Arzneistoff
Diclofenac
Auch bekannt als: Diclofenac-Natrium
Kurz erklärt
Diclofenac ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Nach den Packungsbeilagen wirkt er schmerzstillend und entzündungshemmend.
Als Tablette zum Einnehmen verschreibt die Praxis ihn bei Schmerz und Entzündung durch Gelenkentzündungen, auch beim Gichtanfall, bei rheumatischen Erkrankungen der Wirbelsäule, bei Reizzuständen von Arthrosen, bei Weichteilrheumatismus und nach Verletzungen; über Menge und Dauer entscheidet sie. Als Gel auf der Haut ist er für Schmerzen bei frischen Zerrungen, Verstauchungen und Prellungen gedacht.
Die wichtigsten Risiken der Tabletten betreffen Magen und Darm, Herz und Kreislauf, Leber, Nieren und seltene schwere Haut- und Allergiereaktionen. Nach einer europäischen Überprüfung ähnelt das Herz-Kreislauf-Risiko dem der COX-2-Hemmer, besonders bei hoher Dosis und langer Behandlung. Was diese Seite zusammenfasst, ersetzt nicht die Packungsbeilage des eigenen Präparats.
Diclofenac ist ein Arzneistoff und nur als zugelassenes Arzneimittel erhältlich, nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel. Die hier ausgewerteten Tabletten zum Einnehmen werden ärztlich verschrieben; das Gel ist nach seiner Beilage für die kurze Anwendung mit Rat aus der Apotheke gedacht. Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat 2013 das Herz-Kreislauf-Risiko von Diclofenac zum Einnehmen überprüft; seitdem gelten strengere Gegenanzeigen, die in den Produktinformationen stehen.
Wofür
Arthrose
- Gut belegt
- Teilweise belegt
Schmerz und Entzündung bei Reizzuständen von Arthrosen sind ein zugelassenes Anwendungsgebiet der Diclofenac-Tabletten; die Praxis verschreibt sie und entscheidet über Menge und Dauer. Auf der Haut linderte Diclofenac nach einem Cochrane-Review von Studien über 6 bis 12 Wochen, fast alle zur Kniearthrose, die Schmerzen besser als ein Gel ohne Wirkstoff, bei etwa jeder zehnten Person zusätzlich deutlich. Leichte Hautreaktionen waren häufiger, schwere Nebenwirkungen selten.
Was dagegen spricht
Auch ohne Wirkstoff besserte sich etwa die Hälfte; Tabletten tragen Risiken für Magen, Darm, Herz und Nieren, besonders bei langer Einnahme.
Knieschmerzen
- Teilweise belegt
Bei Kniearthrose linderte Diclofenac auf der Haut nach einem Cochrane-Review über 6 bis 12 Wochen die Schmerzen besser als ein Gel ohne Wirkstoff. Bei frischen Zerrungen, Verstauchungen und Prellungen ist ein Diclofenac-Gel zugelassen, und ein weiterer Cochrane-Review fand bei solchen Verletzungen eine gute Schmerzlinderung mit meist leichten Hautreaktionen. Nach der Packungsbeilage gehören stark gerötete, geschwollene oder überwärmte Gelenke und Beschwerden, die nach 3 bis 5 Tagen nicht besser sind, ärztlich abgeklärt.
Was dagegen spricht
Der Vorteil gegenüber einem Gel ohne Wirkstoff betraf nur eine Minderheit; viele Studiendaten blieben unveröffentlicht.
Rückenschmerzen
- Erste Hinweise
Die Diclofenac-Tabletten sind für Schmerz und Entzündung bei rheumatischen Erkrankungen der Wirbelsäule und bei Reizzuständen von Wirbelsäulenarthrosen zugelassen und werden verschrieben. Bei chronischen Kreuzschmerzen ohne erkennbare Ursache fand ein Cochrane-Review für entzündungshemmende Schmerzmittel wie Diclofenac nur einen kleinen Vorteil gegenüber Placebo. Heftige Rückenschmerzen, die ins Bein ausstrahlen oder mit Taubheit oder Kribbeln einhergehen, gehören nach der Beilage des Gels ärztlich abgeklärt.
