Sonstiges
Melatonin
Auch bekannt als: N-Acetyl-5-methoxytryptamin
Kurz erklärt
Melatonin ist ein Hormon, das der Körper selbst bildet, vor allem in der Zirbeldrüse im Gehirn. Es entsteht in mehreren Schritten aus der Aminosäure L-Tryptophan über den Botenstoff Serotonin. Licht, das die Netzhaut erreicht, hemmt seine Bildung. Mit der Dämmerung steigt der Spiegel im Blut, erreicht meist zwischen 2 und 4 Uhr nachts seinen Höchststand und sinkt in der zweiten Nachthälfte wieder. So zeigt Melatonin der inneren Uhr an, dass Nacht ist; es wirkt vor allem über die Rezeptoren MT1 und MT2. Mit dem Alter bildet der Körper nachts weniger davon.
Nach Schätzungen stellt der Körper 10 bis 80 Mikrogramm pro Nacht her. Schon 0,05 mg, einmal eingenommen, können den Blutspiegel über den nächtlichen Höchstwert heben; Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland geben nach einer Marktauswertung des BfR 0,1 bis 3 mg am Tag an, im Onlinehandel auch deutlich mehr. In Lebensmitteln kommt Melatonin allenfalls in kleinen, stark schwankenden Mengen vor; belastbare Daten dazu fehlen.
In Deutschland gibt es Melatonin auf zwei Wegen: als Arzneimittel, die für bestimmte Gruppen zugelassen und bis auf eine Ausnahme bei Jetlag verschreibungspflichtig sind, und als Nahrungsergänzungsmittel, die vor dem Verkauf nur angezeigt, aber nicht auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft werden. In der EU sind zwei Gesundheitsaussagen zu Melatonin zugelassen, zur subjektiven Jetlag-Empfindung und zur Einschlafzeit, jeweils mit festen Bedingungen.
In der EU ist Melatonin nicht einheitlich eingeordnet, deshalb „unklar“. Einerseits lässt die Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zwei Gesundheitsaussagen für Lebensmittel zu. „Melatonin trägt zur Linderung der subjektiven Jetlag-Empfindung bei“ darf für Lebensmittel mit mindestens 0,5 mg je Portion verwendet werden, mit dem Hinweis, dass sich die Wirkung einstellt, wenn am ersten Reisetag kurz vor dem Schlafengehen und an den ersten Tagen nach der Ankunft mindestens 0,5 mg aufgenommen werden. „Melatonin trägt dazu bei, die Einschlafzeit zu verkürzen“ darf für Lebensmittel mit 1 mg je Portion verwendet werden, mit dem Hinweis, dass sich die Wirkung einstellt, wenn 1 mg kurz vor dem Schlafengehen aufgenommen wird. In Deutschland sind Nahrungsergänzungsmittel mit Melatonin im Handel; sie werden beim BVL angezeigt, aber nicht auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft. Andererseits ist Melatonin ein Arzneistoff: Arzneimittel mit Melatonin sind in Deutschland verschreibungspflichtig, seit dem 23. Mai 2026 mit einer Ausnahme für 3 mg bei Jetlag von Erwachsenen, und mehrere EU-Staaten stufen melatoninhaltige Produkte je nach Tagesmenge als Arzneimittel ein. Eine Höchstmenge, die bei regelmäßiger Aufnahme über Lebensmittel als sicher gilt, konnte das BfR mangels Daten nicht ableiten.
Wofür
Einschlafprobleme
- Teilweise belegt
In Metaanalysen randomisierter Studien schliefen Menschen mit Schlafstörungen unter Melatonin im Mittel einige Minuten schneller ein als unter Placebo, bei Insomnie etwa sieben Minuten; auch die EFSA sah eine kürzere Einschlafzeit als belegt an, darauf beruht die EU-Aussage für 1 mg kurz vor dem Schlafengehen. Als Arzneimittel ist ein Retardpräparat mit 2 mg für Menschen ab 55 Jahren mit Insomnie zugelassen, verschreibungspflichtig und für bis zu 13 Wochen; die S3-Leitlinie hält Melatonin in dieser Altersgruppe für wirksam, rät aber von einer Langzeitbehandlung ab und setzt die kognitive Verhaltenstherapie an die erste Stelle. Deutlicher war der Effekt, wenn die innere Uhr insgesamt spät geht (verzögerte Schlafphase): Dort verlegte Melatonin den Schlafbeginn in Studien um etwa 40 Minuten nach vorn — ob das vorliegt, klärt die Schlafmedizin.
