Pflanze
Ashwagandha
Withania somnifera
Auch bekannt als: Schlafbeere, Winterkirsche, Indischer Ginseng, Withaniae somniferae radix

Kurz erklärt
Ashwagandha (Withania somnifera), auf Deutsch Schlafbeere oder Winterkirsche und im Handel auch Indischer Ginseng genannt, ist ein verholzender Strauch aus der Familie der Nachtschattengewächse, der bis zu zwei Meter hoch wird. Er wächst in halbtrockenen Gebieten vom Mittelmeer bis nach Indien. Verwendet wird vor allem die getrocknete Wurzel, in manchen Nahrungsergänzungsmitteln und Tees auch das Blatt. Trotz des Handelsnamens gehört die Pflanze nicht zu den Ginseng-Arten (Panax).
Die Wurzel enthält Steroidlactone, die Withanolide, darunter Withaferin A, außerdem Alkaloide und Saponine. Welche dieser Stoffe in welcher Menge für die in Studien beschriebenen Wirkungen verantwortlich sein könnten, lässt sich nach dem BfR und der Technischen Universität Dänemarks nicht sagen. Art und Menge der Inhaltsstoffe schwanken zudem stark, je nach Pflanzenteil und Herstellungsverfahren.
In der ayurvedischen Medizin Indiens wird die Wurzel seit langem als stärkendes Mittel verwendet; das Ayurvedische Arzneibuch Indiens führt sie mit einer eigenen Monographie. In Europa wird Ashwagandha vor allem als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Eine EU-Monographie gibt es nicht, mehrere europäische Behörden warnen vor möglichen Gesundheitsrisiken, und in Dänemark ist der Verkauf als Lebensmittel verboten. Einzelheiten stehen bei den Risiken und beim EU-Status; wofür Ashwagandha genutzt wird und wie gut das belegt ist, steht bei den Anwendungen.
Die Stoffliste von Bund und Ländern (Stand September 2026) kennt die Ashwagandha-Wurzel als Lebensmittel in Nahrungsergänzungsmitteln und in Tee; deshalb steht hier „Als Lebensmittel zulässig“. Zugleich führt sie die Wurzel als Arzneistoff und empfiehlt, ihre Verwendung in Lebensmitteln zu beschränken (Liste B). Die Liste ist eine Empfehlung der Behörden, kein Gesetz; ob ein Produkt Lebensmittel oder Arzneimittel ist, wird im Einzelfall entschieden. EU-weit ist Ashwagandha in Lebensmitteln bisher weder verboten noch beschränkt: Anhang III der Verordnung (EG) Nr. 1925/2006, der solche Verbote und Beschränkungen auflistet, nennt die Pflanze nicht (konsolidierte Fassung vom 26. November 2025). Eine Arbeitsgruppe der Leitungen europäischer Lebensmittelbehörden zählte Ashwagandha 2024 zu 13 Stoffen, die sie vorrangig in einem solchen EU-Verfahren regeln lassen will. Dass die Wurzel kein neuartiges Lebensmittel (Novel Food) ist, hat nach dem Bericht die zuständige EU-Arbeitsgruppe für neuartige Lebensmittel bestätigt. Zulässig heißt nicht unbedenklich, und einheitlich ist der Status in Europa nicht. In Dänemark darf Ashwagandha nicht als Lebensmittel verkauft werden. Polen begrenzt die Wurzel in Nahrungsergänzungsmitteln auf weniger als 3 g am Tag und höchstens 10 mg Withanolide je empfohlener Tagesportion und verlangt Warnhinweise. Das BfR, das niederländische RIVM und die französische ANSES raten allen oder bestimmten Gruppen von solchen Präparaten ab; die Einzelheiten stehen bei den Risiken. Eine EU-Monographie für pflanzliche Arzneimittel konnte die EMA 2013 nicht erstellen. Eine Gesundheitsaussage für Ashwagandha ist in der EU nicht zugelassen.
