Naturheilkunde
Systemische Enzymtherapie
Kurz erklärt
Die systemische Enzymtherapie ist ein Verfahren der Naturheilkunde. Dabei werden eiweißspaltende Enzyme als Tabletten geschluckt, etwa Bromelain aus der Ananas, Papain aus der Papaya oder Trypsin, oft zusammen mit dem Pflanzenstoff Rutosid. Die Tabletten des zugelassenen Arzneimittels sind magensaftresistent überzogen. Anders als Verdauungsenzyme sollen die Enzyme nach diesem Konzept nicht beim Verdauen helfen, sondern über das Blut im ganzen Körper wirken, vor allem auf Entzündungen und Schwellungen. Das Konzept geht auf Max Wolf und Helene Benitez zurück, die es in den 1950er Jahren entwickelten.
In Deutschland ist eine Kombination aus Bromelain, Trypsin und Rutosid als Arzneimittel zugelassen: zur unterstützenden Behandlung Erwachsener bei Schwellungen, Entzündungen oder Schmerzen nach Verletzungen, bei oberflächlicher Venenentzündung, bei Entzündungen der Harn- und Geschlechtsorgane, bei schmerzhafter, aktivierter Arthrose und bei Weichteilrheumatismus. Daneben werden Enzyme wie Bromelain und Papain als Nahrungsergänzungsmittel verkauft, unter anderem zum Abnehmen; nach der Verbraucherzentrale bauen sie aber kein Fett ab.
Wie es wirken soll
- Erste Hinweise
- Studien sprechen dagegen
Nach dem Konzept der systemischen Enzymtherapie gelangt ein Teil der geschluckten Enzyme unzerlegt aus dem Darm ins Blut. Dort binden sie sich nach der Erklärung der Befürworter an das körpereigene Eiweiß Alpha-2-Makroglobulin, das Botenstoffe der Entzündung abfängt, und sollen so Entzündung und Schwellung dämpfen. Die Übersichten, die diese Kette beschreiben, stammen von Autorinnen und Autoren mit Verbindungen zu Herstellern.
Gesichert ist weniger. In einer Untersuchung an 19 gesunden Männern fand sich nach mehrtägiger Einnahme tatsächlich ein kleiner Teil Bromelain unzerlegt und zum Teil noch aktiv im Blut. Ob so kleine Mengen im Gewebe etwas ausrichten, ist nicht gezeigt.
Bei Arthrose von Knie und Hüfte schnitten Enzym-Kombinationen in mehreren randomisierten Studien über drei bis zwölf Wochen ähnlich ab wie das Schmerzmittel Diclofenac, mit weniger Nebenwirkungen; in der einzigen Studie mit Placebo lagen Enzyme und Diclofenac im Hauptmaß beide vorn. Die Studien sind meist klein, mehrere davon mit dem Hersteller verbunden. Eine Übersicht aus einer Krankenversicherung fand 2003 in allen damals auswertbaren Studien schwere methodische Mängel und sah die Enzyme nicht als begründeten Ersatz für entzündungshemmende Schmerzmittel. Bei frisch verstauchten Sprunggelenken fand eine große Studie mit 721 Menschen keinen Vorteil gegenüber Placebo.
Quellen: Quelle 1, Quelle 2, Quelle 3, Quelle 4, Quelle 5, Quelle 6, Quelle 7, Quelle 8, Quelle 9, Quelle 10, Quelle 11, Quelle 12, Quelle 13
Wofür
Noch keine geprüften Anwendungen.
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Risiken
In den Arthrose-Studien wurden die Enzyme meist gut vertragen, mit weniger unerwünschten Ereignissen als unter Diclofenac. Die Gebrauchsinformation des zugelassenen Arzneimittels nennt als gelegentliche Nebenwirkungen Völlegefühl, Blähungen, veränderten Stuhl und asthmaähnliche Beschwerden, als seltene allergische Reaktionen mit Hautausschlag, Juckreiz oder Hautrötung und Magen-Darm-Krämpfe. Bei Zeichen einer allergischen Reaktion wie Atembeschwerden oder Hautausschlag mit Juckreiz oder Rötung beendest du nach der Gebrauchsinformation die Einnahme und gehst zum Arzt.
Nach der Gebrauchsinformation vermindern die Enzyme die Blutgerinnung. Das Arzneimittel darf deshalb nicht genommen werden bei angeborenen oder erworbenen Gerinnungsstörungen, zusammen mit Mitteln, die die Blutgerinnung beeinflussen, und unmittelbar vor einer Operation; vor einer geplanten Operation wird es nach der Gebrauchsinformation in jedem Fall vier Tage vorher abgesetzt, sag der behandelnden Praxis also rechtzeitig, dass du es nimmst. Ebenfalls nicht nehmen dürfen es Menschen mit einer Allergie gegen die Wirkstoffe oder gegen Ananas, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, Schwangere und Stillende sowie Menschen mit schweren Leber- oder Nierenschäden. Zusammen mit Antibiotika, besonders Tetrazyklinen, Sulfonamiden und Amoxicillin, steigen deren Spiegel in Blut und Urin; die Praxis passt die Dosis des Antibiotikums dann an.
