Pflanze
Mönchspfeffer
Vitex agnus-castus L., fructus
Auch bekannt als: Mönchspfefferfrüchte, Agnus castus, Vitex agnus-castus, Agni casti fructus, Chasteberry
Kurz erklärt
Mönchspfeffer ist ein Strauch aus dem Mittelmeerraum und Zentralasien. Arzneilich genutzt werden seine getrockneten Früchte. Der Name geht nach der US-Gesundheitsbehörde NCCIH auf die Überlieferung zurück, dass Mönche ihn im Mittelalter nutzten, um ihr sexuelles Verlangen zu dämpfen.
Die EU-Monographie der Arzneimittelagentur EMA führt einen bestimmten Trockenextrakt als Arzneimittel mit anerkannter Anwendung beim prämenstruellen Syndrom (PMS), gestützt auf placebokontrollierte Studien. Weitere Zubereitungen führt sie als traditionelle Arzneimittel bei leichten Beschwerden in den Tagen vor der Periode, gestützt auf lange Anwendung. Wie Mönchspfeffer wirkt, ist nicht geklärt; in Labor- und Tierversuchen bremste er die Ausschüttung des Hormons Prolaktin, beim Menschen ist das nach der EU-Monographie nicht sicher belegt.
Für Kinderwunsch, Brustschmerzen, Akne oder die Wechseljahre reichen die Daten nach der EMA nicht. In Schwangerschaft, Stillzeit und unter 18 Jahren wird er nicht empfohlen.
Die Stoffliste von Bund und Ländern führt Mönchspfefferfrüchte als Arzneistoff und traditionelles Arzneimittel und empfiehlt, ihre Verwendung in Lebensmitteln zu beschränken (Liste B); als übliches Lebensmittel führt sie sie nicht. Die Liste ist eine Empfehlung der Behörden, kein Gesetz; ob ein Produkt Lebensmittel oder Arzneimittel ist, wird im Einzelfall entschieden. Die Mengen und Warnhinweise dieser Seite gelten für Arzneimittel nach der EU-Monographie.
Wofür
Prämenstruelles Syndrom (PMS)
- Teilweise belegt
- Traditionell genutzt
Die EU-Monographie erkennt einen bestimmten Trockenextrakt aus Mönchspfefferfrüchten als Arzneimittel zur Behandlung des prämenstruellen Syndroms an. In einer placebokontrollierten Studie mit 170 Frauen halbierten sich die Beschwerden über drei Zyklen bei 52 Prozent, unter Placebo bei 24 Prozent; eine Dosisstudie bestätigte die Menge. Andere Zubereitungen führt die Monographie als traditionelle Arzneimittel bei leichten Beschwerden vor der Periode.
Was dagegen spricht
Eine Metaanalyse von 17 Studien fand meist positive Ergebnisse, doch die meisten Studien hatten ein hohes Verzerrungsrisiko, die Ergebnisse schwankten stark, und es gab Hinweise, dass erfolglose Studien unveröffentlicht blieben. Die Autoren halten den Effekt deshalb für vermutlich überschätzt. Die anerkannte Anwendung gilt nur für den einen geprüften Extrakt.
Anwendung
Formen und Einnahme
- Trockenextrakt (Tabletten)Alkoholischer Extrakt aus den Früchten in fester Form zum Einnehmen. Nach der EU-Monographie hat ein Extrakt mit einem Droge-Extrakt-Verhältnis von 6–12:1 eine anerkannte Anwendung bei PMS; zwei weitere Trockenextrakte gelten als traditionelle Arzneimittel. Die Extrakte sind nicht austauschbar: Die Menge gilt jeweils nur für den beschriebenen Extrakt.
- FruchtpulverGepulverte getrocknete Früchte in fester Form, nach der EU-Monographie ein traditionelles Arzneimittel bei leichten Beschwerden vor der Periode.
- TinkturAlkoholischer Auszug der Früchte zum Einnehmen, nach der EU-Monographie ein traditionelles Arzneimittel bei leichten Beschwerden vor der Periode. Sie enthält Alkohol.
Nach der EU-Monographie nehmen erwachsene Frauen Mönchspfeffer durchgehend ein, in der Regel einmal täglich, das Pulver zweimal täglich. Für den anerkannten Extrakt empfiehlt sie für eine gute Wirkung drei Monate ohne Pause. Bleiben die Beschwerden danach bestehen oder werden sie während der Einnahme stärker, frag ärztlich nach. Ohne ärztlichen Rat soll Mönchspfeffer nach dem Bewertungsbericht nicht länger als drei Monate genommen werden. Maßgeblich ist die Menge für die jeweilige Zubereitung in den Dosis-Zeilen; ein anderer Extrakt hat eine andere Menge.
