Aminosäure
L-Tryptophan
Auch bekannt als: Tryptophan

Kurz erklärt
L-Tryptophan ist eine Aminosäure, die der Körper braucht, aber nicht selbst bilden kann; sie muss mit der Nahrung kommen. Als Baustein steckt sie in fast jedem Eiweiß, im Mittel etwa 10 mg je Gramm Protein. Reich daran sind etwa Nüsse und Mandeln, Samen wie Sesam, Kürbis- und Sonnenblumenkerne, Sojabohnen, Getreide, Milch und Käse, Eier, Huhn und Fisch.
Der Körper baut L-Tryptophan in eigenes Eiweiß ein und stellt daraus mehrere Stoffe her. Der größte Teil, etwa 95 Prozent, wird über den sogenannten Kynurenin-Weg abgebaut, auf dem auch das Vitamin Niacin entsteht; 60 mg Tryptophan zählen dabei so viel wie 1 mg Niacin. Nur wenige Prozent werden zum Botenstoff Serotonin, aus dem vor allem die Zirbeldrüse nachts das Hormon Melatonin bildet. Ins Gehirn gelangt Tryptophan über einen Transporter, um den es mit anderen großen neutralen Aminosäuren wie Leucin, Isoleucin, Valin, Phenylalanin und Tyrosin konkurriert. Davon zu unterscheiden ist 5-Hydroxytryptophan (5-HTP), die Zwischenstufe auf dem Weg zum Serotonin: ein eigener Stoff, der als Arzneistoff in Deutschland verschreibungspflichtig ist.
Isoliert gibt es L-Tryptophan in Deutschland auf zwei Wegen: als Arzneimittel, das bei Schlafstörungen zugelassen und apothekenpflichtig ist, und in Nahrungsergänzungsmitteln, die angezeigt, aber nicht auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft werden. Zur Behandlung depressiver Erkrankungen unterliegt Tryptophan der Verschreibungspflicht. Eine EU-Gesundheitsaussage ist für L-Tryptophan nicht zugelassen.
1989 erkrankten in den USA viele Menschen, die L-Tryptophan eingenommen hatten, am Eosinophilie-Myalgie-Syndrom, einer seltenen Erkrankung mit Muskelschmerzen, vermehrten eosinophilen Blutzellen und Entzündungen in mehreren Organen. Bis August 1990 wurden der US-Gesundheitsbehörde CDC 1.536 Fälle und 27 Todesfälle gemeldet. Die Fälle ließen sich auf Tryptophan eines einzelnen japanischen Herstellers zurückführen, das unter geänderten Produktionsbedingungen entstanden war; welcher Stoff die Krankheit genau auslöste, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Der britische Ausschuss für Toxizität und ein Expertenworkshop knüpfen ihre Einschätzung einer unbedenklichen Menge ausdrücklich an L-Tryptophan in Arzneibuchqualität.
Als Baustein von Eiweiß ist L-Tryptophan Bestandteil üblicher Lebensmittel. Isoliert ist es in der EU in Nahrungsergänzungsmitteln im Handel, auch mit 500 bis 1000 mg; dass es darin nicht als neuartiges Lebensmittel gilt, hat nach einem Bericht der europäischen Lebensmittelbehörden (2024) eine Arbeitsgruppe auf EU-Ebene bestätigt. Einheitliche Höchstmengen für solche Stoffe gibt es in der EU nicht, und je nach Staat kann ein Produkt auch als Arzneimittel gelten. Derselbe Bericht zählt Tryptophan zu 13 Stoffen, für die ein EU-Verfahren zum Verbot oder zur Beschränkung nach Artikel 8 der Verordnung (EG) Nr. 1925/2006 vorrangig in Frage kommt, weil Nahrungsergänzungsmittel die übliche Zufuhr weit übersteigen und nationale Bewertungen ein Risiko sehen. Eine zugelassene Gesundheitsaussage gibt es nicht. Die EFSA sah 2011 keinen Beleg dafür, dass L-Tryptophan zu normalem Schlaf, zur Stimmung, zur geistigen Leistungsfähigkeit oder zum Körpergewicht beiträgt, und die Liste zugelassener Angaben (Verordnung (EU) Nr. 432/2012) enthält keine Angabe zu L-Tryptophan. In Deutschland ist L-Tryptophan zugleich Arzneistoff: Tabletten mit 500 mg sind bei Schlafstörungen zugelassen und apothekenpflichtig, zur Behandlung depressiver Erkrankungen ist Tryptophan verschreibungspflichtig. Nahrungsergänzungsmittel werden beim BVL angezeigt, aber nicht auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft.