Wofür
Einschlafprobleme
- Erste Hinweise
Eine Metaanalyse von fünf placebokontrollierten Studien mit 400 Erwachsenen fand unter Ashwagandha-Extrakten einen kleinen, statistisch gesicherten Vorteil für den Schlaf. Deutlicher war er bei Menschen mit diagnostizierter Insomnie, bei 600 mg am Tag oder mehr und bei mindestens acht Wochen Einnahme. Gemessen wurde mit Fragebögen und mit Bewegungsmessern am Handgelenk, die Einschlafzeit, Schlafdauer und Schlafeffizienz schätzen. In einer indischen Studie mit 60 Erwachsenen mit Insomnie und Angst dauerte das Einschlafen nach zehn Wochen mit zweimal täglich 300 mg Wurzelextrakt im Mittel 29 Minuten, mit Placebo 34 Minuten. In einer Studie mit 150 gesunden Erwachsenen mit wenig erholsamem Schlaf besserte ein anderer, auf Withanolide eingestellter Extrakt (120 mg am Tag) über sechs Wochen den selbst eingeschätzten und den gemessenen Schlaf.
Das sind erste Hinweise aus wenigen kleinen, kurzen Studien. Die deutsche S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“ nennt Ashwagandha nicht; als erste Behandlung empfiehlt sie die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie, und in Empfehlung T9 spricht sie sich gegen Phytopharmaka zur Behandlung der Insomnie aus. Auch die europäische Leitlinie empfiehlt pflanzliche Mittel dafür nicht.
Was dagegen spricht
Die Unterschiede zu Placebo sind klein: In der Studie mit 60 Erwachsenen mit Insomnie schliefen die Teilnehmenden nach zehn Wochen im Mittel etwa fünf Minuten schneller ein als mit Placebo, und auch unter Placebo verkürzte sich die Einschlafzeit. Eine Metaanalyse von 2024 fand Vorteile bei Einschlafzeit, Schlafdauer, Schlafeffizienz und Schlafqualität, aber keinen bei der Wachzeit nach dem Einschlafen und der Zeit im Bett. Zwei der Insomnie-Studien stammen von derselben indischen Arbeitsgruppe, und alle fünf Studien der Metaanalyse von 2021 wurden in Indien durchgeführt. Ob eine längere Einnahme sicher ist, lässt sich nach den Autorinnen und Autoren der Metaanalyse von 2021 nicht beurteilen.
Die S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“ (2025) spricht sich in Empfehlung T9 gegen Phytopharmaka zur Behandlung der Insomnie aus (Empfehlungsgrad B, „sollte nicht“), die europäische Leitlinie (2023) empfiehlt pflanzliche Mittel nicht (Empfehlungsgrad A). Das BfR hält die beworbene Wirkung auf das Einschlafen für wissenschaftlich nicht belegt. Weil Ashwagandha in Studien schläfrig machen konnte, rät die französische ANSES von der Kombination mit anderen dämpfenden Mitteln ab.
Quellen: Quelle 1, Quelle 2, Quelle 3, Quelle 4, Quelle 5, Quelle 6, Quelle 7, Quelle 8, Quelle 9
Innere Unruhe
- Erste Hinweise
Viele Studien zu Ashwagandha haben auch Angst gemessen, meist mit der Hamilton-Angstskala. Teilgenommen haben gestresste, sonst gesunde Erwachsene, Menschen mit Schlafproblemen und in einigen Studien Menschen mit einer diagnostizierten Angststörung. In einer Studie mit 40 Menschen mit generalisierter Angststörung, die alle schon ein Antidepressivum nahmen, sanken die Angstwerte mit zusätzlich 1 g Wurzelextrakt am Tag über sechs Wochen stärker als mit Placebo.
Mehrere Metaanalysen finden im Mittel geringere Angstwerte als unter Placebo. Eine unabhängige Auswertung von 14 Studien mit gut 700 Menschen mit psychischen Erkrankungen, am häufigsten Angststörungen, bestätigte das auch mit einem zweiten Rechenverfahren; eingenommen wurden im Median 600 mg am Tag über acht Wochen. Eine internationale Arbeitsgruppe der Fachverbände WFSBP und CANMAT stufte die Daten 2022 für Angststörungen als vorläufig ein, nur als mögliche Ergänzung einer fachlichen Behandlung und nicht zur Selbstbehandlung. Das sind erste Hinweise: Die Studien sind klein und kurz, ihre Ergebnisse gehen weit auseinander. Anhaltende starke Angst gehört ärztlich oder psychotherapeutisch abgeklärt.