Was dagegen spricht
Der Effekt auf das Einschlafen ist klein, und die Leitlinien ziehen daraus unterschiedliche Schlüsse. Die deutsche S3-Leitlinie hält Melatonin bei Menschen ab 55 Jahren für wirksam, rät aber von einer Langzeitbehandlung ab. Die europäische Insomnie-Leitlinie lässt nur das Retardpräparat ab 55 Jahren für bis zu drei Monate gelten und empfiehlt schnell freisetzendes Melatonin nicht zur Behandlung der Insomnie. Die US-Fachgesellschaft für Schlafmedizin schlägt vor, Melatonin bei Ein- und Durchschlafstörungen von Erwachsenen gar nicht einzusetzen, als schwache Empfehlung. Die Empfehlungen betreffen also verschiedene Altersgruppen und Darreichungsformen, und die Studien messen Verschiedenes: Die Einschlafzeit verkürzt sich um einige Minuten, bei der selbst eingeschätzten Schlafqualität fand ein Netzwerk-Vergleich von 154 doppelblinden Studien zu Medikamenten bei Insomnie für Melatonin insgesamt keinen nennenswerten Nutzen.
Laut Fachinformation hielt der Nutzen des Retardpräparats in einer Studie über sechs Monate bis zu drei Monate an, nach sechs Monaten zeigte er sich in der Hauptauswertung nicht mehr. In einer großen, vom Hersteller finanzierten Studie sagte zudem ein niedriger eigener Melatoninspiegel nicht voraus, wer auf Melatonin anspricht; ein Test des eigenen Melatonins taugt damit nicht als Wegweiser.
Quellen: Quelle 1, Quelle 2, Quelle 3, Quelle 4, Quelle 5, Quelle 6, Quelle 7, Quelle 8, Quelle 9, Quelle 10
Jetlag und Schichtarbeit
- Teilweise belegt
- Erste Hinweise
Bei Jetlag nach Flügen über fünf oder mehr Zeitzonen fanden die meisten placebokontrollierten Studien weniger Beschwerden, wenn Melatonin am Zielort zur Schlafenszeit genommen wurde, mit 0,5 bis 5 mg ähnlich gut und bei Flügen nach Osten eher deutlicher als nach Westen. Die US-Fachgesellschaft für Schlafmedizin gab dafür 2007 ihre höchste Empfehlungsstufe. In der EU ist dazu eine Gesundheitsaussage zugelassen, und in Deutschland dürfen Arzneimittel mit 3 mg zur Behandlung von Jetlag bei Erwachsenen seit dem 23. Mai 2026 ohne Rezept abgegeben werden. Zur falschen Tageszeit genommen, kann Melatonin die Umstellung dagegen verzögern.
Für Schichtarbeit gibt es nur erste Hinweise: Nach einer Nachtschicht verlängerte Melatonin den Tagschlaf in kleinen Studien um etwa 24 Minuten, schneller eingeschlafen wurde nicht. Die EU-Aussage und die 3-mg-Arzneimittel gelten nur für Jetlag.
Was dagegen spricht
Die größte Einzelstudie fand keinen Unterschied: 257 Ärztinnen und Ärzte, die von New York sechs Zeitzonen nach Osten heimflogen, hatten mit 0,5 mg oder 5 mg Melatonin nicht weniger Jetlag als mit Placebo und schliefen auch nicht anders. Eine Metaanalyse von neun Studien zu Schlafproblemen bei Jetlag und Schichtarbeit fand keine kürzere Einschlafzeit. Der Cochrane-Review wurde seit einer Literatursuche im Jahr 2008 nicht aktualisiert, und eine Retardform mit 2 mg schnitt darin schwach ab.
Bei Schichtarbeit beruht der längere Tagschlaf auf Evidenz niedriger Qualität. Wer im Schichtdienst arbeitet, würde Melatonin zudem über lange Zeit nehmen; eine regelmäßige Einnahme über längere Zeit ohne ärztliche Begleitung sieht das BfR kritisch.