Was dagegen spricht
Die Belege sind von niedriger Qualität, die Studien kurz; ob die Mittel bei langer Einnahme sicher sind, blieb offen.
Anwendung
Formen und Einnahme
- Magensaftresistente Tablette mit 25 oder 50 mgWird ärztlich verschrieben, vor allem bei rheumatischen Erkrankungen und Arthrose. Die 50-mg-Tablette ist nach ihrer Beilage für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht geeignet, die 25-mg-Tablette wird unter 16 Jahren nicht empfohlen. Weil der Wirkstoff verzögert frei werden kann, ist sie nach den Beilagen nicht dafür gedacht, eine Behandlung zu beginnen, die schnell wirken muss.
- Gel mit 10 mg je GrammZur Anwendung auf unverletzter Haut bei Schmerzen nach Zerrungen, Verstauchungen und Prellungen, für Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren. Bessern sich die Beschwerden nach 3 bis 5 Tagen nicht oder werden sie schlimmer, rät die Beilage zum Arzt.
Die Packungsbeilagen der magensaftresistenten Tabletten sehen vor, sie unzerkaut und ungeteilt mit einem Glas Wasser 1 bis 2 Stunden vor der Mahlzeit auf nüchternen Magen zu nehmen. Über die Dauer entscheidet die behandelnde Praxis; bei rheumatischen Erkrankungen kann sie länger nötig sein. Wirkt die Tablette zu schwach, erhöhst du die Menge nach den Beilagen nicht selbst, sondern fragst in der Praxis. Wer eine Einnahme vergessen hat, nimmt nicht die doppelte Menge. Bei längerer Einnahme kontrolliert die Praxis nach den Beilagen regelmäßig Leber, Nieren und Blutbild.
Das Gel wird nach seiner Beilage dünn auf die schmerzende Stelle aufgetragen und leicht, ohne Druck eingerieben, drei- bis viermal am Tag. Danach die Hände abwischen und waschen, außer sie sind selbst die behandelte Stelle. Nicht auf offene Wunden, entzündete oder kranke Haut und nicht an Augen oder Schleimhäute bringen; keinen dicht abschließenden Verband. Meist reichen 1 bis 2 Wochen.
Vor Operationen, auch beim Zahnarzt, sagst du Bescheid, dass du Diclofenac nimmst. Die Mengen der Packungsbeilagen stehen in der Dosis-Übersicht; maßgeblich ist die Beilage des eigenen Präparats.
Dosis-Übersicht
| Grundlage | Menge | Einordnung |
|---|---|---|
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 25–50 mg Einzeldosis | Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren, auf ärztliche Verordnung · Einzeldosis bei rheumatischen Erkrankungen nach der Packungsbeilage der 25-mg-Tablette: 1 bis 2 Tabletten; mit der 50-mg-Tablette, die nur für Erwachsene ist, eine Tablette. Unzerkaut und ungeteilt 1 bis 2 Stunden vor der Mahlzeit. Tagesmenge in der nächsten Zeile; über Menge und Dauer entscheidet die behandelnde Praxis. |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 50–150 mg pro Tag | Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren, auf ärztliche Verordnung · Empfohlener Bereich bei rheumatischen Erkrankungen nach den Packungsbeilagen, je nach Schwere, verteilt auf 1 bis 3 Einzelgaben (50-mg-Tablette) oder 2 bis 3 Einzelgaben (25-mg-Tablette). Das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt nach der EMA vor allem bei hoher Dosis von 150 mg am Tag und langer Behandlung. Über Menge und Dauer entscheidet die behandelnde Praxis. |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 2–4 g Einzeldosis | Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren · Gel mit 10 mg Diclofenac-Natrium je Gramm: je nach Größe der schmerzenden Stelle eine kirsch- bis walnussgroße Menge, entsprechend 20 bis 40 mg Wirkstoff, drei- bis viermal am Tag, nach der Packungsbeilage. Höchstmenge in der nächsten Zeile. Quelle: Quelle 5 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 16 g pro Tag | Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren · Höchstmenge Gel am Tag nach der Packungsbeilage, entsprechend 160 mg Diclofenac-Natrium. In der Regel reichen 1 bis 2 Wochen; Jugendliche gehen zum Arzt, wenn sie das Gel länger als 7 Tage brauchen oder es schlimmer wird. Quelle: Quelle 5 |
Keine persönliche Dosisempfehlung. Sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke, besonders wenn du Medikamente nimmst.