Was dagegen spricht
Die Ergebnisse der Studien weichen extrem voneinander ab: In zwei Metaanalysen lag das Maß für diese Uneinheitlichkeit bei 94 und 98 Prozent, und die Autorinnen und Autoren einer davon bewerten die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz als gering. In der unabhängigen Auswertung von 2025 schrumpfte der Effekt deutlich, wenn eine Ausreißerstudie mit sehr hoher Menge herausgerechnet wurde, blieb aber bestehen. Auch dort gab es Hinweise, dass Studien ohne Vorteil seltener veröffentlicht wurden. Eine Netzwerk-Metaanalyse zu Heilpflanzen bei Angst sah für Ashwagandha zwar einen Vorteil, nennt die Studien aber klein und ihre Ergebnisse vorläufig. In einer Studie mit 60 gestressten Erwachsenen sank der Wert auf der Hamilton-Angstskala stärker als unter Placebo, auf einem Fragebogen zu Depression, Angst und Stress aber nicht signifikant.
Bei Angststörungen gibt es nur wenige kleine Studien, und nur ein Teil davon prüfte Ashwagandha zusätzlich zu einer laufenden Behandlung. Die Fachleute von WFSBP und CANMAT sehen solche Mittel vor allem als Ergänzung einer fachlichen Behandlung. Wer wegen Angst oder Unruhe Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine nimmt, soll Ashwagandha nach der französischen ANSES meiden. Unerwünschte Wirkungen haben die Studien nach dem BfR nicht systematisch erfasst; das BfR hält die beworbenen Wirkungen für wissenschaftlich nicht belegt und rät zur Zurückhaltung.
Quellen: Quelle 2, Quelle 8, Quelle 9, Quelle 10, Quelle 11, Quelle 12, Quelle 13, Quelle 14, Quelle 15, Quelle 16
Müdigkeit und Erschöpfung
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
Im Ayurveda gilt die Wurzel als kräftigendes Mittel. Die WHO-Monographie nennt, gestützt auf das Ayurvedische Arzneibuch Indiens, als in Arzneibüchern beschriebene Verwendung die eines allgemeinen Stärkungsmittels für mehr Energie und bessere Gesundheit, etwa bei Sportlern und älteren Menschen. Das belegt die lange Verwendung, nicht die Wirkung.
Studien zur Erschöpfung gibt es wenige, und sie sind klein. In einer zwölfwöchigen Studie mit übergewichtigen Erwachsenen zwischen 40 und 75 Jahren, die über Stress und Erschöpfung klagten, ging die Erschöpfung unter zweimal täglich 200 mg eines Wurzelextrakts stärker zurück als unter Placebo; das war allerdings nur ein Nebenziel. In einer Studie mit 120 Erwachsenen mit selbst berichteten Gedächtnis- und Energieproblemen schnitten die Teilnehmenden mit 600 mg Wurzelextrakt am Tag über acht Wochen in Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstests besser ab als mit Placebo; auch Stimmung, Tatkraft und geistige Ermüdung besserten sich, ob stärker als unter Placebo, geht aus der Zusammenfassung nicht eindeutig hervor. Das sind erste Hinweise.
Was dagegen spricht
In einer Crossover-Studie mit 57 übergewichtigen Männern zwischen 40 und 70 Jahren mit leichter Erschöpfung unterschieden sich Erschöpfung, Tatkraft und Wohlbefinden nach acht Wochen mit einem auf Withanolide eingestellten Extrakt nicht von Placebo; gestiegen waren dagegen die Hormone DHEA-S und Testosteron. In einer vierwöchigen Studie mit 60 gestressten Erwachsenen zeigte ein niedrig dosierter Extrakt bei der Erschöpfung keinen Unterschied zu Placebo; diese Studie bezahlte der Hersteller. Die Studie, in der die Erschöpfung zurückging, verfehlte ihr Hauptziel, den empfundenen Stress; bezahlt hat sie der Lieferant des Extrakts, durchgeführt ein Auftragsforschungsinstitut, das Geld von Nahrungsergänzungsfirmen erhält. Auch die Studie zu Gedächtnis und Energie bezahlte nach Verlagsangaben der Hersteller des Extrakts.
Anhaltende Erschöpfung gehört ärztlich abgeklärt. Ashwagandha kann zudem selbst die Schilddrüse beeinflussen: Ein Fallbericht beschreibt eine Frau, die Ashwagandha wegen chronischer Erschöpfung nahm und eine Schilddrüsenüberfunktion bekam, die nach dem Absetzen abklang. Das BfR hält die beworbenen Wirkungen, etwa zur Leistungssteigerung, für wissenschaftlich nicht belegt und rät zur Zurückhaltung.