Wofür
Durchschlafprobleme
- Erste Hinweise
Für das Durchschlafen gibt es erste Hinweise. Eine Metaanalyse von 2022 trug 18 Studien zu L-Tryptophan und Schlaf zusammen, konnte aber nur die Daten von vier gemeinsam auswerten: Darin verkürzte L-Tryptophan die Zeit, die man nach dem Einschlafen wach liegt, mit 1 g am Tag oder mehr deutlicher als mit weniger; auf die übrigen Schlafmaße hatte es keinen Einfluss. In einer placebokontrollierten Studie mit 98 gesunden jungen Erwachsenen lag die mit einem Bewegungsmesser gemessene Wachzeit nach einer Woche mit 1 g am Abend um etwa fünf Minuten pro Nacht niedriger, die Schlafeffizienz um einen Prozentpunkt höher; in den Schlaftagebüchern zeigte sich kein Unterschied. Eine ältere Übersicht hält weniger Wachzeit und längeren Schlaf für möglich, aber für schwächer belegt als ein schnelleres Einschlafen.
Die in Deutschland zugelassenen Arzneimittel mit L-Tryptophan sind für die Schlafbereitschaft und das Einschlafen bestimmt, nicht für das Durchschlafen.
Was dagegen spricht
Die Effekte sind klein und stehen auf schmaler Grundlage. Welche Menschen die vier Studien der Metaanalyse untersuchten, geht aus ihrer Zusammenfassung nicht hervor. Die fünf Minuten weniger Wachzeit wurden bei jungen Erwachsenen gemessen, die im Mittel gut schliefen und selbst keinen Unterschied bemerkten. Bei Menschen mit Insomnie verringerte eine kleine Studie mit 250 mg die selbst notierte Wachzeit um knapp zehn Minuten; die amerikanische Fachgesellschaft für Schlafmedizin hielt das für klinisch nicht bedeutsam, sah zugleich eine um etwa 20 Minuten kürzere Gesamtschlafzeit und rät mit schwacher Empfehlung davon ab, Tryptophan bei Ein- oder Durchschlafstörungen einzusetzen. Die EFSA fand in derselben Studie in der Hauptauswertung keine Wirkung und sah 2011 keinen Beleg dafür, dass L-Tryptophan zu normalem Schlaf beiträgt. Die deutsche S3-Leitlinie gibt zu L-Tryptophan keine Empfehlung, und Erfahrungen mit einer längeren Einnahme fehlen.
Quellen: Quelle 1, Quelle 2, Quelle 3, Quelle 4, Quelle 5, Quelle 6, Quelle 7, Quelle 8
Einschlafprobleme
- Erste Hinweise
- Studien sprechen dagegen
In Deutschland sind Tabletten mit 500 mg L-Tryptophan als Arzneimittel zugelassen, um bei Schlafstörungen die Schlafbereitschaft zu fördern und das Einschlafen zu erleichtern; vorgesehen ist 1 g, 20 bis 30 Minuten vor dem Schlafengehen, und nach drei bis vier Wochen soll geprüft werden, ob die Einnahme weiter nötig ist. Die Studien dazu sind überwiegend klein und stammen aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Übersichtsarbeiten aus dieser Zeit beschreiben, dass Mengen ab 1 g schläfrig machen und das Einschlafen verkürzen können, am ehesten bei leichten Einschlafproblemen; bei chronischer Insomnie zeigte sich ein Effekt eher spät oder erst nach dem Absetzen. In einer Schlaflaborstudie mit 20 jungen Männern mit chronischer Einschlafstörung verkürzten 3 g am Abend die Einschlafzeit erst ab der vierten Nacht, um rund elf Minuten gegenüber Placebo. Darauf beruhen die ersten Hinweise.
Andere Befunde bestätigen das nicht; darauf bezieht sich „Studien sprechen dagegen“. Eine Metaanalyse von 2022 fand bei den gemeinsam auswertbaren Studien nur eine kürzere Wachzeit in der Nacht und keinen Einfluss auf die übrigen Schlafmaße, und die größte der älteren Studien sah mit 1 g in der Behandlungswoche keinen Unterschied zu Placebo. Die amerikanische Fachgesellschaft für Schlafmedizin rät mit schwacher Empfehlung davon ab, Tryptophan bei Ein- oder Durchschlafstörungen einzusetzen. Die deutsche S3-Leitlinie gibt zu L-Tryptophan keine Empfehlung; an erster Stelle steht dort die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie.
