Scheidenpilz
Das Wichtigste auf einen Blick
- Beim ersten Mal, bei Fieber oder Unterleibsschmerzen erst ärztlich abklären lassenTeilweise belegt
- Antipilzmittel als Zäpfchen, Creme oder Tablette sind am besten untersuchtGut belegtTeilweise belegt
- Keine deutliche Besserung nach vier Tagen Behandlung: zur Praxis gehenTeilweise belegt
- Intimbereich mit Wasser statt Seife waschen, keine Spülungen oder IntimspraysTeilweise belegtErste Hinweise
- Ein Partner ohne Beschwerden muss in der Regel nicht mitbehandelt werdenTeilweise belegt
Ausführlich, mit Quellen, weiter unten.
Kurz erklärt
Scheidenpilz ist eine Entzündung der Scheide durch Hefepilze, meist Candida albicans, die oft unbemerkt dort leben. Typisch sind Juckreiz, Brennen und weißlich-krümeliger Ausfluss ohne üblen Geruch. Am besten belegt sind Antipilzmittel als Zäpfchen, Creme oder Tablette; die Beschwerden gehen meist in wenigen Tagen zurück. Beim ersten Mal, in der Schwangerschaft und bei Fieber gehört er ärztlich abgeklärt.
Bis zu drei von vier Frauen haben mindestens einmal im Leben einen Scheidenpilz. Antibiotika, Diabetes, eine Schwangerschaft, ein geschwächtes Immunsystem und übertriebene Intimhygiene machen ihn wahrscheinlicher. Kommt er mehr als viermal im Jahr wieder, gibt es eine längere ärztliche Behandlung zur Vorbeugung.
Hausmittel wie Joghurt, Honig, Knoblauch oder Teebaumöl sind kaum untersucht und können die Schleimhaut reizen. Milchsäurebakterien zusätzlich zur Behandlung zeigten in Studien höchstens einen kleinen, kurzen Vorteil.
- Gut belegt1 Aussage
- Teilweise belegt6 Aussagen
- Erste Hinweise4 Aussagen
- Traditionell genutzt1 Aussage
Sichtweisen im Vergleich
Häufige Fragen
Kann ich Scheidenpilz selbst behandeln?
- Teilweise belegt
Wenn du die Beschwerden von einer früheren, ärztlich gesicherten Pilzinfektion kennst, ja: Mittel mit Clotrimazol zum Einführen in die Scheide gibt es ohne Rezept in der Apotheke. Beim ersten Mal, bei Fieber, Schmerzen im Unterleib, schlecht riechendem Ausfluss oder Blutungen sollst du laut Beipackzettel aber zuerst ärztlich abklären lassen. Juckreiz hat oft andere Ursachen: Nach der Leitlinie hatte in einer Studie nur etwa jede dritte Frau, die sich selbst behandelte, wirklich einen Scheidenpilz. Der britische Gesundheitsdienst rät, dich ohne Rücksprache nicht öfter als zweimal in sechs Monaten selbst zu behandeln.
Was hilft schnell gegen Scheidenpilz?
- Teilweise belegt
Am besten untersucht sind Antipilzmittel. Zäpfchen oder Cremes für die Scheide wirken je nach Mittel über einen bis sechs Tage, eine Tablette mit Fluconazol auf Rezept wird einmal genommen. Ein Cochrane-Review fand bei den Beschwerden wahrscheinlich kaum einen Unterschied zwischen beiden Wegen. Laut Beipackzettel gehen Juckreiz, Brennen und Ausfluss meist in den ersten vier Tagen deutlich zurück. Ist das nicht so oder wird es schlimmer, gehört die Infektion in ärztliche Hände.
Muss mein Partner mitbehandelt werden?
- Teilweise belegt
Meist nicht. Nach der Leitlinie wird ein Partner ohne Beschwerden weder bei einer einmaligen noch bei wiederkehrenden Infektionen behandelt, weil das die Rückfälle der Frau nicht senkt. Hat er Beschwerden, etwa eine gerötete, juckende Eichel, oder wird bei ihm ein Pilz nachgewiesen, wird er mitbehandelt. Bis die Infektion abgeklungen ist, verzichtet ihr laut gesund.bund.de am besten auf Sex.
Helfen Milchsäurebakterien bei Scheidenpilz?