Quellen: Quelle 8, Quelle 17, Quelle 18, Quelle 19, Quelle 20, Quelle 21, Quelle 22
Stress im Alltag
- Erste Hinweise
Zu Ashwagandha bei anhaltendem Stress gibt es eine Reihe kleiner randomisierter, placebokontrollierter Studien, meist mit etwa 60 gestressten, sonst gesunden Erwachsenen und über vier bis zwölf Wochen. Geprüft wurden verschiedene Extrakte, meist aus der Wurzel, in sehr unterschiedlichen Mengen. In mehreren Studien sanken die Werte auf Stressfragebögen und das Stresshormon Cortisol stärker als unter Placebo, etwa in einer Studie mit 64 Erwachsenen mit chronischem Stress unter 600 mg Wurzelextrakt am Tag über 60 Tage und in einer mit 60 gestressten Erwachsenen unter 250 oder 600 mg am Tag über acht Wochen.
Metaanalysen fassen diese Studien zusammen: Eine Auswertung von zwölf Studien mit rund 1.000 Teilnehmenden fand weniger Stress als unter Placebo, bewertete die Vertrauenswürdigkeit dieses Ergebnisses aber als gering; eine weitere mit neun Studien fand niedrigere Werte auf einer Stressskala und beim Cortisol. Das sind erste Hinweise, mehr nicht: Die Studien sind klein und kurz, ihre Ergebnisse gehen weit auseinander, und die geprüften Extrakte lassen sich nicht gegeneinander austauschen. Mehrere europäische Behörden stellen die Sicherheit in Frage; die Einzelheiten stehen bei den Risiken.
Was dagegen spricht
Nicht alle Studien fanden einen Vorteil. In einer zwölfwöchigen Studie mit übergewichtigen Erwachsenen zwischen 40 und 75 Jahren mit Stress und Erschöpfung sank der empfundene Stress unter zweimal täglich 200 mg Wurzelextrakt nicht stärker als unter Placebo, obwohl das ihr Hauptziel war. Eine Metaanalyse von 2025 fand zwar niedrigere Cortisolwerte, aber keinen gesicherten Unterschied beim empfundenen Stress; ein niedrigerer Cortisolwert ist ein Laborwert, keine spürbare Entlastung. Die Metaanalysen mit positivem Ergebnis beruhen auf wenigen kleinen Studien, deren Ergebnisse stark voneinander abweichen.
Einige Studien stammen aus dem Umfeld der Hersteller: Eine Studie mit sehr niedriger Menge (30 mg am Tag über vier Wochen) bezahlte der Hersteller des Extrakts, fünf seiner Angestellten schrieben mit, und ihr Ergebnis war nur in einer von zwei Auswertungen signifikant. An anderen Studien waren Forschende beteiligt, die Geld von Nahrungsergänzungsfirmen erhalten. Unerwünschte Wirkungen haben die Studien nach dem BfR nicht systematisch erfasst, und eine längere Einnahme ist kaum untersucht. Das BfR hält die beworbenen Wirkungen, etwa gegen Stress, für wissenschaftlich nicht belegt und rät wegen möglicher Gesundheitsrisiken zur Zurückhaltung; in Dänemark ist der Verkauf als Lebensmittel verboten.
Quellen: Quelle 8, Quelle 12, Quelle 13, Quelle 16, Quelle 18, Quelle 21, Quelle 23, Quelle 24, Quelle 25, Quelle 26
Anwendung
Formen und Einnahme
- WurzelpulverGetrocknete, gemahlene Wurzel, die überlieferte Form im Ayurveda. Die WHO-Monographie übernimmt aus dem Ayurvedischen Arzneibuch Indiens Mengen im Grammbereich, weit mehr als die Milligramm-Mengen der Extrakte in Studien; vergleichen lassen sich die beiden nicht. Wie viel Withanolide und Alkaloide ein Pulver enthält, ist nicht einheitlich.
- WurzelextrakteDie meisten Studien prüften Extrakte aus der Wurzel in Kapseln, hergestellt mit Wasser oder anderen Auszugsmitteln und teils auf einen Gehalt an Withanoliden eingestellt; viele sind Markenextrakte. Sie unterscheiden sich stark in Zusammensetzung und Menge, ein Studienergebnis gilt deshalb nur für den geprüften Extrakt. Auch die Nahrungsergänzungsmittel im Handel unterscheiden sich nach dem BfR stark in Art und Gehalt der Inhaltsstoffe.