Ob das auch für Nahrungsergänzungsmittel mit Bromelain oder Papain gilt, sagt die Gebrauchsinformation nicht. Nimmst du Blutverdünner, auch ASS, oder steht eine Operation an, besprich solche Präparate deshalb vorher mit deiner Praxis. Sind die Beschwerden nach 14 Tagen nicht abgeklungen, rät die Gebrauchsinformation zum Arzt, weil eine Erkrankung dahinterstecken kann, die ärztlich behandelt werden muss.
Häufige Fragen
Hilft Enzymtherapie bei Arthrose?
- Erste Hinweise
Es gibt erste Hinweise, aber keinen sicheren Beleg. In mehreren randomisierten Studien bei Knie- und Hüftarthrose besserten sich Schmerzen und Beweglichkeit unter einer Kombination aus Bromelain, Trypsin und Rutosid über drei bis zwölf Wochen ähnlich wie unter Diclofenac, mit weniger Nebenwirkungen. Nur eine Studie mit 150 Menschen hatte zusätzlich eine Placebogruppe; dort lagen die Enzyme im Hauptmaß vor Placebo, in einem zweiten Fragebogen nicht. Die Studien sind meist klein, mehrere davon mit dem Hersteller verbunden. Eine Übersicht aus einer Krankenversicherung fand 2003 schwere methodische Mängel und sah die Enzyme nicht als begründeten Ersatz für entzündungshemmende Schmerzmittel. In Deutschland ist die Kombination als Arzneimittel zur unterstützenden Behandlung schmerzhafter, aktivierter Arthrose zugelassen.
Quellen: Quelle 4, Quelle 5, Quelle 6, Quelle 7, Quelle 8, Quelle 12
Bringen Enzyme etwas bei Sportverletzungen und Schwellungen?
- Erste Hinweise
- Studien sprechen dagegen
Bei einer frischen Verstauchung des Sprunggelenks eher nicht: In der größten Studie mit 721 Menschen war die Kombination aus Rutosid, Bromelain und Trypsin nach einer Woche bei Schmerz, Beweglichkeit und Schwellung nicht besser als Placebo. Bei gesunden Sportlerinnen und Sportlern nach einer erschöpfenden Muskelbelastung fand eine vom Hersteller bezahlte Studie gemischte Ergebnisse, insgesamt keinen Unterschied bei Kraft und Schmerz. Nach Kieferoperationen war die Schwellung in einer kleinen Studie mit 30 Menschen unter Enzymen geringer.
Kommen geschluckte Enzyme überhaupt im Blut an?
- Erste Hinweise
Ein kleiner Teil schon. Lange galt, dass der Darm Eiweiße vor der Aufnahme vollständig zerlegt. In einer Untersuchung an 19 gesunden Männern ließ sich geschlucktes Bromelain nach einigen Tagen aber unzerlegt und zum Teil noch aktiv im Blut nachweisen, gebunden an körpereigene Eiweiße. Eine Übersicht fasst weitere Messungen zusammen, nach denen die Aufnahme klein ist und von Mensch zu Mensch stark schwankt; ihr Autor arbeitet für den Hersteller. Dass die Enzyme ins Blut gelangen, heißt noch nicht, dass sie dort Entzündungen dämpfen: Das zeigen erst Studien mit Beschwerden, und deren Ergebnisse sind gemischt.
Wer sollte keine Enzympräparate nehmen?
- Teilweise belegt
Nach der Gebrauchsinformation des zugelassenen Arzneimittels nicht: Menschen mit Gerinnungsstörungen oder unter gerinnungshemmenden Mitteln, wer unmittelbar vor einer Operation steht, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, Schwangere und Stillende, Menschen mit schweren Leber- oder Nierenschäden und wer allergisch auf die Wirkstoffe oder auf Ananas reagiert. Mit einigen Antibiotika steigen deren Spiegel. In den Arthrose-Studien traten unerwünschte Ereignisse seltener auf als unter Diclofenac. Nimmst du Blutverdünner, auch ASS, oder steht eine Operation an, besprich auch Nahrungsergänzungsmittel mit Bromelain oder Papain vorher mit deiner Praxis.
Quellen
Alle 13 Quellen anzeigen
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- Gebrauchsinformation eines in Deutschland zugelassenen Kombinationsarzneimittels aus Bromelain, Trypsin und Rutosid (magensaftresistente Tablette, für Erwachsene), Stand August 2026. Patienteninfo-Service (Gebrauchsinformationen der Zulassungsinhaber), 2026SonstigesZur Quelle
- Nahrungsergänzungsmittel zum Abnehmen: wenig wirksam bis gefährlich (Stand 30. Juli 2026). Verbraucherzentrale (Klartext Nahrungsergänzung), 2026WebsiteZur Quelle
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