Quellen: Quelle 11, Quelle 12, Quelle 13, Quelle 14, Quelle 15, Quelle 16, Quelle 17, Quelle 18, Quelle 19, Quelle 20
Migräne
- Erste Hinweise
In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie mit 196 Erwachsenen mit Migräne sanken die Migränetage mit Melatonin um 2,7 im Monat, mit Placebo um 1,1. Melatonin wurde dabei besser vertragen als das Vergleichsmedikament Amitriptylin.
Was dagegen spricht
Eine andere placebokontrollierte Studie mit 48 Erwachsenen fand mit einem Melatonin-Präparat mit verzögerter Freisetzung keinen Unterschied zu Placebo. Die Leitlinie nennt die Daten widersprüchlich und sieht keine eindeutige Grundlage für eine vorbeugende Wirkung.
Anwendung
Formen und Einnahme
- Schnell freisetzende Tabletten, Kapseln, Tropfen, Sprays und FruchtgummisHäufige Form von Nahrungsergänzungsmitteln. Melatonin wird rasch aufgenommen und im Mittel ebenso rasch abgebaut, die Halbwertszeit liegt bei etwa 45 Minuten; manche Menschen bauen es jedoch deutlich langsamer ab. Seit dem 23. Mai 2026 dürfen in Deutschland auch Arzneimittel mit 3 mg zur Behandlung von Jetlag bei Erwachsenen ohne Rezept abgegeben werden.
- Retardtabletten mit verzögerter FreisetzungGeben den Wirkstoff über Stunden ab und werden im Ganzen geschluckt. Als Arzneimittel mit 2 mg für Menschen ab 55 Jahren mit Insomnie zugelassen und verschreibungspflichtig; für Kinder und Jugendliche mit Schlafstörungen bei Autismus-Spektrum-Störung oder bestimmten genetisch bedingten Erkrankungen wie dem Smith-Magenis-Syndrom gibt es ein eigenes verschreibungspflichtiges Präparat. Auch manche Nahrungsergänzungsmittel setzen Melatonin verzögert frei. Bei Jetlag schnitt eine Retardform in den Studien schwächer ab als schnell freisetzendes Melatonin.
- KombinationsprodukteViele Nahrungsergänzungsmittel kombinieren Melatonin mit Pflanzenextrakten wie Baldrian, Melisse, Hopfen, Passionsblume oder Lavendel; im Handel sind auch Produkte mit L-Tryptophan oder Cannabidiol. Ob sich dabei Müdigkeit oder die Einschränkung der Fahrtüchtigkeit verstärken, ist kaum untersucht; das BfR hält es für möglich.
Bei Melatonin kommt es auf den Zeitpunkt an. Es wirkt als Zeitsignal für die innere Uhr: Zur falschen Tageszeit genommen, etwa früh am Tag, kann es müde machen und die Umstellung auf eine neue Zeitzone sogar verzögern. Die EU-Aussagen und die zugelassenen Arzneimittel sehen die Einnahme kurz vor dem Schlafengehen vor, das Retardpräparat ein bis zwei Stunden davor und nach der letzten Mahlzeit.
Viel hilft hier nicht viel: In den Jetlag-Studien verringerten 0,5 mg die Beschwerden ähnlich wie 5 mg, mehr als 5 mg brachten keinen zusätzlichen Nutzen, und unerwünschte Wirkungen beschreibt das BfR schon bei 1 mg am Tag und weniger. Alkohol schwächt die Wirkung auf den Schlaf ab. Die Müdigkeit kann bis in den nächsten Tag reichen, deshalb ist nach der Einnahme Vorsicht beim Autofahren und an Maschinen geboten. Eine Menge, die bei regelmäßiger Einnahme als sicher gelten kann, konnte das BfR mangels Daten nicht festlegen; es rät, Melatonin nicht auf eigene Faust einzunehmen, vor allem nicht regelmäßig über längere Zeit. Welche Mengen worauf beruhen, zeigt die Dosis-Übersicht.