- Blätter und Extrakte mit BlattanteilManche Nahrungsergänzungsmittel und Tees enthalten auch Blätter oder Blattextrakte. Die Blätter sind anders zusammengesetzt als die Wurzel und reich an Alkaloiden; die französische ANSES beschreibt Produkte, die als Wurzel verkauft wurden, aber mit Blättern oder anderen Pflanzen verfälscht waren. Die Stoffliste von Bund und Ländern führt nur die Wurzel.
- TeeTees mit Ashwagandha werden vor allem im Internet verkauft. Wie viel der Inhaltsstoffe eine Tasse liefert und wie Tee wirkt, ist nicht untersucht. Das niederländische RIVM geht vorsorglich davon aus, dass für Tee dasselbe gilt wie für Nahrungsergänzungsmittel; die ANSES hält auch für Tees eine eigene Bewertung für nötig.
- KombinationspräparateAshwagandha wird oft mit anderen Pflanzen oder Nährstoffen kombiniert. Das erschwert nach dem BfR, Wirkungen und Nebenwirkungen einem Bestandteil zuzuordnen; in einer Fallserie zu Leberschäden kam in einem Fall zusätzlich Rosenwurz als Ursache infrage.
Eine amtlich festgelegte Dosierung gibt es nicht: Die EU hat keine Monographie für Ashwagandha, und eine Menge, bis zu der die Einnahme als unbedenklich gelten kann, konnten BfR, DTU und ANSES nicht ableiten. In Studien wurden Wurzelextrakte meist vier bis zwölf Wochen lang eingenommen, oft auf zwei Gaben am Tag verteilt; die Mengen hingen stark vom Extrakt ab und stehen in der Dosis-Übersicht. Über eine längere Einnahme ist wenig bekannt.
Die Leberschäden in den Fallberichten begannen meist zwei bis zwölf Wochen nach Beginn der Einnahme. Bemerkst du unter Ashwagandha eine Gelbfärbung von Haut oder Augen, starken Juckreiz, Übelkeit, ungewohnte Abgeschlagenheit oder Bauchbeschwerden, setz das Mittel ab und lass das umgehend ärztlich abklären; dasselbe gilt für Herzrasen oder andere Zeichen einer Schilddrüsenüberfunktion. Wer Arzneimittel nimmt, bespricht Ashwagandha vorher ärztlich.
Dosis-Übersicht
| Grundlage | Menge | Einordnung |
|---|---|---|
| In Studien genutztSpanne aus ausgewerteten Studien | 250–600 mg pro Tag | Erwachsene mit anhaltendem Stress · Wurzelextrakt in Kapseln, auf zwei Gaben am Tag verteilt: 250 oder 600 mg am Tag eines wässrigen Extrakts über acht Wochen in einer Studie mit 60 gestressten Erwachsenen, 600 mg am Tag eines hoch konzentrierten Extrakts über 60 Tage in einer Studie mit 64 Erwachsenen mit chronischem Stress. Beides sind kleine Einzelstudien, und die Mengen gelten nur für die geprüften Extrakte. Eine Menge, bis zu der Ashwagandha als unbedenklich gelten kann, gibt es nicht: Das BfR und die Behörden anderer Länder konnten keine ableiten.
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| In Studien genutztSpanne aus ausgewerteten Studien | 600 mg pro Tag | Erwachsene mit Insomnie · Wurzelextrakt, zweimal täglich 300 mg mit Milch oder Wasser, über zehn Wochen in einer Studie mit 60 Erwachsenen mit Insomnie und Angst. In einer Metaanalyse von fünf Studien war der Unterschied zu Placebo beim Schlaf ab 600 mg am Tag und ab acht Wochen Einnahme größer; zur Sicherheit einer längeren Einnahme sagen die Studien wenig. Die Menge gilt nur für den geprüften Extrakt.
