Durchfall
Warnzeichen: Bitte zuerst lesen
Ruf sofort den Notruf 112, wenn du das bemerkst:
- Verwirrtheit, Ohnmacht oder kaum noch ansprechbar, bläuliche, graue oder fleckige Haut oder Lippen oder schwere Atemnot, bei dir oder bei jemandem, den du versorgst
Das können Zeichen sein, dass der Körper gefährlich viel Flüssigkeit verloren hat und der Kreislauf versagt oder dass eine schwere Infektion den ganzen Körper erfasst. Wähle 112.
- Plötzliche, sehr starke Bauchschmerzen, Erbrechen von Blut oder Erbrochenes, das wie Kaffeesatz oder grün aussieht
Das gehört sofort in ärztliche Hände. Wähle 112.
Lass das sofort ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Du kannst nichts trinken, ohne es zu erbrechen, oder hast Schwindel beim Aufstehen, Herzrasen, kaum Urin oder sehr dunklen Urin
Das sind Zeichen, dass dein Körper zu viel Flüssigkeit und Salze verloren hat. Dann ist schnelle ärztliche Hilfe nötig; manchmal braucht es Flüssigkeit über die Vene.
- Blut im Stuhl, rot oder schwarz, oder hohes Fieber
Lass das ärztlich abklären; dann kann eine Stuhluntersuchung sinnvoll sein. Nimm in diesem Fall kein Loperamid: Die Leitlinie sieht es nur ohne Fieber und ohne Blut im Stuhl vor.
- Fieber und Durchfall nach einer Reise in ein Malariagebiet
Die Leitlinie verlangt dann sofort einen Test auf Malaria. Eine Malaria kann zeitweise auch ohne Fieber verlaufen, erzähl deshalb in der Praxis immer von der Reise.
- Ein Baby oder Kleinkind mit Durchfall trinkt schlecht, will nicht mehr an die Brust oder die Flasche oder hat weniger nasse Windeln
Kleine Kinder verlieren schnell gefährlich viel Flüssigkeit. Hol noch heute ärztlichen Rat, bei einem Baby unter einem Jahr schon, wenn du dir Sorgen machst. Loperamid sollen Kinder laut Leitlinie nicht bekommen, andere Mittel gegen Durchfall nur nach ärztlicher Rücksprache.
Lass das ärztlich abklären, wenn du das bemerkst:
- Keine Besserung nach 48 Stunden, Durchfall länger als eine Woche oder Schleim auf dem Stuhl
Lass die Ursache ärztlich abklären. Dauert der Durchfall länger als zwei Wochen, empfiehlt die Leitlinie eine Stuhluntersuchung.
- Durchfall während oder nach einer Behandlung mit Antibiotika oder nach einem Krankenhausaufenthalt
Dahinter kann der Darmkeim Clostridioides difficile stecken. Die Leitlinie empfiehlt dann eine Stuhluntersuchung, auch wenn die Antibiotika bis zu drei Monate zurückliegen.
- Du bist über 70, schwanger oder hast Diabetes, eine Krebserkrankung oder eine geschwächte Abwehr
Dann kann Durchfall schneller schwer verlaufen. Hol früh ärztlichen Rat, statt lange abzuwarten.
Notruf: 112 · TelefonSeelsorge: 0800 111 0 111 · TelefonSeelsorge: 0800 111 0 222 · Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
Kurz erklärt
Akuter Durchfall ist meist eine Magen-Darm-Infektion, oft durch Noroviren, und klingt in der Regel nach wenigen Tagen bis einer Woche von selbst ab. Am wichtigsten ist, verlorene Flüssigkeit und Salze zu ersetzen, bei starkem Durchfall mit einer Trinklösung aus der Apotheke. Bei Blut im Stuhl, hohem Fieber, Schwindel oder ohne Besserung nach 48 Stunden gehört er ärztlich abgeklärt.
Erwachsene ohne Fieber und ohne Blut im Stuhl können laut der deutschen Leitlinie kurzzeitig Loperamid nehmen. Antibiotika braucht es meist nicht. Eine strenge Diät ist nicht nötig: Iss, was du gewohnt bist und verträgst; leichte Kost wie Reis, Kartoffeln oder Bananen eignet sich gut.