Dosis-Übersicht
| Grundlage | Menge | Einordnung |
|---|---|---|
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 20 mg pro Tag | Erwachsene Frauen · Trockenextrakt (Droge-Extrakt-Verhältnis 6–12:1, Auszugsmittel Ethanol 60 % m/m), einmal täglich, allgemein anerkannte Anwendung nach der EU-Monographie zur Behandlung des prämenstruellen Syndroms; drei Monate durchgehend. Unter 18 Jahren sowie in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen. Quelle: Quelle 1 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 400 mg Einzeldosis | Erwachsene Frauen · Gepulverte Früchte, zweimal täglich, also 800 mg am Tag; traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei leichten Beschwerden in den Tagen vor der Periode. Unter 18 Jahren sowie in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen. Quelle: Quelle 1 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 4 mg pro Tag | Erwachsene Frauen · Trockenextrakt (Droge-Extrakt-Verhältnis 7–13:1, Auszugsmittel Ethanol 60 % m/m), einmal täglich; traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei leichten Beschwerden in den Tagen vor der Periode. Unter 18 Jahren sowie in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen. Quelle: Quelle 1 |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 2–3 mg pro Tag | Erwachsene Frauen · Trockenextrakt (Droge-Extrakt-Verhältnis 10–18,5:1, Auszugsmittel Ethanol 50–52 % m/m), einmal täglich; traditionelle Anwendung nach der EU-Monographie bei leichten Beschwerden in den Tagen vor der Periode. Unter 18 Jahren sowie in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen. Quelle: Quelle 1 |
Keine persönliche Dosisempfehlung. Sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke, besonders wenn du Medikamente nimmst.
Risiken
Nebenwirkungen
Nach der EU-Monographie sind schwere allergische Reaktionen mit geschwollenem Gesicht, Atemnot und Schluckbeschwerden gemeldet, außerdem allergische Hautreaktionen wie Ausschlag und Nesselsucht, Akne, Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, Bauchschmerzen und Zyklusstörungen. Wie häufig sie auftreten, ist nicht bekannt. Ein systematischer Review beschreibt die Nebenwirkungen als leicht; sie gingen wieder zurück. Treten andere Beschwerden auf, frag ärztlich oder in der Apotheke nach.
In zwei Versuchen an Ratten über 4 und 26 Wochen zeigten sich Zeichen einer Leberschädigung. Bei Menschen fand der Ausschuss der EMA dafür in Studien und Fallberichten keine Entsprechung. Tests auf Erbgutschäden und Krebs wurden nach der Monographie nicht gemacht.
Wechselwirkungen
- Dopaminagonisten und Dopaminantagonisten (Mittel, die auf den Botenstoff Dopamin wirken)
Gemeldet sind keine Wechselwirkungen. Weil Mönchspfeffer möglicherweise auf Dopamin wirkt, lassen sie sich nach der EU-Monographie aber nicht ausschließen. Wer solche Mittel nimmt, soll vorher ärztlich sprechen; ob dein Mittel dazu gehört, kann dir die Apotheke sagen.
Quelle: Quelle 1
- Östrogene und Antiöstrogene
Gemeldet sind keine Wechselwirkungen. Weil Mönchspfeffer möglicherweise östrogenartig wirkt, lassen sie sich nach der EU-Monographie aber nicht ausschließen. Wer Östrogene oder Antiöstrogene nimmt, soll vorher ärztlich sprechen.
Quelle: Quelle 1
Wer es nicht nehmen sollte
Nach der EU-Monographie nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegen Mönchspfeffer. In der Schwangerschaft und Stillzeit wird er nicht empfohlen: Daten fehlen, und Tierversuche deuten an, dass er die Milchbildung beeinflussen kann. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wird er mangels Daten nicht empfohlen.
Vorher ärztlich sprechen sollen Frauen, die an einem östrogenempfindlichen Krebs erkrankt sind oder waren, und alle, die eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse hatten: Mönchspfeffer wirkt vermutlich auf die Hormonsteuerung im Gehirn. Bei einem Prolaktin bildenden Tumor der Hirnanhangdrüse kann er dessen Anzeichen verdecken.
Überdosierung
Nach der EU-Monographie ist kein Fall einer Überdosis bekannt.
Häufige Fragen
Hilft Mönchspfeffer bei PMS?
- Teilweise belegt
- Traditionell genutzt
Wahrscheinlich etwas, wie viel, ist unsicher. Die EU-Monographie erkennt einen bestimmten Trockenextrakt als Arzneimittel gegen das prämenstruelle Syndrom an, gestützt auf eine placebokontrollierte Studie: Bei 52 Prozent der Frauen halbierten sich die Beschwerden, unter Placebo bei 24 Prozent. Andere Zubereitungen führt sie als traditionelles Arzneimittel bei leichten Beschwerden vor der Periode. Eine Metaanalyse fand meist positive Ergebnisse, hält den Effekt wegen schwacher Studien aber für vermutlich überschätzt.