- Erste Hinweise
Vielleicht ein wenig, als Ergänzung. Ein Cochrane-Review mit zehn Studien fand, dass Probiotika zusätzlich zu einem Antipilzmittel die Beschwerden kurzfristig etwas häufiger abklingen ließen und Rückfälle im ersten Monat seltener waren. Für die Heilung einen und drei Monate nach der Behandlung zeigte sich kein gesicherter Vorteil, und die Belege sind schwach. Ob Milchsäurebakterien allein eine Pilzinfektion behandeln können, ist laut gesundheitsinformation.de unklar. Auch die Leitlinie spricht von einem möglichen vorbeugenden Nutzen bei begrenzter Beweislage.
Was tun bei Scheidenpilz in der Schwangerschaft?
- Teilweise belegt
Lass dich ärztlich beraten und behandle dich nicht auf eigene Faust. Die Leitlinie empfiehlt in der Schwangerschaft, besonders in den ersten drei Monaten, Clotrimazol zur Anwendung in der Scheide, weil Tabletten mit Fluconazol in der Frühschwangerschaft in Studien mit Fehlbildungen und Fehlgeburten in Verbindung gebracht wurden. Tabletten gegen Scheidenpilz sind in Schwangerschaft und Stillzeit nicht zugelassen. Laut Beipackzettel wird in der Schwangerschaft ohne Applikator behandelt. In den letzten Wochen vor der Geburt rät die Leitlinie, auch eine Besiedlung ohne Beschwerden zu behandeln, damit sich das Neugeborene bei der Geburt nicht ansteckt und später keinen Pilz im Mund oder im Windelbereich bekommt.
Warnzeichen: wann du ärztliche Hilfe brauchst
Lass das sofort ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Fieber ab 38 °C, Schmerzen im Unterleib, Rücken oder in der Schulter, Übelkeit oder Blutungen aus der Scheide zusammen mit Juckreiz oder Ausfluss
Dann kann mehr dahinterstecken als ein Scheidenpilz. Behandle dich nicht selbst, sondern lass dich noch heute ärztlich untersuchen.
Lass das ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Ausfluss, der unangenehm riecht
Pilzausfluss riecht laut Leitlinie in der Regel nicht unangenehm. Ein Geruch spricht eher für eine andere Ursache, etwa eine bakterielle Infektion, die anders behandelt wird.
- Juckreiz, Brennen oder Ausfluss zum ersten Mal
Juckreiz hat oft andere Ursachen als einen Pilz. Lass beim ersten Mal ärztlich klären, was dahintersteckt, bevor du ein Mittel aus der Apotheke nimmst.
- Beschwerden in der Schwangerschaft oder Stillzeit
Behandle dich dann nicht selbst. Tabletten gegen Pilze sind in dieser Zeit nicht zugelassen; die Praxis wählt ein passendes Mittel zur Anwendung in der Scheide.
- Keine deutliche Besserung nach vier Tagen Behandlung, oder die Beschwerden werden schlimmer
Dann ist es vielleicht kein Pilz oder ein Pilz, auf den das Mittel nicht anspricht. Lass einen Abstrich untersuchen.
- Mehr als vier Pilzinfektionen in zwölf Monaten
Das gilt als komplizierte, wiederkehrende Infektion. Sie braucht eine gesicherte Diagnose mit Pilzkultur und meist eine längere Behandlung zur Vorbeugung.
- Scheidenpilz bei Diabetes oder geschwächtem Immunsystem, etwa durch HIV, Chemotherapie oder Kortison
Dann ist die Infektion oft hartnäckiger, und die Behandlung gehört in ärztliche Hände. Bei Diabetes lohnt es sich, mit der Praxis auch auf den Blutzucker zu schauen.
- Juckreiz oder Ausfluss bei Mädchen unter 16 Jahren, bei Frauen über 60 oder nach den Wechseljahren ohne Hormonbehandlung
Der britische Gesundheitsdienst rät in diesem Alter zur ärztlichen Abklärung statt zur Selbstbehandlung. Vor der ersten Periode und nach den Wechseljahren ohne Hormonbehandlung ist ein Scheidenpilz laut Leitlinie sehr selten; die Beschwerden haben dann wahrscheinlich eine andere Ursache.
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Quellen
Alle 14 Quellen anzeigen
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