Astrologie
Mondkalender
Kurz erklärt
Ein Mondkalender ordnet Tätigkeiten nach dem Stand des Mondes: nach den Mondphasen, also zunehmendem Mond, Vollmond, abnehmendem Mond und Neumond, und nach dem Tierkreiszeichen, durch das der Mond gerade wandert. Moderne Mondkalender geben Ratschläge für Garten und Haushalt, Körperpflege und Gesundheit. Dahinter steht die astrologische Annahme, dass die Stellungen des Mondes und Vorgänge auf der Erde einander entsprechen.
Die Wurzeln reichen in die Medizin des Mittelalters und der frühen Neuzeit. „Lassbriefe“ und Kalender nannten günstige Zeiten für Aderlass, Schröpfen und Abführen, Bauernpraktiken und Bauernkalender gaben Regeln für Aussaat und Ernte. Die Vorstellung, es handle sich um uraltes Bauernwissen, entstand nach dem Volkskundler Helmut Groschwitz erst im 19. Jahrhundert.
Seit den 1990er-Jahren sind Mondkalender wieder weit verbreitet. Den Anstoß gab vor allem ein Ratgeber von Johanna Paungger und Thomas Poppe von 1991, der die Regeln als überliefertes Tiroler Bauernwissen vorstellte; Mondkalender erscheinen seither in Millionenauflage. Ein so geschlossenes Regelwerk lässt sich nach Groschwitz in historischen Quellen nicht nachweisen: Es ist eine moderne Zusammenstellung aus älteren Bausteinen.
Wie es wirken soll
- Traditionell genutzt
- Studien sprechen dagegen
Die Regeln der Tradition: Der Mond wandert in gut zwei Tagen durch ein Tierkreiszeichen, und jedem Zeichen ist in der astrologischen Tradition ein Körperteil zugeordnet. Die Melothesie, die Lehre von diesen Zuordnungen, beginnt beim Widder am Kopf und endet bei den Fischen an den Füßen; die Waage steht für Lenden und Nieren, der Löwe unter anderem für Herz und Rücken, der Steinbock für die Knie. In der Medizin des Mittelalters galt daraus die oberste Regel: Einen Körperteil behandelt man nicht, solange der Mond in seinem Zeichen steht. Man fürchtete, das Blut könne beim Aderlass dann wie eine Flut unaufhaltsam strömen; der Merksatz wurde Ptolemäus zugeschrieben. Kalender des 15. Jahrhunderts rieten außerdem, junge Menschen bei zunehmendem, alte bei abnehmendem Mond zur Ader zu lassen.
Heutige Mondkalender übertragen das auf Operationen. In der medizinischen Astrologie gelten Eingriffe bei Vollmond und an Tagen, an denen der Mond im Zeichen der operierten Körperregion steht, als ungünstig; auch der zunehmende Mond gilt dort als ungünstiger Zeitpunkt. Der abnehmende Mond soll nach diesen Kalendern alles begünstigen, was mit einem Verschwinden zu tun hat.
Die Tierkreiszeichen sind nicht die Sternbilder. Die Zeichen teilen den Tierkreis in zwölf gleiche Abschnitte; durch die Präzession der Erdachse sind sie heute um rund ein Zeichen gegen die gleichnamigen Sternbilder verschoben. Kalender nach den Zeichen und Kalender nach den Sternbildern, wie die anthroposophischen, nennen deshalb Termine, die im Schnitt gut zwei Tage auseinanderliegen.
Was Studien fanden: Bei knapp 28.000 Operationen in Homburg hingen Blutverlust und Zahl der Notoperationen weder von der Mondphase noch vom Tierkreiszeichen ab. Nach 278 Nierentransplantationen von lebenden Spendern in München unterschieden sich Komplikationen und Überleben nicht, auch nicht, wenn der Mond in der Waage stand. Bei 5.923 künstlichen Kniegelenken in Tirol spielte die Mondphase keine Rolle. In einer Schweizer Studie mit 924 Bandscheibenoperationen waren Komplikationen während des Eingriffs bei zunehmendem Mond rund 1,5-mal so wahrscheinlich wie bei abnehmendem, das Ergebnis nach vier Wochen war aber nicht schlechter und Folgeoperationen nicht häufiger; Vollmond und der Mond im Löwen, dem Zeichen des Rückens, spielten keine Rolle. Die Autoren konnten den Befund nicht erklären und sahen keinen Grund, Termine nach dem Mondkalender zu wählen.