Was dagegen spricht
Die Studien widersprechen sich. In der größten älteren Studie nahmen 96 Menschen mit ausgeprägter Insomnie eine Woche lang abends 1 g L-Tryptophan, eines von zwei Schlafmitteln oder Placebo: Unter Tryptophan schliefen sie in dieser Woche nicht schneller ein als unter Placebo, erst in der Woche nach dem Absetzen schneller als zu Beginn. In einer Studie mit 39 Menschen mit chronischer Insomnie zeigte sich ein Vorteil von 2 g nur in der Gruppe, die mit der vollen Menge begann. Bei 98 gesunden jungen Erwachsenen änderte 1 g am Abend über eine Woche die Einschlafzeit weder im Schlaftagebuch noch im Bewegungsmesser. Ein systematischer Review von 2011 nennt die Beleglage bei chronischer Insomnie gemischt.
Die amerikanische Fachgesellschaft für Schlafmedizin stützt ihre schwache Empfehlung gegen Tryptophan auf eine Studie mit 250 mg, die keinen klinisch bedeutsamen Nutzen zeigte. Die EFSA sah 2011 keinen Beleg dafür, dass L-Tryptophan zu normalem Schlaf beiträgt: Die einzige verwertbare Studie, mit 57 Erwachsenen mit Insomnie über drei Wochen, fand in der Hauptauswertung keine Wirkung. Die meisten Studien sind klein, kurz und Jahrzehnte alt, und Erfahrungen mit einer längeren Einnahme fehlen.
Quellen: Quelle 1, Quelle 2, Quelle 3, Quelle 4, Quelle 5, Quelle 6, Quelle 7, Quelle 8, Quelle 9, Quelle 10, Quelle 11, Quelle 12, Quelle 13
Anwendung
Formen und Einnahme
- Tabletten mit 500 mg (Arzneimittel)In Deutschland zugelassen, um bei Schlafstörungen die Schlafbereitschaft zu fördern und das Einschlafen zu erleichtern; apothekenpflichtig, aber ohne Rezept erhältlich. Zur Behandlung depressiver Erkrankungen ist Tryptophan verschreibungspflichtig.
- Kapseln, Tabletten und Pulver als NahrungsergänzungsmittelIn der EU sind Produkte mit 500 bis 1000 mg im Handel. In einer Untersuchung solcher Produkte fanden sich Abbauprodukte von Tryptophan und teils fremde Stoffe wie Melatonin; meist enthielten sie weniger Tryptophan als angegeben und setzten es schlecht frei.
- Kombinationen mit MelatoninDas BfR fand in einer Produktdatenbank unter 84 melatoninhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln in Deutschland zehn, die zusätzlich 150 bis 500 mg L-Tryptophan am Tag enthielten. Studien, die solche Kombinationen mit den einzelnen Stoffen vergleichen, fehlen; das BfR hält stärkere Müdigkeit und mehr Nebenwirkungen für möglich.
Die zugelassenen Arzneimittel werden 20 bis 30 Minuten vor dem Schlafengehen mit etwas Flüssigkeit eingenommen. Vorgesehen ist 1 g am Tag, auf ärztlichen Rat bis 2 g. Erfahrungen mit einer Langzeitbehandlung gibt es nicht; nach drei bis vier Wochen soll geprüft werden, ob die Einnahme noch nötig ist. Für Kinder und Jugendliche ist L-Tryptophan nicht vorgesehen, weil Erfahrungen fehlen. Es kann auch bei richtiger Anwendung das Reaktionsvermögen so weit dämpfen, dass Autofahren und die Arbeit an Maschinen unsicher werden, mit Alkohol noch mehr.
Eiweißreiche Mahlzeiten bringen die Aminosäuren mit, die mit Tryptophan um den Weg ins Gehirn konkurrieren. Kohlenhydrate verschieben das Verhältnis zugunsten von Tryptophan: Insulin lenkt die übrigen Aminosäuren in die Muskeln, während Tryptophan im Blut größtenteils an ein Eiweiß gebunden bleibt. Die Fachinformation macht zur Mahlzeit keine Vorgaben.
Für Nahrungsergänzungsmittel gibt es keine abgesicherte Obergrenze, und die Einschätzungen gehen weit auseinander. Das BfR sieht deutliche Unsicherheiten, vor allem bei längerer Einnahme, und leitet mangels Daten keinen eigenen Wert ab. Der britische Ausschuss für Toxizität schlug 2004 vorläufig höchstens 220 mg isoliertes L-Tryptophan am Tag vor, die norwegische Risikobewertung sah schon in 250 bis 450 mg am Tag ein mögliches Risiko, die spanische Lebensmittelbehörde hielt 300 mg für vertretbar. Im Handel sind Produkte mit 500 bis 1000 mg. Welche Mengen worauf beruhen, zeigt die Dosis-Übersicht.