Risiken
Nebenwirkungen
Bei den Tabletten betreffen die häufigsten Nebenwirkungen den Verdauungstrakt. Sehr häufig, also bei mehr als einer von zehn behandelten Personen, sind nach den Packungsbeilagen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und geringe Blutverluste aus Magen oder Darm. Häufig sind Verdauungsbeschwerden, Blähungen, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und Magen-Darm-Geschwüre, unter Umständen mit Blutung oder Durchbruch, außerdem Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Hautausschlag und erhöhte Leberwerte. Die Nebenwirkungen hängen überwiegend von der Dosis ab.
Schwellungen von Gesicht, Zunge oder Kehlkopf mit Atemnot, Herzrasen oder Kreislaufschwäche brauchen nach den Beilagen sofort ärztliche Hilfe: Ruf dann den Notruf 112. Ebenso bei Brustschmerz, Kurzatmigkeit, plötzlicher Schwäche oder Sprachstörungen, die nach den Beilagen Zeichen für Probleme mit Herz oder Blutgefäßen sein können. Brich die Einnahme ab und geh sofort zum Arzt bei starken Oberbauchschmerzen, Bluterbrechen, schwarzem Stuhl oder Blut im Stuhl, bei Hautausschlag mit Blasen oder wunden Schleimhäuten, bei Fieber mit Halsschmerzen, wunden Stellen im Mund oder Nasenbluten (sehr selten Zeichen einer gestörten Blutbildung) und bei weniger Urin mit Wassereinlagerungen (Zeichen einer Nierenerkrankung). Gelegentlich kommen Leberentzündungen vor, sehr selten schwer und auch ohne Vorzeichen; sehr selten auch ein Schlaganfall.
Diclofenac zum Einnehmen ist nach der EMA mit einem leicht erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden, ähnlich wie COX-2-Hemmer, besonders bei 150 mg am Tag und langer Behandlung. Ältere Menschen haben häufiger Nebenwirkungen, vor allem Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Das Gel verursacht häufig Hautausschlag, Rötung oder Juckreiz an der behandelten Stelle; selten Hautentzündung mit Blasen, sehr selten Asthma oder Schwellungen im Gesicht. Dann wird es nach seiner Beilage nicht weiter angewendet, und du gehst möglichst umgehend zum Arzt.
Wechselwirkungen
- Gerinnungshemmer wie Warfarin und Thrombozytenaggregationshemmer wie niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS)
Das Blutungsrisiko kann steigen, und die gerinnungshemmende Wirkung kann sich verstärken; die Packungsbeilagen empfehlen Kontrollen der Gerinnung. Mit ASS steigt außerdem das Risiko für Magen-Darm-Blutungen; für Menschen, die ASS brauchen, nennen die Beilagen magenschützende Mittel als Möglichkeit, über die die Praxis entscheidet.
Quelle: Quelle 1
- Andere NSAR einschließlich COX-2-Hemmern, Glukokortikoide (Kortison, das im ganzen Körper wirkt, etwa als Tablette) und Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI
Das Risiko für Geschwüre und Blutungen im Magen-Darm-Trakt steigt. Zwei NSAR gleichzeitig sollen nach den Beilagen vermieden werden, weil ein zusätzlicher Nutzen nicht belegt ist und die Nebenwirkungen stärker werden können.
