extrakten sind Leberschäden beschrieben, in einem Fall aus Thailand sogar ein tödliches Leberversagen. Nach LiverTox begann der Schaden meist ein bis zwei Monate nach Beginn der Einnahme; in den drei hier zitierten Fällen nahmen die Betroffenen auch andere Mittel oder Alkohol. Es sind Einzelfallberichte, ein sicherer Zusammenhang ist nicht bewiesen. Bei Müdigkeit, Übelkeit, Bauchschmerzen, dunklem Urin oder gelber Haut das Präparat absetzen und sofort ärztlich abklären lassen.
Quellen: Quelle 9, Quelle 10, Quelle 11, Quelle 12, Quelle 13
Hilft Reishi bei Diabetes?
- Studien sprechen dagegen
Nach den bisherigen Studien nicht. Ein Cochrane-Review fand bei Menschen mit Typ-2-Diabetes über drei bis vier Monate keinen deutlicheren Einfluss auf den Langzeitblutzucker, das Cholesterin oder den Blutdruck als ein Scheinmittel; die Studien waren allerdings wenige und klein. Zugleich kann Reishi zusammen mit Diabetesmitteln zu Unterzuckerungen beitragen, und Reishi-„Kaffee“ hat nach den Verbraucherzentralen in einem Fallbericht eine gefährliche Unterzuckerung ausgelöst. Diabetesmittel ändert nur die behandelnde Praxis.
Was bringt Hericium (Löwenmähne) für das Gedächtnis?
- Erste Hinweise
Es gibt erste Hinweise, mehr nicht. In einer japanischen Studie mit 30 älteren Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung schnitten diejenigen mit Hericium-Tabletten ab der achten Woche in einem Test der geistigen Leistungsfähigkeit besser ab als mit Placebo; nach dem Absetzen sanken die Werte wieder. Ein systematischer Review fand insgesamt nur wenige kleine Studien mit leicht besseren Testwerten. Für die Behandlung einer Demenz gibt es keinen Beleg, und Gedächtnisprobleme gehören ärztlich abgeklärt.
Ähnliche Methoden
Zu denselben Themen.
Quellen
Alle 13 Quellen anzeigen
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- LiverTox: Lingzhi (Reishi). National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK), LiverTox, 2024Behörde / amtliche StelleZur Quelle
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