Bei 564.039 Geburten in North Carolina und knapp 463.000 in Österreich fand sich kein Einfluss des Mondes auf die Zahl der Geburten, auf Geburtskomplikationen oder die Gesundheit der Neugeborenen; eine französische Auswertung von 38,7 Millionen Geburten fand am Vollmondtag nur einen sehr kleinen Überschuss. In einer Notaufnahme mit rund 151.000 Besuchen war an Vollmondtagen nicht mehr los, und psychiatrische Aufnahmen hingen in Graubünden und San Diego nicht von der Mondphase ab. Eine ältere Metaanalyse von 37 Studien fand nach den Wikipedia-Überblicken keinen bedeutsamen Zusammenhang zwischen Mondphasen und menschlichem Verhalten. Zum Schlaf ist das Bild gemischt: Eine kleine Basler Laborstudie fand um Vollmond kürzeren und weniger tiefen Schlaf, spätere, größere Auswertungen kamen nach dem Wikipedia-Überblick zu uneinheitlichen Ergebnissen; mehr dazu auf der Themenseite „Schlecht schlafen bei Vollmond“.
„Traditionell genutzt“ gilt für die Regeln des Mondkalenders und ihre Herkunft. „Studien sprechen dagegen“ gilt für die Annahme, Mondphase oder Mondzeichen beeinflussten den Verlauf von Operationen, die Zahl der Geburten oder den Andrang in Notaufnahmen und psychiatrischen Kliniken.
Quellen: Quelle 1, Quelle 2, Quelle 3, Quelle 4, Quelle 5, Quelle 6, Quelle 7, Quelle 8, Quelle 9, Quelle 10, Quelle 11, Quelle 12, Quelle 13, Quelle 14, Quelle 15, Quelle 16, Quelle 17
Wofür
Noch keine geprüften Anwendungen.
Wer das anbietet
Für Fragen zu deiner persönlichen Situation sind Fachleute die richtige Anlaufstelle: deine Hausarztpraxis, deine Apotheke oder Heilpraktiker:innen mit Zulassung.
Fachleute finden Dazu ist noch niemand im Verzeichnis.
Risiken
Ein Mondkalender ist ein Kalender, keine Behandlung. Heikel wird er erst, wenn er über einen medizinischen Termin bestimmt. Verschiebe eine nötige oder dringende Operation oder Behandlung nie wegen des Mondes: Die Studien fanden keinen verlässlichen Vorteil bestimmter Mondtage für das Ergebnis.
Ist dir ein Termin nach dem Mond wichtig, sprich offen mit dem Behandlungsteam darüber. Die Autorinnen und Autoren einer Münchner Transplantationsstudie raten Ärztinnen und Ärzten, solche Wünsche ernst zu nehmen und zu berücksichtigen, solange die Behandlung nach dem Stand der Medizin und die Abläufe der Klinik nicht darunter leiden. Ein Wunschtermin kann Ängste vor dem Eingriff mildern; umgekehrt kann die Sorge, am „falschen“ Tag operiert zu werden, belasten. Für diese Sorge geben die Studien Entwarnung.
Der Mondkalender ist höchstens begleitend und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Behandlung.
Häufige Fragen
Sollte man eine Operation nach dem Mondkalender planen?
- Studien sprechen dagegen
Medizinisch spricht nichts dafür. Auswertungen aus Kliniken und Registern fanden keinen Einfluss von Mondphase oder Mondzeichen: weder auf Blutverlust und Notoperationen bei knapp 28.000 Eingriffen der Allgemein-, Bauch- und Gefäßchirurgie noch auf Komplikationen und Überleben nach 278 Nierentransplantationen oder auf die Haltbarkeit von 5.923 künstlichen Kniegelenken. Eine Schweizer Studie sah bei zunehmendem Mond häufiger Komplikationen während Bandscheibenoperationen, aber kein schlechteres Ergebnis danach; die Autoren selbst sahen darin keinen Grund für eine Terminwahl nach dem Mond. Ist dir ein bestimmter Termin wichtig und die Operation planbar, sprich mit dem Behandlungsteam darüber. Eine nötige oder dringende Operation solltest du nie wegen des Kalenders verschieben.