Quelle: Quelle 1
- Blutdrucksenker (ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Antagonisten) und entwässernde Mittel (Diuretika)
Diclofenac kann ihre Wirkung abschwächen. Mit ACE-Hemmern und Angiotensin-II-Antagonisten kann das Risiko für Nierenschäden steigen, vor allem bei älteren Menschen; die Beilagen raten zu ausreichend Flüssigkeit, die Praxis prüft Blutdruck und Nierenwerte.
Quelle: Quelle 1
- Kaliumsparende Diuretika, Ciclosporin, Tacrolimus und Trimethoprim
Der Kaliumspiegel im Blut kann steigen und sollte kontrolliert werden. Mit Ciclosporin und Tacrolimus kann außerdem die nierenschädigende Wirkung zunehmen; die Beilagen nennen dann niedrigere Diclofenac-Dosen.
Quelle: Quelle 1
- Lithium, Digoxin, Phenytoin und Methotrexat
Ihre Spiegel im Blut können steigen. Bei Lithium ist eine Kontrolle nötig, bei Digoxin und Phenytoin empfohlen. Bei Methotrexat gilt das schon für Diclofenac innerhalb von 24 Stunden vor oder nach der Gabe, mit mehr unerwünschten Wirkungen von Methotrexat.
Quelle: Quelle 1
- Voriconazol und andere CYP2C9-Hemmer, Rifampicin, Probenecid
Voriconazol und Probenecid können Diclofenac im Körper anreichern und seine Nebenwirkungen verstärken; Rifampicin kann seine Menge im Blut und seine Wirkung verringern.
Quelle: Quelle 1
- Blutzuckersenkende Mittel und Chinolon-Antibiotika
Vereinzelt wurden zu niedrige und zu hohe Blutzuckerwerte berichtet; die Beilagen empfehlen vorsichtshalber Blutzuckerkontrollen. Bei Chinolonen können Krampfanfälle als Nebenwirkung vereinzelt verstärkt werden.
Quelle: Quelle 1
- Alkohol
Nebenwirkungen an Magen, Darm und Nervensystem können stärker ausfallen; die Beilagen raten, während der Einnahme möglichst keinen Alkohol zu trinken. Müdigkeit, Schwindel und Sehstörungen können die Fahrtüchtigkeit dann verstärkt beeinträchtigen.
Quelle: Quelle 1
Wer es nicht nehmen sollte
Nach den Packungsbeilagen dürfen die Tabletten nicht genommen werden bei Allergie gegen Diclofenac; wenn Acetylsalicylsäure oder andere Schmerz- und Rheumamittel früher Asthma, Hautausschlag, Schwellungen oder Atemnot ausgelöst haben; bei bestehenden oder wiederholten Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren oder -blutungen; bei einer Magen-Darm-Blutung oder einem Durchbruch nach früherer NSAR-Einnahme; bei Hirnblutung oder anderen aktiven Blutungen; bei ungeklärten Blutbildungsstörungen; bei schwerer Leber- oder Nierenschwäche; nach Herzinfarkt, Schlaganfall oder kleinem Schlaganfall, bei verengten Herz- oder Hirngefäßen oder Durchblutungsstörungen der Beine; und im letzten Drittel der Schwangerschaft. Nach der EMA gilt das auch bei Herzschwäche.
Vorher ärztlich besprechen sollst du die Einnahme unter anderem bei Bluthochdruck, Diabetes, hohen Blutfetten oder wenn du rauchst; bei Asthma, Heuschnupfen, Nasenpolypen oder Allergien; bei Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn; bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion; bei Gerinnungsstörungen oder Porphyrie; bei Lupus erythematodes oder Mischkollagenose; vor oder nach Operationen an Magen oder Darm; und wenn du schwanger werden möchtest, weil Diclofenac das erschweren kann.