Probiotika, Heilerde, Kohle und pflanzliche Durchfallmittel empfiehlt die Leitlinie bei Magen-Darm-Infektionen nicht, weil sie in guten Studien nichts änderten oder kaum untersucht sind. Getrocknete Heidelbeeren, Blutwurz und Odermennig sind in der EU aufgrund langer Anwendung als traditionelle Mittel bei leichtem Durchfall anerkannt, nicht aufgrund von Wirksamkeitsstudien.
- Gut belegt2 Aussagen
- Teilweise belegt6 Aussagen
- Erste Hinweise3 Aussagen
- Traditionell genutzt3 Aussagen
- Studien sprechen dagegen2 Aussagen
Sichtweisen im Vergleich
Schulmedizin
- Gut belegt
- Teilweise belegt
Von Durchfall spricht man, wenn innerhalb von 24 Stunden mindestens dreimal sehr weicher oder flüssiger Stuhl kommt. Akut steckt meist eine Infektion dahinter, in Deutschland am häufigsten mit Noroviren; auch Rotaviren und Bakterien wie Campylobacter und Salmonellen sind häufig. Erwachsene erkranken im Schnitt etwa einmal im Jahr. Die meisten Infektionen klingen von selbst ab; bei Salmonellen oder Campylobacter dauert der Durchfall im Mittel sieben bis acht Tage.
Die wichtigste Behandlung ist nach der deutschen Leitlinie, Flüssigkeit und Salze zu ersetzen. Eine Stuhluntersuchung empfiehlt sie nur, wenn sich daraus etwas ergibt, etwa bei Blut im Stuhl, schwerem Verlauf, Durchfall über zwei Wochen, geschwächter Abwehr, Antibiotika in den letzten drei Monaten oder Arbeit mit Lebensmitteln. Antibiotika sollen bei unkompliziertem Verlauf in der Regel nicht gegeben werden.
Erwachsene ohne Fieber und ohne Blut im Stuhl können Loperamid für weniger als 48 Stunden nehmen. In Studien sank damit die Zahl der Stuhlgänge um ein bis zwei am Tag, und die Beschwerden endeten je nach Studie bis zu zwei Tage früher; die Studien betrafen allerdings meist Reisende, oft zusammen mit Antibiotika. Racecadotril, das die Abgabe von Wasser in den Darm bremst, wirkte in Studien ähnlich gut. Kinder sollen Loperamid nach der Leitlinie nicht bekommen.
Ernährung
- Teilweise belegt
- Erste Hinweise
Eine besondere Durchfall-Diät braucht es nicht. Die deutsche Leitlinie rät ohne Austrocknung von strengen Diäten und Teepausen ab: Du darfst essen, was du gewohnt bist und verträgst. Kleinere Mahlzeiten sind bei Übelkeit vermutlich günstiger. Gut geeignet ist leichte, fett- und ballaststoffarme Kost wie gekochte Kartoffeln, Nudeln, Reis oder Haferflocken mit etwas Salz, Suppen, gekochtes Gemüse, Salzstangen, Bananen oder milder Joghurt. Ob du Milch weglassen solltest, ist nicht geklärt; die Datenlage dazu ist schwach.
Wichtiger als das Essen ist das Trinken. Die Leitlinie rät Erwachsenen zu Hause, nach jedem Durchfall Wasser, Tee oder verdünnte Säfte zu trinken, insgesamt mehr als zwei Liter am Tag. Wasser allein ersetzt aber keine Salze; dazu passen Salzstangen oder Hühnerbrühe. Bei starkem Durchfall ist eine Trinklösung aus der Apotheke besser, weil ihr Verhältnis von Zucker und Salzen dem Darm hilft, Wasser aufzunehmen. Pure Fruchtsäfte, Limonaden und Cola sind ungeeignet, denn viel Zucker kann den Durchfall verstärken. gesund.bund.de rät außerdem, Kaffee, Alkohol und fettige Speisen vorerst zu meiden.
Pflanzenheilkunde
- Traditionell genutzt
Für drei Heilpflanzen erkennt die EU eine lange Anwendung bei leichtem Durchfall an. Die EU-Monographien führen getrocknete Heidelbeeren, den Wurzelstock der Blutwurz (Tormentill) und Odermennigkraut als traditionelle pflanzliche Arzneimittel zur Linderung von leichtem Durchfall, zum Beispiel als Tee. Diese Anerkennung beruht allein auf langer Anwendung, nicht auf Wirksamkeitsstudien. Halten die Beschwerden länger als drei Tage an oder werden sie schlimmer, sollst du laut den Monographien ärztlichen Rat holen, bei Blutwurz und Odermennig auch bei wiederkehrendem Durchfall oder blutigem Stuhl. Blutwurz kann die Aufnahme anderer Medikamente verzögern; die Monographie rät deshalb zu mindestens einer Stunde Abstand, und Übelkeit oder Erbrechen sind möglich. Für Kinder unter zwölf Jahren empfehlen die Monographien keines der drei Mittel, Blutwurz auch nicht für Jugendliche unter 18; in Schwangerschaft und Stillzeit raten sie von Blutwurz und Odermennig ab, weil Daten fehlen.