Dosis-Übersicht
| Grundlage | Menge | Einordnung |
|---|---|---|
| Offizielle EmpfehlungReferenzwert, z. B. von DGE oder EFSA | 280–350 mg pro Tag | Erwachsene mit 70 kg Körpergewicht · Zufuhrempfehlung für die gesamte Ernährung, keine Empfehlung für ein Nahrungsergänzungsmittel: WHO und das US-amerikanische Institute of Medicine nennen 4 beziehungsweise 5 mg je Kilogramm Körpergewicht und Tag, was das BfR für 70 kg in etwa 280 und 350 mg umrechnet. DGE und EFSA haben für L-Tryptophan keinen eigenen Referenzwert festgelegt; die EFSA gibt den WHO-Wert von 4 mg wieder und hält Bedarfswerte für einzelne Aminosäuren noch für ungenau. Da L-Tryptophan in fast jedem Eiweiß steckt, kommt diese Menge mit der üblichen Ernährung leicht zusammen: In den USA nahmen Erwachsene im Mittel gut 800 mg am Tag auf. |
| ArzneimittelDosierung laut EU-Monographie oder Zulassung eines Arzneimittels | 1–2 g pro Tag | Erwachsene mit Schlafstörungen · Dosierung der in Deutschland zugelassenen Tabletten mit 500 mg L-Tryptophan: täglich 1 g, 20 bis 30 Minuten vor dem Schlafengehen mit etwas Flüssigkeit, auf ärztliche Empfehlung bis 2 g. Nach drei bis vier Wochen soll geprüft werden, ob die Behandlung noch nötig ist. Apothekenpflichtig; zur Behandlung depressiver Erkrankungen ist Tryptophan verschreibungspflichtig. Für Kinder und Jugendliche nicht vorgesehen. |
| In Studien genutztSpanne aus ausgewerteten Studien | 1–3 g pro Tag | Erwachsene mit Insomnie oder Einschlafstörung, gesunde Erwachsene · Tagesmengen reinen L-Tryptophans in placebokontrollierten Schlafstudien, abends eingenommen, meist eine Woche lang: 1 g (96 Menschen mit ausgeprägter Insomnie; 98 gesunde junge Erwachsene), 2 g (39 Menschen mit chronischer Insomnie) und 3 g (20 junge Männer mit Einschlafstörung, sechs Nächte). Die Ergebnisse sind uneinheitlich; in einer Metaanalyse sank die nächtliche Wachzeit mit 1 g oder mehr deutlicher als mit weniger. Ab 3 g am Tag wurden häufiger unerwünschte Wirkungen beschrieben.
Quellen: Quelle 1, Quelle 2, Quelle 10, Quelle 11, Quelle 12, Quelle 17 |
Keine persönliche Dosisempfehlung. Sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke, besonders wenn du Medikamente nimmst.
Risiken
Nebenwirkungen
Die Fachinformation nennt Schwindel, Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit und Müdigkeit, ohne Häufigkeiten angeben zu können; bei Menschen mit Bluthochdruck wurde eine blutdrucksenkende Wirkung beobachtet. Das Reaktionsvermögen kann nachlassen. In einer Studie mit 98 Gesunden, die zwölf Tage lang 3 g am Tag nahmen, traten Kopfschmerzen, Benommenheit, Magenbeschwerden und Schläfrigkeit etwas häufiger auf als unter Placebo, der Unterschied war aber statistisch nicht gesichert. Nach den Studien, die die norwegische Risikobewertung auswertete, führten 3 g am Tag und mehr zu Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Schwächegefühl, Schwindel, Schläfrigkeit, Zittern, Müdigkeit und Kopfschmerzen.
Wechselwirkungen
- Antidepressiva aus den Gruppen der MAO-Hemmer und der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, z. B. Fluoxetin, Fluvoxamin, ParoxetinSchwer
Zusammen kann ein Serotonin-Syndrom entstehen, mit Verwirrtheit, übersteigerter Hochstimmung, Fieber, Muskelzuckungen, gesteigerten Reflexen, Zittern, Durchfall und Blutdruckanstieg, in schweren Fällen mit Blutdruckabfall, Koma und Schock. Laut Fachinformation darf L-Tryptophan deshalb nicht zusammen mit diesen Mitteln eingenommen werden. Der Bericht der europäischen Lebensmittelbehörden nennt auch weitere serotonerg wirkende Antidepressiva wie SNRI und trizyklische Antidepressiva.