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| In Studien genutztSpanne aus ausgewerteten Studien | 120–240 mg pro Tag | Gesunde Erwachsene mit wenig erholsamem Schlaf oder mit Stress · Ein anderer, auf Withanolide eingestellter Extrakt aus Wurzel und Blatt, in beiden Studien derselbe, einmal täglich: 120 mg über sechs Wochen in einer Studie mit 150 gesunden Erwachsenen mit wenig erholsamem Schlaf, 240 mg über 60 Tage in einer Studie mit 60 gestressten Erwachsenen. Die Milligramm-Angaben verschiedener Extrakte lassen sich nicht vergleichen, weil Pflanzenteil, Herstellungsverfahren und Gehalt an Inhaltsstoffen verschieden sind.
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Keine persönliche Dosisempfehlung. Sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke, besonders wenn du Medikamente nimmst.
Risiken
Nebenwirkungen
Wie gut Ashwagandha verträglich ist, lässt sich schwer sagen: Die Studien untersuchten vor allem einen möglichen Nutzen, erfassten unerwünschte Wirkungen nach dem BfR nicht systematisch und dauerten meist nur wenige Wochen. Berichtet werden Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Benommenheit, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Hautausschläge.
Leber: Seit 2017 werden weltweit Leberschäden nach Präparaten mit Ashwagandha beschrieben, auch aus Europa; Fallberichte über unerwünschte Wirkungen gibt es nach dem BfR auch aus Deutschland. Sie begannen meist zwei bis zwölf Wochen nach Beginn der Einnahme, oft mit Gelbsucht, starkem und lange anhaltendem Juckreiz, Übelkeit, Abgeschlagenheit und Bauchbeschwerden, und heilten meist innerhalb von ein bis fünf Monaten nach dem Absetzen aus. Bei vorgeschädigter Leber kam es auch zu Leberversagen mit Todesfällen: In einer Fallserie aus Indien starben drei von acht Betroffenen, alle drei mit einer schon bestehenden chronischen Lebererkrankung. In mehreren Fällen enthielt das untersuchte Präparat nur Ashwagandha, ohne Verunreinigungen. Die Datenbank LiverTox der US-Gesundheitsbehörde NIH stuft Ashwagandha als wahrscheinliche, wenn auch seltene Ursache solcher Leberschäden ein; nach einem Leberschaden sollte das Mittel nicht erneut eingenommen werden.
Hormone und weitere Wirkungen: In einer kleinen Studie mit Menschen mit leichter Schilddrüsenunterfunktion sank unter Ashwagandha das TSH, und die Schilddrüsenhormone stiegen. Fallberichte beschreiben Schilddrüsenüberfunktionen, einmal mit Herzrasen, die nach dem Absetzen abklangen. Auch andere Hormone verschoben sich in Studien: Bei Männern stiegen Testosteron und das Hormon LH; DHEA-S stieg in einer Studie mit Männern und sank in einer anderen mit Frauen und Männern. Nach den Bewertungen, die das BfR zusammenfasst, kann Ashwagandha außerdem Blutzucker, Sexualhormone, das Zentralnervensystem und die Nebennieren beeinflussen; die dänische DTU nennt Wirkungen auf das Immunsystem, die französische ANSES mögliche Wirkungen auf das Herz. Wer empfindlich reagiert, lässt sich nach dem niederländischen RIVM nicht vorhersagen.
Wechselwirkungen
- Beruhigungs- und Schlafmittel, Mittel gegen Epilepsie und andere dämpfende Arzneimittel, etwa Benzodiazepine und Barbiturate
In Studien machte Ashwagandha manche Menschen schläfrig; die ANSES rät deshalb allen, die Beruhigungsmittel oder andere dämpfende Arzneimittel nehmen, von Ashwagandha ab. Die WHO-Monographie nennt, gestützt auf eine Sekundärquelle, eine mögliche Verstärkung der Wirkung von Barbituraten und eine Abschwächung der Wirkung von Diazepam und Clonazepam. Polen verlangt auf Nahrungsergänzungsmitteln mit Ashwagandha den Warnhinweis, sie nicht zusammen mit Beruhigungs- und Schlafmitteln oder Mitteln gegen Epilepsie einzunehmen.
- Arzneimittel gegen Diabetes
Nach dem BfR gibt es Hinweise, dass Ashwagandha den Blutzuckerspiegel beeinflusst und mit blutzuckersenkenden Arzneimitteln in Wechselwirkung treten kann; auch die ANSES nennt, gestützt auf ein Fachbuch zu Wechselwirkungen, mögliche Wechselwirkungen mit Diabetesmitteln. Wer solche Mittel nimmt, bespricht die Einnahme vorher ärztlich.