Die deutsche Leitlinie zu Magen-Darm-Infektionen ist zurückhaltender: Sie rät bei einer akuten Infektion von pflanzlichen Durchfallmitteln ab, weil kontrollierte Studien fehlen.
Naturheilkunde
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
- Studien sprechen dagegen
Zu den überlieferten Hausmitteln bei Durchfall gehören Heilerde, medizinische Kohle, getrocknetes Apfelpulver, Gerbstoffe wie Tannin, Myrrhe und die Uzarawurzel, ein traditionelles Durchfallmittel aus dem südlichen Afrika. Die deutsche Leitlinie rät bei einer akuten Magen-Darm-Infektion von all diesen Mitteln ab, weil aus ihrer Sicht kontrollierte Studien fehlen; Nebenwirkungen sind allerdings nicht bekannt. Zu Uzara gibt es nach einer Übersicht nur Labor- und Tierversuche. Zu medizinischer Kohle fand sich eine ältere, kleine Studie aus zwei Hausarztpraxen mit 100 Erwachsenen, in der der Stuhlgang mit Kohle ab dem dritten Tag deutlich seltener wurde als mit einem Scheinmittel. gesund.bund.de hält den Nutzen von Kohletabletten dennoch nicht für ausreichend belegt.
Auch Probiotika, also lebende Bakterien oder Hefen, sollen nach der Leitlinie bei akutem Durchfall nicht eingesetzt werden: In den zwei verlässlichsten Studien, beide mit Kindern, hatten damit genauso viele länger als zwei Tage Durchfall wie ohne; für Erwachsene gibt es kaum Studien. Hefetabletten sind laut gesund.bund.de für schwer Kranke und Menschen mit sehr geschwächter Abwehr ungeeignet, weil die Hefen selbst eine Infektion auslösen könnten.
TCM
- Erste Hinweise
- Traditionell genutzt
Die Traditionelle Chinesische Medizin sieht akuten Durchfall nicht als einheitliches Bild, sondern unterscheidet Muster. Nach dieser Lehre kann etwa feuchte Hitze im Darm dahinterstehen, ein Nahrungsstau in Magen und Darm, von außen eindringende Kälte und Feuchtigkeit oder eine Schwäche von Milz und Magen. In einer chinesischen Auswertung von 465 Menschen mit akutem infektiösem Durchfall ordneten die Fachleute mehr als die Hälfte der feuchten Hitze im Darm zu; im Herbst kam dieses Muster am häufigsten vor.
In China werden bei akutem Durchfall Kräuterrezepturen eingesetzt, in Studien meist zusätzlich zur üblichen Behandlung. In einer Übersicht von 12 Studien mit 1.240 Erkrankten verkürzte die Abkochung Gegen Qinlian zusammen mit westlicher Medizin die Dauer von Durchfall, Bauchschmerzen und Fieber. In 44 Studien mit 4.153 Erkrankten schnitten Huoxiang-Zhengqi-Pillen zusammen mit der üblichen Behandlung besser ab als diese allein und senkten das Fieber schneller. Beide Übersichten stufen die Qualität der Studien als niedrig ein und fordern bessere Studien; ob sich die Ergebnisse auf die Behandlung hierzulande übertragen lassen, ist offen.
Häufige Fragen
Was hilft schnell gegen Durchfall?
- Gut belegt
- Teilweise belegt
Das Wichtigste zuerst: Ersetze verlorene Flüssigkeit und Salze, denn der Flüssigkeitsverlust ist das, was Durchfall gefährlich machen kann. Trink nach jedem Durchfall, bei starkem Durchfall am besten eine Trinklösung aus der Apotheke. Hast du als Erwachsener kein Fieber und kein Blut im Stuhl, kannst du laut Leitlinie Loperamid für weniger als 48 Stunden nehmen; in Studien gab es damit ein bis zwei Stuhlgänge weniger am Tag. Racecadotril wirkte ähnlich. Beide lindern nur die Beschwerden, nicht die Ursache. Probiotika, Kohle und Heilerde empfiehlt die Leitlinie nicht.