- Weitere MAO-Hemmer wie Selegilin, Procarbazin oder FurazolidonSchwer
Die Fachinformation mahnt zur Vorsicht; ein Serotonin-Syndrom lässt sich auch mit diesen Mitteln nicht ausschließen.
- Trizyklische Antidepressiva und LithiumMittel
Ihre Wirkungen können verstärkt werden.
- Phenothiazine und BenzodiazepineMittel
Die Fachinformation mahnt zur Vorsicht. Bei gleichzeitiger oder vorausgegangener Behandlung traten gelegentlich gesteigertes sexuelles Verlangen, vorübergehende Bewegungsstörungen und Parkinson-ähnliche Beschwerden auf.
Quelle: Quelle 4
- Dextromethorphan (in frei verkäuflichen Hustenmitteln)Mittel
Die Fachinformation mahnt bei gleichzeitiger Einnahme zur Vorsicht und weist eigens darauf hin, dass der Wirkstoff in rezeptfreien Hustenmitteln steckt.
Quelle: Quelle 4
- LevodopaMittel
Tryptophan kann die Wirkung abschwächen, weil beide um die Aufnahme aus dem Darm und den Transport ins Gehirn konkurrieren.
- Carbamazepin und PhenytoinGering
Carbamazepin kann die Wirkung von L-Tryptophan verstärken, Phenytoin sie abschwächen.
Quelle: Quelle 4
- Arzneimittel mit starker Bindung an Bluteiweiße, z. B. DigitoxinMittel
Ihre Wirkung kann verstärkt werden.
Quelle: Quelle 4
- OpioideGering
Laut Fachinformation vermindert Tryptophan die Gewöhnung an Opiate.
Quelle: Quelle 4
- AlkoholMittel
Verstärkt die Beeinträchtigung von Reaktionsvermögen und Fahrtüchtigkeit.
Quelle: Quelle 4
- Melatonin, auch in KombinationsproduktenMittel
Beide machen müde und haben teils dieselben Nebenwirkungen, etwa Kopfschmerzen. Das BfR hält eine verstärkte schlaffördernde oder dämpfende Wirkung und mehr Nebenwirkungen für möglich; Studien zur Kombination fehlen.
Quelle: Quelle 14
Wer es nicht nehmen sollte
Laut Fachinformation darf L-Tryptophan nicht eingenommen werden bei schwerer Leberinsuffizienz, hepatischer Enzephalopathie, schweren Nierenerkrankungen und Niereninsuffizienz, bei einer Herzschädigung durch eine seltene hormonbildende Erkrankung des Dünndarms (Hedinger-Syndrom), bei Überempfindlichkeit und zusammen mit Antidepressiva aus den Gruppen der MAO-Hemmer und der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Bei Bluthochdruck ist Vorsicht geboten. In Schwangerschaft und Stillzeit nur nach strenger ärztlicher Abwägung, weil ausreichende Daten fehlen: Im Tierversuch starben mehr Embryonen ab, und bei längerer Einnahme in der Schwangerschaft wurden beim Ungeborenen vermehrte Atembewegungen beobachtet. Für Kinder und Jugendliche fehlen Erfahrungen.
Von Nahrungsergänzungsmitteln mit L-Tryptophan rät das BfR Schwangeren und Stillenden ab; für Kinder und Jugendliche lässt sich das Risiko mangels Daten nicht bewerten. Der Bericht der europäischen Lebensmittelbehörden nennt außerdem Menschen, die Antidepressiva nehmen, und Menschen mit Nierenversagen.
Überdosierung
Deutliche Überdosierungen und akute Vergiftungen sind laut Fachinformation nicht bekannt, abhängig macht L-Tryptophan nicht. Möglich wären Zeichen eines Serotonin-Syndroms und Erbrechen. Offen ist vor allem die Dauer: Studien zu unerwünschten Wirkungen einer längeren Einnahme gibt es kaum, und das BfR kann deshalb nicht sagen, ab welcher Menge erste unerwünschte Wirkungen auftreten. In einer kleinen Studie mit 17 gesunden Frauen fanden sich bis 5 g am Tag keine unerwünschten Wirkungen, und ein Expertenworkshop hielt 2016 für junge gesunde Erwachsene bis 4,5 g am Tag für sicher; andere Gremien setzen für Nahrungsergänzungsmittel 220 bis 300 mg am Tag an.
Nächster Schritt
Bevor du etwas einnimmst: Lass dich beraten, zum Beispiel in deiner Hausarztpraxis oder deiner Apotheke. Bring vorhandene Laborwerte mit, und sag, welche Medikamente du nimmst.
Mehr zu den Themen findest du oben unter Wofür und in der Themenübersicht.
Quellen
Alle 17 Quellen anzeigen
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