Kommen bei Vollmond mehr Babys zur Welt?
- Studien sprechen dagegen
Kaum. Bei 564.039 Geburten in North Carolina fand sich über fünf Jahre kein Unterschied zwischen den Mondphasen, weder bei der Zahl der Geburten noch bei Komplikationen. Eine landesweite Auswertung von knapp 463.000 Geburten in Österreich kam zum selben Ergebnis. Eine französische Auswertung von 38,7 Millionen Geburten aus 50 Jahren fand dagegen am Vollmondtag und am Tag danach einen sehr kleinen, statistisch aber deutlichen Überschuss. Den Grund haben die Autoren nicht untersucht; sie vermuten eine sich selbst erfüllende Erwartung.
Ist bei Vollmond in der Notaufnahme mehr los?
- Studien sprechen dagegen
Nach den Studien nicht. In einer Notaufnahme mit rund 151.000 Besuchen in vier Jahren gab es an Vollmondtagen nicht mehr Patientinnen und Patienten, nicht mehr Rettungswageneinsätze und nicht mehr stationäre Aufnahmen. Auch psychiatrische Aufnahmen hingen nicht vom Mond ab, weder bei knapp 18.000 Behandlungsfällen in Graubünden noch bei 8.473 Aufnahmen und 1.909 Notfällen in San Diego. Eine ältere Metaanalyse von 37 Studien fand nach dem Wikipedia-Überblick keinen bedeutsamen Zusammenhang zwischen Mondphasen und menschlichem Verhalten. Dass der Eindruck trotzdem verbreitet ist, beruht nach demselben Überblick vermutlich auf einer Scheinkorrelation: Auffällige Nächte verbindet man eher mit dem Vollmond als ruhige.
Quellen: Quelle 5, Quelle 13, Quelle 14, Quelle 15, Quelle 16
Warum soll man nicht operieren, wenn der Mond im passenden Sternzeichen steht?
- Traditionell genutzt
- Studien sprechen dagegen
Die Regel stammt aus der Medizin des Mittelalters. Nach der Melothesie gehört zu jedem Tierkreiszeichen ein Körperteil, vom Widder für den Kopf bis zu den Fischen für die Füße. Weil der Mond die Gezeiten lenkt, fürchtete man, beim Aderlass könne das Blut wie eine Flut unaufhaltsam strömen, wenn der Mond gerade im Zeichen dieses Körperteils stand. Heutige Mondkalender übertragen die Regel auf Operationen. Geprüft wurde sie bei Nierentransplantationen an Tagen mit dem Mond in der Waage, dem Zeichen der Nieren, und bei Bandscheibenoperationen an Tagen mit dem Mond im Löwen, dem Zeichen des Rückens: Komplikationen und Ergebnisse waren dort nicht schlechter als an anderen Tagen.
Was ist dran am Mondkalender?
- Traditionell genutzt
- Studien sprechen dagegen
Als Tradition einiges, als Gesundheitsregel wenig. Der Mondkalender knüpft an Aderlass- und Bauernkalender aus Mittelalter und früher Neuzeit an; das heutige geschlossene Regelwerk ist nach volkskundlicher Forschung aber eine Zusammenstellung des 20. Jahrhunderts. Rund elf Prozent der Menschen in Deutschland sind nach Angaben einer Münchner Studie überzeugt, dass Mondphasen und Mondzeichen ihre Gesundheit beeinflussen. Wo große Auswertungen die Gesundheitsregeln geprüft haben, bei Operationen, Geburten und Klinikaufnahmen, fanden sie keinen bedeutsamen Einfluss des Mondes. Als Grundlage für Entscheidungen über eine Behandlung tragen die Studien ihn deshalb nicht.
Quellen: Quelle 1, Quelle 2, Quelle 6, Quelle 7, Quelle 10, Quelle 14
Quellen
Alle 17 Quellen anzeigen
- Helmut Groschwitz. Moderne Mondkalender aus Sicht der Volkskunde. mondzeiten.info; zuerst erschienen in: Skeptiker 2/2007, 2007WebsiteZur Quelle
- Mondkalender (Astrologie). Wikipedia, die freie Enzyklopädie (CC BY-SA 4.0), 2026WebsiteZur Quelle
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