Wann sollte ich mit Durchfall zum Arzt?
- Teilweise belegt
Wenn es nach 48 Stunden nicht besser wird, bei hohem Fieber, Blut im Stuhl (rot oder schwarz), Schleim auf dem Stuhl oder starken Schmerzen. Schnelle Hilfe brauchst du bei Schwindel oder Kreislaufproblemen und wenn du nichts trinken kannst, ohne es zu erbrechen: Dann hat der Körper zu viel Flüssigkeit verloren. Ärztlicher Rat ist auch wichtig bei Durchfall nach Antibiotika oder einem Krankenhausaufenthalt, bei Fieber nach einer Reise in ein Malariagebiet und für Menschen über 70, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen oder geschwächter Abwehr. Bei Verwirrtheit, Ohnmacht oder plötzlichen, sehr starken Bauchschmerzen wähle 112.
Helfen Probiotika bei Durchfall?
- Studien sprechen dagegen
Nach heutigem Wissen kaum. Ein Cochrane-Review fasste 82 Studien mit über 12.000 Teilnehmenden zusammen, fast alle Kinder, nur 412 Erwachsene. In den zwei verlässlichsten Studien mit 1.770 Kindern hatten mit Probiotika genauso viele 48 Stunden oder länger Durchfall wie ohne. Die Auswertung fand außerdem Hinweise, dass vor allem kleine Studien mit gutem Ergebnis veröffentlicht wurden. Die deutsche Leitlinie empfiehlt Probiotika bei akuter Magen-Darm-Infektion deshalb nicht; für Erwachsene gibt es kaum eigene Studien. Schwere Nebenwirkungen fanden sich keine, Hefetabletten sind laut gesund.bund.de aber für schwer Kranke und Menschen mit sehr geschwächter Abwehr ungeeignet.
Wie lange ist man bei Magen-Darm-Grippe ansteckend?
- Teilweise belegt
Bei Noroviren, dem häufigsten Auslöser, bist du während der Erkrankung hoch ansteckend und laut Robert Koch-Institut vor allem noch in den ersten 48 Stunden, nachdem Durchfall und Erbrechen aufgehört haben. Ausgeschieden wird das Virus meist noch ein bis zwei Wochen, selten länger, und schon 10 bis 100 Viren können anstecken. Wasch dir deshalb gründlich die Hände mit Seife, nutz wenn möglich eine eigene Toilette, wasch Wäsche bei mindestens 60 Grad und koch nicht für andere. Wer mit Lebensmitteln arbeitet, darf mit der Erkrankung nicht arbeiten und soll frühestens zwei Tage nach dem Ende der Beschwerden wieder anfangen; der britische Gesundheitsdienst rät das allen Berufstätigen.
Ist Cola mit Salzstangen gut bei Durchfall?
- Teilweise belegt
Die Salzstangen ja, die Cola eher nicht. Die deutsche Leitlinie hält Cola und andere Limonaden zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlusts für ungeeignet: Sie enthalten viel Zucker, der den Durchfall verstärken kann, und zu wenig Salze im richtigen Verhältnis. Salzstangen zählt sie dagegen zu den gut geeigneten Speisen. Bei leichtem Durchfall genügen Wasser, Tee oder verdünnte Säfte zusammen mit etwas Salzigem oder Hühnerbrühe. Verlierst du viel Flüssigkeit, ist eine Trinklösung aus der Apotheke besser, weil Zucker und Salze darin genau abgestimmt sind.
Wer dir helfen kann
Für Fragen zu deiner persönlichen Situation sind Fachleute die richtige Anlaufstelle: deine Hausarztpraxis, deine Apotheke oder Heilpraktiker:innen mit Zulassung.
Fachleute finden Dazu ist noch niemand im Verzeichnis.
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Quellen
- S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen (AWMF-Register 021-024), Version 2.1. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), 2023LeitlinieZur Quelle
- Durchfall (gesund.bund.de). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), 2024Behörde / amtliche StelleZur Quelle
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- European Union herbal monograph on Agrimonia eupatoria L., herba (EMA/HMPC/680597/2013). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC), 2015MonographieZur Quelle
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Was die Evidenz-Labels bedeuten, erklären wir unter So ordnen wir ein.