Dosis-Übersicht
| Grundlage | Menge | Einordnung |
|---|---|---|
| EU-AussageMenge, ab der ein Lebensmittel eine zugelassene Gesundheitsaussage tragen darf – keine Empfehlung | 0,5 mg Einzeldosis | Reisende über mehrere Zeitzonen · Mindestmenge je Portion, ab der ein Lebensmittel die zugelassene EU-Aussage zum Jetlag tragen darf. Laut Verwendungsbedingungen stellt sich die Wirkung ein, wenn am ersten Reisetag kurz vor dem Schlafengehen und an den ersten Tagen nach der Ankunft jeweils mindestens diese Menge aufgenommen wird. Eine Bedingung für Werbung, keine Empfehlung dieser Seite; Kindern und Jugendlichen, Schwangeren und Stillenden rät das BfR von Melatonin-Nahrungsergänzungsmitteln ohne ärztliche Kontrolle ab. |
| EU-AussageMenge, ab der ein Lebensmittel eine zugelassene Gesundheitsaussage tragen darf – keine Empfehlung | 1 mg Einzeldosis | Allgemeinbevölkerung laut EFSA · Menge je Portion, die ein Lebensmittel für die zugelassene EU-Aussage zur Einschlafzeit enthalten muss, aufgenommen kurz vor dem Schlafengehen. Eine Bedingung für Werbung, keine Empfehlung dieser Seite: Das BfR rät von einer Einnahme ohne ärztliche Kontrolle ab, vor allem regelmäßig über längere Zeit; Kinder, Schwangere, Stillende und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sollen Melatonin-Nahrungsergänzungsmittel nur unter ärztlicher Kontrolle nehmen. |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 3 mg pro Tag | Erwachsene mit Jetlag · Dosierung der in Deutschland zugelassenen Arzneimittel zur kurzzeitigen Behandlung von Jetlag: einmal täglich 3 mg zur Schlafenszeit am Zielort, beginnend mit der Ankunft, nicht vor 20 Uhr und nicht nach 4 Uhr Ortszeit, höchstens 4 Tage. Seit dem 23. Mai 2026 ohne Rezept, sofern jede Tablette oder Kapsel 3 mg enthält, höchstens 3 mg am Tag vorgesehen sind und die Packung höchstens 30 mg enthält. |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 2 mg pro Tag | Menschen ab 55 Jahren mit primärer Insomnie · Dosierung des verschreibungspflichtigen Retardpräparats: einmal täglich ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen und nach der letzten Mahlzeit, bis zu 13 Wochen. Nicht empfohlen bei eingeschränkter Leberfunktion, bei Autoimmunerkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit. |
| In Studien genutztSpanne aus ausgewerteten Studien | 0,5–5 mg pro Tag | Erwachsene nach Flügen über fünf oder mehr Zeitzonen · Spanne der Jetlag-Studien im Cochrane-Review, eingenommen zur Zielschlafenszeit am Zielort, etwa zwischen 22 und 24 Uhr. Mengen zwischen 0,5 und 5 mg wirkten ähnlich, mit 5 mg schliefen die Teilnehmenden schneller ein und besser als mit 0,5 mg; mehr als 5 mg brachte keinen zusätzlichen Nutzen.
Quelle: Quelle 11 |
Keine persönliche Dosisempfehlung. Sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke, besonders wenn du Medikamente nimmst.
Risiken
Nebenwirkungen
In den Zulassungsstudien des Retardpräparats traten Nebenwirkungen etwas häufiger auf als unter Placebo. Gelegentlich, also bei bis zu einer von 100 behandelten Personen, kommen unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit, Reizbarkeit, Unruhe, ungewöhnliche Träume und Albträume, Übelkeit, Bauchschmerzen und Mundtrockenheit vor. Aus Studien mit gesunden Erwachsenen berichtet das BfR außerdem von verminderter Aufmerksamkeit, längeren Reaktionszeiten, Blutdruckabfall, gesenkter Körpertemperatur, Kraftlosigkeit, Benommenheit am Morgen und unsicherem Gang. In einer Studie verschlechterte schon eine einmalige Einnahme von 1 mg am Morgen unmittelbar danach die Glukosetoleranz, also wie gut der Körper Zucker aus dem Blut aufnimmt.
Wechselwirkungen
- FluvoxaminSchwer
Hemmt den Abbau von Melatonin über die Leberenzyme CYP1A2 und CYP2C19; die Menge im Blut stieg auf ein Vielfaches (Fläche unter der Kurve etwa 17-fach). Die Kombination muss vermieden werden.