Wie lange dauert es, bis Mönchspfeffer wirkt?
- Teilweise belegt
Rechne mit etwa drei Monaten. Die EU-Monographie empfiehlt für den anerkannten Extrakt eine durchgehende Einnahme über drei Monate, und die Studien prüften die Wirkung jeweils über drei Zyklen. Bleiben die Beschwerden nach drei Monaten bestehen oder werden sie während der Einnahme stärker, soll nach der Monographie eine Ärztin oder ein Arzt draufschauen. Ohne ärztlichen Rat soll Mönchspfeffer nach dem Bewertungsbericht nicht länger als drei Monate genommen werden.
Hilft Mönchspfeffer bei Kinderwunsch?
- Erste Hinweise
Das ist nicht belegt. Nach der US-Gesundheitsbehörde NCCIH gibt es nicht genug verlässliche Studien, um zu wissen, ob Mönchspfeffer bei Unfruchtbarkeit hilft. Die EMA fand die Studie zur Gelbkörperschwäche nicht aussagekräftig, Daten zur Fruchtbarkeit fehlen. In der Schwangerschaft empfiehlt die EU-Monographie Mönchspfeffer nicht, weil Daten fehlen und Tierversuche nicht ausreichen. Wer schwanger werden möchte, bespricht das am besten mit der Frauenarztpraxis.
Hilft Mönchspfeffer in den Wechseljahren?
- Erste Hinweise
Dafür gibt es kaum Belege. Der Bewertungsbericht der EMA fand nur zwei Umfragen mit ätherischem Öl aus Mönchspfeffer und keine kontrollierten Studien; die Daten reichen nach dem Bericht nicht für eine Anwendung. Nach dem NCCIH deutet eine vorläufige Studie an, dass Mönchspfeffer bei einigen Wechseljahresbeschwerden helfen könnte, es braucht aber mehr Forschung. Die EU-Monographie führt Mönchspfeffer nur für Beschwerden vor der Periode.
Welche Nebenwirkungen hat Mönchspfeffer?
- Teilweise belegt
Meist leichte. Nach der EU-Monographie sind Übelkeit, Bauchschmerzen, Kopfschmerz, Schwindel, Hautausschlag, Nesselsucht, Akne und Zyklusstörungen gemeldet, außerdem schwere allergische Reaktionen mit geschwollenem Gesicht, Atemnot und Schluckbeschwerden; wie häufig, ist nicht bekannt. Ein systematischer Review fand die Nebenwirkungen leicht; sie gingen wieder zurück. Bei Atemnot oder geschwollenem Gesicht gilt: sofort den Notruf 112 wählen.
Nächster Schritt
Bevor du etwas einnimmst: Lass dich beraten, zum Beispiel in deiner Hausarztpraxis oder deiner Apotheke. Bring vorhandene Laborwerte mit, und sag, welche Medikamente du nimmst.
Mehr zu den Themen findest du oben unter Wofür und in der Themenübersicht.
Quellen
Alle 7 Quellen anzeigen
- European Union herbal monograph on Vitex agnus-castus L., fructus – Revision 1 (EMA/HMPC/606742/2017). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC), 2018MonographieZur Quelle
- Assessment report on Vitex agnus-castus L., fructus (EMA/HMPC/606741/2017). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC), 2018Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Schellenberg R. Treatment for the premenstrual syndrome with agnus castus fruit extract: prospective, randomised, placebo controlled study.. BMJ (Clinical research ed.), 2001Randomisierte kontrollierte StudieDOI 10.1136/bmj.322.7279.134PubMed 11159568
- Schellenberg R, Zimmermann C, Drewe J, Hoexter G, Zahner C. Dose-dependent efficacy of the Vitex agnus castus extract Ze 440 in patients suffering from premenstrual syndrome.. Phytomedicine : international journal of phytotherapy and phytopharmacology, 2012Randomisierte kontrollierte StudieDOI 10.1016/j.phymed.2012.08.006PubMed 23022391
- Verkaik S, Kamperman AM, van Westrhenen R, Schulte PFJ. The treatment of premenstrual syndrome with preparations of Vitex agnus castus: a systematic review and meta-analysis.. American journal of obstetrics and gynecology, 2017MetaanalyseDOI 10.1016/j.ajog.2017.02.028PubMed 28237870
- Chasteberry: Usefulness and Safety. National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH), National Institutes of Health, 2025Behörde / amtliche StelleZur Quelle
- Daniele C, Thompson Coon J, Pittler MH, Ernst E. Vitex agnus castus: a systematic review of adverse events.. Drug safety, 2005Systematischer ReviewDOI 10.2165/00002018-200528040-00004PubMed 15783241
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