In den ersten sechs Monaten der Schwangerschaft soll Diclofenac nach den Beilagen nur genommen werden, wenn es unbedingt nötig ist und die Ärztin oder der Arzt es empfiehlt. In der Stillzeit ist bei kurzer Anwendung eine Stillpause nach der Beilage in der Regel nicht nötig; bei längerer Einnahme oder höheren Dosen soll ein frühes Abstillen erwogen werden. Das Gel darf nicht angewendet werden bei Allergie gegen Diclofenac, wenn ASS oder andere NSAR früher Asthma, Nesselsucht, Schnupfen oder Schwellungen von Gesicht oder Zunge ausgelöst haben, auf offenen Wunden, entzündeter oder infizierter Haut, Ekzemen oder Schleimhäuten, im letzten Drittel der Schwangerschaft und bei Kindern unter 14 Jahren. Wer Asthma, Heuschnupfen, Nasenpolypen oder eine chronische Atemwegserkrankung hat oder auf Schmerz- und Rheumamittel überempfindlich reagiert, wendet das Gel nach seiner Beilage nur unter direkter ärztlicher Kontrolle an, weil dann Asthmaanfälle, Schwellungen von Haut und Schleimhaut oder Nesselsucht eher auftreten. In der Stillzeit nur nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt und nicht im Brustbereich.
Überdosierung
Bei Verdacht auf zu viel Diclofenac benachrichtigst du nach den Packungsbeilagen eine Ärztin oder einen Arzt; hat ein Kind versehentlich Gel geschluckt, ebenfalls umgehend. Mögliche Zeichen sind Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit, Ohrgeräusche, Krämpfe, beschleunigtes Atmen, Bewusstseinstrübung bis zur Bewusstlosigkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, außerdem Magen-Darm-Blutungen, Blutdruckabfall, flache Atmung und eine bläuliche Färbung von Haut und Lippen. Bei schweren Vergiftungen sind Nieren- und Leberversagen möglich. Ein spezielles Gegenmittel gibt es nicht. Bei Gel auf der Haut ist eine Überdosierung nach seiner Beilage äußerst unwahrscheinlich.
Häufige Fragen
Ist Diclofenac schlecht fürs Herz?
- Gut belegt
- Teilweise belegt
Als Tablette erhöht es das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall leicht, besonders in hoher Dosis und über lange Zeit. Die Europäische Arzneimittel-Agentur fand 2013 ein Risiko ähnlich dem der COX-2-Hemmer: Nehmen 1.000 Menschen mit mäßigem Herzrisiko ein Jahr lang Diclofenac, ist mit etwa 3 zusätzlichen Herzinfarkten zu rechnen. Nach Herzinfarkt, Schlaganfall, bei Herzschwäche oder Durchblutungsstörungen darf es seitdem nicht mehr genommen werden. In dänischen Registerdaten traten schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse im ersten Monat nach Beginn etwas häufiger auf als nach Beginn mit Ibuprofen oder Paracetamol. Wer Diclofenac lange nimmt, lässt die Behandlung beim nächsten Termin in der Praxis überprüfen.
Hilft Diclofenac-Gel bei Arthrose im Knie?
- Teilweise belegt
Bei einem Teil der Menschen ja. Ein Cochrane-Review von Studien über 6 bis 12 Wochen, fast alle zur Kniearthrose, fand: Von etwa zehn Menschen, die Diclofenac auf die Haut auftrugen, erreichte eine zusätzlich, über das Gel ohne Wirkstoff hinaus, dass sich ihre Schmerzen mindestens halbierten. Auch das Gel ohne Wirkstoff linderte bei etwa der Hälfte deutlich. Leichte Hautreaktionen kamen häufiger vor, schwere Nebenwirkungen waren selten. Die Belege sind von mäßiger Qualität. Das ausgewertete Gel selbst ist nach seiner Beilage für Zerrungen, Verstauchungen und Prellungen zugelassen; bei Arthrose berät die Praxis.
Darf ich Diclofenac in der Schwangerschaft nehmen?