- Benzodiazepine und Z-Substanzen (Zolpidem, Zopiclon, Zaleplon)Mittel
Melatonin kann die dämpfende Wirkung verstärken. Zusammen mit Zolpidem waren Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Koordination eine Stunde nach der Einnahme stärker beeinträchtigt als mit Zolpidem allein.
- Imipramin und ThioridazinMittel
Zusammen mit Imipramin kam es zu übermäßiger Ruhigstellung und Schwierigkeiten bei Aufgaben, zusammen mit Thioridazin zu stärkerer Benommenheit.
- AlkoholMittel
Schwächt die Wirkung von Melatonin auf den Schlaf ab; das Arzneimittel darf deshalb nicht zusammen mit Alkohol eingenommen werden.
Quelle: Quelle 4
- Östrogene (Pille, Hormonersatztherapie)Mittel
Hemmen den Abbau von Melatonin über die Enzyme CYP1A1 und CYP1A2 und können so den Melatoninspiegel erhöhen.
- Chinolon-Antibiotika, Cimetidin, 5- und 8-MethoxypsoralenMittel
Hemmen den Abbau von Melatonin, Chinolone als Hemmstoffe von CYP1A2; der Melatoninspiegel kann steigen.
- Carbamazepin, Rifampicin und RauchenGering
Beschleunigen den Abbau über das Enzym CYP1A2 und können den Melatoninspiegel senken.
Quelle: Quelle 4
- Gerinnungshemmer wie WarfarinMittel
Fallberichte deuten auf eine Wechselwirkung mit Vitamin-K-Antagonisten wie Warfarin hin, und in einer Studie hemmte schon eine einmalige Gabe von 3 mg bei jungen Männern die Blutgerinnung. Das BfR rät, vorher ärztlichen Rat einzuholen.
- Blutdrucksenkende Mittel wie NifedipinMittel
Bei Menschen mit Bluthochdruck, die Nifedipin nahmen, stiegen Blutdruck und Herzfrequenz, wenn sie vier Wochen lang abends zusätzlich 5 mg Melatonin einnahmen. Andere Studien fanden einen niedrigeren Blutdruck in der Nacht; das BfR mahnt bei blutdrucksenkenden Mitteln zur Vorsicht.
Quelle: Quelle 20
Wer es nicht nehmen sollte
Bei Überempfindlichkeit gegen Melatonin darf das Arzneimittel nicht genommen werden. Nicht empfohlen ist das Retardpräparat bei eingeschränkter Leberfunktion, bei Autoimmunerkrankungen, in der Schwangerschaft, bei Kinderwunsch und in der Stillzeit; bei eingeschränkter Nierenfunktion ist Vorsicht geboten. Die 3-mg-Arzneimittel bei Jetlag werden laut Fachinformation bei eingeschränkter Leberfunktion und bei schwerer Einschränkung der Nierenfunktion nicht empfohlen.
Für Nahrungsergänzungsmittel geht das BfR weiter: Kinder und Jugendliche, Schwangere, Stillende, Frauen mit Kinderwunsch und Menschen mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion, einer Autoimmunerkrankung oder Epilepsie sollen melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel nicht ohne ärztliche Kontrolle einnehmen. Wer ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes hat oder andere Arzneimittel nimmt, holt vorher ärztlichen Rat ein.
Überdosierung
Nach Überdosierungen wurde vor allem Schläfrigkeit berichtet, meist leicht bis mittelschwer; der Wirkstoff dürfte innerhalb von etwa zwölf Stunden ausgeschieden sein. Offen ist vor allem die Frage der Dauer: Eine Menge, bis zu der eine regelmäßige Aufnahme über Lebensmittel als unbedenklich gelten kann, konnte das BfR nicht ableiten. Manche Menschen bauen Melatonin langsam ab, etwa im höheren Alter oder wegen bestimmter Erbanlagen des Leberenzyms CYP1A2; bei täglicher Einnahme kann sich der Spiegel dann aufbauen.
Nächster Schritt
Bevor du etwas einnimmst: Lass dich beraten, zum Beispiel in deiner Hausarztpraxis oder deiner Apotheke. Bring vorhandene Laborwerte mit, und sag, welche Medikamente du nimmst.
Mehr zu den Themen findest du oben unter Wofür und in der Themenübersicht.
Quellen
Alle 24 Quellen anzeigen
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