- Blutdrucksenkende Arzneimittel
Das BfR nennt Hinweise auf Wechselwirkungen mit Arzneimitteln, die den Blutdruck regulieren, und rät zur ärztlichen Rücksprache.
Quelle: Quelle 8
- Immunsuppressiva, etwa nach einer Organtransplantation
Ashwagandha kann nach dem BfR und der dänischen DTU das Immunsystem beeinflussen. Das BfR sieht Hinweise auf Wechselwirkungen mit Immunsuppressiva und rät zur ärztlichen Rücksprache.
- Schilddrüsenmedikamente, etwa Schilddrüsenhormone oder Mittel gegen eine Überfunktion
Ashwagandha kann die Schilddrüsenwerte verschieben: In einer kleinen Studie sank das TSH, und die Schilddrüsenhormone stiegen. Fallberichte beschreiben Schilddrüsenüberfunktionen, einmal bei einer Frau, die damit eine Unterfunktion selbst behandeln wollte. Die ANSES rät Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen von Ashwagandha ab und nennt, gestützt auf ein Fachbuch zu Wechselwirkungen, mögliche Wechselwirkungen mit Schilddrüsenhormonen und Mitteln gegen eine Überfunktion.
- Arzneimittel, die über Leberenzyme (Cytochrom P450) abgebaut werden
Labor- und Tierversuche zeigen teils eine Hemmung, teils eine Anregung von Leberenzymen wie CYP3A4, über die viele Arzneimittel abgebaut werden, teils keine Wirkung; bei Ratten sank der Blutspiegel eines HIV-Mittels. Die ANSES hält die Daten für uneinheitlich, sieht darin aber einen Grund zu größter Vorsicht und hält weitere Studien für nötig; ob solche Wechselwirkungen beim Menschen eine Rolle spielen, ist offen.
Quelle: Quelle 9
Wer es nicht nehmen sollte
Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit: Die Wurzel wurde traditionell auch zum Abbruch einer Schwangerschaft verwendet, und Daten zur Sicherheit fehlen. Davon raten die WHO-Monographie, das BfR, das niederländische RIVM und die französische ANSES übereinstimmend ab. Nicht für Kinder und Jugendliche: Das BfR rät Kindern ab, die ANSES allen unter 18 Jahren. Nicht bei einer bestehenden oder früheren Lebererkrankung (BfR); schwere und tödliche Leberschäden betrafen vor allem Menschen mit vorgeschädigter Leber.
Die ANSES rät außerdem ab bei Erkrankungen der Schilddrüse oder des Herzens, bei einem Überschuss an männlichen Hormonen (Hyperandrogenismus) und allen, die Beruhigungsmittel oder andere dämpfende Arzneimittel nehmen. Weil Ashwagandha schläfrig machen kann, rät ihre Arbeitsgruppe von der Einnahme ab, wenn man Auto fährt oder Maschinen bedient. Allen anderen rät das BfR wegen fehlender Daten zur Zurückhaltung; an anderer Stelle derselben Mitteilung empfehlen das BfR und weitere europäische Behörden sogar, ganz auf Ashwagandha-haltige Präparate zu verzichten. Das RIVM rät vorsorglich allen Verbraucherinnen und Verbrauchern ab. Wer Arzneimittel nimmt, bespricht die Einnahme vorher ärztlich.
Überdosierung
Eine Menge, bis zu der Ashwagandha als unbedenklich gelten kann, konnten weder das BfR noch die dänische DTU, die französische ANSES oder die Arbeitsgruppe der europäischen Lebensmittelbehörden ableiten; die Daten reichen dafür nicht. Deshalb lässt sich auch keine Grenze nennen, ab der eine Überdosierung beginnt. Die vom niederländischen RIVM ausgewerteten Vergiftungsfälle traten nach Mengen auf, wie sie auch Nahrungsergänzungsmittel auf dem niederländischen Markt enthalten.
Nächster Schritt
Bevor du etwas einnimmst: Lass dich beraten, zum Beispiel in deiner Hausarztpraxis oder deiner Apotheke. Bring vorhandene Laborwerte mit, und sag, welche Medikamente du nimmst.
Mehr zu den Themen findest du oben unter Wofür und in der Themenübersicht.
Quellen
Alle 29 Quellen anzeigen
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