- Gut belegt
Im letzten Drittel der Schwangerschaft, ab der 28. Woche, nicht, weder als Tablette noch als Gel. Dann kann es nach dem Beratungszentrum der Charité und der Beilage der Tabletten dem ungeborenen Kind schaden. In den ersten sechs Monaten nach den Beilagen nur, wenn es unbedingt nötig ist und die Ärztin oder der Arzt es empfiehlt, dann so niedrig und kurz wie möglich; nie ohne ärztlichen Rat tagelang oder über Wochen. Ab der 20. Woche kann eine Einnahme über mehr als ein paar Tage die Nieren des Kindes beeinträchtigen, mit zu wenig Fruchtwasser als Folge, und ein Blutgefäß an seinem Herzen verengen. Hast du es ab der 20. Woche mehrere Tage hintereinander oder im letzten Drittel genommen, sag es deiner Frauenarztpraxis: Nach dem Beratungszentrum wird dann je nach Lage eine Ultraschallkontrolle des Kindes empfohlen. Wird während der Einnahme eine Schwangerschaft festgestellt, sagst du es ebenfalls der Praxis.
Nächster Schritt
Bevor du etwas einnimmst: Lass dich beraten, zum Beispiel in deiner Hausarztpraxis oder deiner Apotheke. Bring vorhandene Laborwerte mit, und sag, welche Medikamente du nimmst.
Mehr zu den Themen findest du oben unter Wofür und in der Themenübersicht.
Quellen
Alle 9 Quellen anzeigen
- Gebrauchsinformation eines in Deutschland zugelassenen Diclofenac-Präparats (magensaftresistente Tablette mit 50 mg), Stand August 2025. 1 A Pharma GmbH, veröffentlicht im PatientenInfo-Service der Rote Liste Service GmbH, 2025SonstigesZur Quelle
- Derry S, Conaghan P, Da Silva JA, Wiffen PJ, Moore RA. Topical NSAIDs for chronic musculoskeletal pain in adults.. The Cochrane database of systematic reviews, 2016Systematischer ReviewDOI 10.1002/14651858.cd007400.pub3PubMed 27103611
- Diclofenac-containing medicines: Article 31 referral (PRAC recommendation June 2013, CMDh position June 2013, European Commission decision September 2013). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), 2013Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Derry S, Moore RA, Gaskell H, McIntyre M, Wiffen PJ. Topical NSAIDs for acute musculoskeletal pain in adults.. The Cochrane database of systematic reviews, 2015Systematischer ReviewDOI 10.1002/14651858.cd007402.pub3PubMed 26068955
- Gebrauchsinformation eines in Deutschland zugelassenen Diclofenac-Gels (10 mg je Gramm), Stand Juli 2024. 1 A Pharma GmbH, veröffentlicht im PatientenInfo-Service der Rote Liste Service GmbH, 2024SonstigesZur Quelle
- Enthoven WT, Roelofs PD, Deyo RA, van Tulder MW, Koes BW. Non-steroidal anti-inflammatory drugs for chronic low back pain.. The Cochrane database of systematic reviews, 2016Systematischer ReviewDOI 10.1002/14651858.cd012087PubMed 26863524
- Gebrauchsinformation eines in Deutschland zugelassenen Diclofenac-Präparats (magensaftresistente Tablette mit 25 mg), Stand August 2025. 1 A Pharma GmbH, veröffentlicht im PatientenInfo-Service der Rote Liste Service GmbH, 2025SonstigesZur Quelle
- Schmidt M, Sørensen HT, Pedersen L. Diclofenac use and cardiovascular risks: series of nationwide cohort studies.. BMJ (Clinical research ed.), 2018KohortenstudieDOI 10.1136/bmj.k3426PubMed 30181258
- Diclofenac – Erfahrungen und Empfehlungen in Schwangerschaft und Stillzeit. Embryotox, Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, 2026Behörde / amtliche StelleZur Quelle
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